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Concet cars: Konkretes in - manchmal - lufteeren Raumen

Sie heißen »Concept cars« oder einfach »Studie«. Mitte des vorigen Jahrhunderts, zu Beginn der Epoche, die den Anstoß gab für die Mode, effektvolle Ausstellungswagen zu designen (heutzutage gibt es in jedem besseren Autosalon Dutzende davon), wurden sie zuweilen »Traumautos« genannt.

Es mag seltsam scheinen, daß Firmen viel Geld investieren, etliche Konstrukteure und Designer beschäftigen, um ein Auto zu kreieren, von dem nur ein einziges Exemplar hergestellt wird und das bereits nach wenigen Monaten ins Werkmuseum wandert (wobei diese Ehre bei weitem nicht jedem Concept car zuteil wird). Warum solcher Aufwand? Natürlich nicht nur, um einen Blickpunkt zu schaffen, der das Publikum zum Firmenstand auf der nächsten Motor-Show lockt, oder um eine Seite in einem Hochglanzjournal für Automobile zu ergattern. Obwohl dies nicht unwichtig ist und Produzenten Autos nur zu diesem Zweck herstellen lassen.

Der hinter den Hecksitzen eingebaute Motor des ›Volkswagen Concept R‹ hat 265 PS und erreicht in 5,3 Sekunden 100 km/h

Dennoch werden die meisten Concept cars gebaut, um die von Designern, Konstrukteuren und Technologen erdachten Lösungen für Autos, die in naher Zukunft (manche auch in ferner Zukunft) in Serienproduktion gehen, zu überprüfen. Das heißt, wenn man sich einige Studien genauer anschaut, kann man den Versuch unternehmen, die Zukunft zu prophezeien, vorauszusagen, wie die Autos in zwei, fünf oder sogar zehn Jahren aussehen.

Diese Aufgabe ist bekanntermaßen nicht immer dankbar, dafür aber unterhaltsam. Also los!

Die Kunst zu verblüffen
Natürlich ist jedes Konzept in erster Linie die Frucht der stürmischen Phantasie des Designers, der sich frei entfalten kann ohne die Beschränkungen, die ihm die Serienproduktion auferlegt. Es ist nahezu unmöglich, eine bestimmte dominierende Linie im modernen Stil herauszufinden. Es gibt alles in der automobilen Mode: vom »geleckten«, perfekt aerodynamischen Coupé bzw. Cabriolet bis hin zum schockierend plumpen, aber äußerst geräumigen »Würfel«.

Der amerikanische ›Hy-Wire‹ von ›General Motors‹ stellt die Lebensfähigkeit von Wasserstoffmobilen unter Beweis

Dennoch ist eine Designerlinie besonders ausgeprägt in den letzten Jahren. Kaum eine Firma hat nicht den Versuch unternommen, universale Automobile zu bauen: Verwandlungskünstler oder – wie es in der heutigen Fachsprache heißt – Cross-over. Solche Autos müssen viele auf den ersten Blick unvereinbare Bedingungen gleichzeitig erfüllen: Es soll geräumig sein wie ein Minivan und komfortabel wie eine repräsentative Limousine, muß außerdem in ein elegantes Cabriolet zu verwandeln oder schnell in einen Pick-up umzubauen sein, in den sogar das sperrigste Sportgerät paßt. Ein kräftiger Motor und ein Allradantrieb sind einem solchen Verwandlungskünstler durchaus von Nutzen. Schließlich soll das Auto ja nicht nur durch die Stadt und über ebene Autobahnen fahren, sondern auch durch unwirtliche rauhe Gegenden, in denen man das oben genannte Sportzeug benötigt.

Allerdings glaubt kaum jemand daran, daß diese Cross-over jemals das Förderband erblicken werden. Zu schwierig ist die Konstruktion und zu teuer. Obwohl die Idee eines geräumigen Universalautos mit sportlicher Aerodynamik und Allradantrieb, das nicht gerade völlig unbefahrbare Wege, aber dennoch sandige oder zugeschneite Wege befahren kann, Anklang bei den Verbrauchern fand. Daher stellen bereits Unternehmen solche Autos her, von denen selbst Spezialisten noch wenige Jahre zuvor hinreichend überrascht gewesen wären.

