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Greta, die Göttliche!

»Sie sieht aus wie eine Göttin.« Clark Gable »Ihre bloße Gegenwart bewirkt, daß man über sich selbst hinauswächst. Das ist keine Schauspielerei, das ist Magie.« John Barrymore »Sie dachte mit ihren Augen.« Robert Taylor »So eine Frau gibt es nur alle einhundert Jahre einmal.« G.W. Pabst »Sie liebt die Kamera, und die Kamera liebt sie!« Maureen O’Sullivan »Die Garbo muß glauben, daß ich versuche, sie zu imitieren, aber die Garbo ist einmalig. Sie gibt niemals Interviews. Ich wünschte, ich könnte das auch.« Marlene Dietrich

reta Lovisa Gustafsson wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sie vierzehn ist, stirbt ihr Vater. Sie fin­det Arbeit in einem Stockholmer Kaufhaus und beginnt bald darauf die Ausbildung an einer Schauspielschule in der schwedi­schen Hauptstadt. 1922 wird sie von dem in Europa bekannten schwedischen Re­gisseur Mauritz Stiller entdeckt. Bis 1925 dreht sie in Schweden und Deutschland zahlreiche Filme. Drei Jahre darauf zieht es die hochgewachsene junge Frau nach Hollywood. Dort kann man mit ihr wegen ihrer Größe zuerst nicht viel anfangen. Mauritz Stiller, Entdecker und Freund, setzt ihre Besetzung in Totentanz der Liebe entgegen aller Widerstände durch – und ihr Erstlingsfilm in Hollywood wird ein durchschlagender Erfolg. Die kühle nordische Schönheit, die auf der Leinwand mit nur wenigen Gesten große Gefühle vermitteln kann, wird sehr schnell zu einem Publikumsliebling und zu einem großen Stummfilmstar.

Dann die große Herausforderung 1930. Ganz Hollywood ist in Aufruhr: Garbos erster Tonfilm. Und was vielen Stumm-filmstars zum Verhängnis wird: Die Garbo schafft es!

»Garbo spricht!«
Diese zwei Wörter werden zum Werbe-slogan für ihre Filme. Ihre tiefe, sinnliche Stimme mit einem Hauch von skandinavischem Akzent verzückt das Publikum. Von nun an wird sie nur noch »Die Göttliche« genannt.

Szene aus einem der bekanntesten Filme der »Göttlichen«: Mit Roman Novarro in Mata Hari (USA 1931)

Einer ihrer so zahllosen Verehrer hat einmal gesagt: »Sie ist einfach da. Wenn sie ihre langbewimperten Lider hebt, ist es, als bräche der Tag an; wenn sie sie senkt, ist es, als würde es Nacht.« Sparsamste Gesten. Sie ist der rätselhafteste aller Stars, die Hollywood je hervorgebracht hat, im Film wie im Leben. Die schönste Sphinx der Welt. Nachdem sie eine Zeitlang auf die Rolle der unnahbaren Diva festgelegt ist, kann sie 1939 ihr komödiantisches Talent in Ninotschka unter Beweis stellen.

»Garbo lacht!«
… und Hollywood ist völlig aus dem Häuschen! Nun also auch noch die göttliche Komödiantin, ein Talent, das ihr einzig der deutsche Regisseur Ernst Lubitsch zugetraut hat. Und sie gewinnt Game, Set and Match!

Ihre zweite Komödie, Die Frau mit den zwei Gesichtern, wird 1941 gedreht.

Doch dann platzt die Bombe. Die Garbo zieht sich plötzlich völlig aus dem Filmgeschäft zurück, dreht keinen einzigen Film mehr. Im Alter von sechsunddreißig Jahren setzt sie konsequent und unerschütterlich einen Schlußstrich unter ihre Karriere.

