home Home > Cigar Clan 3/2006 > Alte Welt trifft Neue Welt oder Feuer zu Feuer
News Cigar Clan-Inhalt Tastings Abo Kontakt Media-Information & AGBs Where to find


 
Alte Welt trifft Neue Welt oder Feuer zu Feuer

»Einen Branntwein zu meiner Cigarre.« Das sollen die Piraten der Karibik bei ihren wilden Gelagen verlangt haben, wohl selbst nicht wissend, wie oft sie sich den damals schon weit verbreiteten Armagnac in ihre rauhen Kehlen schütteten. Das Feuer und die Glut sowie eine ungeahnte Internationalität verbanden und verbinden den Armagnac mit der Cigarre – jenes Aqua ardens, das als »Brennendes Wasser« so manche rauhe Kehle noch rauher werden ließ. Vor allem die ölige Fruchtigkeit, die Nähe zu den altbekannten Geschmäckern und die immense archaische Kraft machen den Armagnac zu einem facettenreichen Begleiter für ein anderes Produkt des Feuers, der Erde und der vollkommenen Handwerkskunst: den Cigarren der Karibik. »»

Es reizte uns herauszufinden, welches Feuer bei den jeweiligen Duos letztendlich die Oberhand behielt – war es der Armagnac oder die Cigarre? Oder harmonierten die zwei lodernden Elemente so gut miteinander, daß aus dieser Symbiose ein genußreiches Feuerwerk entstand? Eine reizvolle Aufgabe. Der geschmacklichen Herausforderung stellten sich folgende Degustateure: Peter Ebbing, Kaffee-Experte und Gastroberater, Berlin; Achim König, ›WL – Die Weinlieferanten‹, Berlin; Matthias Martens, Wein- und Cigarrensommelier, Cigar Clan, Berlin; Holger Schwarz, ›Viniculture‹, Berlin. Bliebe noch Arno Steguweit, Chefsommelier des gastgebenden Hauses, des Hotels ›The Regent Berlin‹, der am 21. April 2006 in den Salon ›Hofgarten‹ des Fünf-Sterne-Superior-Hauses am Gendarmenmarkt eingeladen hatte.

Gehört das ›Regent‹ seit seiner Eröffnung zu den führenden Nobelherbergsadressen in der deutschen Hauptstadt, ein Luxushotel, das mit einem exklusiven und zugleich stilvollen Ambiente beeindruckt und mit einem aufmerksamen Service überzeugt, so läßt der Salon ›Hofgarten‹, ein wahres Kleinod, durch seine einzigartige Atmosphäre das Flair der guten alten Zeit spüren.

Nun denn, genug der einleitenden Worte. Öffnen wir die Armagnac-Flaschen, schneiden wir die Cigarren an – und lassen wir das Spiel mit den Feuern beginnen …

DIE ARMAGNACS
Tariquet Folle blanche 8 ans


Der jüngste Armagnac in unserer Degustation, eine rebsortenreine Rarität mit kräftigen 45 Volumprozent Alkohol. Acht Jahre im Faß geben ihm eine schöne goldene Farbe sowie junge Vanille- und Kakaonoten. Im Glas entfalten sich eine Menge Fruchtaromen mit Neigung zum Exotischen. Auffallend ist die schöne Harmonie von Holzaromen, Früchten und einer erfrischenden Jugendlichkeit.

Tariquet X.O.

Armagnacs mit dem Prädikat ›X.O.‹ lagern zehn bis zwölf Jahre im Eichenfaß. Diese Assemblage aus Baco- und Ugni-Blanc-Trauben präsentiert sich mit feiner Röstaromatik, die an Nüsse und frisches Brot erinnert. Sobald der Brand im Glas Temperatur nimmt, tauchen Karamelnoten und nussige Aromen auf. Nach einiger Zeit nimmt man helle gelbe Früchte wahr. Trotz des jungen Alters ist der ›Tariquet X.O.‹ schon sehr zugänglich.

