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Alpengold Dieses schöne Wort, das jedermann mitten in einem Werbespot für Schokolade vermuten könnte, benennt für Eingeweihte etwas sehr viel Wertvolleres: die hochgepriesene Schweigsamkeit der Schweizer Bankiers. Sie ist eine wahrhaft unschätzbare Kostbarkeit insbesondere für diejenigen, die es vorziehen, die Herkunft ihrer Reichtümer im dunkeln zu lassen. In der Schweiz selbst steht professionelles »Schweigen« hoch im Kurs; daher hat das Land keine Eile, Mitglied der ›Europäischen Union‹ zu werden. Schließlich müßten dann unweigerlich die schwergehüteten Geheimnisse spezieller Nummernkonten gelüftet werden, für deren Besitzer sich Interpol, Organisationen für den Kampf gegen Geldwäsche und, seit der amerikanischen Tragödie vom 11. September, auch Antiterrororganisationen brennend interessieren. Das berüchtigte »Bankgeheimnis« ist jedoch nicht nur für die Weltpolitik ein Anlaß zu lautstarken Verkündungen und allen möglichen Spekulationen, sondern genau dieses Geheimnis macht aus einer langweiligen Finanzgeschichte einen spannenden Krimi. Das Startkapital Die in Finanzkreisen so geachtete Reputation haben sich die »Zürcher Zwerge«, wie die örtlichen Bankiers genannt werden, über die Jahrhunderte erarbeitet. Die Grundlage für das Schweizer Bankensystem wurde Ende des 17. Saeculums von französischen Emigranten geschaffen, von Hugenotten, die vor den religiösen Streitigkeiten in das kleine Alpenland geflüchtet waren. Erfahren in lukrativem Handel und ertragreicher Zinswirtschaft, brachten sie nicht nur ihr verdientes Kapital, sondern auch ihre wertvolle Erfahrung mit. Dem Historiker Jules Landman zufolge »standen alle bei den Schweizer Kantonen in der Schuld, die Macht in Europa ausübten, angefangen bei Ihrer Kaiserlichen Hoheit in Wien, den Königen Frankreichs und Englands bis hin zu den kleinen deutschen Fürsten und französischen Munizipalitäten. Es gab nicht ein Objekt kollektiver Kapitalanlagen, von der ›Bank of England‹ bis hin zur ›East-India Company‹, an dem die Schweizer nicht ihren Anteil hatten.« So regneten die pekuniären Folgen als Nachwehen der Französischen Revolution wie himmlisches Manna auf die Bankengemeinde der Schweiz herab. Und die soliden Gelder der Aristokratie, auch die (eher unsoliden) der Revolution festigten die Position der Bankiers. Das sollte sich, wenn auch in immer etwas veränderter Form, bis heute erhalten. ![]() Der Goldregen, der in erwähnten Zeiten auf die Schweizer Finanziers herabging, beflügelte sie geradezu, sich besondere Methoden zur Stimulierung ihrer Kunden und zur Kapitalgewinnung auszudenken. So schloß Europa im 18. Jahrhundert Bekanntschaft mit dem Know-how der Schweizer Bankiers – und dies angeblich mit dem ausgefallenen Anlagekonzept der »Dreißig Genfer Jungfrauen«. Das Kapital des Kunden wurde zunächst in dreißig gleiche Teile aufgegliedert. Jeder Anteil wurde auf eine Bank gelegt, und zwar mit einer Laufzeitgarantie über die gesamte Lebenszeit eines zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung in Genf geborenen Mädchens. Somit erhöhte jedes Lebensjahr des betreffenden Mädchens die Rentabilität des Anteils eines solchen »Garants«; starb das Mädchen jedoch – Gott behüte! –, ging der Anteil in den Besitz der Bank über. Das Schweizer Klima galt schon immer als gesund, und die Lebenserwartung war seit Menschengedenken eines der höchsten in der Alten Welt … weshalb viele nur zu gern dergleichen paradoxe Verträge mit den Banken unterschrieben. Die Finanzlokomotive In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die alpine Finanzlandschaft von einer heute äußerst berühmten Schweizer Bank veredelt, der ›Credit Suisse‹. Ihr