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Pagani Roadster F
Der Traumfänger

Unsere Straßen sind voll von Blech gewordenem Shareholder value, von Aktienkursen auf Rädern und gleichförmigen Lean-Production-Kisten. Nur noch wenige automobile Enthusiasten setzen ihre Leidenschaft, ihr Stilempfinden und ihre handwerkliche Kunst gegen das große Einerlei. Der gebürtige Argentinier Horacio Pagani ist einer von ihnen. Er baut atemberaubende Skulpturen in ästhetischer und mechanischer Vollendung. Auch der jüngste Sproß der ›Zonda‹-Familie trägt wieder die Gene der Schönheit und der Perfektion. Dabei ist er ganz von dieser Welt.

Der Einzelkämpfer Pagani, in Norditalien wirkend, hat sich motortechnische Verstärkung aus Deutschland geholt. Als Glücksfall erweist sich das Bündnis mit ›AMG‹, stellen doch die Stuttgarter fünfzig Exemplare des seltenen 7,3‑Liter-12‑Zylinder-Saugers bereit. Gegenüber dem Vorgänger ›Zonda S‹ wurde die Strömungstechnik weiterentwickelt sowie aus der ›Formel 1‹ eine superteure Abgasanlage eingebaut.

In Kombination mit verbesserten aerodynamischen Eigenschaften kommen die 602 PS und ein Drehmoment von 760 Nm weitaus effektiver zur Geltung als beim Vorgänger. Sündhaft teure ›Öhlin‹-Federbeine und wuchtige ›Brembo‹-Bremsen sind weitere Zutaten. Von der Perfektion im Detail ganz zu schweigen. Im Fahrtest fliegt dem Fahrer der Horizont entgegen, und die Landschaft wandelt sich in ein Traumphasenkino. Das Tier im Rücken löst Fluchtreflexe aus, die jeder Bewegung des Gaspedals folgen. 11,4 Sekunden für die 200‑km/h-Hürde sind in diesem Gefährt nicht faßbar. Genausowenig wie 631.000 Euro, um diesen Traum einzufangen. Wozu auch? Es bleibt ein Lächeln … und die Freude, daß es so etwas gibt.

Lamborghini Murciélago LP 640
Stierblut



›Lamborghini‹ hat die Partnerschaft mit ›Audi‹ gutgetan. Die Klientel wünscht hochwertige Technik und Leistung und zahlt im Gegenzug jeden geforderten Preis. Noch nie hat die Karosseria aus San’t Agata so viele Modelle verkauft. Zweitausend in fünf Jahren waren es allein vom ›Murciélago‹. In Genf präsentierten die Italiener den komplett überarbeiteten Donnerkeil. Der Namenszusatz ›LP‹ (für »longitudinale posterior«, zu deutsch »längs eingebaut«) ist eine Erinnerung an den legendären, unberechenbaren ›Countach LP400‹ und verrät gleichzeitig die Leistung des Neuen: 640 PS. Seine Formensprache ist noch aggressiver geworden. Auch die Rücklichter wurden neu gestaltet. Dazu weist der Extrem-Sportwagen zwei unterschiedliche Seitenansichten auf. Aufgrund des vergrößerten Triebwerks mußte der Ölkühler angepaßt werden. Dank einigen Modifizierungen am Herz ist der ›Murciélago‹ jetzt in 3,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, vier Zehntel schneller als zuvor. Bewährtes ist geblieben, so der permanente Allradantrieb, die Verbundkarosserie aus Stahl und Karbon sowie die herrlich unpraktisch zu öffnenden Flügeltüren. Die Sitze erlauben ab sofort einige Gramm Winterspeck, und die Multimedia-Generation ist mit MP3 und DVD endlich zufriedengestellt. In Deutschland dürfte der schärfste ›Lamborghini‹ aller Zeiten nicht unter 255.000 Euro kosten.