Nach dem Debüt des ›Rolls-Royce 100 EX‹ (›EX‹ = experimentell, ›100‹ = zum Gedenken an das Jubiläum der Firma) scheint es offenbar nicht mehr lange zu dauern bis zur Serienproduktion des Cabriolets

Ein wunderbares Beispiel dafür ist der ›Porsche Cayenne‹. Das erste Auto in der Geschichte der berühmten Firma, das mit fünf Türen und einer vollwertigen zweiten Sitzreihe aufwartet. Ähnliche Modelle, die allerdings noch in der Konzeptphase sind, tragen die Embleme von ›Alfa Romeo‹ und ›Maserati‹. Bei diesen Autos haben sich die Designer erfolgreich darum bemüht, den von den Anhängern italienischer Sportwagen so geliebten Stil beizubehalten. Gewöhnlich werden die »Kon­zeptverwandlungskünstler« mit Optionen ausgestattet, die für Serienautos nicht üblich sind – noch (!) werden sie so ausgestattet: zum Beispiel mit einem Safe für Wertsachen, mit Kühlschränken und/oder Wärmeboxen. Universalautos, derer man sich im Büro nicht schämt und die für Familien bei der Fahrt ins Grüne äußerst praktisch sind (man kann das Fahrrad, die Skier und die Kuscheltiere einpacken), werden immer populärer. Gleichzeitig aber steigt das Interesse an Spezialautos, etwa an Luxuslimousinen für die Business class, eleganten Coupés und Roadstern. Auch solche Concept cars gibt es.

Eine eigene Sparte sind Autos im Retro-Stil, deren Zahl jedes Jahr zunimmt. Selbstverständlich kreieren die Designer keine Eins-zu-eins-Kopien der berühmten Modelle der 30er bis 60er Jahre, sondern transplantieren lediglich stilistische Elemente dieser Modelle in moderne Fahrzeuggestelle. Die besten Beispiele, sogar für Serienmodelle, sind der ›Ford Mustang‹ der letzten Generation, der ›Mercedes Benz SLR McLaren‹, der ›Maybach‹ und der ›Rolls-Royce Phantom‹. Den aktuellen Concept cars nach zu urteilen wird der Retro-Stil nicht unmodern, obwohl er zuweilen zu stilistischen und sogar technologischen Extremen führt.

Das Sportcoupé ›Volta‹. Die elegante Karosserie wurde vom berühmten italienischen Atelier ›Ital Design‹ entworfen, während die »Füllung« mit einer hybriden Kraftanlage von ›Toyota‹ stammt

Der ›Rolls-Royce 100 EX‹, ein Concept car, wurde im Jahr des 100‑jährigen Bestehens der berühmten britischen Firma gebaut. Er ist mit Teakholz verkleidet, und das bezieht sich nicht nur auf die Türen, sondern auch auf den Boden des Kofferraums und sogar auf den des Fahrgastraums. Motorhaube und Windschutzscheibenrahmen sind aus einem ganzen Aluminiumstück gefräst.

Der ›Peugeot 4002‹, bei dem das geübte Auge sofort Elemente des ›402er‹-Modells aus den 30er Jahren erkennt, ist ein gutes Beispiel für einen Show stopper, der niemals in Serie gehen wird. Aber es ist natürlich nicht ausgeschlossen, das sich dieses oder jenes mutige stilistische Element in den künftigen Autos der Franzosen wiederfinden wird. Geld in den Bau eines Prototyps zu investieren, der den Autosalon schmückt und dem Werkmuseum eine Zierde ist, entspricht nicht dem Stil des 21. Jahrhunderts.

Statt des Herzens …
Es scheint so, als ob der Wunsch, die Motorenkraft stetig zu verstärken, im Widerspruch steht zu den immer strenger werdenden ökologischen Normen. Aber den Konstrukteuren gelingt es sogar, Motoren zu bauen mit einer Stärke von 400 bis 600 PS und dabei umwelttechnische Normen einzuhalten, mit denen der Gesetzesgeber bisher nur droht.

Seit langem sind wir an 12‑Zylinder-Motoren gewöhnt. Und was sagen Sie zu 16 Zylindern? Denn so viele Zylinder haben der ›Cadillac Sixteen‹ und der ›Rolls-Royce 100 EX‹. Details verraten die Briten nicht. Aus Tradition! Seit Jahrzehnten antworten die Verkäufer auf die Frage der Kunden nach der Stärke des Motors äußerst gelassen. Ihre stereotype Antwort: »Genug.«

Mit der Präsentation des ›Alfa Romeo X Kamal‹ beabsichtigen die Italiener offensichtlich, die Attribute »schnell« und »straßentauglich« in einem Geländewagen zu vereinen

Der Motor des ›Cadillac‹ erreicht 1000 PS, jedoch schalten sich einige Zylinder ab, wenn der Motor nicht voll ausgelastet ist. Wie wahrscheinlich ist ein solches Aggregat als Serienproduktion? Moderne Technologien ermöglichen durchaus die Produktion eines derart komplizierten Motors. Außerdem hat der amerikanische Konzern ›General Motors‹ einen hervorragenden Anreiz: Keiner der Konkurrenten hat einen serienmäßigen 16‑Zylinder-Motor.

