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Taschenfeuerzeuge Die Urform des Feuerzeugs Die Experten sind sich einig: Die Entwicklung des Feuerzeugs wäre ohne die Erfindung der Schußwaffe undenkbar. Um 1515 wurde die erste Muskete gebaut. Bei diesem Gewehr entstand durch die Reibung eines speziellen Zündrädchens an einem Flintstein ein Funke, der wiederum das Pulver entzündete. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts konnte sich noch niemand vorstellen, diesen Mechanismus anderweitig zu nutzen. Erst 100 Jahre später wurde die neue Waffentechnologie auch friedlich eingesetzt. Eingeleitet wurde dieser Wandel ausgerechnet von Waffenschmieden. Findige Handwerker entdeckten, daß man aus einer zerlegten Waffe eine äußerst interessante Konstruktion basteln konnte, die Feuer erzeugte. Im Lauf alter Pistolen wurde eine Zündschnur befestigt, die mittels Zündrädchen und Feuerstein entzündet wurde. ![]() Im 17. Jahrhundert funktionierten Pistolen und Feuerzeuge noch nach ein und demselben Prinzip Diese Vorrichtung ähnelte jedoch mehr einer tragbaren Fackel als einem Feuerzeug. Zudem war sie schwer zu bedienen und auch nur wenig zuverlässig. Meist hatten die Zündmechanismen alter Schußwaffen in den zahlreichen Gefechten derart gelitten, daß es nahezu unmöglich war, die Zündschnur beim ersten Mal zu entzünden. Dennoch erfreute sich die Zunderpistole großer Beliebtheit. Ihr furchteinflößendes Äußeres spielte dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit der Zunderpistole konnte man nicht nur Kerzen anzünden, sondern auch unliebsame Zeitgenossen vertreiben. Deshalb wurde sie in Tavernen, Schenken und billigen Herbergen besonders gerne mitgeführt. Aber auch in den privaten Haushalten machte sie den herkömmlichen feuererzeugenden Geräten zunehmend Konkurrenz. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde eine echte Alternative zur unhandlichen Zunderpistole gefunden. Genaugenommen handelte es sich dabei nicht um ein Feuerzeug, sondern um die Streichhölzer. Ihre Herstellung wurde möglich, nachdem der französische Chemiker Claude Louis Berthollet das Kaliumchlorat entdeckt hatte. Streichhölzer werden übrigens bis heute mit dem von Berthollet entdeckten Salz versehen. ![]() Das Tischfeuerzeug von Johann Dobereiner Heute geht jeder technischen Innovation eine wissenschaftliche Untersuchung voraus, in deren Rahmen sich der Forscher dem zuvor gesetzten Ziel schrittweise annähert. Vor 200 Jahren war dies noch völlig anders: Wissenschaftler hatten im Vorfeld kaum eine Vorstellung davon, wozu ihre Entdeckung dienlich sein könnte. So verhielt es sich sowohl mit den Streichhölzern als auch mit dem Feuerzeug. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Chemiker Johann Friedrich Dobereiner die katalytische Wirkung von Platinmetallen, das heißt, er fand heraus, daß Platinmetalle die Verbrennung von Wasserstoff beschleunigen. Im Unterschied zu einer Vielzahl seiner Kollegen jener Zeit wollte sich Dobereiner aber nicht mit der bloßen Entdeckung zufriedengeben, sondern suchte statt dessen fieberhaft nach ihrem praktischen Nutzen. Kurze Zeit später konnte der deutsche Chemiker der Öffentlichkeit eine Konstruktion vorstellen, die zu Recht als erstes Feuerzeug (im heutigen Sinne) bezeichnet werden darf. Das Dobereiner Feuerzeug war vergleichsweise kompakt und ließ sich problemlos auf dem Schreibtisch plazieren. Fatalerweise hatte Dobereiner nicht bedacht, daß Wasserstoff nicht nur ein leicht brennbares, sondern auch ein hochexplosives Gas ist. Sein Feuerzeug war derart gefährlich, daß es schon bald den Beinamen »Höllenmaschine« erhielt. ›Dunhill‹ nimmt die Verfolgung auf Nach Dobereiners Fehlschlag geriet das Feuerzeug für mehrere Jahrzehnte in Vergessenheit. