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Tierische Gourmets Die verwinkelten Manöver kleiner Epikureer Ich wette, Sie ahnen nicht einmal, daß Ihnen der Krieg erklärt worden ist. Der Feind steht vor den Toren Ihres Humidors. Er ist gefräßig und fruchtbar. Selbst James Bond würde ihn um seine Fähigkeit beneiden, lange Zeit unbemerkt und unverletzbar zu bleiben. Nachdem Sie nun in den kriegerischen Konflikt mit ihm hineingezogen worden sind, können Sie zwar erfolgreiche Operationen durchführen, doch als Antwort darauf mobilisiert er noch mehr Kräfte. Er – das ist ein Vertreter aus der Großfamilie der Tabakkäfer, der imstande ist, Ihre kostbaren Cigarren in kurzer Zeit in ein Sieb zu verwandeln. Ausnahmezustand Der Überraschungsangriff – das ist die Taktik des Aficionado-Feindes. Von einem vorausgehenden diplomatischen Briefwechsel kann nicht die Rede sein und schon gar nicht von einer offiziellen Kriegserklärung. Über den Beginn der Kampfhandlungen auf dem Territorium des Humidors wird man weder in den Zeitungen schreiben noch im Rundfunk berichten … ![]() Ein im Humidor herumfliegender Tabakkäfer ist eher eine seltene Erscheinung. Macht der Cigarrenbesitzer jedoch etwas Schwarzes aus, dann weiß er auch, woher der rötliche Staub auf dem Boden kommt: Das ist das Resultat der Verdauungstätigkeit der angreifenden Käferchen. In diesem Fall muß man jede Cigarre genau untersuchen, und wenn sich auf einer von ihnen ein kleines Loch findet, dann steht es schlimm. Man hat Sie überfallen. Von der verdorbenen Cigarre trennen Sie sich am besten ein für allemal, solange noch die Hoffnung besteht, die anderen zu retten. Die heimtückischen Käfer nutzen die Ahnungslosigkeit des unerfahrenen Rauchers aus und sind imstande, mit ihm ein böses Spiel zu spielen. Von den »Labyrinthen«, die ins Innere der Cigarre genagt worden sind, erfährt er erst in dem Augenblick, in dem er es sich mit der Cigarre in seinem Sessel bequem gemacht hat, den ersten Zug nimmt und … der Rauch buchstäblich aus allen Löchern quillt! Und wenn noch eine Raupe drin ist? Wie schmeckt Ihnen die aromatische Cigarre mit dem Beigeschmack von verbrannten Eiweißen? Im ersten Moment mag es scheinen, als entstünden die verzwickten Gänge in den Cigarren wie von selbst. Doch das Mystische ihres Ursprungs ist ganz einfach zu widerlegen: Es genügt, die Cigarre mit dem winzigen Loch nach unten zu drehen und leicht gegen die Tischplatte zu klopfen. Treffen glückliche Umstände zusammen (wenn das Insekt noch keine Beine hat), wird es Ihnen gelingen, den Feind aus seiner Höhle herauszuschütteln und genauer zu betrachten. Kämpfer an der unsichtbaren Front Die Existenz der Tabakparasiten erinnert an das Leben eines Agenten, das voller Abenteuer und Gefahren ist. Deren Hauptaufgabe besteht darin, unbemerkt in eine Tabakfabrik oder ein Tabaklager einzudringen und um alles in der Welt zu überleben. Der ovale, rötlich-braune Käfer von der Größe einer Stecknadelkuppe, den man am häufigsten in der Cigarrenkiste antrifft, gehört zur Ordnung der Deckflügler und trägt die wissenschaftliche Bezeichnung Lasioderma serricorne. Er nennt sich auch Gorjo del tabaco oder Carcoma del tobacco oder Tobacco beetle. Der Entwicklungszyklus des Tabakkäfers besteht, wie der aller Käfer, aus vier Stadien: Larve, Raupe, Puppe und voll entwickeltes Insekt. Zehn bis zwölf Wochen dauert das Ganze. Sowohl im Lagerhaus der Plantage als auch in der Tabakfabrik und im Cigarrengeschäft kann sich der Käfer im Tabak