Tariquet Folle blanche 1990

Dieser reine Jahrgangs-Armagnac ist eine faszinierende Erscheinung. Optisch recht dunkel und kräftig wirkend, betört er mit einer feinen, fast zärtlichen Aromatik. Seine 45 Volumprozent Alkohol transportieren eine ausgewogene, allerdings leicht süßliche Komposition aus einer Auswahl von Früchten, Hölzern und Gewürzen, die dem Genießer mit jedem Schluck etwas Neues offenbart. Nach einiger Zeit im Glas tauchen feine Marzipannoten auf.

Tariquet 1988

Der älteste Armagnac der Degustation wird aus einer Baco-Kreuzung mit Ugni Blanc verschnitten und kommt dann mit sage und schreibe 47 Volumprozent Alkohol ins Faß. Tiefgoldenes Farbspiel und eine Aromatik, die einem aus dem Glas entgegenströmt, lassen ihn reif, zugleich aber auch sehr lebendig wirken. Die erste halbe Stunde im Glas ist von einer ständigen Veränderung der Aromenpalette geprägt. Final finden sich orientalische Gewürze, satte reife Früchte und eine leichte Südweinnote. Ein exzellenter und interessanter Brand.

FEUER TRIFFT FEUER
Balboa Torpedo
Panama


Format: Perfecto
Länge: 155 mm
Ringmaß: 52 (20,6 mm)
Deckblatt: Panama
Umblatt: Panama
Einlage: Panama
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. 1¼ Std.
Einzelpreise: D: € 42,20 CH: Nicht im Angebot

Die Cigarre mit ihrem Colorado-maduro-Deckblatt ist auffallend hochwertig verarbeitet. Sie liegt gut in der Hand, und ihr Deckblatt glänzt ansprechend ölig. Sanfter Geruch nach Nougat und Früchten strömt im kalten Zustand von ihr aus und weckt Vorfreude auf einen interessanten, komplexen Rauchgenuß.

Ihre Aromen verteilen sich nach dem Anzünden sehr elegant und angenehm im Raum. Am Gaumen von Beginn an vielschichtig. Vorerst vor allem vegetabile Noten, hauptsächlich Nüsse. Mit der Temperatur kommt die feine Süße, später gesellen sich auch leicht geröstetes Holz und Karamel hinzu.

Im Verlauf der Rauchdauer tauchen weiterhin jede Menge neuer Aromen auf. Auffällig ist die sehr homogene Steigerung. Die ›Balboa‹ unterhält den Raucher bis ganz zuletzt und verträgt sich mit einer Menge korrespondierender Getränke.

Tariquet Folle blanche 8 ans
Fruchtig-milde Harmonie. Der exotisch-fruchtige Auftritt des Armagnacs verträgt sich sehr gut mit der ausgewogenen Cigarre. Die leckere Süße von weißer Schokolade federt die teilweise auftauchende leichte Schärfe ab. Nur selten fehlt die Würze, die den Dialog so interessant macht.






Tariquet X.O.

Taumelnder Tanz. Anfängliche Schwierigkeiten. Der Armagnac ist zu jugendlich ungestüm und reißt die Cigarre manchmal aus der Balance, jedoch tauchen keine Mißtöne auf. Im Rauchverlauf finden sich die beiden und glänzen am Schluß in würzigem Reigen.






Tariquet Folle blanche 1990

Bestens. Ein sehr weicher Start. Es tauchen viele Weinaromen im Zwischenspiel auf, bis die zweite Hälfte der Cigarre das Beste aus dem Brand herauskitzelt: Erst erinnern Rosinen und Hefe an ›Vin Santo‹, dann taucht dunkle Schokolade auf und »ver-bitter-süßt« die letzten Züge.






Tariquet 1988

Creme brûlée mit roter Grütze. Zu Beginn kämpft die Cigarre ein wenig mit den schweren Reifetönen des Armagnacs. Sie holt allerdings schnell auf, und Vanille- und Karamelaromen erinnern an den französischen Dessertklassiker. Noch interessanter sind die satten roten Früchte, die sich später am Gaumen ausbreiten. Eine leichte Säure tut dem Ganzen keinen Abbruch.