Ebenfalls 1931 wurde in den USA Susan Lenox gedreht, der in Deutschland unter dem biederen Titel Helgas Fall und Aufstieg in den Lichtspielhäusern lief. Dieses Mal hieß der Partner der schönen Schwedin Clark Gable

Ihre strikte Weigerung, Interviews zu geben, verstärkt ihre mystische Aura nur noch mehr. Und Hollywood führt sich auf wie ein Kind, das nicht bekommt, was es unbedingt, fast zornig haben will, verfolgt sie, bläst zur Jagd auf die scheue Schwedin. Doch Greta Garbo will allein sein …

Je mehr sie sich zurückzieht, desto wilder die Hetzjagd. Journalisten campieren vor ihrer Villa in Kalifornien, des Nachts steigen Paparazzi in ihr Haus ein, in Hotels wird sie durch die Lobby gehetzt. Greta Garbo, die immer noch so sehr viel vom alten Europa in sich trägt, flieht nach New York in die Park Avenue, zieht sich immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Nach Schweden kann sie nicht mehr zurück, denn es ist ihr nach beinahe zwanzig Jahren ein fremdes Land geworden, und es herrscht Krieg im fernen alten Europa.

Greta Garbo: Lebende Legende
Orson Welles anerkennend über sie: »Wenn gesagt werden könnte, Hollywood hatte eine Königin – dann war es Greta Garbo.«

1954 erhält die »Göttliche«, die für ihre schauspielerischen Leistungen nie mit einem ›Academy Award‹ bedacht worden ist, einen ›Ehren-Oscar‹ für ihr Lebenswerk. Bis zu ihrem Tod am 15. April 1990 lebt sie zurückgezogen in ihrer New Yorker Wohnung. Ihrem unsterblichen Zitat »Ich will allein sein« aus dem Film Menschen im Hotel bleibt sie mehr als fünfzig Jahre lang treu.

… als wenn sich der ganze Schmerz einer verlorenen Welt in einem Augenblick konzentriert: »Ich will allein sein …« Greta Garbo in Menschen im Hotel (Grand Hotel, USA 1932)

Nicht einmal die Dietrich kommt zu ihr durch. Marlene fleht den gemeinsamen Freund René Hubert an, ihr Zugang zur Garbo zu verschaffen: »Erzähle ihr, daß sie vielleicht schon von mir gehört hat und daß alles, was sie gehört hat, zu wenig und zu viel ist, daß ich sie sehen muß!«

Was macht die Garbo? Sie dreht sich zu ihrem Besucher um und richtet ihre Wunderaugen auf ihn. »Miss Dietrich wonded so much like to meet you!« Sie läßt ihren Blick einen Moment hineinbrennen in seinen Blick, dreht sich weg, langsam mit einem »Nein«, den Kopf schüttelnd. Dann ein energisches: »No! No! It’s not possible!« Geht ans Fenster und bleibt dort stehen.

Diese beiden großen Stars sind zwei Welten in einer Welt, und die Garbo weiß  es.

Marlene zuckt mit keiner Wimper. Ein »Thank you, René« flieht durch die Luft.

Eine Begegnung der »dritten Art«
Nachdem sie von der Bühne, die andere für sie gezimmert und auf der sie sich somnambul-elegant bewegt hatte, für immer abgetreten war, hat die Garbo kein Interview mehr gegeben. Bis auf eines. Ich bin die einzige, welche die »Göttliche« nach ihrem Verschwinden aus dem öffentlichen Leben zum Sprechen gebracht und ein privates Gespräch mit ihr geführt hat. Wann das wo gewesen ist, darf ich nicht verraten. Dieses Versprechen mußte ich ihr geben. Nur soviel: Die äußeren Umstände waren, gelinde gesagt, außergewöhnlich. Hier ist das Ergebnis dieser seltsamen Begegnung der »dritten Art«. Eine Hommage an eine wunderbare Frau und Schauspielerin, eine Liebeserklärung an Greta Garbo.

Frau Garbo, Sie sind in Hollywoods Film­geschichte eingegangen und bis heute unerreicht und einzigartig. Wie haben Sie das gemacht?