einnisten. Seine Larven in der gedrehten Cigarre abzulegen ist wegen des robusten Deckblatts für ihn ziemlich schwierig, aber nicht unmöglich. Wenn keine anderen Varianten bestehen, legt er sie am ungeschützten Brandende der Cigarre ab. ![]() Allerdings kann alles schon in den Trocknungsscheunen seinen Anfang nehmen. Der Tabakkäfer wartet geduldig, bis die Trocknungsperiode des Tabaks zu Ende ist, weil ihm selbst geringe Feuchtigkeit des Blattes jegliche Freude am Leben raubt. Er paßt förmlich den Zeitpunkt genau ab, da man die gesamte Ernte abgeholt, die Arbeiter ausgezahlt und die Verträge abgeschlossen hat. Danach entfaltet die hinterlistige Kreatur ihre Schädlingstätigkeit. Jedes Lasioderma-Weibchen, das sich zur rechten Zeit am rechten Ort erweist, legt auf dem Cigarrenrohmaterial täglich Hunderte, mit bloßem Auge nicht erkennbare Larven ab (jede ist einen halben Millimeter groß). Um das Schicksal der »lieben Kinder« muß sich die »Mama« nun keine Gedanken mehr machen. Wohin auch immer sie nach dem Willen des Tabakhändlers verladen werden: eine satte Zukunft ist ihnen garantiert – was bedeutet, sie werden ihre Bestimmung erfüllen: sich fortzupflanzen und zu vermehren. Die erste Metamorphose – die Verwandlung der Larven in kleine Raupen – findet nach fünf bis zehn Tagen statt, abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit. Das ist das zeitlich längste und gefährlichste Stadium in der Entwicklung des Insekts. Die Raupen fangen an, eifrig komplizierte Labyrinthe in die Cigarre zu nagen oder noch nicht bearbeitete Blätter zu vernichten. Die weißen Raupen sehen recht sympathisch aus: winzig klein (4 Millimeter lang), mit einem gelben Streifchen am Kopf und einem kleinen kastanienbraunen Büschel am Ende. Eine günstige Temperatur für die weitere Entwicklung des Tabakkäfers sind +24 Grad Celsius und mehr. Bei einer Temperatur von +15 bis 16 Grad Celsius stirbt die Raupe zwar nicht, fällt aber gleichsam in Lethargie, bis außerhalb ihres »Häuschens« das entsprechende Wetter kommt. Fünf bis zehn Wochen später, nachdem das geschehen ist, beginnen sich um die Raupen die dünnen Wände des Kokons zu bilden, und sie verwandelt sich allmählich in die Puppe. Die einen Tabakkäfer brauchen zehn Tage, andere zweimal mehr, um damit anzufangen, die Blätter anzunagen und sich nach draußen zu arbeiten. Es gibt auch solche, die mehrere Jahre auf den passenden Moment warten können. Das weitere Verhalten der voll entwickelten Insekten widerlegt absolut die allgemein verbreitete Auffassung, daß sich der Tabakkäfer ausschließlich von Tabak ernährt. Ausgehungert während der Zeit im Kokon, ist der Käfer praktisch mit all dem, was sich an Eßbarem im Haus findet, zufrieden: Mit großem Appetit wird er Graupen, Makkaroni und Körner fressen. Nachdem er sich gesättigt hat, macht er sich auf die Suche nach einer »besseren Hälfte«, damit alles von vorn beginnt: Larve, Raupe, Puppe, voll entwickeltes Insekt. Wenn die befallenen Cigarren nicht auf die weite Reise nach Europa gehen, sondern im Herstellerland verbleiben, dann kann sich in dem warmen Klima der Lebenszyklus des Lasioderma fünf bis sechs Mal im Jahr wiederholen. Der engste Verwandte des Tabakkäfers ist der Catorama tabaci Guerin, ein »Ureinwohner« Kubas, der nicht gerade vor Verlangen brennt, die Insel der Freiheit zu verlassen. Er hat an den Tabakplantagen in der Nähe von La Habana, Falcone und Santa Clara Gefallen gefunden und allen Grund, Anspruch auf den Titel »Gourmet« zu erheben, weil er die