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Das zweite Leben des Helmut Bührle Wenn man Helmut Bührle von ›Laura Chavin‹ fragt, welche Daten in seinem Leben ihm besonders wichtig waren, antwortet er ohne nachzudenken: 1988, als seine einzige und geliebte Tochter Laura Chavin das Licht der Welt erblickte; dann 1992, als er beschloß, seine Arbeit als Modedesigner zu beenden und eigene Cigarren herauszubringen; schließlich 1998, als die erste Cigarre mit dem Namen seiner Tochter in den deutschen Tabakgeschäften erschien. Dem fügt Herr Bührle, der mit 44 Jahren seinen Beruf wechselte, noch einen weiteren Satz zu im Sinne einer Heldin aus einem sowjetischen Kinofilm: »Jetzt weiß ich: Mit 40 fängt das Leben erst an. Das zweite, echte Leben.« ![]() Was brachte den erfolgreichen Designer Helmut Bührle dazu, seine Profession grundlegend zu ändern und sich mit Cigarren zu befassen? Ich hoffe, daß ich auch weiterhin ein guter Designer bleibe [lächelt.] Aber ich hasse das Wort »Designer«. Es ist zu einfach und zu allgemein und erfaßt nicht das ganze Spektrum. Die Begriffe »Künstler« oder »Konstrukteur« sind da genauer. Mir scheint, daß ein Mensch, der für jemand anderen arbeitet, egal auf welchem Gebiet, ein Problem hat: Er ist gezwungen, viel zu viel von sich selbst zu geben, von seiner Kraft, seiner Zeit, seiner physischen Gesundheit, seinem Glück und seinen Lebensjahren. Er gibt, ohne etwas zurückzubekommen. Du kreierst eine hervorragende Sache, begreifst, daß sie dir gelungen ist, stellst dein Werk vor, und dann kommt eine Bemerkung von der Seite: »Das ist alles ganz gut, aber ein Detail muß geändert werden.« Und genau an diesem Detail hing deine ganze Seele, und deine Arbeit, in die du soviel Kraft gesteckt hast, ist hin. Ich habe lange Zeit für berühmte Modehäuser gearbeitet, für ›Ferré‹, ›Hermès‹, ›Dior‹, ›Byblos‹, und zigmal habe ich die Frage gehört: »Wann fängst du endlich an, für dich selbst zu arbeiten?« Aber Sie hätten zum Beispiel Ihre eigene Modefirma gründen können, statt sich mit Cigarren zu beschäftigen! Wissen Sie, Cigarren sind meine Familie. Die Eltern meiner Mutter, meine Großeltern, beschäftigten sich mit Tabakverkauf und Tabakwaren. Als meine Mutter erwachsen wurde, stellte sich ihr nie die Frage, was sie werden sollte. Sie trat in die Fußstapfen ihrer Eltern. Sie war Mitglied des Verbands ›Principal Pipe Dealers‹, den Alfred Dunhill in London gegründet hatte. Ihr Tabakgeschäft in Stuttgart, in dem Erzeugnisse von ›Dunhill‹ und sämtliche der bereits damals begehrten Havannas verkauft wurden, war wohl bekannt unter den Rauchern. Mein Vater war immer an ihrer Seite und half ihr, das Geschäft zu führen. In der Kindheit sagten meine Eltern zu mir: »Hör mal, Junge. Merk dir für dein ganzes Leben: Wenn du älter wirst, kehrst du zu deinen Wurzeln zurück.« ![]() Hat Ihre Mutter geraucht? Meine Mutter rauchte ausschließlich Cigarren. Sie waren wie »braunes Gold« für sie, ihr Lieblingsname dafür. Dadurch erregte sie ungewollt Aufsehen. Stellen Sie sich die 50er Jahre vor: ein luxuriöser Empfang, im Sessel sitzt eine Dame und raucht Cigarre … Das war eine Provokation. Ein solches Benehmen war damals in Deutschland gleichbedeutend mit »Rotlicht«! Eine Kindheitsgeschichte hat sich mir eingeprägt: Ich war acht. Meine Mutter und ich sitzen in einem Hotel in Hamburg. Sie raucht eine Cigarre, der Maître d’hôtel kommt zu ihr und macht eine Bemerkung. Meine Mutter ignoriert seine Worte, nimmt mich an die Hand und sagt stolz: »Wir gehen, Helmut! Man wird uns hier nie verstehen!