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Schnittig Die Mode dreht sich im Kreis: Heute, genauso wie Anfang des 20. Jahrhunderts, finden wir kaum einen Artikel über die Geschichte des Tabaks und des Rauchens ohne die seltsam bekannte Illustration vom rauchenden Indianer, eines dürftig bekleideten Mannes, der eine riesige oder jedenfalls hochkomplizierte Pfeife raucht, neben ihm ein Tabakstrauch oder ein Tabakblatt. Wir haben bisher noch kein Wort über das Tabakschneiden verloren, aber lassen wir ihn erst sammeln und trocknen. Die Tatsache, daß überaus selten vom Schneiden gesprochen wird – und das sogar in den solideren Quellen –, ist auffallend. Der Brockhaus und der Jefron haben dem Tabak fast 25 Seiten ihrer Enzyklopädien gewidmet (und das ist viel), aber die Zeilen, die das Schneiden betreffen, erwecken den Eindruck, als sei es das Hauptziel, ein möglichst langes und glattes Blatt zu erhalten. »Falls man faserigen, sogenannten türkischen Tabak, bekommen möchte, dessen gesamte Masse aus langen parallelen Fasern besteht, muß man ihn stoßweise unter ein Messer führen.« Und rührende Bilder sind da wie: »Maschine zum Tabakschneiden« im Quer- und Längsformat. Gemäß der Logik der Verfasser der Enzyklopädien ist das die ganze Information über das Tabakschneiden, die der Leser braucht. ![]() Ready Rubbed Aber lassen wir Brockhaus und Jefron. Es gibt mehr Spielarten des Tabakschnitts, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Nichtsdestotrotz weiß der durchschnittliche Verbraucher, zumal wenn er nicht gerade in »Tabakkreisen« verkehrt, reichlich wenig über die unterschiedlichen Methoden des Schneidens, über ihre Geschichte, die heutigen Anwendungsarten und die Spezifik, die schließlich den Rauchprozeß bestimmt. Häufig hört die jeweilige Erkenntnis damit auf, daß es Tabak mit »einfachem Schnitt« gibt, der aus irgendwelchen Gründen einen leichteren Geschmack hat und sich schneller raucht, wobei das nicht immer so stimmt. Und dafür gibt es den »groben Schnitt«, den »Seetabak«, der kräftiger ist und sich schwieriger raucht. Wir werden dennoch versuchen, ein wenig hinzuzufügen. Unbedingt erwähnenswert ist, daß ein Teil der Mischungen (meistens die verbreiteten und nicht so teuren), die dem modernen Konsumenten zur Verfügung stehen, in einer einzigen Form mit dem Namen ›Ready Rubbed‹ hergestellt werden. Das heißt, daß der dafür gepreßte Tabak in dünne Scheibchen geschnitten und zerdrückt wird. Einerseits erleichtert dies die Prozedur des Pfeifenstopfens, was besonders für Anfänger wichtig ist, andererseits bringt es erfahrene Raucher um dieses Vergnügen. Das Verdikt des Marktes ist eindeutig und läßt keine Berufung zu: Der Massenkonsument will sich nicht mit kompliziertem Stopfen abmühen und bevorzugt zerkleinerten Tabak. Hier kann man die Analogie von der ganzen und der gemahlenen Kaffeebohne anführen: Letztere hat dauerhaft die Geschäftsregale erobert, wahre Kenner jedoch mahlen (und rösten sogar) ihre Kaffeebohne lieber selbst. ![]() Mixture Dabei sollte man auf keinen Fall vergessen, daß wir meistens keine reinen Tabake, sondern Mischungen rauchen. Der Tabakmischer mischt praktisch in jede Qualitätsmischung mindestens zehn verschiedene