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Genuß von Cigarren groß in Mode kam, wurde die Arbeit an der Entwicklung des Feuerzeugs wieder aufgenommen. Das Feuerzeug verdankt seine Weiterentwicklung somit der Cigarre und nicht, wie oft angenommen, der Cigarette, denn die kam erst gegen Ende des besagten Jahrhunderts richtig auf. ![]() Wise und Greenwood verwendeten für die Herstellung ihrer Feuerzeuge leere Senfgläser Die Nachfrage steigt bekanntlich mit dem Angebot, und so war die große Beliebtheit der Cigarre Anlaß dafür, ernsthaft über die Herstellung passender Accessoires nachzudenken. Zunächst wurden Aschenbecher und Cigarrenetuis entworfen, und danach kamen die Feuerzeuge. Dieses Mal wurden die »Macher« vor eine konkrete Aufgabe gestellt: Um der steigenden Nachfrage nachzukommen, sollte ein kompaktes, zuverlässiges, langlebiges, dazu schönes Feuerzeug entwickelt werden. Und nicht zu vergessen: Es mußte ungefährlich sein. Die Feuerzeuge der neuen Generation eroberten in den 60er Jahren den Markt. Auch weiterhin bauten die Wissenschaftler auf den traditionellen Mechanismus aus Zündrädchen und Flintstein, doch setzten sie einen Docht ein, der mit einer brennbaren Flüssigkeit getränkt war: Das Rädchen schlägt durch Bewegung auf den Flintstein, und der dadurch entstehende Funke entzündet den Docht. Die Neuerung eroberte die Herzen der Raucher im Sturm. Auch der vergleichsweise hohe Preis tat der großen Nachfrage keinen Abbruch. Das »gezähmte Feuer« wurde zum Inbegriff technischen Fortschritts. ![]() Wandfeuerzeug aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr das Feuerzeug keine wesentlichen Veränderungen. Lediglich das Design unterlag Wandlungen. Von Jahr zu Jahr wurden die Feuerzeuge in ihren Formen raffinierter und schon bald unter betuchten Europäern als beliebte Sammelobjekte gehandelt. Etwa zeitgleich wurde auch damit begonnen, Feuerzeuge mit Familienwappen und Monogrammen, den Initialen des Besitzers oder einem beliebigen Gedenkdatum zu gravieren. Ein weiterer bedeutender Schritt in der Historie des Feuerzeugs wurde im Jahr 1903 unternommen, als der österreichische Chemiker Carl Auer von Welsbach in seinem Labor Eisen mit Zerium legierte. Seine Untersuchungen ergaben, daß die Legierung über dieselben Eigenschaften verfügt wie ein herkömmlicher Feuerstein, dabei aber wesentlich leichter und robuster ist. Diese Erkenntnis weckte das Interesse der Feuerzeughersteller. Die Verwendung von Eisen und Zerium anstelle des traditionellen Zündsteins machte es möglich, wesentlich kleinere Feuerzeuge herzustellen. Diese Veränderung fand allgemeinen Zuspruch, da hierdurch das Feuerzeug nicht nur sehr viel handlicher, sondern auch zuverlässiger geworden war. ![]() Elektrisch gezündetes Feuerzeug mit drei Elektroden aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Ein grundlegender Nachteil war jedoch immer noch nicht behoben: Für die Benutzung sämtlicher Feuerzeuge jener Zeit waren beide Hände notwendig. Eine, um das Feuerzeug zu halten, die andere, um das horizontal plazierte Rädchen zu drehen. Es muß wohl nicht besonders darauf hingewiesen werden, daß die Handhabung äußerst umständlich war. Das Feuerzeug, das mit nur einer Hand bedient werden kann, wurde in den 20er Jahren von den zwei befreundeten britischen Ingenieuren Frederic Charles Wise und Willy Greenwood entwickelt. Der eine hatte im Krieg seinen Arm