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Pfeifen-Kummer Wie man eine Pfeife richtig auswählt und pflegt Das Rauchen einer Pfeife kann etwas Wunderbares sein – vorausgesetzt, das »Rauchinstrument« ist zumindest solide gearbeitet. Aus diesem Grund beginnt der Rauchgenuß einige Zeit vor dem ersten Zug, das heißt beim Kauf. Fangen wir deshalb mit den »angeborenen« Defekten an, welche die Pfeife während der Herstellung erworben hat … Bruyère-Holz von schlechter Qualität ist die Hauptursache für viele Probleme. Damit klar wird, von welchen Problemen wir reden, kehren wir – im wahrsten Sinne des Wortes – zu den Wurzeln zurück. Bruyère ist die Bezeichnung für die Wurzeln der Baumheide, die auf Felsen am Mittelmeer wächst. Bevor eine Wurzel zu einer Pfeife wird, muß sie lange, lange Jahre wachsen, alle Gefährdungen des irdischen Daseins überstehen, von einem Sammler gefunden werden und schlußendlich durch die vorbereitende Bearbeitung mit Feuer, Wasser und Kupferrohren gehen. ![]() Auf der Jagd nach dem »schnellen Euro« werden jedoch häufig viele Stadien verkürzt bzw. einfach ignoriert. Der Sammler kann einen Strauch von einem »minderjährigen« 30‑jährigen Baum ausgraben, und das Sägewerk schickt hastig rohe Scheite in die Fabrik, in der umgehend Pfeifen aus ihnen geschnitzt werden. Derartige Pfeifen sind am niedrigen Preis und am fehlenden Herstellernamen zu erkennen. Wird solch eine Pfeife gekauft, gestaltet sich das Rauchen recht mühselig, zudem unangenehm. Im besten Fall nimmt die Pfeife nach einigen Monaten einen normalen Geschmack an, im schlimmsten bekommt sie Risse und wird entsorgt. Beim Kauf einer Pfeife aus der mittleren Preiskategorie ist das Risiko, auf schlechtes Bruyère-Holz zu stoßen, ebenfalls gegeben, jedoch längst nicht so hoch. Eine Pfeife ohne Fehler für unter 100 Euro zu erwerben hat in gewisser Weise mit Zufall zu tun. Nur bei einer Pfeife der Kategorie ›HiGrade‹ mit dem Namen des Herstellers bzw. der Fabrik ist eine einwandfreie Verarbeitung des Rohmaterials garantiert. Kommen wir zu den »mechanischen« Defekten des Bruyère-Holzes, beispielsweise zu »Sandkörnchen« und sehr feinen Rissen. Beides hat keinen Einfluß auf die Rauchqualität, mindert jedoch den Sammlerwert. Nicht selten werden solche kleinen Defekte durch Sandstrahlbearbeitung, Schnitzereien oder Spachtelarbeiten verdeckt. Einzelne »Meister« rühmen sich denn auch ihrer »Kunst«, Fehler zu verspachteln. Eine derartige »Nachbesserung« offenbart sich dann, wenn die Spachtelmasse ihre Farbe verändert oder vollkommen abfällt. ![]() Beim Pfeifenkauf ist deshalb die Mitnahme einer Lupe durchaus angebracht. Die sorgfältige Prüfung sollte nicht nur die äußere Oberfläche der Pfeife erfassen, sondern auch die innere des Pfeifenkopfs. Kleinere Fehler beim Kopf sind ungefährlich, solange sie nicht tief sitzen. Falls ein Defekt im Brennraum entdeckt wird, ist es angebracht, sich zu vergewissern, ob er sich eventuell außen fortsetzt. Falls ja, kann das ein Zeichen für ein durchgehendes Loch sein – und dafür, vom Kauf der betreffenden Pfeife abzusehen. Wesentlichen Einfluß auf das Rauchen hat die Bohrung des Rauchkanals. Im Idealfall befindet sich der Ausgang des Rauchkanals genau in der Mitte des Pfeifenkopfs und nicht höher als der Pfeifenkopfboden. Ist er mehr als einen Millimeter höher als der Boden, wird die Pfeife nie zu Ende geraucht werden können – sie wird zu feucht, und der Geschmack geht