Basistabake, manchmal sogar bis zu 30. Und da man die verschiedenen Tabaksorten mischen muß, bevor sie in den Pfeifenkopf gelangen, ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, die Methoden des Tabakschnitts zu vereinheitlichen. Trotzdem muß man viele komplizierte Mischungen vor dem Stopfen zusammenknüllen und etwas »dazumischen«. Daraus folgt, daß die Schnittmethode mit dem Namen ›Mixture‹, bei der verschiedene Tabake verschieden geschnitten werden, um die Brenngeschwindigkeit der Mischung gleichmäßig zu machen, nicht die einzige ist, um komplizierte Mischungen herzustellen. Nichtsdestoweniger existiert eine Vielzahl von Methoden zum Schneiden des Pfeifentabaks. Jede Methode kann dazu noch mehrere Bezeichnungen haben – bis heute gibt es darüber keine einheitliche Meinung unter Spezialisten und Liebhabern. Man ahnt, welch dauerhafter Streit hier programmiert ist. Im Rahmen dieses Exkurses haben wir uns bemüht, die am häufigsten vertretenen Ansichten zum Thema zusammenzutragen. Es wäre jedoch naiv zu glauben, daß der Streit damit beigelegt wäre … Loose cut (Loser Schnitt) Tabak, der für diesen Schnitt vorgesehen ist, unterscheidet sich bereits in einem recht frühen Stadium von der üblichen Tabakmasse. Während die anderen Tabake unter die Presse kommen, durchläuft dieser gleich das nächste Verarbeitungsstadium, das »Casing«. Er wird in einer besonderen Trommel gedreht, in der er mit verschiedenen natürlichen Zusätzen angereichert wird, die seinen Geschmack und sein Aroma hervorheben und unterstreichen. Nach der entsprechenden Lagerung (diese kann unterschiedlich lange dauern, je nach Tabaksorte und Eigenschaften der angefertigten Mischung) kommen die Tabakblätter in die Schnittmaschine, wo sie in Bändchen von 1,8 Millimetern Breite geschnitten werden. Lose geschnittener Tabak stopft sich problemlos, und ebenso läßt er sich gut mit Tabaken anderer »Formate« mischen, wobei er ein maximal gleichmäßiges Brennen gewährleistet. ![]() ›Loose Cut‹ ist eine Art von »Rückkehr in die Vergangenheit«. Während des gesamten 19. Jahrhunderts (und teilweise auch im darauffolgenden) durchlief ein großer Teil des Tabaks, der auf den Markt kam, die Presse. Allmählich jedoch sank die Nachfrage nach Blocktabak; der Trend ging zur Vereinfachung. So wurde der Boden bereitet, um sich von traditionellen Technologien zu lösen: Wenn der Tabak ohnehin in klein geschnittenen Blättchen in den Verkauf kommt, lohnt sich das Pressen da noch? In der Folge verwendete man überall da, wo es die Mischungstechnologie zuließ, lose geschnittenen Tabak. Solche Tabake trocknen schnell aus, bewahren jedoch bei gebührender Behandlung – ebenso wie andere – ihre geschmacklichen Eigenschaften. Plug Jede Tabakmischung, die gepreßt wurde, nimmt die Form eines ›Plugs‹ an, eines kompakten Blocks von 3 bis 4 Zentimetern Dicke. Anzumerken ist, daß die Tabakpressung nicht nur zur bequemen Aufbewahrung und zum besseren Transport des Tabaks stattfindet, sondern in erster Linie, um dem Tabak bestimmte geschmackliche Eigenschaften zu verleihen. Bei der ersten Verarbeitung werden die Tabakblätter auf einen Haufen gelegt und unter die Presse gebracht, unter der sie mindestens drei Stunden vor sich »hinschmachten«. Einer