verloren. Als leidenschaftlicher Raucher träumte er davon, sich eine Cigarette anzünden zu können, ohne dabei stets auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Die Freunde unternahmen zahlreiche Versuche, dieses Problem zu lösen, und entwickelten schließlich ein Feuerzeug mit vertikal eingesetztem Rädchen. Die Lösung war simpel und genial zugleich. Von nun an genügte eine kurze Bewegung mit dem Daumen – und das Feuerzeug erzeugte eine Flamme. ![]() ›Unique Watch‹ von ›Dunhill‹ Die Geschichte wollte es, daß die Werkstatt von Wise und Greenwood direkt gegenüber von Alfred Dunhills Tabakgeschäft gelegen war. Die beiden Freunde überlegten nicht lange, ließen sich ihre Erfindung patentieren und boten sie ›Dunhill‹ an. Alfred Dunhill betonte zeit seines Lebens, das Geheimnis seines Erfolgs läge vor allem in der Erkenntnis, daß selbst kleine Ideen zu Reichtum führen können, weshalb er auch sofort das Angebot der beiden Ingenieure annahm. So kam 1924 das erste mit einer Hand zu bedienende Feuerzeug unter dem Namen ›Dunhill Unique‹ auf den Markt. Es war in Silber oder Gold und mit Einsätzen aus Krokodil- oder Straußenleder erhältlich. Das elegante Design und die leichte Handhabung lösten unter den Tabakliebhabern wahre Begeisterungsstürme aus. Alfred Dunhill wollte sich mit diesem Erfolg nicht zufriedengeben. Im Jahr 1926 wurde das revolutionäre Modell ›Dunhill Unique Watch‹ entworfen, ein Feuerzeug, in dem eine Uhr eingebaut war. Es hieß, die ›Dunhill‹-Uhr könne dem Vergleich mit jedem beliebigen Schweizer Modell standhalten. An der Qualität des Feuerzeugs bestand ohnehin nicht der leiseste Zweifel. Die Idee des multifunktionalen Feuerzeugs schien derart reizvoll, daß binnen weniger Jahre der Markt von den unterschiedlichsten Feuerzeugkombinationen erobert wurde, angefangen vom Feuerzeug als Uhrenkettenanhänger bis hin zum Feuerzeug mit integriertem Cigarettenetui. ![]() Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts konzentrierte man sich in Europa vorrangig auf aufwendiges Design. Feuerzeuge nahmen die unglaublichsten Formen und Farben an Ende der 20er Jahre machte dann die Schweizer Firma ›Torens‹ von sich reden, als sie das erste automatische Feuerzeug entwickelte. Die Ingenieure von ›Torens‹ erweiterten den Zündmechanismus um einen Deckel, der mit dem Brennstoffbehälter verbunden war. Wurde bei diesem Feuerzeug nun ein spezielles Ventil betätigt, hob sich der Deckel über dem Docht, und gleichzeitig wurde der Zündmechanismus, bestehend aus Rädchen und Zündstein, in Gang gesetzt. Nie zuvor war die Bedienung eines Feuerzeugs derart einfach gewesen. Anfang der 30er Jahre wurde die technische Weiterentwicklung des Feuerzeugs in Europa weitgehend eingestellt. Damals konzentrierte man sich in erster Linie auf das Design. Sammler und Kunstexperten sind sich einig, daß die Feuerzeuge aus jener Zeit Spiegel der damals vorherrschenden Kunstrichtungen sind, angefangen vom frühen Minimalismus bis hin zum Art deco. Schlicht gehaltene goldene und silberne Feuerzeuge wurden zunehmend von reich verzierten Modellen abgelöst. Mitte der 30er Jahre eroberten wahre Schwergewichte den Markt, so etwa Feuerzeuge in Form von Flugzeugen und Autos. Allen voran ›Dunhill‹ mit dem Modell ›Lighthouse‹, einem Feuerzeug in Form eines Leuchtturms, dessen Höhe sage und schreibe eineinhalb Meter erreichte. Mit dem ›Lighthouse‹ sicherte sich ›Dunhill‹ denn auch einen Platz im Guinness Buch der Rekorde. Der amerikanische Traum Die Europäer waren derart damit beschäftigt, das Design der Feuerzeuge zu perfektionieren, daß sie