Den Ingenieuren ist klar, daß sie nach einer Alternative zum Verbrennungsmotor suchen müssen. Hybride Kraftmaschinen wie Benzin- oder Dieselmotoren in Kombination mit Elektromotoren werden bereits seit langem in Serienmodellen eingesetzt. Und nicht nur in Kompaktwagen, sondern beispielsweise auch in einem Luxuswagen mit Allradantrieb, im ›Lexus RX 400 h‹. Das Ergebnis ist ein deutlich geringerer Treibstoffverbrauch und ein stark verminderter Ausstoß schädlicher Abgase in die Atmosphäre.

Offenbar ist ›DaimlerChrysler‹ jetzt am Zug. Zumindest beabsichtigt das Unternehmen, das Concept car ›GST Vision‹ in Serie zu produzieren. Der ›GST Vision‹ ist ein geräumiger Sechssitzer in edler Verarbeitung mit einem Benzin- und Elektromotor, der 318 PS erreicht. Außerdem nehmen die Wagen der ›R-Klasse‹ einen Ehrenplatz zwischen der ›E‹- und der ›S-Klasse‹ ein. An Hybridmotoren in solchen oder ähnlichen Universal- oder Geländewagen gewöhnen wir uns, aber Hybridmotoren in Sportwagen sind doch noch recht absonderlich. Nichtsdestotrotz erreicht der Roadster ›Subaru B 9SC‹, ein effektvolles Concept car, bis zu 80 km/h nur durch den 100‑KW-Elektromotor. An diesem Punkt setzt der Elektromotor aus, und der Benzinmotor übernimmt.

Selbst das berühmte italienische Atelier ›Ital Design‹, welches das elegante niedrige Coupé ›Volta‹, ebenfalls ein Concept car, entworfen hat, hat sich den Hybridsystemen zugewandt. Das Kraftaggregat von ›Toyota‹ macht eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h innerhalb von 4 Sekunden möglich – eine Eigenschaft, um die es sogar viele Sportwagen beneiden würden.

Von Zeit zu Zeit tauchen auf den Automobilausstellungen und Teststrecken »reine« Elektromobile auf, die inzwischen nicht mehr nur komfortabel, sondern auch schnell sind. Dennoch bleiben Elektromobile Autos für den »speziellen Gebrauch«, wohl deshalb, weil sogar die modernen Akkus zu schwer sind und relativ häufig aufgeladen werden müssen.

Aber es gibt noch einen absolut reinen Treibstoff: Wasserstoff. Immerhin hat ein Concept car des amerikanischen Autoriesen ›General Motors‹, ›Hy-Wire‹, mit seinen im Chassis versteckten Antriebselementen eine Stärke von 350 PS! Dieses geräumige avantgardistische Auto ist nicht das einzige Wasserstoffmobil. Vor ein paar Jahren demonstrierte ›Peugeot‹ ein Concept car ähnlicher Konstruktion. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, war das ›H20‹-Modell feuerrot lackiert.

Möglicherweise dient der geräumige ›Universal Volvo VCC‹ (›Versatility Concept Car‹) als Prototyp für den ›Volvo S 80‹ der nächsten Generation

Einige Dutzend experimentelle Automobile, die mit Wasserstoff fahren und Ökologen mit ihrer Null-Emission erfreuen, fahren bereits durch die Öffentlichkeit. Dennoch wird es in absehbarer Zeit keine Massenproduktion geben. Dies erklärt sich zum einen durch die komplizierte Speicherung des Wasserstoffs im Auto und durch die fehlende Infrastruktur, das heißt, es gibt keine »Wasserstoff-Tankstellen«. Auch der Preis ist ein Hemmnis. Er ist dafür geeignet, selbst wohlhabende Käufer zu schocken.

Dennoch schmeißen die Hersteller das Geld nicht zum Fenster hinaus, wenn sie Wasserstoffmobile perfektionieren und sie von Ausstellung zu Ausstellung transportieren. Sicher, morgen wird es solche Autos nicht beim Autohändler geben, aber übermorgen?

Ich höre, sehe, spreche
Eine der Hauptaufgaben der Konstrukteure besteht darin, ein Auto möglichst einfach und gut lenkbar zu machen. Im Idealfall sollte die Benutzung eines Autos so leicht sein wie die Bedienung eines Fernsehers oder Cassettenrecorders. Oder fast so leicht.