der größten Pfeifentabakhersteller benutzt für diese Zwecke eine Presse mit einem Druck von 55 Tonnen. Während dieses Vorgangs wird aus dem ein Meter hohen Tabakhaufen ein Block von 3 bis 4 Zentimetern Dicke. ![]() Danach werden die Blöcke für einige Wochen – bei strenger Einhaltung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit – unter eine weitere Presse gelegt. Auf diese Weise entsteht ein außerordentlich fester und haltbarer Block, den man bequem transportieren und aufbewahren kann und der nur wenig Feuchtigkeit verliert. Nicht ohne Grund war diese Tabakverarbeitungsmethode in den letzten Jahrhunderten so verbreitet: Die meisten Raucher der Alten und Neuen Welt benutzten Pfeifentabak, dessen Transport mehrere Monate dauerte. Bevor der Raucher seine Pfeife stopfte, schnitt er die nötige Menge vom Block ab und zerkrümelte sie nach seinen persönlichen Vorlieben. Hier tat sich ein weites Feld für Experimente mit Breite und Form des Schnitts auf. Inzwischen hat sich der Lebensrhythmus ständig beschleunigt. Die Anhänger fertiger kubischer Blöcke sind immer weniger geworden. Man brauchte einen möglichst gut aufbereiteten Tabak, der sich leicht stopfen ließ. Eine der ersten Methoden, die dieser Tendenz perfekt entsprach, war die des ›Flake‹. Flake (Flocken) ›Flake‹ oder ›Flocken‹ ist der Oberbegriff für eine imposante Tabakgruppe. Jener ›Flake‹ ist eine englische Erfindung, die vom Markt kontrolliert wurde. Viele Tabake, die später originelle Namen erhielten, haben das Stadium des ›Flake‹ durchlaufen, jedoch werden nur wenige zu »Flocken« im üblichen Sinne des Wortes. ›Flake‹ sind Scheiben von 1 bis 1,5 Millimetern Dicke, die durch das Schneiden von Preßtabak entstehen. Neben der komfortablen Aufbewahrung und des bequemen Transports verfolgt die Tabakpressung ein weiteres Ziel: ›Flake‹ brennt langsamer, das heißt nicht so heiß, und dies ermöglicht dem Raucher ein »kaltes«, angenehmes Rauchvergnügen. Genau deshalb wird (zerquetschter) ›Flake‹ anderen Tabakmischungen beigefügt. ![]() Ein Synonym für ›Flake‹ ist ›Navy Cut‹: Die britischen Matrosen nahmen ganze Tabakblöcke mit und schnitten jeweils die nötige Menge ab. Dies verlangte dem Raucher selbstverständlich eine gewisse Gewandtheit ab: Man kann sich vorstellen, wie begeistert ein Matrose auf hoher See mit einem speziellen Brettchen und einem Messer zum Tabakschneiden herumhantierte. ›Cut Plug‹ ist eine weitere Bezeichnung für Preßtabakschnitt. Jener ›Cut Plug‹ war eine der ersten industriellen Methoden, zum Stopfen fertigen Tabak herzustellen. Wie sonderbar es auch klingen mag, aber Entdecker waren die in allen Fragen konservativen Engländer und nicht die eiligen Amerikaner. Danach traten die fertigen Tabake (die alle unter dem Begriff ›Ready Rubbed‹ zusammengefaßt werden) ihren Siegeszug durch die Regale der Tabakläden an. Heutzutage hingegen ist es nicht einfach, geschnittenen Tabak in ›Plug‹-Form zu finden. Freilich, ein ernsthafter Raucher wird immer fündig. Tabake in ›Flake Cut‹-Form (breite dünne Scheiben) halten viele kreative Möglichkeiten parat. Eilige oder unerfahrene Anhänger zerkrümeln und zerquetschen die Tabakscheiben zwischen den Fingern und stopfen dann ihre Pfeife, als ob sie