kubanischen Tabaksorten allen anderen vorzieht. Die Kubaner nennen den Catorama den »Großen Tabakwurm«, weil seine Raupe etwas größer ist als die des Tabakkäfers, nämlich 4 bis 5 Millimeter. Für die Tabakpflanzer stellt der Catorama eine sehr große Gefahr dar. Es ist vorgekommen, daß diese Käfer gewaltige Lagervorräte in Tabakstaub verwandelt haben. Und die kleinen Löcher, die sie in den Cigarren hinterlassen, sind größer als die des Lasioderma. In allem anderen unterscheidet sich jener »Stubenhocker« namens Catorama jedoch wenig von seinem kosmopolitischen, alles fressenden Artgenossen. Der Name einer weiteren Liebhaberin von trockenen Tabakblättern, die sie in Mußestunden knabbert, klingt in Latein intrigant – und wohl deshalb rein gar nicht so abschreckend: Ephestia elutella. Lebende Sprachen haben mit ihr nicht viel Federlesens gemacht: Auf Deutsch, Englisch und Russisch heißt sie »Tabakmotte«. Ihre beigefarbenen Raupen hinterlassen vom Tabakblatt nur die Adern. Der Gerechtigkeit halber muß man sagen, daß die Motte nur auf den Plantagen Kubas, der Antillen und im Süden der Vereinigten Staaten mit ihren Cousins Lasioderma und Catorama konkurriert und auf ein warmes Plätzchen im Humidor nicht prätendiert. Die Massenvernichtungswaffe Krieg ist Krieg. Dem Überlebensinstinkt stellen die Tabakhersteller neue Errungenschaften der Wissenschaft entgegen. Speziell dafür gegründete Institute erforschen schon seit mehr als 100 Jahren die Verhaltensweisen und Gewohnheiten des Gegners und helfen den Tabakproduzenten, Taktik und Strategie des Kampfes mit dem Käfer zu entwickeln. Man versuchte sogar, sie mit Hilfe biologischer Waffen auszurotten: Zielgerichtet züchtete man auf den Feldern Raubinsekten, die den Tabakkäfer und den Großen Tabakwurm fressen, doch auf die Population der Schädlinge hat sich das praktisch nicht ausgewirkt. Die am weitesten verbreitete Methode zur Vernichtung der Tabakkäfer ist die, in den Speichern Spezialfallen aufzustellen, die mit einem natürlichen Ferment versehen werden, das die Käfer anzieht. Jedes »Falleisen« ist mit einer klebrigen Flüssigkeit gefüllt, so daß die Käfer ihm nicht entrinnen können. In großen Betrieben untersucht man den Umfang der »Beute« mindestens einmal am Tag. Neben der Erfüllung ihrer eigentlichen Funktion spielen die Fallen auch als Indikatoren besonderer Art eine Rolle: Je nach Menge der eingefangenen Käfer kann der Betreiber auf den Ausgangspunkt der Verbreitung und die Dimension des Befalls schließen (wobei man von der Annahme ausgeht, daß jedes Weibchen etwa 100 Eier ablegen kann). In diesem Fall kommt man nicht ohne breit angelegte »militärische Operationen« aus: Ausräucherung und Schockgefrierung. Die Hersteller betreiben die Reconquista des Tabaks in jeder Phase der Cigarrenfabrikation: Die Blätter werden in Trocknungsscheunen der Räucherung unterzogen, ebenso in der Tabakfabrik, und zwar unmittelbar bevor die Cigarren gedreht und verpackt werden, sowie in jenen Lagerhäusern, die sich in Häfen und auf Flughäfen befinden. Die Quintessenz des Prozesses ist folgende: Man gibt die Tabakblätter oder die fertigen Cigarren oder die gefüllten Cigarrenkisten in einen luftdicht verschlossenen Raum, den man entweder mit einem Gas oder mit einer speziellen chemischen Substanz befüllt. Infolge einer solchen Behandlung sterben die meisten Käfer – von den Larven bis zu den voll entwickelten Tieren. Die bei der Ausräucherung benutzten Stoffe sind bereits nach drei Tagen verflogen. Sie sind