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Genuß mit sieben Sinnen

Genuß ist dann vollkommen, wenn alle Sinne daran beteiligt sind. In der Antike erlangte höchstes Ansehen, wer diese Kunst beherrschte. Heutzutage fehlt vielen Menschen die Muße und die Geduld dazu. Dabei ist es einfacher denn je, sich die nötigen Zutaten zu verschaffen. Eine würzige Cigarre und ein duftender Cognac sind ein guter Anfang. Fehlen noch faszinierende Musik, überwältigende Filme und Bilder und ein rundum entspannendes Ambiente. Dafür gibt es eine erstklassige Adresse.

Technische Daten
• 40-Zoll-LCD- Breitbildschirm
• Leistungsaufnahme typisch: ca. 223 W (Stand-by: 0,5 W)
• Digitales Surround-Sound-Modul
• Master Link
• Maße: 108 x 68 x 18 cm
• Gewicht 45 kg

Das TV-Gerät ›BeoVision 7‑40‹ bietet einen 40 Zoll großen LCD-Flachbildschirm und einen integrierten DVD-Player. Mit einem Stellmotor läßt sich der Bildschirm per Fernbedienung vom Sessel aus zurechtschwenken. Wer ihn gerne flach an der Wand stehen hat, beim Fernsehen aber regelmäßig einen anderen Sichtwinkel benötigt, kann das Gerät so programmieren, daß es sich beim Einschalten gleich automatisch in die richtige Position fährt. Beim Ausschalten schwenkt der Schirm wieder von selbst in die Ruheposition. Helligkeit und Kontrast passen sich dem Raumlicht automatisch an. Das sind nur ein paar der Besonderheiten. So eindrucksvoll das Bild und der Komfort sind, so hoch ist der Preis: knapp 9.800 Euro.


Eine der feinsten, wenn nicht sogar die feinste Adresse für solche Träume liegt in Dänemark und heißt ›Bang & Olufsen‹. Spezialität des Hauses ist Unterhaltungselektronik mit exzellenter Technik und edelstem Design. Vom Audio- und TV-Gerät über das Telephon bis hin zum kompletten Privatkino reicht das Angebot. Das Unternehmen besitzt in sechsundzwanzig Ländern auf allen Kontinenten Niederlassungen. In den Metropolen findet man die Läden meist dort, wo die Mieten am höchsten und die Kunden am wohlhabendsten sind, denn die Luxus­objekte der Dänen haben stolze Preise.

Verführung durch Perfektion
Eine hochwertige Technik allein reicht nicht, Kunden in dieser Preislage zum Kauf zu verführen. Zumal die Philosophie des Hauses einen viel umfassenderen Anspruch stellt: ›Bang & Olufsen‹ will »art of life« sein. Das funktioniert nur, wenn neben exzellenter Technik höchster Bedienungskomfort und edelstes Design geboten werden. Selbst kritische Zeitgenossen müssen zugeben, daß ›Bang & Olufsen‹ diesem Anspruch gerecht wird.

Technische Daten
• 99 Speicherplätze für UKW-Radiosender (mit RDS), DAB (optional)
• Compact Disc, Namensspeicher für 200 Titel
• Integrierter MMC/SD-Kartenleser, liest MP3-und WMA-Format
• Anschlüsse für Power Link, Audio AUX E/A, FM-Antenne (DAB-Antenne optional), Master Link, Kopfhörer
• Wandhalterung, Bodenstandfuß (beide Aluminium)
• Leistungsaufnahme typisch: 25 W (Stand-by: 1 W)
• Maße: 28 x 31 x 24 cm (Abdeckung offen: 28 x 39 x 27 cm)
• Gewicht: 4 kg