darüber deren praktischen Nutzen völlig vergaßen. Zu der Zeit wurde die technische Weiterentwicklung des Feuerzeugs auf der anderen Seite des großen Teichs, in den USA, fortgesetzt. Vater des Feuerzeugs »Made in America« war George Blaisdell. Seine Erfolgsgeschichte begann im Jahre 1932 in Bradford, Pennsylvania. Dort besaß er eine Firma zur Herstellung einfacher Ausrüstungen zur Erdölförderung. Unzählig sind die Geschichten darüber, wie Blaisdell dazu kam, Feuerzeuge herzustellen. Er selbst erzählte stets, sein Freund Dick Dresser sei es gewesen, der ihn auf die Idee gebracht habe. ![]() So veränderte sich das Logo des ›Zippo‹ Eines Abends besuchten die Freunde einen Club, und nach Tanz, einem guten Tropfen und Gesprächen über Gott und die Welt gingen sie auf die Veranda, um dort in Ruhe zu rauchen. Dresser holte ein altes österreichisches Feuerzeug aus der Tasche, dessen Deckel sich nur mit Mühe öffnen ließ. Er war ein durchaus gut situierter Mann, und Blaisdell wunderte sich: »Warum kaufst du dir kein schickeres Feuerzeug?« Dressers Antwort: »Weil es das einzige ist, das wirklich funktioniert.« Davon konnte sich Blaisdell im nächsten Augenblick überzeugen: Nachdem sich der Deckel geöffnet hatte, hielt die Flamme des abgenutzten Feuerzeugs dem starken Wind stand. Fortan war für Blaisdell das Design eines Feuerzeugs sekundär. Zunächst kaufte Blaisdell eine Exklusivlizenz für den Import österreichischer Feuerzeuge in die USA. Doch dieser Schritt erwies sich als reine Geld- und Zeitverschwendung: Blaisdell konnte kein einziges Feuerzeug verkaufen. Die patriotischen Amerikaner kauften lieber Feuerzeuge aus den USA, auch wenn sie weniger angenehm in der Benutzung waren. Trotz dieses Mißerfolgs gab Blaisdell nicht auf. Er beschloß, künftig eigene Feuerzeuge zu entwickeln und herzustellen. Er mietete eine Werkstatt an, kaufte einige gebrauchte Maschinen und stellte drei Schlosser ein. Blaisdell wollte aber nicht einfach nur die österreichischen Feuerzeuge kopieren, er wollte sie auch verbessern. ![]() ›Sports News‹ von ›Zippo‹ Zunächst veränderte er die Größe derart, daß das Feuerzeug ideal in der Hand lag. Danach konstruierte er eine Art Scharnier, das den Deckel mit dem Feuerzeugkörper verbinden sollte. Nun ließ sich der Deckel mit einer Hand mühelos öffnen. Der Feuerzeugkörper wurde aus Messing gefertigt und war damit wesentlich stoßfester als zuvor. Die Schutzvorrichtung um den Docht blieb unverändert, und auch das Rädchen mit dem Zündstein wurde nur geringfügig umgearbeitet. Das neue Feuerzeug, das zu einem Symbol des »American Way of Life« wurde, erhielt den Namen ›Zippo‹, in Anlehnung an das englische Wort für Reißverschluß (»zipper«). Es kostete 1,95 Dollar, und bereits im Anfangsmonat wurden 100 Stück verkauft. Das Geld, das mit den ersten Feuerzeugen verdient wurde, steckte der Geschäftsmann mit Weitblick in die Werbung für seine Marke. Darin wurde vor allem auf die Wetterfestigkeit des neuen Feuerzeugs hingewiesen, und in seiner Heimatstadt Bradford schenkte Blaisdell jedem Busfahrer ein ›Zippo‹, damit sie den Fahrgästen zeigen konnten, wie windfest das Feuerzeug sei. ![]() Feuerzeug mit Butangas von ›S.T. Dupont‹ aus den späten 40er Jahren des 20. Jahrhunderts Das ›Zippo‹ erfreute sich immer größerer Nachfrage, so daß Blaisdell 1937 beschloß, sein Sortiment zu erweitern. Es wurde die Serie ›Zippo Sports News‹ auf den Markt gebracht. Auf den Feuerzeugen dieser Reihe waren unter anderem Fischer und Jäger, Baseballspieler und Segelsportler, Skifahrer und Golfspieler abgebildet. Später wurden