« Meine Mutter hat sich nie in Nichtrauchertaxen gesetzt. Für sie war Rauchen die Inkarnation von Freiheit oder, wenn Sie wollen, von weiblicher Unabhängigkeit und sogar von Stärke. Wir hatten stets ein Prinzip in unserer Familie: »Egal, was wir tun, wir machen es hervorragend, egal, was es uns kostet.« Ich wollte eine perfekte Cigarre kreieren. Deswegen hatte ich auch keine Angst, ihr einen mir sehr teuren Namen zu geben: ›Laura Chavin‹, zu Ehren meiner Tochter Laura. Wahrscheinlich war es nicht gerade einfach, den Produzenten für eine »perfekte« Cigarre zu finden. Wie haben Sie mit Ihrer Suche angefangen? Lange und sehr vorsichtig habe ich über diese Frage nachgedacht, in drei Richtungen. Erstens: Wer baut wo und wie Tabak an? Zweitens: Wer rollt wo und wie Cigarren? Drittens: Wie viele Cigarren möchte ich jährlich anfertigen? Natürlich stehen all diese Dinge in direktem Zusammenhang, und ich muß anmerken, daß die Frage nach der Quantität der hergestellten Cigarren für mich nie die wichtigste war, sondern die nach der Qualität: Ich bin nach dem Prinzip vorgegangen: »Je weniger, desto besser!« Diese Regel, die am Anfang von mir aufgestellt wurde, zieht sich durch alle Produktionsetappen. Deshalb entschied ich mich, die Cigarren in der Dominikanischen Republik herzustellen mit Hilfe der Firma ›Tabacalera de García‹ in La Romana. Egal, welches Buch über die Kultivierung von Tabak und die Herstellung von Cigarren Sie aufschlagen, Sie werden stets diese Firma unter den besten darin finden, als Pionier des Cigarrenwesens. Aber ›Tabacalera de García‹ ist eine große Fabrik, in der etliche Marken hergestellt werden. Da existiert eine Serienproduktion in hohen Stückzahlen! Das stimmt, es ist eine große Cigarrenmanufaktur, in der Marken wie ›Montecristo‹, ›H. Upmann‹, ›Romeo y Julieta‹ für den amerikanischen Markt hergestellt werden. Gemeinsam mit dem Direktor der Manufaktur, José Seijas, haben wir eine exklusive ›Laura Chavin‹-Produktion »innerhalb« der riesigen Produktion aufgebaut, in der bestimmte Cigarrenmacher sich ausschließlich mit der ›Laura Chavin‹ beschäftigen. Den Tabak dafür liefert Siegfried Maruschke, einer der besten nichtkubanischen Tabakhersteller. Er hat große Plantagen in der Dominikanischen Republik und Fermentierungshäuser im ganzen Land. Obwohl der Tabak von Maruschke sehr teuer ist, gibt es potentielle Käufer, die Schlange stehen, und Maruschke selbst entscheidet, wem er seinen Tabak verkauft und wem nicht. Warum hat er sich dafür entschieden, mit Ihnen zusammenzuarbeiten? Er ist ein alter Freund meiner Mutter, den ich von klein auf kenne. Ich gehörte von jeher »zur Familie«, und deshalb zögerte Siegfried keinen Augenblick, mich zu unterstützen. Er ist Deutscher, ist aber vor einigen Jahrzehnten in die Dominikanische Republik ausgewandert und hat dort die Tochter von José Menéndez geheiratet, einem der weltberühmtesten Pioniere, den Tabakanbau und die hochwertige Kultivierung von Longfiller-Tabaken betreffend. Siegfried wurde zu meinem Lehrer und größten Helfer: Er liefert mir nicht nur den Tabak, sondern kontrolliert auch die Produktion von ›Laura Chavin‹. Er war einer von den Leuten, die mich in meiner Entscheidung, eigene Cigarren herzustellen, unterstützten. Siegfried nennt mich einen »positiv Verrückten«. Meiner Meinung nach paßt dieser Vergleich zu allen Fanatikern ihrer Sache, von denen es in der Cigarrenindustrie leider nicht gerade viele gibt. Ihren Worten kann man entnehmen, daß es nicht allzu viele Leute gab, die an Ihren Erfolg glaubten? Die Sache ist die, daß nahezu alle