›BeoSound 4‹ heißt der neue Audio-Altar: Die Rauchglasabdeckung schiebt sich wie durch Zauberei nach oben, sobald man die Hand unter der vorderen Kante schwenkt. Das magische Geheimnis ist ein nahezu lautlos arbeitender Servomotor. Im Gerät sind außerdem ein CD-Player und ein UKW-Radio integriert. Auf Wunsch wird statt des UKW-Radios ein DAB-Radio für digitale Sender eingebaut. Der ›BeoSound 4‹ besitzt auch ein internes Lesegerät für SD-Karten. SD-Karten sind kleine Speichermodule für Daten und digitale Musik, zum Beispiel im MP3‑Format. Per Knopfdruck können so mühelos Aufnahmen von Radiosendungen oder CD gespeichert und anschließend wieder abgespielt werden. Preis (ohne Fernbedienung): ca. 1.900 Euro.

Das Prinzip, eine einzige Fernbedienung für alle Geräte zu verwenden, ist Teil der Philosophie, dem Besitzer von ›Bang & Olufsen‹-Geräten den Umgang mit der Technik so leicht wie möglich zu machen


Wer die nach dem Franchise-Prinzip betriebenen Läden betritt, wird deshalb in eine perfekte Welt des Schönen versetzt. Gedämpfte Atmosphäre, aufwendige, aber dezente Dekorationen, viel Raum und eine diskrete Bedienung sind Standard. Nichts soll von der Perfektion der Produkte ablenken. Der Kunde soll sich in ein Traumheim versetzt fühlen und spüren, wie schön die Welt mit ›Bang & Olufsen‹-Produkten sein kann. Paare, die eine Stunde und mehr in aller Ruhe die Objekte ihrer Begierde betrachten und probehören, sind keine Ausnahmen. Kunden und Personal scheinen alle Zeit der Welt zu besitzen. Wo gibt es das sonst noch – außer in Kirchen?

Kulttempel und Zeremonienmeister
Die Strategie kommt an. Man ist in den ›Bang & Olufsen‹-Kulttempeln unter sich, und die Händler sind Zeremonienmeister dieser schönen Welt. Das Vertrauen der Gemeinde in sie ist grenzenlos. In einem Gespräch verrät ein Münchner Händler: »Immer wieder drücken uns Kunden vor einer Kreuzfahrt die Hausschlüssel in die Hand und sagen: ›Bauen Sie uns die Anlage ein, während wir weg sind.‹ So ein Vertrauen macht uns stolz, denn in den Häusern sind nicht selten Millionenwerte vorhanden. Daß bei der Rückkehr das Haus so tipptopp ist, als wäre nie ein Handwerker dagewesen, ist Ehrensache.«

Das ist nicht immer leicht, denn ›Bang & Olufsen‹ bietet sogar ein komplettes Privatkino samt Planung und Hausumbau an. Arbeiten, die normalerweise Nerven kosten. Nicht die der ›Bang & Olufsen‹-Klientel. Die gesamte Organisation und Aufsicht über die Arbeiten übernimmt der Fachhändler vor Ort. Service vom Feinsten.

Hin und wieder wird der Vorwurf geäußert, das eigentlich Besondere an den Produkten sei nicht die Technik, sondern die schöne Verpackung. Nach der Logik der Kritiker wären dann kostbare Gemälde lediglich gut verpackte Leinwände. Der Vorwurf entlarvt Kulturbanausen, denn Produktdesign ist eben Teil des Produkts und ein kultureller Wert an sich, zumal so exzellentes wie das von ›Bang & Olufsen‹.

Magischer Minimalismus
Anlagen von ›Bang & Olufsen‹ als Altäre zu bezeichnen ist nicht übertrieben. Eine sanfte Berührung hier, eine beschwörende Handbewegung dort – und schwarze Rauchglasflügel öffnen sich wie von Geisterhand bewegt, verborgene Laden schieben sich lautlos aus Säulen, und glühende Zeichen und Symbole erscheinen auf edel gebürstetem Metall. Daß das nicht zur billigen Show ausartet, dafür sorgt eine meisterliche Reduzierung der Formen auf wenige streng geometrische Grundformen und der Einsatz von kühlen Werkstoffen – Metall, Glas und schwarzem Kunststoff. Das Ergebnis ist futuristischer Minimalismus mit einem Schuß Magie.