Gründer, Alfred Escher, Sohn eines reichen Händlers und studierter Jurist, beschäftigte sich zunächst nicht mit der hohen Kunst der Kapitalbildung, sondern mit Politik. Mit fünfundzwanzig Jahren wurde Escher in den ›Großen Rat‹ des Kantons Zürich und 1846 zum Mitglied der ›Tagessatzungsgesandtschaft‹ gewählt. Dann, zwei Jahre darauf, am 6. November 1848, trat er das Amt des Vizepräsidenten des zum ersten Mal zusammengetretenen ›Nationalrats‹ an. Diesem ›Nationalrat‹ gehörte er ununterbrochen bis zu seinem Lebensende an, und während dieser Zeit wurde er dreimal zu seinem Präsidenten gewählt. Mit der 1856 gegründeten ›Credit Suisse‹ verfolgte Escher zunächst das Ziel, die einheimische Transportindustrie zu unterstützen und von französischen Investitionen zu befreien. Die Rechnung ging auf: Nur wenige Tage nach der Eröffnung der Bank, die anfangs lediglich acht Angestellte zählte, stieg das Aktienkapital von 15 Millionen auf sage und schreibe 218 Millionen Schweizer Franken. Es wäre falsch zu behaupten, die neue Bank wäre in ihren Anfangsjahren von Problemen verschont geblieben. Wie dem auch sei: In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die ›Credit Suisse‹ nicht nur zu einer der führenden Banken in ihrer Heimat (wo die Konkurrenz auf dem Bankensektor eine der härtesten der Welt war), sondern eröffnete außerdem noch Vertretungen in zwei anderen großen Finanzzentren: in Wien und New York. Praktisch vor Ort, erkannte die ›Credit Suisse‹ seinerzeit als eine der ersten Banken die künftige führende weltwirtschaftliche Rolle der Vereinigten Staaten und setzte mit dem US-Aktien-Handel in der Schweiz neue ökonomische Zeichen. Die ›Credit Suisse‹ behauptete ihre führende Position auch in den Zeiten der beiden Weltkriege, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil sie sich eine neue »exklusive« Kundschaft suchte, deren Zahlungsfähigkeit keinerlei Zweifel aufkommen ließ: staatliche Machtorgane. Sehr schnell wurde nicht nur die Regierung der Schweizer Eidgenossenschaft zum Kunden, sondern auch die Administrationen ausnahmslos aller Kantone. Und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgten ihnen die Regierungen vieler europäischer Länder, die dringend Kredite zum Aufbau ihrer zerstörten Wirtschaft benötigten. Aber auch die Banken der neutralen Schweiz konnten einem nachbarschaftlichen Angriff nicht entgehen und machten eine echte »Belagerung« durch… Der Sturm auf die Bergzitadelle Der erste gefährliche Versuch, die Finanzfestung der »Zwerge« ins Wanken zu bringen, wurde Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts unternommen. Es war Frankreich, in dem gerade die Radikalen unter Führung von Edouard Herriot an die Macht gekommen waren, das sich an die Spitze des Sturms setzte. Zu den schweizerischen Banken selbst hatten die französischen Gesetzeshüter keinen Zugang, aber deren Filialen auf dem Gebiet der Grande Nation, welche der Beihilfe zur örtlichen Steuerhinterziehung verdächtigt wurden, nahmen sie sich ernsthaft vor. So drang am 26. Oktober 1932 überraschend ein Trupp der Pariser Polizei in das Kontor der ›Basler Handelsbank‹ in Paris ein. Zuvor war ein »Hinweis« eingegangen, nach dem dreizehnhundert französische Kunden am angegebenen Tag Ausschüttungen von ihren anonymen Investitionen unter Umgehung der Steuergesetzgebung erhalten sollten. Die Ordnungshüter verhafteten den Direktor der Bankfiliale sowie einige Kunden und konfiszierten 245.000 unversteuerte Franken. Wie bei vielen Bankskandalen nahm die Sache in der Folge eine deutliche politische Färbung an. Auf der Liste des Pariser Polizeikommissars standen Vertreter der höchsten gesellschaftlichen Schichten: Politiker und Industrielle, Militärs und