Modelle mit Keramikdekor und anderen Verzierungen hergestellt. Und nach dem Krieg produzierte man Feuerzeuge, auf denen die Erkennungsmarken verschiedener Armee-Einheiten abgebildet waren. Zur großen Beliebtheit des ›Zippo‹ trug auch die lebenslange Garantie bei, die Blaisdell für jedes seiner Feuerzeuge gewährte. Noch heute können defekte ›Zippo‹-Feuerzeuge aus aller Welt nach Bradford geschickt werden, wo sie repariert und wieder an den Besitzer zurückgesendet werden. Dabei ist es völlig gleichgültig, in welchem Jahr das ›Zippo‹ hergestellt worden ist, da sich die Machart seit Beginn seiner fast 70‑jährigen Geschichte kaum verändert hat. Exklusiv für Cigarren In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Feuerzeuge nahezu ausschließlich mit Benzin gefüllt. Das konnte den Cigarrenliebhabern nicht gefallen, denn der strenge Benzingeruch dringt in die Cigarre ein und verdirbt ihre unverwechselbaren Eigenschaften. Um auf den vollendeten Genuß einer Cigarre nicht verzichten zu müssen, ging die Mehrheit der Aficionados wieder zu Streichholz und Span über. ![]() ›Rollagas‹ von ›Dunhill‹ Nach dem Krieg war endlich eine gangbare Lösung gefunden. 1947, auf der Weltausstellung in Paris, präsentierte ›S.T. Dupont‹ das erste Gasfeuerzeug. Im Gegensatz zu den bisherigen Benzinfeuerzeugen war das mit Butangas gefüllte Feuerzeug weitgehend geruchlos und beeinflußte damit kaum den Eigengeschmack einer Cigarre. Bald folgten dem französischen Vorbild auch andere europäische Hersteller. So brachte ›Dunhill‹ 1956 das ›Dunhill Rollagas‹ auf den Markt, und im selben Jahr entwickelte die Schweizer Firma ›Diplomat‹ ihre erste Linie auserlesener Gasfeuerzeuge. Ein Vierteljahrhundert später wartete ›Dupont‹ mit einer weiteren Neuerung auf: Der Feuersteinmechanismus wurde durch ein neues elektrisches Zündsystem ersetzt. Das von den Franzosen entwickelte System wurde »Piezo-Zündung« genannt. Wird der Piezo-Kristall betätigt, entsteht an seinen Polen ein unterschiedliches elektrisches Potential. Der schwache Strom fließt zu den beiden Elektroden, während der zwischen ihnen springende Funke den benzingetränkten Docht oder das ausströmende Gas entzündet. Einwegfeuerzeuge Lange Zeit galt das Feuerzeug als Luxusartikel. Die komplizierte Konstruktion, die technischen Neuerungen und das oftmals sehr aufwendige Dekor trieben die Preise für Feuerzeuge in schwindelerregende Höhen. Damit war der Besitz eines Feuerzeugs lange Zeit nur Vertretern der wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten, während sich die breite Masse mit Streichhölzern begnügen mußte. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts kosteten selbst die einfachen Modelle mindestens 10 bis 15 Dollar. ![]() Das Feuerzeugarmband von ›Flamidor‹ aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Erst der französische Unternehmer Marcel Bic machte das Feuerzeug zu einem Massenartikel. Mitte der 50er Jahre hatte er die ersten Einwegkugelschreiber auf den Markt gebracht, und bereits nach einigen Jahren waren ungleich mehr Einweg- als traditionelle Kugelschreiber auf dem Markt. Schließlich beschloß Marcel Bic 1973, auch Einwegfeuerzeuge herzustellen. Die Verwendung von Gas ermöglichte es, mit einem Plastikkorpus zu arbeiten. Damit konnten Größe und Gewicht und letztlich auch der Preis minimiert werden. Der berühmte Werbeslogan »Click Bic« eroberte innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt, und das Plastikfeuerzeug war bald in jeder Hosentasche zu finden. Das Erfolgsgeheimnis des ›Bic‹-Feuerzeugs war denkbar einfach: Es war konkurrenzlos