Freunde meiner Eltern, die Beziehungen zur Tabakindustrie haben, damals einstimmig behaupteten, daß bei der Cigarrenvielzahl, die es heute in der Welt gibt, meine Marke nicht die geringste Chance hätte. Vor 13 Jahren, als ich gerade anfing, nannten mich frühere Kollegen, Menschen, brave Häuslebauer, deren Leben sich in vorgezeichneten Bahnen abspielt, einen Verrückten, titulierten mich offen als unbelehrbaren Visionär. Viele sagten, ich hätte einen schlechten Busineßplan, weil ich soviel Kapitalinvestitionen benötigte. Einzig meine Familie unterstützte mich. Heute, wenn ich die Früchte meiner Arbeit betrachte, habe ich allen Grund, mich zu freuen. Es gibt die Auffassung, daß man den Prozeß vom Tabakanbau bis zur Verpackung unbedingt vor Ort nachverfolgen müßte. Aber wie können Sie von Deutschland aus kontrollieren, was in der Dominikanischen Republik passiert? Sie haben recht und unrecht zugleich. Einerseits wäre es besser, wenn ich persönlich den ganzen Prozeß kontrollieren würde. Selbst meine engsten Geschäftspartner, Siegfried und José, werden nie zu 100 Prozent meine Gedanken, meinen Kopf und mein Herz haben. Andererseits kann ich mir niemals deren Wissen und deren Kenntnisse aneignen. Sie sind absolute Profis auf ihrem Gebiet. Verstehen Sie: Ganz gleich, wo ich mich befinde, ich kann immer beruhigt einschlafen, da ich meine Cigarren und Tabake immer in zuverlässigen Händen weiß. Das heißt jedoch nicht, daß ich mich nicht von der Stelle bewege. Ich reise ständig in Cigarrenländer, gehe auf die Felder. Dabei blicke ich immer nach vorn. Ich weiß, wo meine Firma in fünf bis zehn Jahren sein muß. Eine logische Frage: Wo wird ›Laura Chavin‹ in zehn Jahren sein? Was ist Ihr Plan? Da haben Sie mich erwischt (lacht). Ich möchte nicht nach vorn preschen und meine Gedanken ausposaunen, die strategische Entwicklung der Firma betreffend. Ich sage eins: Wir haben große Ziele – Ziele, die von uns bereits dann realisiert werden, wenn die anderen sie noch gar nicht sehen. Nur ein Beispiel: Auf der Tabakmesse im September präsentieren wir unsere neueste Cigarrenkreation, deren Namen ich noch nicht preisgeben kann. Das ist eine Cigarre, gefertigt aus original Kuba-Tabaken, die in Kuba angebaut und geerntet wurden und erst zur Fermentation und Weiterverarbeitung nach ›Laura Chavin‹-Standart in die Dominikanische Republik gebracht wurden. Hier wird die neueste ›Laura Chavin‹-Kreation mit dem Anspruch gefertigt, dem Connaisseur eine Geschmacksentfaltung zu geben, wie sie die Havannas vor 30 Jahren hatten. Damit erklimmen wir eine noch höhere Qualitätsstufe, als wir sie bereits mit unserem Anspruch an eine optimale Cigarrenlagerung – selbst über Jahre hinweg – bereits erreicht haben. Ich möchte, daß Cigarren, so wie guter Wein, mit den Jahren besser werden. Und wer weiß? Vielleicht rauchen wir beide in zehn Jahren eine Cigarre, die gerade heute gerollt wurde und die die ganze Zeit in den Kellergewölben unseres Firmensitzes ›Schloß Hochdorf‹ gelagert hat … Apropos Schloß: Ist es Zufall, daß sich das Stabsquartier Ihrer Firma in einem alten Schloß befindet, in dem Sie selbst auch wohnen? Als ich darüber nachdachte, die ›Laura Chavin‹ herauszubringen, suchte ich nach einem Ort für das Stabsquartier der Firma – mit den besten Bedingungen zur Aufbewahrung von Cigarren. Gleichzeitig sollte der Firmensitz eine Adresse für kultivierte Genußmenschen aus der ganzen Welt werden, ähnlich einem selbstverständlichen Synonym für wahre Cigarrenpassion auf höchstem Niveau. Als ich dann plötzlich vor dem über 350‑jährigen ›Schloß