es mit ›Ready Rubbed‹ zu tun hätten; erfahrenere rauchen ›Flake Cut‹ im Ganzen. Es stimmt, daß es nicht so einfach ist, die Pfeife mit unzerkrümelten »Flocken« zu stopfen; diese Prozedur ist mit nicht wenig Artikeln und Anleitungen bedacht worden. Berücksichtigt muß werden, daß der Pfeifenkopf dafür recht breit sein sollte. Das Rauchen ist gleichfalls nicht unkompliziert, aber es soll sich, nach Aussagen erfahrener Leute, lohnen. Eine weitere Methode des ›Flake‹-Schnitts nennt sich ›Cube Cut‹. Sein Wesen besteht darin, daß der gepreßte Tabak zunächst in Platten von 3 bis 5 Millimetern Dicke geschnitten wird, die dann wiederum quer durchgeschnitten werden, so daß gleichmäßige Tabakwürfel entstehen. Gewöhnlich wird Burley-Tabak so gefertigt, wobei es aber auch Ausnahmen gibt. Die Größe der Würfel ist nicht festgelegt, jedoch vertreten viele Spezialisten die Meinung, daß ›Cube Cut‹ eine Seitenlänge von 5 Millimetern haben sollte. Falls sie kleiner sind, ist es bereits ›Granulated‹, das heißt Granulattabak, der besonders in Nordamerika beliebt ist. Andererseits ist in den letzten Jahren eine Tendenz ersichtlich, alle Tabake mit kubischem Schnitt, unabhängig von deren Größe, als Granulat zu bezeichnen. Twist ›Twist‹, auch ›Bogie‹, ›Pigtail‹ oder ›Rope‹ genannt, ist eine der archaischsten und gleichzeitig ästhetisch makellosesten Methoden des Tabakschnitts. Eigentlich kann man diese Arten nur bedingt als Schnitt bezeichnen, da es um sogenannte Strangtabake geht. Die Anfertigung dieses Tabaks – oder besser dieser Tabakmischung – ist ein langwieriger und teurer Prozeß. Er erinnert an Cigarren: Die Tabakblätter der verschiedenen Sorten werden in der entsprechenden Reihenfolge zusammengelegt, dann ineinander verflochten gerollt und mit einem speziellen Deckblatt versehen. Danach lagert die 1 bis 2 Zentimeter dicke Rolle einige Zeit. ![]() Über viele Jahre hinweg erhielt diese Methode synonyme Bezeichnungen, von denen einige bereits verlorengegangen sind und andere einen neuen Sinn bekommen haben. Die Herkunft dieses Strangtabaks ist höchst exotisch: Zunächst wurde er nicht geraucht, sondern gekaut. Die Erfindung dieser Schnittmethode verdanken wir voll und ganz den englischen Seefahrern, so wie auch viele andere Phänomene der Tabakwelt. Die Kanoniere benutzten diesen Tabak: Rauchen auf Holzschiffen bedeutete Feuergefahr, und Rauchen in der Nähe der Pulverkammer war der Gipfel an Unbesonnenheit. Der versalzene Organismus forderte jedoch Nikotin, und da fand sich ein Ausweg: Der Tabak wurde in spezielle Seile gerollt und lange in Melasse eingeweicht. Danach konnte man ihn kauen. ![]() Die englischen Bergarbeiter nahmen die Idee gerne auf, denn schließlich ist es nicht minder gefährlich, im Schacht zu rauchen als auf einem Kanonenschiff, und die Nikotinsucht befiel auch sie. Wenn sich die Bergarbeiter unter Tage begaben, nahmen sie einen Vorrat von diesem Tabak mit, zu einer Rolle zusammengedreht wie ein Schiffstau. Tabake, die mit dieser Methode hergestellt werden, sind besonders stark und übertreffen um einiges die Stärke bekannter Tabakmischungen anderer Schnittmethoden. Nicht umsonst macht einer der ältesten britischen Pfeifentabakhersteller, der seit Ende des 