billig, zuverlässig und sehr praktisch. Das Plastikfeuerzeug war in den unterschiedlichsten Farben erhältlich und traf damit den Geschmack vieler Jugendlicher. Aber auch das etwas gesetztere Publikum war sehr zufrieden mit den Neuerungen von ›Bic‹, war doch nun der Verlust eines Feuerzeugs wie der eines (Einweg-)Kugelschreibers kein finanzieller mehr. ![]() Es dauerte nicht lange, bis sich auch andere Firmen auf die Produktion von Einwegfeuerzeugen konzentrierten. Zum größten Konkurrenten von ›Bic‹ schwang sich die schwedische Firma ›Swedish Match‹ auf, die bereits seit 1917 Streichhölzer herstellte. In den 80er Jahren kauften die Nordländer den britischen Rasierklingenhersteller ›Wilkinson Sword‹ und produzierten von da an Einwegfeuerzeuge unter dem Namen ›Cricket‹. Neben ›Bic‹ und ›Cricket‹ gelten heute die Marken ›Amatti‹ und ›Feudor‹ als Marktführer. Das High-Tech- Zeitalter Die Weiterentwicklung des Feuerzeugs stand immer in engem Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt. So spiegelt sich das Zeitalter des Erdöls im Benzinfeuerzeug wider. Die Verbreitung des Gases als Energieträger führte zur Entwicklung von Gasfeuerzeugen. Und die Erfindung der Piezo-Zündung zu Beginn des 20. Jahrhunderts deckt sich mit der Entwicklung elektronischer und digitaler Technologien. ![]() Stellt man die Frage, wer die hochwertigsten Fernseher herstellt, verweisen die meisten Antworten auf japanische Unternehmen. Und tatsächlich gilt das Land der aufgehenden Sonne seit einigen Jahrzehnten als Marktführer in Sachen High-Tech. So überrascht es kaum, daß die Japaner die Welt auch mit einem neuen Feuerzeug »beglückten«. Im Jahr 1986 präsentierte die japanische Firma ›Sarome‹ das erste Turbofeuerzeug. Diese Neuerung fand bei den Cigarrenliebhabern großen Anklang. Heute, so Schätzungen, benutzt jeder zweite Cigarrenraucher ein Turbofeuerzeug. Die Mehrheit der Aficionados ist sogar überzeugt davon, daß die Turbofeuerzeuge eigens für den Cigarrengenuß entwickelt worden sind. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Die Ingenieure von ›Sarome‹ kleideten die neue Technologie in eine ansprechende Hülle, ohne dabei explizit an ein luxuriöses Accessoire für Cigarrenraucher zu denken. Ihnen ging es im Grunde darum, das Gas sehr hohem Druck auszusetzen. Durch den entstehenden Funken bildet sich eine kleine Flamme mit klarer Kontur und sehr hoher Temperatur. ![]() Das erste Turbofeuerzeug war vergleichsweise unhandlich und wurde zunächst ausschließlich von Zahnärzten und -technikern zur exakten Anpassung von Prothesen benutzt. Technologische Neuerungen machten jedoch bald kleinere Modelle möglich, die rasch ihren Platz in den Regalen von Baumärkten und -fachgeschäften fanden. Die kompakten Industriefeuerzeuge, deren Flamme mehr als 1000 Grad Celsius erreichen konnte, wurden zunehmend auch im Haushalt als Lötkolben verwendet. Bald darauf entdeckten dann Touristen und Reisende das Turbofeuerzeug für sich. Der hohe Druck garantierte eine Flamme selbst bei heftigem Wind, Regen und Schnee. ![]() Bei Kennern guter Cigarren und guten Tabaks erfreut sich das Turbofeuerzeug seit Beginn der 90er Jahre großer Beliebtheit. Mittlerweile hat es das klassische Gasfeuerzeug mehr oder weniger abgelöst. Der hohe Gasdruck garantiert nicht nur ein rasches Anrauchen der Cigarre, sondern auch ein gleichmäßiges Abbrennen des Brandendes. Heute werden die Turbofeuerzeuge nicht mehr nur in Japan hergestellt. So haben sich auch europäische Firmen wie ›Blazer‹, ›Colibri› und ›S.T. Dupont‹ auf die Produktion dieser modernen Feuerquelle