Hochdorf‹ stand, war mir klar, daß der Firmensitz für ›Laura Chavin‹ nur hier sein konnte. Der Rest war ein langwieriger bürokratischer und sehr kostenintensiver Prozeß. Es hat sich jedoch gelohnt. Die Kellergewölbe hier sind phantastisch. Als ob sie zur Aufbewahrung von Cigarren gebaut worden wären. Hier, unter natürlichen Bedingungen, herrschen nahezu die ideale Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Selbstverständlich haben wir hier noch einige technische Finessen eingebaut, um die optimale Lagerung zu gewährleisten. Heute sind die Tonnengewölbe ein »Fort Knox« und eine Pilgerstätte für Aficionados aus der ganzen Welt. Ich bin stolz darauf … es ist ein Detail des Firmenimages. Sie mögen pathetische Bilder. Eine Cigarre von ›Laura Chavin‹ heißt beispielsweise ›Pur Sang‹ [frz.: »Reines Blut«] … Ja, Sie haben recht. Aber sagen Sie selbst, der Name paßt doch ideal zu einer »reinblütigen« Cigarre. Man versteht, daß es sich um eine »Cigarre mit Anspruch« handelt. Für die Herstellung dieser Cigarre werden ausschließlich die obersten ›La Corona‹-Blätter der Tabakpflanze verwendet. Um diese maximal vier Blätter zu bekommen, muß man alle anderen Blätter vom Strauch entfernen. Das heißt, eine Pflanze gibt lediglich vier Blätter, die schwarz von der Sonne sind, angereichert mit Aromen und Mineralien, ideal für die Einlagemischung. Weltweit werden sehr wenige ›La Corona‹-Blätter jährlich geerntet. Es ist ein sehr teures Blatt. Doch nicht der Preis ist entscheidend für unsere Cigarrenproduktion, sondern die Qualität. Das ist auch durchweg bei unserer klassischen Cigarrenlinie so. Für das Deckblatt verwenden wir feinen, seidenweichen Connecticut Shade. Ein Kilogramm dieses Blatts hat vor fünf Jahren bereits circa 500 US-Dollar gekostet; heute ist es das Doppelte davon. Des weiteren werden die Blätter dieser Cigarren nicht zweimal, sondern vier- bis sechsmal fermentiert: Dabei erreichen sie das optimale Verhältnis zwischen Geschmack und Stärke der Cigarre. Genau dieses macht den feinen Unterschied zwischen Cigarren und Cigarren! Wie oft gibt es Neuerscheinungen in der Linie ›Laura Chavin‹? Dazu muß ich sagen, daß wir kein Interesse daran haben, ständig neue Cigarrenlinien auf den Markt zu bringen. . Wir haben eine klassische Linie mit neun verschiedenen Formaten. Das ist im Vergleich zu anderen Herstellern nicht sehr viel. Wir bringen nur dann neue Cigarren raus, wenn alle – die Käufer, die Partner und ich selbst – dazu bereit sind. Der Linie ›Pur Sang‹ muß man sich noch etwas differenzierter nähern wegen des immensen Ernteaufwands, von dem ich Ihnen erzählt habe. Ich bin stolz, daß es in der Linie ›Pur Sang‹ das kleine Format ›Chico‹ gibt. Dies ist ein für die Cigarrenmacher sehr schwieriges, aber für die Raucher sehr interessantes Format: In einer kurzen Zeitspanne hat man denselben Genuß wie bei einer großen kräftigen Cigarre. Es ist paradox, aber Cigarren vom Format ›Chico‹ sind genau so teuer wie großformatige Cigarren, wie zum Beispiel die ›Churchill‹ [zündet sich eine Cigarre an]. Genau wie mit den kleinformatigen ›No. 11‹, ›No. 77‹ und ›No. 88‹ der klassischen Linie hat ›Laura Chavin‹ insbesondere mit der ›Chico‹ die Welt erobert und Kultstatus erreicht. Sie haben sich jetzt eine ›Pur Sang‹ angezündet. Aus Snobismus und zu Werbezwecken? Und mögen Sie wirklich kleine Formate mehr? Ich rauche verschiedene Cigarren, aber immer ›Laura Chavin‹, und nicht zu Werbezwecken, sondern weil sie mir wirklich gefallen, weil ich vor allem auch Cigarren produziere, die ich selbst rauchen möchte. Ich