Elektronische Systeme, die das Bremspedal bis zum Ende durchdrücken, falls Sie es nicht selbst getan haben, und das Lenkrad weiterdrehen, werden bereits in Serienautos eingebaut.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich der ›Cadillac Sixteen‹ mit der Zeit zu einem Serienauto entwickelt, natürlich deutlich überarbeitet im Vergleich zum Concept car

Einige Autos können sogar bei kritischem Sicherheitsabstand von selbst bremsen. Des weiteren gibt es die Möglichkeit, Autos mit Scheinwerfern auszurüsten, die dem Fahrer helfen, bestimmte risikobehaftete Situationen rechtzeitig zu erkennen und einzuschätzen, zum Beispiel eine gefährliche Straßenbiegung oder eine plötzlich auftauchende Straßenkreuzung.

Eine wichtige technische Tendenz der letzten Jahre ist das »drive by wire«. Wenn der Fahrer ein Pedal oder einen Knopf betätigt, wird er nicht eine mechanische Übertragung auslösen, sondern Signale an ein elektronisches Board geben. Dadurch wird es leichter, das Auto zu steuern. Man kann beispielsweise das Lenkrad anders anordnen oder die Pedalen nach links, rechts oder auch in die Mitte versetzen. Diese Einrichtungen arbeiten genauer und zuverlässiger. Schließlich geht dadurch der Verschleiß in der Elektronik in Richtung Null …

Ein perfektes Beispiel für den Retro-Stil: Der avantgardistische ›Peugeot 4002‹, inspiriert vom Modell ›402‹ aus den 30er Jahren

Ein anderer wichtiger Punkt: Die mit verschiedenen zusätzlichen Apparaturen und passiven Sicherheitssystemen ausgestatteten Autos werden immer schwerer. Dieser Faktor ist aber zu vernachlässigen, denn nicht ohne Grund verwenden die Unternehmen zunehmend komplexe Leichtmetallegierungen und hochfeste Verbundmaterialien. Die Reduzierung der mechanischen Anlagen senkt somit die Masse des Automobils.

Viele elektrische und elektronische Systeme benötigen zusätzliche Energiequellen. Eine dieser Quellen ist umsonst: die Sonne. Batterien, die in ein Autodach integriert werden, können beispielsweise die Belüftung des Fahrgastraums oder die Klimaanlage bei ausgeschaltetem Motor mit Energie versorgen. Die Ingenieure erproben auch vollkommen neue Karosseriedächer, die mit Hilfe der Nanotechnologie hergestellt werden. Das Material wird auf der molekularen Ebene beeinflußt: Es entstehen Oberflächen, die Sonnenenergie sammeln, speichern und gezielt wieder abgeben können. Außerdem widerstehen diese neuen Oberflächen Wasser und Schmutz und … verändern auf Wunsch sogar die Farbe. Es gibt nur ein Problem: Wahrscheinlich wird die Verkehrspolizei etwas gegen solche Autos haben.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich der ›Cadillac Sixteen‹ mit der Zeit zu einem Serienauto entwickelt, natürlich deutlich überarbeitet im Vergleich zum Concept car

Nahezu jedes moderne Concept car ist mit einem CD- oder DVD-Screen ausgestattet, einem Zugang ins Internet und manchmal auch mit einem System zur Fernbedienung von Haushaltstechnik. Garagentor öffnen, Abendbrot aufwärmen, Fußballspiel auf Video aufzeichnen? Bitte! Verbindung zu irgendeinem Punkt in der Welt aufnehmen? Etwas schwieriger. In naher Zukunft wird man bald alle Kommandos für das Auto sprechen können. Einige Concept cars verstehen bereits an die 1000 (!) Wörter in mehreren Sprachen. Mitunter ist die Zukunft also schon da …

Der Plan für morgen
Die Automobile werden also immer dienstbeflissener. Man lehrt sie nicht nur erfolgreich, die richtigen Entscheidungen vorherzusagen, sondern streng unsere Handlungen zu kontrollieren und unsere Fehler zu korrigieren. Sehr spezielle Autos, wie beispielsweise Sportwagen, bleiben natürlich davon verschont, obwohl man sich auch hier bemüht, diese sicherer und leichter lenkbar zu gestalten.

Das Gequietsche eines von der Bahn abgekommenen Reifens und das Aufjaulen eines vielzylindrigen, stinkenden, Rauch ausstoßenden Motors – solche automobilen Begleiterscheinungen gehören also bald der Vergangenheit an. Autos (zumindest die meisten) werden in absehbarer Zukunft zu Fahrzeugen für den Nutzer und nicht nur für den erfahrenen Profi. Das wird den Puristen dieses Genres natürlich mißfallen. Doch während das Automobil eines gewissen romantischen Nimbus verlustig geht, rettet es Zehntausende Leben und vergiftet nicht mehr uns und unsere Nachkommen. Und das ist doch schließlich wichtiger, oder?

von Sergey Kotov
 
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