Padrón 1964 AnniversaryTorpedo
Nicaragua


Format: Torpedo
Länge: 152 mm
Ringmaß: 52 (20,6 mm)
Deckblatt: Nicaragua
Umblatt: Nicaragua
Einlage: Nicaragua
Stärke: 4
Rauchdauer: ca. 1 Std
Einzelpreise: D: € 30,– CH: sfr 38,25

Auffallende Box-Pressung und ein matt glänzendes, etwas rauhes Deckblatt in Maduro bis Oscuro sorgen für einen rustikal anmutenden Auftritt dieser Cigarre.

Erdig-würzige Aromen im kalten Zustand. Die ersten Züge wirken vorübergehend leicht staubig, bis dann ein sehr schöner torfiger Geschmack auftaucht. Trotz der schnell kräftig werdenden Aromen wirkt die ›Anniversary 1964‹ männlich, aber nicht überwältigend. Ihr Rauch füllt den Raum angenehm und nicht zu auffällig. Im Rauchverlauf steigern sich die männlich-animalischen Töne mit feiner Bitterkeit und erinnern an klassische Herrenschokolade.

Man findet den Höhepunkt schon nach etwa der Hälfte des Rauchverlaufs. Allerdings läßt sie sich noch lange weiter genießen, ohne scharf oder brandig zu werden.

Tariquet Folle blanche 8 ans
Erfrischung. Anfangs glaubt man nicht an diese Kombination. Wenn die Cigarre allerdings ihre Kraft entwickelt hat, unterstützt der Armagnac erfrischend das Geschmacksbild. Die Fruchtigkeit des Brandes wirkt erheiternd.







Tariquet X.O.

Hebt sich auf. Trotz Fruchtaromen und feinen Holznoten heben sich die tieferen Geschmäcker gegenseitig auf. Mitunter wirkt die Kombination belastend kräftig, doch meist neutralisieren sich die Aromen gegenseitig. Was bleibt, ist ein wäßriger Mund.






Tariquet Folle blanche 1990

Reife trifft Kraft. Die Reife des Brandes scheint geduldig mit der Kraft der Cigarre umzugehen. Sie umhüllt den Rauch und ergänzt ihn mit Süße von Rosinen. Am besten erst sanft an der Cigarre ziehen und danach zum Armagnac greifen. Angenehm: Der Genießer bestimmt die Intensität der Kombination.






Tariquet 1988

Schwarzwälder Kirschtorte. Sehr zu empfehlen. Zwei gleichwertige Partner, die sich respektieren. Vor allem im zweiten Drittel der Cigarre erinnern Schokoladen- und Kirscharomen an saftige Schwarzwälder Kirschtorte, die sanfte Alkoholnote eingeschlossen.





Bossner Rolando Robusto
Dominikanische Republik


Format: Robusto
Länge: 125 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Connecticut Broadleaf
Umblatt: Dominikanische Republik
Einlage: Dominikanische Republik
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. ¾ Std.
Einzelpreise: D: € 12,50CH: sfr 15,30

Sehr fest gerollte Cigarre mit auffallend gutem Deckblatt in dunklem, öligem Maduro. Erscheint leicht trocken, zieht aber perfekt.

Vom ersten Zug an packt den Raucher der volle Geschmack. Leder, Holz und Erde begleiten den kräftig-deftigen körperreichen Rauch. Manchmal zeigt sich eine leichte Schärfe, die erfrischend aufflackert. Das sehr angenehme Zugverhalten bildet die Basis für die komplexe Aromenentwicklung und bleibt der Cigarre bis zum Schluß erhalten.

Ab der Hälfte kommen fruchtige Nuancen zu den herben Noten hinzu und machen den Rauchverlauf noch interessanter. Eine ernsthafte Cigarre ohne Fun-Faktor, die in jeder wertigen Situation ein guter Begleiter ist.