18. Jahrhunderts Strangtabak herstellt, aus Sorge, seine Kunden zu verlieren (im buchstäblichen Sinne!), diese in den Anzeigen darauf aufmerksam, daß Menschen mit schwachem Herzen jenen Tabak nicht rauchen sollten … ![]() Curly Cut In unserer Zeit haben sich sowohl die Art der Verwendung als auch die Qualität des ›Twist‹ verändert. Er ist jedoch nach wie vor süß und hat nach wie vor einen kräftigen und vollen Geschmack. Die Tabakstränge werden in verschiedener Dicke unter Zusatz von Öl hergestellt (was sie elastischer macht). Schon das verdeutlicht, daß es gar nicht einfach ist, diesen Tabak zu rauchen. Trotzdem werden bis heute ›Twist‹-Tabake hergestellt, und die Zahl seiner Anhänger ist in den letzten Jahrzehnten nicht weniger geworden. Es existieren noch einige Spielarten dieses Schnitts, die ihren Ursprung im ›Twist‹ haben. Das sind ›Curly Cut‹ und ›Spun Cut‹. Bei diesen Sorten wird die Tabakmischung in Form einer Rolle von 1 bis 3 Zentimetern Dicke angefertigt, einige Zeit gelagert und dann in münzförmige Scheibchen geschnitten (daher auch der Überbegriff ›Coins«). Eine Pfeife mit solchen »Geldstücken« zu stopfen, ist nicht gerade einfach, dafür aber eindrucksvoll und angenehm. Leider verwechseln viele Anhänger (ja sogar Hersteller) schon ›Twist‹ und ›Curly Cut‹, aber bewanderte Raucher wissen um den Unterschied. Birds Eye Eine der originellsten Tabakschnittmethoden ist ›Birds Eye‹. Man könnte diese Methode für experimentell halten, wäre ihre Geschichte nicht schon mindestens ein Jahrhundert alt: ›Birds Eye‹ findet man in einer Erzählung von Conan Doyle. Der Tabak wird nach der Methode ›Curly Cut‹ gefertigt und geschnitten und dann zum Teil zerquetscht. Am Ende bleiben in der zerquetschten Tabakmasse »Geldstückchen«, Vogelaugen ähnlich, mit einem Durchmesser von 0,5 bis 0,7 Zentimetern übrig. Ribbon Cut (Bandschnitt) Um aus einem Tabakblatt ein langes, gleichmäßiges Band zu erhalten, werden gewöhnlich Maschinen benutzt. Offenbar dieselben, die wir bereits in den Enzyklopädien von Brockhaus und Jefron gefunden haben. Das Tabakblatt wird der Länge nach geschnitten; dabei kommt es vor allem auf die Breite des Bands an. Das Tabakband stopft sich leicht und brennt (bei entsprechender Breite) ganz gut und verliert im Gegensatz zum losen Schnitt nicht an Feuchtigkeit. Nicht ganz unwichtig ist ebenfalls, daß Tabak vom Bandschnitt gut in Mischungen funktioniert: Nicht umsonst bildet Tabak dieser Schnittart die Grundlage für viele englische Mixturen. Komfortables Stopfen, berechenbare Brenngeschwindigkeit, kein Trockenwerden – all das erklärt die langer Zeit anhaltende Beliebtheit des ›Ribbon Cut‹. Das Studium der Entstehung des einen oder anderen Tabakschnitts erinnert etwas an die Arbeit eines Paläontologen. Die Suche nach fehlenden Gliedern und evolutionären Abzweigungen, das Abschneiden falscher Identitäten und toter Zweige … ![]() Shag Nach allem zu urteilen, besonders nach dem ›Ribbon Cut«, steht eine ganze Gruppe von Tabakschnittarten, die (bis heute) für Cigaretten verwendet werden, am Anfang. Es gibt Tabake zum Selbstdrehen (sie werden unter dem Motto »Roll your own!