Sehen Sie, jeder Film ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit. Für uns, die wir Filme schaffen, ist diese Arbeit mehr als nur ein Beruf. Sie ist Freude, ist Erfüllung, ist Fieber und Befriedigung zugleich. Jeder Film ist das Produkt intensivster Arbeit, und er wird von allen mit den tiefsten Wünschen erfüllt, mit dem Besten, was alle von uns zu geben haben, mit dem Einsatz des ganzen Menschen. Jeder Film ist Resultat der Zusammenarbeit von Hirn und Nerven – vom Regisseur bis hinunter zum Kabelträger. Jeder Film ist die Arbeit des ganzen Ensembles. Darum ist uns der Film mehr als Beruf. Und es wäre beglückend zu wissen, daß die, für die er gedreht wird, wissen und glauben, daß er uns Freude ist und Erfüllung, Fieber und Befriedigung – und daß sie ihn so aufnehmen, wie er gedreht wurde.

Diese große Leidenschaft, die man hier in Ihrer Antwort spürt, war die immer schon in Ihnen präsent?

Mauritz Stiller war der erste Regisseur, der Vertrauen zu mir hatte, mir eine Rolle gab, mich die ersten Filmschritte lehrte, mir Selbstvertrauen gab, mich führte, mir der beste, gütigste, verständnisvollste Lehrer war, einer, der nur lockerte, nichts aufzwang. Mein erster Film mit ihm war Gösta Berling. Und dann sind da natürlich auch die Regisseure und Schauspieler, mit denen ich in Amerika gearbeitet habe; das waren Freunde, Vertraute; ohne diese einzigartige Intimität zwischen Regisseur und Schauspielern kann kein großer Film entstehen. Wunderbar, Freunde wie Clark Gable, Robert Taylor, Charles Boyer, John Barrymore, John Gilbert, Roman Novarro, Lars Hansen oder Antonio Moreno zu haben. Unter diesen Umständen ist es einfach, leidenschaftlich zu sein.

Viele Legenden ranken sich um Ihre Herzens-angelegenheiten. Man hat Ihnen vieles angedichtet, von Cecil Beaton bis Mercedes de Acosta. Werden Sie uns heute Aufklärung geben über Ihre Leidenschaften in Sachen Liebe?

Was seit über siebzig Jahren Geheimnis ist, das soll und wird auch so bleiben. Für Rätsel und Geheimnisse habe ich als Schwedin besonders viel übrig [lächelt verschmitzt].

Während der Vorbereitung zu diesem Interview ist mir eines aufgefallen. Das sind die vielen, vielen Namen, die Sie sich selbst im Laufe der Zeit gegeben haben, mit denen Sie zum Beispiel Ihre Briefe signiert haben. Ihr Künstlername »Greta Garbo« taucht in Ihrem privaten Leben so gut wie gar nicht auf, Frau Garbo.

Ich heiße eigentlich Greta Lovisa Gustafsson. Dieser Name ist in Schweden sehr verbreitet – wie das in Deutschland zum Beispiel »Meier« und »Müller« sind. Mauritz Stiller, mein schwedischer Mentor, hat mir deshalb schon 1921 geraten, über einen Künstlernamen nachzudenken. Und dann hat Mimi Pollak, eine Freundin von mir, die auch auf der Stockholmer Schau­spielakademie war, aus Spaß diesen Namen vorgeschlagen. Im Schwedischen bedeutet das Wort »Garbo« soviel wie »Kobold«, was mir sehr gut gefallen hat, und im Spanischen heißt »Garbo« übrigens »Anmut«. Ich bin mit meiner Mutter zum zuständigen Amt gegangen, um den Namen eintragen zu lassen. Ein sehr seltsamer Gang, vor allem für meine Mutter.

Und Ihre Mutter, wie nannte Ihre Mutter Sie?
Für meine Familie war ich immer nur »Kata«. »Greta Garbo« ist für mich sozusagen mein offizieller Name, der, den ich nach außen hin trage. In einem persönlichen Zusammenhang wäre es seltsam für mich, diesen Namen zu gebrauchen. Und ein riesengroßer Spaß dabei ist für mich natürlich, die Nachwelt zu verwirren – und es hat geklappt [lacht herzlich auf]!

Könnte man sagen, daß das berühmte Zitat »Ich will allein sein« aus dem Film Menschen im Hotel Ihr Lebensmotto ist?