mag verschiedene Formate. Tagsüber eine ›Corona‹ oder ›Half Corona‹, abends nach dem Abendessen eine ›Churchill‹, ›Double Corona‹ und verschiedene ›Figurados‹. Von der Linie ›Pur Sang‹ mag ich die ›Pyramid‹ am meisten. Zu besonderen Anlässen rauche ich eine Cigarre aus der limitierten Serie ›Concours des meilleurs conaisseurs 2004‹. Von 200 Kisten mit jeweils 50 Cigarren vom Format ›Double Corona‹/›Figurado‹ habe ich mir ein paar zur Seite gelegt, und das war richtig. Diese Serie wurde innerhalb weniger Tage aufgekauft, ging größtenteils nach Großbritannien, Deutschland und in die Schweiz. Warum nur in diese drei Länder? Ich nehme an, weil wir unsere Marke in diesen drei Ländern zuerst lancierten und unsere Partner bei derartigen Raritäten ihre Order bereits lange vor der offiziellen Marktpräsentation plazieren. Darüber hinaus bin ich hinsichtlich der internationalen Markenpräsenz sehr vorsichtig mit der Absatzmarkterweiterung von ›Laura Chavin‹. Verstehen Sie, für uns ist die Anzahl der Länder, in die wir unsere Cigarren liefern, nicht wichtig. Das wichtigste für uns ist es, einen Partner zu finden, der die Zielsetzung und die Vision unseres Hauses nach Möglichkeit eins zu eins auf dem jeweiligen lokalen Markt umzusetzen vermag. Ein Beispiel: In der Schweiz, wo der Cigarrenmarkt übersättigt ist und das Assortiment an kubanischen Cigarren riesig ist, erfreuen sich unsere Cigarren großer Nachfrage. Man hatte mir gesagt, daß es unmöglich sei, den Schweizer Markt zu erobern, aber unser Erfolg beweist das Gegenteil. Wollen Sie sagen, daß Laura Chavin Cigarren für Menschen sind, die in Ländern »mit entwickeltem Kapitalismus« leben? [Lacht] Das Wort »Kapitalismus« kann ich nicht ausstehen. Ich betrachte ›Laura Chavin‹ als eine Kultmarke. Das hat nichts mit Geld zu tun. Es ist eine Lebensphilosophie, eine Lebensposition. Es gibt Menschen, die ihr Leben lang Zwei-Dollar-Cigarren rauchen und glücklich sind. Aber es gibt auch Menschen, so wie ich, die es gewohnt sind, vom Leben stets das Beste zu bekommen. Damit ist nicht der Preis gemeint. Und wenn diese Menschen, junge und ältere, reiche und weniger reiche, meine Cigarren rauchen, freue ich mich, weil ich Geistesverwandte sehe, Menschen, die einen Sinn für Cigarren haben. Hätten Sie es gern, daß in der Zukunft Ihre Tochter Laura Chavin Bührle einmal den Firmenvorsitz übernimmt? Ich bin zu frei erzogen, um meiner Tochter die Berufswahl vorzuschreiben. Meine Mutter hat nie Druck auf mich ausgeübt, und mit Laura halte ich das genauso. Laura ist noch jung, sie ist erst siebzehn. Sie ist ein sehr schönes Mädchen. Seit ihrem elften Lebensjahr geht sie auf ein Internat. Vor kurzem waren wir beide zusammen auf Kuba und in der Dominikanischen Republik … Ich freue mich, daß Laura ihre Ferien jedes Jahr bei Siegfried Maruschke in der Dominikanischen Republik verbringt. Sie arbeitet in der Fabrik, in der die Cigarren hergestellt werden, die ihren Namen tragen, um sich ihr Taschengeld, fürs Handy zum Beispiel, zu verdienen. Letzten Sommer hat mir Siegfried einen Brief geschrieben: »Mein lieber Freund Helmut. Deine Tochter, die ich wie meine eigene liebe, hat so viel Tabak im Blut, daß sie nicht mehr ohne ihn leben kann.« Natürlich ist sie stolz darauf, daß die Cigarren ihren Namen tragen, dennoch bleibt sie ein siebzehnjähriges Mädchen, die ihre Jugend ohne jeglichen Erwartungsdruck genießen soll. Um aber auf Siegfried Maruschke zurückzukommen: Sein Gespür ist selten falsch. Interview: Swetlana Tarassowa |
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