verloren. Die Verbindung zwischen Mundstück und Holm wiederum darf weder zu straff noch zu locker sein. Einerseits sollte das Mundstück nicht im Holm wackeln, andererseits beim Herausnehmen aber auch kein quietschendes Geräusch verursachen. Derartige Fehler lassen sich zwar beheben, aber es ist allemal besser, sich gar nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen, das heißt, eine solche Pfeife ebenfalls links liegen zu lassen. ![]() Auch auf die Einpassung des Mundstücks ist zu achten. Hier dürfen weder Spalten noch Stufen vorhanden sein. Werden bei der Anfertigung des Mundstücks Bohrer mit verschiedenen Durchmessern verwendet, kann im Rauchkanal eine Stufe entstehen, die zu einem Pfeifgeräusch während des Rauchens führt. Beim Kauf von Pfeifen mit langen Mundstücken ist vor allem auf die Qualität der Bohrung zu achten. Häufig wird bei solchen Mundstücken von zwei Seiten gebohrt, wodurch der Rauchkanal uneben wird. Solche Fehler lassen sich mit Hilfe eines Dorns feststellen, wobei sich gleichzeitig eruieren läßt, ob sich die Pfeife leicht reinigen läßt. Jetzt kommen wir zu den Defekten, deren Urheber der Raucher selbst ist, sofern er einige einfache Regeln nicht beachtet … Wenn Pfeifen von Anfängern durchbrennen, dann rauchen sie statt des Tabaks die Pfeife selbst. Das geschieht insbesondere bei einer neuen dickwandigen, zudem preiswerten und mit einem Filter bestückten Pfeife, die mit einem zu trockenen Tabak gestopft worden ist. Warum brennt gerade eine solche Pfeife schnell durch? Eine neue Pfeife ist zunächst einmal eine ungerauchte Pfeife. Dann: Mögliche Defekte werden verdeckt, das Dickwandige erschwert es, die Überhitzung zu fühlen, der Filter verhindert, den Geruch von verbranntem Holz rechtzeitig wahrzunehmen, und zu trockener Tabak brennt bei sehr hoher Temperatur schneller als normalhin. Wie läßt sich ein Durchbrand feststellen? Einfach in den Brennraum gucken, am besten mit einer kleinen, intensiv leuchtenden Taschenlampe. Falls auf dem glatten, vom Rauch dunkel verfärbten Grund der Oberfläche ein Fleck entdeckt wird, der an ein verkohltes und zerborstenes Holzscheit erinnert, ist der Durchbrand ausgemacht. Wenn die Pfeife noch nicht lange in Gebrauch ist, kann sie »gerettet« werden, indem vorsichtig das verbrannte Holz entfernt wird. Nun weiter rauchen und möglichst alles vermeiden, was den Durchbrand fördert: den Filter entfernen, nicht zu trockenen Tabak verwenden, auf zu schnelles Rauchen verzichten. ![]() ![]() Zwei weitere verbreitete Defekte, die beim Gebrauch entstehen, sind der Bruch des Mundstücks und der Riß des Holms. Damit beides nicht passiert, ist eine elementare Regel zu beachten: Nie eine heiße Pfeife »auseinandernehmen«. Da der Wärmeausdehnungskoeffizient des Mundstücks höher ist als der des Bruyère-Holzes, wird das Mundstück in der heißen Pfeife mehr zusammengepreßt als in der kalten, und der übereilte Versuch, es zu entfernen, führt häufig zum Bruch des Mundstückzapfens oder, was noch schlimmer ist, des Holms. Besitzern von hochwertigen Pfeifen sei deshalb empfohlen, gleich nach dem Erwerb den Holm beringen zu lassen und ein zweites Mundstück zu bestellen, mit dem die Pfeife dann auch geraucht wird, während sich das Original an einem sicheren Ort befindet. Kommen wir zu einem anderen häufigen Defekt, der beim Gebrauch entsteht: Die Pfeife wird »sauer«. Läßt jemand seine Pfeife des öfteren ungereinigt oder, was noch schlimmer ist, mit