unschädlich für Raucher und beeinträchtigen in keiner Weise die Geschmacksqualitäten der Cigarren. Den größten Erfolg verspricht jene Räucherung, die unmittelbar vor dem Versand der Container durchgeführt wird – wenn also die Cigarren schon in den Kisten verpackt sind. Aber: Auch diese Vorgehensweise bringt kein 100‑prozentiges Erfolgsergebnis. In jüngster Zeit wählen die Cigarrenproduzenten immer häufiger das Gefrieren als »Waffe«. Erstens kann man dabei alle Chemikalien umgehen, zweitens gilt diese Methode als die geeignetste, wenn vom richtigen Umgang mit der Cigarre die Rede ist, und drittens ergibt, wie gesagt, die Ausräucherung nicht immer den 100‑prozentigen »Genesungs«-Effekt. Bei diesem Vorgang kommen die Cigarren für vier bis fünf Tage in eine Gefrierkammer. Auch die robustesten Puppen halten die Temperatur von –25 Grad Celsius nicht aus. So einen »Luxus« können sich (leider) nur große Hersteller und Importeure leisten, denn für die mittleren und erst recht die kleinen Lieferanten sind Gefrierkammern einfach zu teuer. Nahezu alle großen Unternehmen verfügen mittlerweile über solche Kammern und gefrieren die Cigarrenpartien mehrmals. Aber auch all diese Vorkehrungen retten die Cigarren nicht vor einer Tabakkäferinvasion, kommen doch die kleinen Plagegeister auch anderweitig über den Großen Teich, so beispielsweise in Kokosmatten, mit Erdnüssen, Gewürzen und Heilkräutern. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß Ihr Humidor früher oder später eine Verteidigungsfestung werden kann. In der Zone besonderer Wachsamkeit Die beste Verteidigung ist der Angriff. Kommen Sie dem Anschlag des Jägers auf Ihre Cigarren zuvor. Dazu muß man nur einige einfache Regeln beachten … Die Käfer werden billige Cigarren und solche minderer Qualität nur bei Gefahr des Hungertods fressen. Je teurer und aromatischer die Cigarre, desto größer die Chance, daß sie befallen wird. Deshalb muß man die Cigarre beim Kauf unbedingt genau untersuchen. Da viele Kunden nicht selten eine ganze Kiste Cigarren kaufen, sollte die Beschau zu Hause durchgeführt werden. ![]() Es lohnt sich auch, im eigenen Humidor häufiger nachzusehen. Spezialisten empfehlen, Cigarren verschiedener Ernten nicht in einer Kiste aufzubewahren. Achten Sie auf das Mikroklima in Ihrem Humidor. Bei einer Temperatur von +22 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent wird sich der Käfer – wenn er denn bis zu Ihrem Cigarrenbehältnis vorgedrungen ist – wie in einem Fünf-Sterne-Luxushotel fühlen. Das Deckblatt schützt die Cigarre recht zuverlässig vor dem Eindringen des Tabakkäferweibchens in das Innere, wo sie gewöhnlich die Eier ablegt. Deshalb ist die verwundbarste Stelle der Cigarre das Brandende. Am besten »mauern« Sie Ihre Cigarren so ein, daß es so gut wie aussichtslos ist, an besagtes Brandende heranzukommen. Man sollte sie nicht ohne Kisten im Humidor aufbewahren, und in der Kiste müssen sie so liegen, daß die Brandenden der Cigarren fest gegen die Kistenwand stoßen. Gesetzt den Fall, das Insekt kann in die Kiste vordringen, wird es schlimmstenfalls das Deckblatt nur leicht anknabbern. Die den größeren Schaden verursachenden Larven wird es nirgendwo ablegen können. Wenn Sie eines schönen Tages trotzdem Anzeichen der Existenz eines Käfers (Mulm, Löcher in den Cigarren, rötlicher Staub) in Ihrem Humidor gefunden haben oder Ihnen das Insekt höchstpersönlich entgegengeflogen kommt, dann verzweifeln Sie nicht: Die Schlacht um die Cigarre ist noch nicht verloren, obgleich