Nun, meine Filme sagen sicherlich immer auch etwas über meine Persönlichkeit aus. Das ist ja das, was mich von anderen Schau­spielerinnen unterscheidet. Daß dieser Satz einmal so zentral in meiner Biographie werden würde, war mir allerdings damals nicht bewußt. Der Satz stand nicht im Drehbuch, und als wir die Szene drehten sollten, wußte ich mit einer erstaunlichen Klarheit plötzlich, daß dieses »Ich will allein sein« der absolute Wille dieser Figur und auch der meine war. In Menschen im Hotel spiele ich die Primaballerina Grusinskaja, die von ihrem Manager und allen möglichen anderen Menschen bedrängt wird, die aber eigentlich einfach allein sein möchte, zur Ruhe kommen will …

Was in Amerika als Star so ja kaum möglich ist …

[Unterbricht feurig:] Richtig, und zu der Zeit fing ich selbst auch an zu begreifen, was es heißt, in Amerika ein Star zu sein, ständig im Rampenlicht zu stehen. Und so war mir diese Figur der Ballerina und ihre Situation sehr, sehr nahe. Am Filmset war es, nachdem ich diesen Satz – »Ich will allein sein« – gesprochen hatte, plötzlich mucksmäuschenstill, so, als hätte jemand den Ton abgedreht, und ich weiß, alle, vom Kameramann bis zum Kabelträger, alle hatten begriffen, das dies echt war. Solche Momente sind einmalig und stark. Es war die unumstößliche Wahrheit – sowohl die von der Grusinskaja als auch meine. Die Szene wurde nicht wiederholt. Und ich denke, das überträgt sich bis heute auf die Zuschauer, wenn sie den Film sehen. Ich habe wunderbare Briefe von Menschen bekommen, in denen mir erzählt wird, daß diese Stelle viele sogar zu Tränen gerührt hat.

Was war Ihr erster Eindruck von Amerika? Sie kamen 1925 per Schiff nach New York. Richtig?

O ja, das war großartig! Ganz eindrucks-voll, wir sind von Gutenberg aus gesegelt. Ah, das war so wunderschön, das Meer, das große Meer [breitet die Arme aus], und wenn ich auf dem Oberdeck spazierte, in meinem dicken Mantel, dann habe ich mich frei gefühlt und glücklich … [ihre Stimme wird plötzlich tiefer und zarter] … beinahe glücklich. Du fühlst dich frei auf dem Meer. Da bist du also, du kannst nicht weggehen, und dann bist du frei. Ein Stein fällt dir vom Herzen. Seltsam.

Und dann kam die Ankunft in New York …
[Unterbricht schmunzelnd:] Ich dachte immer, Amerika bestehe aus Blumen, ich weiß auch nicht, warum, aber für mich war das so. Ich war völlig darauf vorbereitet, auf den Straßen Amerikas Blumen zu finden, auf den Straßen von New York! Als wir, Mauritz Stiller und ich, im Juli 1925 in New York ankamen – Ellis Island war natürlich unsere erste Station, mit Hunderten von Menschen –, da fanden wir dort … Hitze! Eine unglaubliche Hitze. Nach dem Übersetzen aufs Festland nahmen wir ein Hotel, das uns ein mitreisender Schwede empfohlen hatte. Ich fragte ihn, ob alle Hotels in New York so wären. Drei Monate verbrachte ich in New York, aber eigentlich verbrachte ich die meiste Zeit in meinem Badezimmer. Von meinem Zimmer unter die Dusche und wieder in mein Zimmer. Ich muß das gesamte kalte Wasser New York Citys verbraucht haben [lacht]. Das mußte ich tun, um nicht gebraten zu werden. – Und in meiner Badewanne fing ich an, über den amerikanischen Film nachzudenken … Im September fuhren wir dann nach Kalifornien.

Frau Garbo, eine Schwedin geht nach Hollywood, um dort beim Film zu arbeiten. Wie ist das?