Audi TT
Ein Aufsteiger


Uni, Job, das eigene Geschäft – es gibt Wegmarken, die Ziel und Aufbruch zugleich sind. Der ›Audi TT‹ verkörpert dieses Phänomen geradezu. Schluß mit der Langeweile, den Biedermännern, den ewig gleichen Formen, hieß die Losung der jungen Designer, die nicht ahnen konnten, daß sie eine Stilikone kreierten. Nichts ist aber schwieriger, als Bewährtes zu erneuern bzw. zu verändern. Star-Designer Walter de Silva ließ sich von Marilyn Monroe inspirieren, deren Proportionen diese unwiderstehliche Wirkung noch heute erzielen. Der neue ›TT‹ ist keine Replik seines Vorgängers, sondern eine Schöpfung, die mit stimmigen Linien und zeitgemäßer Top-Technik aufwartet. Vorne mit dem Singleframe-Grill zweifelsohne eine ›Audi‹-Tochter, wirkt das langsamer auslaufende Heck mit dem ausfahrbaren Spoiler und den markanten Rückleuchten erwachsener. Obwohl der ›TT‹ in Länge und Breite zugelegt hat, erscheint er nicht größer als sein Vorläufer. Nur 206 Kilogramm Leichtgewicht bringt das Coupé dank Alu-Spaceframe auf die Waage – und das trotz größerer Abmessungen. Zunächst stehen zwei Motoren aus dem Konzernbaukasten zur Verfügung: ein 200 PS starker 2.0‑TFSI-4‑Zylinder und der ›3.2. V6‹ mit 250 PS. Geschaltet wird seriell mit dem 6‑Gang-Handschaltgetriebe. Alternativ verspricht das Doppelkupplungsgetriebe, intern ›S-Tronic‹ genannt, Schaltzeiten von 0,2 Sekunden. Den ›Haldex‹-Allradantrieb gibt es ausschließlich für den ›V6‹. Zum Tachovergleich lädt der Heckspoiler ein, der bei Tempo 120 aus- und bei 80 km/h wieder einfährt. So könnte der Schilderwald in Deutschland ausgedünnt werden. Optimale Straßenkontrolle ist angesagt mit einem knackigen Fahrwerk, das wegen der 19‑Zoll-Räder modifiziert wurde. Groß dimensionierte, standfeste Bremsen geben die nötige Rückmeldung über den Stand der Dinge. Wahrscheinlich bremsen aber auch die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung, das Konto, der Kinderwagen. ›Audi‹ will jedenfalls nachlegen und verspricht einen ›3,6 V6‹, einen ›TTS‹, einen ›VR6‹ und eine Clubsport-Ausführung ›TTRS‹. Der Anfang ist gemacht. Mit 31.900 Euro geht es los.

Maserati Quattroporte SportGT
Auf Zack


Brandneu ist der ›Quattroporte‹ nicht, aber eine wunderschöne Luxuslimousine mit Steigerungspotential. Nach der Frischzellenkur erfüllt der mittlerweile gediegen verarbeitete Maserati alle in ihn gesetzten Erwartungen. 400 PS stark ist nunmehr der 4‑Liter-V8‑Motor aus dem ›Ferrari‹-Stall (und hinter der Vorderachse optimal plaziert).

Theoretisch bietet diese Konzeption in Kombination mit dem automatisierten 6‑Gang-Getriebe und einem Radstand von 3 Metern eine ideale Gewichtsverteilung. Plötzlich ist das Spiel im Antriebsstrang verschwunden, und das Gängezappen macht im ›SportGT‹ endlich Spaß.

Das Fahrwerk schluckt souverän alle Unebenheiten des Pflasters, und vorbildlich gibt die Lenkung Feedback. Bravissimo. Kostenpunkt für die schönste und mit 275 km/h schnellste Dienstkarosse: 156.000 Euro. Vorausgesetzt, der Chef fährt selbst.