Tariquet Folle blanche 8 ans
Sanfte Entschärfung. Die leichte Süße dämpft die kräftigen Aromen der ›Bossner‹ und sorgt für ein mildes Zusammenspiel. Es entsteht ein frischer, weiniger, sehr aromatischer Gesamteindruck. Später kommen Lakritztöne auf. Der beste Armagnac zur ›Rolando Robusto‹.






Tariquet X.O.

Grenzgang. Anfangs kommt der Brand nicht gegen die Ausdruckskraft der Cigarre an. Später recht ansprechend und harmonischer. Manchmal dominiert dann der Alkohol, aber die Grenzen sind nicht zu eng zu stecken. Nie unangenehm.







Tariquet Folle blanche 1990

Dunkles Holz. Insgesamt kann die ›Bossner‹ auch hier mehr vertragen. Im Rauchverlauf entsteht dann aber eine sehr edle Eleganz, die an den Duft von jungem dunklen Holz in der Sonne erinnert. Wird immer harmonischer.







Tariquet 1988

Männermeeting. Reife und Weite der Aromen spielen beidseitig sehr gut zusammen. Ein langer Nachhall mit ausladendem Bouquet. Die edle, reife Süße, aber auch der hohe Alkoholgehalt des Armagnacs tun der ›Bossner‹ gut.






Laura Chavin Terre de Mythe Toro
Dominikanische Republik


Format: Toro
Länge: 172 mm
Ringmaß: 52 (20,6 mm)
Deckblatt: Keine Angabe
Umblatt: Keine Angabe
Einlage: Keine Angabe
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. 1¼ Std.
Einzelpreise: D: € 23,–CH: sfr 38,–

Sehr imposante Cigarre in Colorado maduro mit hervorragend verarbeitetem Deckblatt und seidiger Textur. Die Cigarre verspricht einen langen ausgewogenen Genuß.

Im kalten Zustand duftet die ›Terre de Mythe‹ sauber, voll und mild-würzig nach sehr gutem Tabak und feinem Kaffee.

Die ersten Züge präsentieren sich überraschend zart, etwas trocken und vegetabil, bis die Temperatur den Rauch erreicht und ihn satter und kräftiger macht. Ein sehr guter Abbrand und die dazu gehörende Balance bescheren dem Rauchverlauf eine gradlinige Steigerung ohne Komplikationen und Überraschungen.

Der dichte Rauch trägt eine Vielzahl von komplexen Aromen. Auffällig ist die Harmonie, weniger einzelne Geschmäcker. Immer wieder süßer Milchkaffee, später feine Marzipantöne. Die ›Terre de Mythe‹ läßt sich wie erwartet lange, ja ewig genießen.

Tariquet Folle blanche 8 ans
Zarte Aromatherapie. Leicht, duftig und süßlich, ergänzen sich die beiden zu einer Einheit heller Aromen. Die Ausgewogenheit dieses Duetts strahlt meditative Ruhe aus. Gerne schon mittags im Schatten.







Tariquet X.O.

Picknick mit Freunden. Der ausgewogene Tabakgeschmack trifft sanft auf feine Röstaromen, die an frisches Brot erinnern. Das Ergebnis sind Erinnerungen an Landausflüge und weich gezeichnete Szenen aus schönen Zeiten.







Tariquet Folle blanche 1990

Finden sich einfach nicht … So schön die beiden Produkte für sich genommen auch sind, so finden sie nicht zueinander. Mal überwältigt der Brand die Cigarre, mal verpufft er förmlich, sobald sie aufeinandertreffen. Kaum zu erklären, harmoniert aber nicht.






Tariquet 1988

Besonders lecker. Reif, aber agil, paßt der Armagnac sehr gut zur sich langsam, aber konstant steigernden Cigarre. Geröstete Walnüsse und klare Tabaknoten stimmen sehr gut zusammen. Im letzten Drittel arrangieren sich Gewürze und Süße zu einem schönen Finale.
 
Highlight Media UG (haftungsbeschränkt) | Franklinstr. 14 | 10587 Berlin
Tel.: +49 (30) 886 75 585 | Fax: +49 (30) 886 75 586 | Email: info@cigarclan.de