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Synchronisten

Bis vor kurzem war die Produktionsstrategie der Aviations-Uhrenmarke ›Breitling‹ von rein praktischer Zweckmäßigkeit bestimmt. Die Konstruktionsingenieure aus dem Schweizer Städtchen Grenchen arbeiteten nie nach ästhetischen Maßstäben, sondern ließen sich stets von Aspekten der Zuverlässigkeit und, versteht sich, vom Verbrauchernutzen und der Funktionalität der Baugruppen leiten. Genau deshalb hat ›Breitling‹ nie Uhren mit edlem Design hergestellt. Wobei sie einzig beim ewigen Kalender eine Ausnahme machten – und das auch nur bei den »nichtelitären« elektronischen Versionen. Neueste Konjunkturströmungen und die Kooperation mit der elitären Automarke ›Bentley‹ zwangen die Uhrenmacher, ihre Ansichten zu überdenken und von ihren Prinzipien abzurücken …

»Einzigartig und einmalig« – diese Worte passen sowohl zum Automobil ›Bentley‹ als auch zum Chronographen ›Breitling‹

Heute ist offensichtlich, daß die zwei geschätzten Firmen sehr vieles gemeinsam haben. Nicht weniges verbindet auch ihre Gründerväter. Sowohl Léon Breitling als auch Walther Owen Bentley waren außergewöhnliche Menschen, die ihre schöpferische Energie an die nächsten Generationen weitergeben konnten, die dann verbesserten, multiplizierten und aktiv die Firmenproduktion propagierten. Ebenfalls erwähnenswert ist die gleiche fanatische Ergebenheit an das Ideal der Qualität sowie der Synchronismus, mit dem sie einige Kultmodelle herausbrachten.

Die Hinwendung ›Breitlings‹ zum Sektor der Grand complications war nicht nur von ›Bentley‹ selbst vorherbestimmt worden, sondern auch von seinem langjährigen Partner, dem ›Atelier Mulliner‹. Das Atelier ist auf exklusives Interieur-Tuning spezialisiert, wobei es das ohnehin schon luxuriöse Auto in ein Kunstwerk verwandelt. Die Grenchener beschlossen, die Individualisierungskonzeption in ihre Kollektion mit aufzunehmen. Im Endeffekt erblickte die erste »Schwalbe« das Licht der Welt: ein mechanischer Chronograph mit dem ewigen Kalender ›Mulliner Perpetual‹. Wie sich auf der ›Baselworld 2005‹ herausstellte, wurde er in all seinen Merkmalen zum einzigartigen Vorläufermodell für den ›Mulliner Tourbillon‹.

Es ist nicht einfach, die passende individuelle Gestaltung des eigenen ›Mulliner Tourbillon‹ auszusuchen: Es gibt mehrere tausend Kombinationen

Vor allem ist der ›Mulliner Tourbillon‹ der erste und einzige 30‑Sekunden-Chronograph mit einem Tourbillon, der ein Zertifikat der ›COSC‹ (Offizielle Schweizerische Chronometerkontrolle) besitzt. Im goldenen wie im Platingehäuse tickt ein graviertes Handkaliber 18 B mit Handaufzug. Jedes Exemplar wird gemäß den Wünschen des Bestellers angefertigt, der sich Typ und Farbe des Zifferblatts aussuchen kann, ferner die Materialien, aus denen Zeichen und Teile des Gehäuses gestanzt werden, und so weiter. Insgesamt gibt es mehr als 4000 Positionen im Katalog. Auf der Gehäuserückseite weist der ›Mulliner Tourbillon‹ ein Dekor aus Edelholz auf, wobei zwischen sechs Varianten gewählt werden kann: zwei Nußbaumhölzer sowie Ahorn, Eberesche, Erdbeerholz und Eiche. Für die Paneele und Auflagen im Autoinnenraum verwenden die Meister von ›Mulliner‹ Holz, das auf die gleiche Weise verarbeitet wurde. Und schlußendlich, damit niemand Zweifel an der Einzigartigkeit des konkreten Chronographen hat, werden die Initialen des Besitzers in eine der Uhrwerkbrücken eingraviert.

Besonders angenehm ist, daß nicht nur ein ›Bentley‹-Fan Besitzer einer solchen Uhr werden kann, sondern auch jemand, der Fahrräder lieber als Autos mag. Derartiger »Demokratismus« wird natürlich vollauf durch den soliden Preis kompensiert, der vergleichbar mit dem für einen ›R-Type‹ ist … Die Komplexität und der Arbeitsaufwand setzen der Auflage dieses sensationellen Modells natürliche Grenzen. Nach Aussagen der Chefetage von ›Breitling‹ kann die Firma nicht mehr als 20 ›Mulliner Tourbillons‹ pro Jahr produzieren; man rechnet mit circa 100 Exemplaren insgesamt. Der erste Satz ist bereits verkauft, und zur Zeit werden lediglich Bestellungen entgegengenommen. Die wiederum werden so schnell abgegeben, daß wahrscheinlich die vermutliche Auflage innerhalb kürzester Zeit vergriffen sein wird. Wie sagt man noch? Genau: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

von Matwej Aleksejew
 
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