Porsche 911 GT3
Schwabenpfeil


An diesem ›Porsche‹ werdet ihr eure wahren Freunde und Nachbarn erkennen. Die einen werden die Nase rümpfen, die anderen versuchen, den Kofferraumdeckel zu schließen, weil sie den Spalt nicht als Kühleröffnung erkennen. Wenn alle nerven, wissen Sie, was zu tun ist – raus auf die Rennbahn. Wieder einmal schafft ›Porsche‹ mit dem ›GT3‹ den Spagat zwischen Straße und Rennstrecke. Mit 110.000 Euro kostet das Sportgerät fast 30.000 mehr als ein gewöhnlicher ›911er‹ – und das bei weniger Komfort, weniger Ausstattung und sogar weniger Sitzplätzen. Gut, die sind geschenkt. Doch sonst ist jedes Gramm seinen Preis wert. Beginnend mit dem modifizierten Saugmotor, der rekordverdächtige 415 PS aus 3,6 Litern Hubraum förmlich stampft und erst bei 8400 Touren in den roten Bereich dreht. Unentrinnbar fräst sich der aggressiv-heisere Sound in die Hörgänge. Feinfühliges Handling und ausreichend Erfahrung vorausgesetzt, fallen nach 4,3 Sekunden die 100, nach 13,5 Sekunden die 200 km/h. Bleibt der Fuß auf dem Gaspedal, stoppt der Gegenwind erst bei 310 km/h den extremen Vorwärtsdrang. Weil die Abstimmung noch sportlicher ausgelegt und die Rückbank aussortiert wurde, geht der ›GT3‹ willig wie nie um die Kurven. Eigens für die Schleichfahrt ins Büro wurde ein Dämpfungsmodus eingerichtet. Die riesigen Lufteinlässe und der dominante Heckspoiler werden zu Prüfsteinen Ihres Selbstbewußtseins. Im Inneren geht es dagegen puristisch und aufgeräumt zu: dünn gepolsterte Rennschalen statt Leder, ein griffiges Sportlenkrad und Instrumente im Grand-Tourisme-Look. Der kompromißlose Sportwagen im Straßenanzug bietet Fahrspaß ohne Filter. ESP fehlt gänzlich, und die Traktionskontrolle schont im Zweifel die Gummis auf der 305er Hinterhand.

Lexus LS 600 H
Flüsterkönig


Luxus aus dem Land der aufgehenden Sonne ist in Europa immer noch ein Geheimtip. Mit ihrem geheimnisvollen Lächeln zaubern die Japaner eine aus sanften Linien gefügte Nobelkarosse aus dem Kimonoärmel – und dem Westen bleibt einmal mehr nur ungläubiges Staunen. Seine 350 PS aus 4,6 Litern Verbrennungshubraum sind standesüblich und hier nur der Vollständigkeit halber genannt, wohingegen erwähnenswert ist, wie tief die fernöstlichen Tüftler in die Trickkiste gegriffen haben. Heraus kam ein High-Tech-8‑Stufen-Automatikgetriebe, dessen surrendes Räderwerk im schwäbischen Ländle Kopfschmerzen erzeugen wird, galt doch bislang die 7‑Stufen-Automatik von ›Mercedes‹ als Krönung der Schaltbox. Und das ist erst der Anfang bzw. der Beginn der Vorstellung, denn auch beim Blick auf den Hybrid-Antrieb werden die Technik-Gurus vom alten Kontinent die Augen verdrehen. Mit der gelungenen Kombination eines V8‑Benzinmotors mit Elektromotoren beschreiten die Japaner technisches Neuland in Sachen Leistung und Umweltverträglichkeit.

Die Philosophie des Hauses ›Lexus‹ liest sich dabei wie ein klassisches Beispiel östlicher Denk- und Überlebenstechnik: Beobachte, lerne, vollende es. Die vereinten maximal 500 PS werden über das stufenlose Zahnrad­karussell auf alle vier Räder übertragen. Vermutlich läßt sich der LS 600 damit in nur 5,1 Sekunden auf Tempo 100 km/h beschleunigen.

Noch hütet ›Lexus‹ die konkreten technischen Kenndaten der neuen Oberklassen-Limousine. Schließlich ist der Streit um das bessere Konzept eines »grünen« Automobils ein harter Wettkampf um Marktanteile im Luxussegment. Eines ist aber sicher: Dieses Modell wird noch viele überraschen.

Von Björn Breitter
 
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