Sie gewisse Verluste wohl schon erlitten haben. Der ausgewachsene Käfer nagt keine Gänge und ist nur in dem Sinne gefährlich, als er sich, sobald er einen anderen ausgewachsenen Käfer trifft, mit der Fortpflanzung seiner Art beschäftigt. Sie haben eher die Chance, unverhofft auf ein Weibchen zu stoßen, weil das Männchen nach der Paarung nicht mehr lange lebt. Die »werdende Mutter« hat dann eine sehr wichtige Aufgabe: Sie muß für sich Futter und so schnell wie möglich ein Häufchen Tabakstaub, Tabakblattreste oder ein Schlupfloch finden, durch das sie in das Innere der Cigarre gelangt, um ihre Eier abzulegen. Die beste Methode, mit den Eindringlingen fertig zu werden, ist die, sie zu gefrieren. Man gibt die Cigarren aus dem Humidor in irgendein hermetisches Behältnis (zum Beispiel in eine Plastikdose mit fest verschließbarem Deckel, die zur Aufbewahrung von Lebensmitteln bestimmt ist) und stellt sie in den Gefrierschrank. Am besten sollte man gleich alle Cigarren aus dem Humidor gefrieren, auch wenn an einigen keine Anzeichen für die Existenz des Käfers festzustellen sind. Wenn auch nur eine Cigarre »erkrankt« ist, heißt das für Sie: Der Feind ist irgendwo in der Nähe. Rückversicherung ist dann schon angebracht. An diese Regel sollte man sich auch bei der Aufbewahrung der Cigarren im Gefrierschrank unbedingt halten. Bei niedrigen Temperaturen (–16 bis –18 Grad Celsius) sterben die Käfer nach vier bis fünf Tagen, bei –4 bis –5 Grad Celsius circa nach einer Woche, und bei Plusgraden im Kühlschrank können sie sich auch zwei bis drei Wochen halten. Je länger sich also Ihre Cigarren im Gefrier- bzw. im Kühlschrank befinden, desto größer sind die Chancen, daß die lieben Käfer erfrieren und nicht mehr lebendig werden. Wenn Ihre Cigarren im Gefrier- bzw. Kühlschrank lagern, ist die beste Zeit gekommen, um sich mit der Reinigung des Humidors zu beschäftigen. Die Oberflächen – außen wie innen – sollte man mit einer Ammoniak-Wasser-Lösung abwischen, damit die Flüssigkeit auch in die kleinste Ritze gelangen kann. Ammoniak rottet die Reste der Tabakkäferpopulation aus und verfliegt schnell, ohne irgendeinen Geruch zu hinterlassen. Wenn es an der Zeit ist, Ihre Cigarren aus der Kälte zu befreien, sollten Sie extrem vorsichtig zu Werke gehen. Überstürzen Sie nichts! Die Temperatur muß sich allmählich steigern. Zuerst verlegen Sie das Behältnis mit den Cigarren für mehrere Tage aus dem Gefrier- in das Kühlfach, danach in ein kühles Zimmer und erst dann in den Humidor. Öffnen Sie das Behältnis nicht eher, bis sich die Cigarren unter Zimmertemperatur akklimatisiert haben. Diese Vorsicht ist keine überflüssige. Im Kühlschrank sind die Cigarren nämlich trocken geworden und müssen langsam wieder Feuchtigkeit sammeln. Plötzliche Feuchtigkeitsschübe können schnell zur Zerstörung des Deckblatts führen. Deshalb sollten Sie es einrichten, daß sich auch im Humidor die Feuchtigkeit langsam erhöht. Andernfalls nimmt die Cigarre die Feuchtigkeit zu schnell auf, wodurch das Deckblatt ebenfalls reißen kann. Wie Sie sehen, ist der Prozeß des Kampfes gegen die erwähnten Cigarrenschädlinge ziemlich einfach, wenngleich er eine gewisse Geduld verlangt. Zeigen Sie aber auch – nachdem Sie sich davon überzeugt haben, daß mit den Spezies Lasioderma oder Catomara in Ihrem Humidor Schluß ist – nicht die geringste Schwäche, vor allem aber keine Unaufmerksamkeit. Denn: Der Tabakkäfer schläft nicht … von Julia Sorina |
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