Kirchenvertreter. Im Parlament traten die regierenden Radikalen unverzüglich eine breite Diskussion über das Problem der Auslandskonten los, um ihren Wählern zu demonstrieren, daß vor dem Gesetz alle gleich seien. Empörte Schreie ertönten, daß die Spitze der Gesellschaft Geld im Ausland aufbewahre. Und zwar wo? In der Schweiz, die bekannt dafür sei, daß sie Deutschland, dem ewigen Feind Frankreichs, Kredite gewähre. Dieser Skandal führte dazu, daß die geschockten französischen Anleger umgehend ihre Konten bei der ›Basler Handelsbank‹ schlossen. Zum Leidwesen der Bank wurden zu diesem Zeitpunkt auch ihre Aktiva in Deutschland eingefroren. All dies führte zum Bankrott eines der größten »Zwerge«, während die anderen ernsthaft über ihre Zukunft nachdenken mußten. Am Ende ihrer Überlegungen entschieden sie sich nicht etwa, das Bankgeheimnis ein wenig zu lüften, sondern es im Gegenteil mittels Änderungen in der Schweizer Gesetzgebung noch weiter zu stärken. Das sollte durch Lobbyarbeit herbeigeführt werden. Das Ergebnis: 1934 wurde das neue Bankengesetz angenommen und sah nicht nur, wie einst, eine administrative Verantwortung der Bankiers für die Preisgabe von Bankgeheimnissen vor, sondern auch eine strafrechtliche … Nicht zuletzt trugen weitere Ereignisse zu diesem schwerwiegenden Schritt bei: So flossen auch die verdächtigen Aktivitäten eines anderen Nachbarn, Deutschlands, in die Überlegungen der Schweizer Regierung mit ein. Nach Hitlers Machtübernahme und der Verabschiedung eines Gesetzes, welches »das heimliche Anlegen von Guthaben im Ausland« (es ist unschwer zu erraten, daß es sich in erster Linie gegen die Juden richtete) mit der Todesstrafe ahndete, statteten Naziagenten der Schweiz immer häufiger ihre Besuche ab. Als Geschäftsleute eröffneten sie Konten bei den örtlichen Banken und bemühten sich zugleich mit allen Kräften, Informationen über andere (deutsche) Bankkunden herauszubekommen. In der Folgezeit wurden die Banken von Forderungen zahlreicher Klienten überschüttet, ihre Konten aufzulösen und die Guthaben ins Reich zu überweisen. Verdächtig war das vor allem deshalb, weil die Forderungen nicht von den Kunden selbst kamen – nahezu ausnahmslos deutschen Juden –, sondern von Bevollmächtigten. Zuweilen erschienen die Kunden auch persönlich, jedoch stets in Begleitung finsterer Gestalten, die unschwer als Agenten der ›Gestapo‹ zu erkennen waren. Schmutziges Gold Vor langer Zeit wurde auch in der Schweiz ein Gesetz gegen Bankenspionage verabschiedet, doch versäumte man, rechtzeitig eines gegen die Aufnahme von finanziellen Kontakten zu Nazideutschland auf den Tisch zu bringen. Eine der Folgen: Recht bald wurde im Zusammenhang mit dem »Nazigold« das Schweizer Bankensystem erneut auf die Probe gestellt, hatte doch die Spitze des Deutschen Reichs während des gesamten Zweiten Weltkriegs die im eroberten Europa konfiszierten Tribute in der neutralen Schweiz versteckt. An diesem stillen Ort im Herzen des kämpfenden Europa, so die Überlegungen, würde niemand daran Anstoß nehmen. Im Jahre 1943 fingen schließlich die Amerikaner damit an, sich auf einmal für die Schweizer Banken zu interessieren – in einer Zeit also, in welcher der Ausgang des Krieges noch in den Sternen stand. Nachdem Reichswirtschaftsminister Walther Funk ausgeplaudert hatte, die Hitler-Regierung könne keine zwei Monate mehr ohne die Unterstützung der Schweiz durchhalten, forderte sein amerikanischer Kollege Henry Morgenthau von den Schweizer Banken, die Geschäftsbeziehungen zu Nazideutschland einzustellen. Die Forderung wurde noch unterstützt, indem die Konten, die Schweizer Staatsbürger bei amerikanischen Banken führten, blockiert wurden. Das sollte so lange andauern, wie das