eingestellt. Und das US-Unternehmen ›Prometheus‹, erst 1992 gegründet, spezialisierte sich von Beginn an auf die Herstellung dieser Art Feuerzeuge. Darüber hinaus war es die erste Firma, die Turbofeuerzeuge mit integrierter Guillotine oder integrierter Cigarrenschere entwickelte. ![]() Die heutigen Modelle haben nur noch wenig gemein mit den ursprünglichen Turbofeuerzeugen aus den 80er Jahren. Im Laufe der Zeit wurden sie kompakter, leichter und vor allem auch wesentlich ansehnlicher. Selbst ihre Bauweise veränderte sich. Anfang der 90er Jahre entwickelte ›Sarome‹ das doppelflammige Feuerzeug. Auf den ersten Blick ist lediglich eine hohe Stichflamme sichtbar, die sich jedoch aus zwei Öffnungen speist. Auch die Firma ›Prometheus‹ zeichnete sich durch technische Innovationen aus. So entwickelte sie beispielsweise ein Turbofeuerzeug mit kreisförmiger Feuerzufuhr. Die Öffnung, aus der das Gas entströmt, ist umgeben von etwa 30 kleineren Öffnungen. So hat die Flamme ein volles Volumen und ist nach Aussagen vieler Cigarrenliebhaber geradezu ideal für das Anrauchen einer Cigarre. ![]() Das Design der Turbofeuerzeuge entspricht zudem vollends dem Zeitgeist. Während die Feuerzeuge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Gold, Silber, Edelsteine bestachen, zeichnen sich die Turbofeuerzeuge von heute durch einen unaufdringlichen und minimalistischen Stil aus. Die kühlen Stahlgehäuse spiegeln das High-Tech-Zeitalter wider. Allerdings ist der Preis eines Turbofeuerzeugs durchaus vergleichbar mit dem eines Feuerzeugs, das zu Beginn des letzten Jahrhunderts hergestellt worden ist. Wer Besitzer eines hochwertigen Feuerzeugs von ›Prometheus‹ oder ›Sarome‹, von ›Colibri‹ oder ›S.T. Dupont‹ werden will, muß jedenfalls etwas tiefer in die Tasche greifen. ![]() Turbofeuerzeug mit integriertem Cigarrencutter von ›Colibri‹ Die Tatsache, daß heute rund die Hälfte aller Cigarrenraucher dem Turbofeuerzeug den Vorzug gibt, bedeutet jedoch keineswegs, daß die goldenen und silbernen Kunstwerke aus dem letzten Jahrhundert veraltet oder überholt sind. Sie gelten als wahre Raritäten und erfreuen sich großer Wertschätzung bei Sammlern und Liebhabern. Auch Traditionsmarken wie ›Dunhill‹ und ›Cartier‹ sind heute nicht mehr aus der Welt der Feuerzeuge wegzudenken. Ihre Stücke, wahre Pretiosen, werden nach wie vor aus Gold oder Silber hergestellt und auf Wunsch auch mit Edelsteinen besetzt. Sie befriedigen die Bedürfnisse der Ästheten und der Bewahrer echter Kunst. Der Glanz des Goldes ist zeitlos. Dies bewies ›Dunhill‹ zuletzt 1986 mit dem teuersten Feuerzeug aller Zeiten. Mehr als 56.000 Dollar mußten Liebhaber für dieses Prunkstück aufwenden, für das ›Dunhill‹ zum zweiten Mal Erwähnung im Guinness Buch der Rekorde fand. ![]() Das Turbofeuerzeug ›Gladiator‹ von ›Prometheus‹ Die Menschen im antiken Griechenland, die den Mythos von Prometheus begründeten, der den Menschen das Feuer brachte und dafür von den Göttern bestraft wurde, glaubten an den göttlichen Ursprung des Feuers. Sie wären wohl mehr als verwundert zu sehen, wie der moderne Mensch mit einer einfachen Handbewegung Feuer gewinnt. Wir vollführen diese Handlung mehrmals am Tag, um etwa die Flamme eines Gasherds zu entzünden, eine Kerze erstrahlen zu lassen oder eben eine Cigarre zu entfachen. Vielleicht sollten wir bei diesen Tätigkeiten hin und wieder an Prometheus und an all jene denken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Feuer für künftige Generationen zu zähmen. von Eldar Tusmuchamedow |
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