« verkauft), solche für das heutzutage fast ins Vergessen geratene »Cigarrchen« und für industriell gefertigte Cigaretten. Alle stützen sich auf die Breite des Bands. Da sich der klassische ›Ribbon‹ mit einer Breite von 2 Millimetern nicht besonders gut als Einlage für »Rauchstäbchen« eignet, so kann man den bedeutend dünneren ›Shag‹ oder den ›Fine Cut‹ schon als Prototyp des modernen Cigarettentabaks bezeichnen. ›Shag‹ gilt heute als der am dünnsten geschnittene Tabak (wobei die Bandbreite lediglich bis zu 0,5 Millimetern reicht). Er wird nur in den kleinsten Pfeifen geraucht. Früher, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde gröber geschnittener Tabak unter diesem Namen verkauft. Die Mitte zwischen dem traditionellen Band und dem dünnen ›Shag‹ nimmt die Schnittart ›Medium Cut‹ bzw. ›Fine Medium Cut‹ ein. Sie wird sehr häufig sowohl für Pfeifentabak als auch für Cigaretten zum Selbstdrehen verwendet. Viele Liebhaber sind der Meinung, daß gerade diese Schnittart, etwas dünner als normaler ›Ribbon‹, aber viel breiter als gewöhnlicher ›Shag‹, höchst universell und ausgewogen sei, sich leicht stopfe, gut brenne und bequem zu mischen sei. Besonders erwähnenswert ist der sogenannte künstliche Schnitt, der unter den Namen ›Wild Cut‹, ›Exotic Cut‹ und ›Hand Cut‹ bekannt ist. Technisch gesehen, ist hier alles ganz einfach: Typisch ist die unregelmäßige Breite des Bands. Sie wird in der Regel für Mischungen verwendet und hat eher ästhetische Eigenschaften: Tabake verschiedener Sorten und Farben, die in unregelmäßige Bänder geschnitten sind, sehen hübsch im Tabakbeutel und im Pfeifenkopf aus. Aber der Grund für die Beliebtheit dieser Schnittart ist offenbar nicht nur die Ästhetik: Genauso sahen die exotischen Tabake der letzten Jahre aus, die von Hand geschnitten waren, ohne Maschinen, von berühmten Meistern. Die Tradition ist wohl gestorben, aber der Respekt vor ihr ist sgeblieben. Crumble Cake Die Amerikaner gingen den Weg der Perfektionierung der Tabakschnittart ›Flake‹. Die Scheiben des gepreßten Tabaks werden stoßweise übereinandergelegt und quer in eine Breite von 1 bis 1,5 Millimetern geschnitten. Die dabei entstehenden Tabakwürfel werden wieder gepreßt und von neuem in Scheiben geschnitten. Das Ergebnis: Bei geringstem Aufwand zerfällt das Tabakscheibchen in kleine Fraktionen … * * * Falls Sie bis zu diesen Zeilen gekommen sind, werden Sie vielleicht verstehen, warum die hochverehrten Enzyklopädisten das Thema des Tabakschnitts umgangen haben … Die Anzahl der Schnittarten, multipliziert mit zahlreichen Varianten und deren Bezeichnungen (wir haben nur die am häufigsten verwendeten angeführt), kann in eine Sackgasse führen. Bei der Wahl eines neuen, unbekannten Tabaks sollte man sich an eine allgemeine Regel halten: Falls Sie ein unerfahrener Raucher sind, nehmen Sie eine Tabakmischung einfacher, bequemer Schnittart (›Mixture‹, ›Ready Rubbed‹, ›Loose Cut‹); andernfalls riskieren Sie, nie wieder eine Pfeife in die Hand nehmen zu wollen. Falls Sie schon tiefer in das Wesen des Tabakrauchens eingedrungen sind, können Sie sich Experimente mit Tabaken komplizierter Schnittarten erlauben (›Flake‹, ›Plug‹, ›Twist‹ …). In jedem Fall läßt sich über Geschmack nicht streiten. von Dmitrij Gajew |
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