Finanzministerium der Vereinigten Staaten offiziell verkündete, »bis endgültig geklärt ist, ob die Gelder nichtdeutschen Kriegsverbrechern gehören«. Zwei Jahre später, als der Sieg der Alliierten kurz bevorstand, machte sich ein Berater von US-Präsident Franklin D. Roosevelt zu einer Inspektion auf den Weg nach Genf, um den Aufenthaltsort des »Reichsgeldes« zu erkunden. Nachdem der Emissär merken mußte, daß ihn die »Zwerge« an der Nase herumführten, stellte er ihnen ein Ultimatum: Entweder lieferten ihm die Bankiers innerhalb einer Woche einen Bericht über den Verbleib des Geldes, oder die blockierten Schweizer Vermögen in den Vereinigten Staaten würden konfisziert und die Schweiz auf die »Schwarze Liste« der Länder gesetzt, die den Nazis Beihilfe geleistet hätten. Einerseits wollten es die »Zwerge« nicht darauf ankommen lassen, sich mit dem Wirtschaftsriesen und dem Sieger des bald beendeten Krieges zu überwerfen, doch andererseits sahen sie nicht ein, ihre Schätze herauszurücken. Die Beteiligten begannen einen klassischen Handel, der mit einem Kompromiß endete: Eine halbe Milliarde Franken, deren »Naziherkunft« dokumentarisch belegt war (wohl nur die »halbe Wahrheit« über das Nazigeld), ging je zur Hälfte an die Schweiz und an die Vereinigten Staaten. Von ihrem Anteil zweigte die Alpenrepublik dann zwanzig Millionen Franken ab für die Wiedergutmachung an den Opfern des Hitlerregimes. Im Gegenzug verzichteten die Amerikaner auf weitere finanzielle Nachforschungen. Die »Zwerge« versprachen, ihre Kunden, über die kompromittierendes Material aus dem Ausland vorlag, selbst zu überprüfen. Sie überprüften auch, und das nicht nur einmal – schließlich gab es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genügend Diktatoren, die Gelder veruntreut hatten, Politiker, die korrupt waren, Verbrecher und Terroristen, die international agierten, sowie weitere leidenschaftliche Anhänger des Schweizer Bankgeheimnisses. Notiz am Rande: Im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern ist in der Schweiz eine falsche Steuererklärung oder eine andere Art der Steuerhinterziehung kein strafrechtliches Verbrechen, sondern ein administrativer Rechtsbruch. Bis zum heutigen Tag setzen viele schweizerische Großbanken wie die ›Credit Suisse‹ und die ›UBS‹ ein Vermögen um, das vielfach das Bruttonationaleinkommen des Landes übersteigt. Anfang 1980 schrieb der Schweizer Ökonom Ulrich Brogle: »Bis zum heutigen Tage verfügen weder die staatlichen Behörden noch die Regierungen anderer Länder auch nur über ungefähre Angaben über Umfang und Herkunft der ausländischen Anlagen in Schweizer Banken. Niemand weiß, wieviel Geld sich dort auf den Nummernkonten befindet.« Safe-Land Die Schweizer Banken selbst verwandeln sich zunehmend in transnationale Allfinanz-Anbieter. Ein Jahrhundert nachdem erstmals eine schweizerische Bank den US-amerikanischen Markt betreten hatte, wurde selbige ›Credit Suisse‹ zunächst Partner einer der größten amerikanischen Gesellschaften, der ›First Boston‹, um dann später deren Kontrollaktienpaket zu erwerben, so daß am Übergang zum 21. Jahrhundert ein neuer Gigant, die ›Credit Suisse Group‹, das Licht der Welt erblickte. Und ein anderes Kind Alfred Eschers, das Unternehmen ›Versicherungsverein‹, heute bekannt als ›Zurich Financial Services‹, hat erst kürzlich verkündet, Aktiva mit der ›Deutschen Bank‹ ausgetauscht zu haben – und wurde auf diese Art und Weise zum Führer des europäischen Versicherungsmarkts. Die Bemühungen der Schweizer Diplomatie nach dem Zweiten Weltkrieg, das positive Image ihres Landes und das Vertrauen in seine Banken wiederherzustellen, haben jedenfalls offensichtliche Früchte getragen. Heute beträgt der Anteil der Schweizer Banken auf dem internationalen Offshore-Finanzmarkt 35 Prozent, also mehr als ein Drittel, womit sie Luxemburg und andere »Steuerparadiesländer« weit abschlagen. 