Tabakresten am Boden zurück, kann sie sauer werden, das heißt, einen unangenehmen Beigeschmack annehmen. Es gibt eine Vielzahl Methoden, eine saure Pfeife »zu retten«. Die am wenigsten radikale: den Rauchkanal und das Mundstück sorgfältig mit einer alkoholischen Lösung reinigen (Wodka mit einem Schuß Cognac ist gut geeignet), die überflüssigen Verbrennungsrückstände aus dem Pfeifenkopf entfernen, den Pfeifenkopf mit einer in derselben Alkohollösung getränkten Serviette reinigen, schließlich die Pfeife einige Tage trocknen lassen. Wenn die Pfeife (mit dem Lieblingstabak) wieder geraucht wird, ist regelmäßiges Reinigen unbedingt notwendig. Eine gerade Pfeife ohne Filter braucht nicht auseinandergenommen zu werden. Handelt es sich jedoch um eine Pfeife mit Filter oder um eine gebogene, sollte das Mundstück nicht bis zum Ende herausgezogen werden, sondern nur leicht, um sie dann noch »heiß« zu reinigen. Es ist sinnvoll, die beschriebene Prozedur nach einigen Tagen zu wiederholen. Diese Methode gibt sogar der verdorbensten Pfeife ihren Geschmack zurück und »verjagt« jeglichen Beigeschmack, vorausgesetzt, es wird fürderhin auf aromatisierten Tabak verzichtet. Der seltenste Defekt sind Risse im Pfeifenkopf. Zwei hauptsächliche Gründe sind für diese »Katastrophe« verantwortlich … Der erste ist das Rauchen bei starkem Wind oder bei Frost. Neue, ungerauchte Pfeifen sind hier besonders anfällig. Der zweite sind überschüssige Verbrennungsrückstände. Falls eine Pfeife nicht regelmäßig gereinigt wird, werden diese Verbrennungsrückstände eines Tages die Pfeife »zerreißen«. Das trifft insbesondere auf ›Sandblast‹-Pfeifen zu, also auf Pfeifen, die mit Sandstrahl bearbeitet worden sind. Diese Bearbeitungstechnik eignet sich hervorragend, um die Struktur des Bruyère-Holzes sichtbar zu machen, wodurch die eindrucksvollen Linien des Holzes ins Auge fallen. Das sind dann wiederum die Stellen, an denen die Pfeife bei unsachgemäßem Gebrauch bersten kann. ![]() Zum Schluß noch ein paar Worte zur Pflege. Da teure Pfeifen nicht lackiert werden, verlieren sie ohne Pflege schnell ihr Aussehen: Sie dunkeln nach, und die Struktur des Holzes wird unklar. Es gibt zwar viele Polituren zur Pflege von Bruyère und Ebonit (aus dem die Mundstücke meist gefertigt sind), doch es reicht aus, die Pfeife regelmäßig mit einem trockenen weichen Tuch abzuwischen. Neben Schmutz vertragen Pfeifen auch kein direktes Licht. Das entfärbt sowohl Bruyère als auch Ebonit, weshalb Pfeifen nach Möglichkeit keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden sollten. Pfeifen vertragen auch keine Verbrennungen ihrer »Haut«. Sie entstehen entweder durch unsachgemäßes Rauchen (vor allem Turbofeuerzeuge sind zu meiden) oder durch die Einwirkung von direkter Hitze, beispielsweise durch eine brennende Cigarette, die zusammen mit einer Pfeife im Aschenbecher liegt. Verbrannte Stellen können nur mechanisch beseitigt werden, wodurch wiederum die Pfeife regelrecht verstümmelt wird. Kratzer dagegen entstehen einzig durch unsachgemäßen Gebrauch, etwa durch Ausklopfen des ungerauchten Tabaks auf hartem Untergrund, aber auch durch unpassende Aufbewahrung, beispielsweise im Handschuhfach des Autos. Wer dagegen seine Pfeifen liebt (und sie demnach entsprechend pflegt), der wird seinen Enkeln, vielleicht sogar seinen Urenkeln eine stolze Sammlung hinterlassen können. von Alexander Iwanow |
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