Es ist jedenfalls ganz anders als in Schweden. [Lacht:] Die Studios hier sind einfach ungeheuer groß. In Europa kennt jeder jeden; in Amerika sind die Studios wie Fabriken. Am Anfang fand ich das sehr beängstigend. Das System habe ich überhaupt nicht verstanden. Ich konnte kein Englisch, wußte rein gar nichts über diese Amerikaner, und ohne Mauritz Stiller und später dann Harry Edington hätte ich es sicher nicht geschafft. Harry hat mir diese Welt erklärt, mir gesagt, wie ich was machen sollte, und dann wurde es besser. Harry hatte lange Zeit selbst in Europa gelebt und verstanden, was ich brauchte. Das war wunderbar.

Zu diesem Zeitpunkt verloren Sie einen wichtigen Menschen in Ihrem Leben …
Ja, während der Arbeit an Totentanz der Liebe starb meine Schwester. Ich konnte nicht nach Schweden reisen, weil ich ja drehte und nicht aus meinem Vertrag heraus konnte. Das war schlimm. Ich war auch mit dem Film nicht ganz glücklich; es kam einiges zusammen. Ich wurde krank und blieb zwei Tage in meinem Hotel. Dann hieß es in der Presse: »Greta Garbo, geh nach Hause!« und »Greta Garbo ist schwie­rig.« Also ging ich zurück ins Studio und habe weitergearbeitet und nichts mehr gesagt.

Konnten Sie sich nicht mit Kollegen oder anderen Menschen über Ihre Situation austauschen?

Zu Anfang nicht. Ich konnte ja fast kein Englisch, nur Schwedisch und Deutsch. Und dann habe ich am Set John Gilbert getroffen, und er war so wunderbar, so voller Leben. Er hat mich jeden Morgen Punkt neun Uhr abgeholt, und so kam ich diesem fremden Amerika endlich etwas näher. Mit John und Harry an meiner Seite ging es dann immer besser, und ich verstand diese Neue Welt mehr und mehr.

Nach Ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft konnte man Sie oft in Gesellschaft der High-So­ciety sehen, unter anderem mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis. Hier gibt es doch sicherlich ganz erstaunliche Erlebnisse …

[Lebhaft:] Ich bin die »High Society« – [lacht herzlich]! Die Gesellschaft von Künstlern wie Cecil Beaton oder die des weltgewandten Onassis war natürlich herrlich; wir haben sehr viel und herzlich miteinander gelacht. Schön war auch, daß ich mich zu der Zeit wieder auf die großen Stärken und das Selbstbewußtsein skandinavischer Frauen besinnen konnte. Onassis war bekanntlich ein großer Cigarrenliebhaber, und auch ich habe hier einige ganz ausgezeichnete Stunden im »Tabakskollegium« verbracht. Für mich ist es eine Form von Libe­ralismus, wenn Frauen Cigarren rauchen, und der ist in den skandinavischen Ländern besonders ausgeprägt. Ich erinnere mich an meine Großmutter, eine sehr starke und energische Frau, die ebenfalls dem Rauchen einer Cigarre nicht abgeneigt war. Allerdings konnte sie dieses Erlebnis nur sehr selten genießen, da Cigarren damals noch sehr rar waren und das Haus-haltsgeld arg belasteten, also nur zu ganz besonderen Anlässen besorgt wurden.

Frau Garbo, nach Die Frau mit den zwei Gesichtern haben Sie nie wieder einen Film gedreht …

Das ewige Rätselraten darüber, ob ich wieder filmen würde oder nicht, finde ich albern. Der Mythos, der meine Person umgibt, ist doch interessanter, als es die Vorstellung gewesen ist, mich noch einmal vor die Kamera zu zerren. Meine Filme werden von Zeit zu Zeit wieder vorgeführt, haben also bis heute ihre Relevanz nicht verloren. Wäre ich wieder vor die Kamera getreten, hätte dieser Mythos überhaupt nicht entstehen können. Nein, ich will allein sein …

Greta Garbo, Kata, Fräulein Gustafsson, ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

* * *

Anmerkung: Diese Geschichte ist frei erfun­den. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen ist rein zufällig.

Von Sidney Beat
 
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