372 Schweizer Banken haben 32.000 Filialen, und insgesamt generiert der Bankensektor, in dem 6 Prozent der Bevölkerung beschäftigt sind, 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ähnlich den nicht minder berühmten Schweizer Uhren arbeiten die Schweizer Banken heutzutage äußerst exakt, akkurat, ohne die geringsten Störungen, wobei kleine »Unebenheiten« nahezu geräuschlos geglättet werden. Gemeint ist jene Kritik an den »Zwergen« seitens der internationalen öffentlichen Meinung und der überstaatlichen Behörde in bezug auf den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, denn schließlich ist Zuverlässigkeit wichtiger als alles andere. Die heutige Schweiz ist übrigens kein »Steuerparadies«: Es gibt sowohl eine Einkommensteuer als auch eine Vermögensteuer. Einkünfte aus der direkten Einkommensteuer, unter die auch Bankersparnisse fallen, gehen gebündelt an die Kantone und die Eidgenossenschaft insgesamt. Aus diesem Grund wird auch eine Quellensteuer verlangt, um somit die Kapitalzinsen (Zinsertrag, Dividende) zusichern zu können. Ist der Anleger ein Ausländer, mit dessen Land ein Abkommen zur Vermeidung einer doppelten Besteuerung abgeschlossen worden ist, geht ein Teil dieser Verrechnungssteuer, 20 bis 25 Prozent, an den Staat des Betreffenden. Das ist die einzige Konzession, welche die Schweizer Bankiers 2002 eingegangen sind, als die mit dem Kapitalfluß unzufriedenen Länder der ›Europäischen Union‹ der Schweiz unter Hinweis auf den Kampf gegen den Terrorismus mit Sanktionen drohten. In der Hauptfrage jedoch, der Bewahrung des Bankgeheimnisses, konnten die Schweizer ihre Position behaupten. Die ›Europäische Kommission‹ hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, sich 2007 dieser heiklen Frage neuerlich anzunehmen. Will man heute ein Konto bei einer Schweizer Bank eröffnen, so sollte man wissen, daß sich bedeutende Großbanken wie die ›UBS‹ oder die ›Credit Suisse‹ selten mit einem Kunden einlassen, der nicht mindestens 80.000 Dollar (›UBS‹) bzw. 400.000 Dollar (›Credit Suisse‹) dauerhaft auf seinem Konto hält. Darüber hinaus verlangen heutzutage alle Schweizer Banken obligatorische Informationen über den Wertberechtigten, den wahren Besitzer des Kontos. Zwar können alle Zeugnisse, die das Konto und seinen Besitzer betreffen, ausschließlich auf Geheiß eines Schweizer Gerichts – Hinterziehung von Steuern in einem anderen Land durch den Klienten ist hierfür keine ausreichende Begründung – publik gemacht werden, doch gilt die rechtswidrige Preisgabe solcher Informationen durch Bankmitarbeiter nach wie vor als Straftat. Die »Zwerge« sind also hochgradig an einer Verbesserung ihres Images interessiert und wenden dafür recht viel Kraft auf. In der Alpenrepublik selbst meinen viele, daß nicht das Image daran schuld sei, sondern verunglimpfende ausländische Journalisten. Diese Tendenz ist offenbar international. »Unsere Banken sind es bereits gewöhnt, in den Zeitungen von ›schmutzigen‹ Nummernkonten zu lesen, wenn die Leser Berichte über das Ungeheuer von Loch Ness und Außerirdische nicht mehr hören können«, sagte, sichtlich gereizt, vor noch nicht allzu langer Zeit der von Journalisten belagerte ehemalige Direktor der ›Credit Suisse‹, Christopher Wuffli. Und: »Um jedes gut gehütete Geheimnis entstehen unweigerlich Mythen.« Was das Mythische anbelangt, so preisen selbst Legenden und Sagen der alpinen Völker die hohe Diskretion und die zurückhaltende Schweigsamkeit der »Bergzwerge«. Von Wladimir Gakow |
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