Dem Hang zum hochwertigen Design frönten schon die Gründer von ›Bang & Olufsen‹. Lange Jahrzehnte aber blieb es bei einem mal mehr, mal weniger schönen skandinavisch schlichten Design, meist in Holz und Kunststoff. Ende der sechziger Jahre kommt nach und nach Metall hinzu, fast immer als Frontelement. Anfang der Siebziger schließlich erscheinen erste Modelle, bei denen oberflächenveredeltes anodisiertes Aluminium mehr als nur die Gehäusefront ziert. Parallel dazu weichen die mechanischen Zeigerinstrumente neuartigen Anzeigen mit Leuchtdioden.

Alles Metall oder was?
Ende der Siebziger endlich beginnt mit dem ›Beomaster 1900‹ die bis heute andauernde Ära des magischen Designs. Die Gehäuse sind ganz auf Metall getrimmt, kontrastiert von schwarzen Kunststoffblenden und veredelt durch Rauchglaselemente. Rot und grün glimmende Leuchtdioden werden nicht mehr nur zur Anzeige, sondern gezielt als magische Effekte in Szene gesetzt. Erster reinrassiger Vertreter dieser Linie ist der ›Beomaster 8000‹.

Der kreative Kopf dahinter heißt Jacob Jensen. Seine Mitarbeit bei ›Bang & Olufsen‹ dauert von 1965 bis 1991. Im Jahr 1972 werden sieben seiner Entwürfe für ›Bang & Olufsen‹ in die Designabteilung des ›Museum of Modern Art‹ in New York aufgenommen, darunter der extrem flache Plattenspieler ›Beogram 4000‹.

Die Designentwürfe der letzten Jahre stammen zum größten Teil von David Lewis, der nach einigen Jahren als Angestellter unter Jacob Jensen nun schon seit dreißig Jahren freiberuflich für ›Bang & Olufsen‹ arbeitet. Sein optisch vielleicht spektakulärster Entwurf ist der ›Beosound 9000‹, ein CD-Spieler mit sechs CDs in Reihe. Auch von ihm steht mittlerweile eine Reihe von Geräten im ›Museum of Modern Art‹.

›B&O‹-Technik ist anders
›Bang & Olufsen‹ profitiert nicht nur von seinem Ruf für bestes Design, sondern das Unternehmen leidet auch darunter, denn hinter dem faszinierenden Äußeren wird viel zu oft die hervorragende Technik übersehen. Eine Technik, die vor allem mit zahlreichen Details glänzt, deren Wert man erst im täglichen Umgang zu schätzen lernt. Diese Details sind es aber auch, die einmal gewonnene Kunden so sehr verwöhnen, daß sie ›Bang & Olufsen‹ oft für den Rest ihres Lebens treu bleiben.

Kongenialer Nachfolger von Chefdesigner Jacob Jensen wurde sein ehemaliger Mitarbeiter David Lewis. Er bestimmt bis heute als Mastermind das Design der ›Bang & Olufsen‹-Produkte. Um sich seine kreative Autonomie zu bewahren, besteht
er darauf, als freier Designer für das Unternehmen zu arbeiten


Wie beim Design geht ›Bang & Olufsen‹ auch bei der Technik eigenwillige Wege abseits des Mainstreams. Die Gefahr, dabei den einen oder anderen Irrweg zu beschreiten, ist groß, die Chance, mit völlig neuen Konzepten alle anderen auszustechen, aber ebenso. Letzteres gelang ›Bang & Olufsen‹ auffallend oft.

Konzertbesuche auf Firmenkosten
Der Aufwand, die hohe technische Qualität zu sichern, ist ebenso groß wie zum Teil ungewöhnlich. Für die physikalische Messung von Lautsprechersystemen steht zum Beispiel ein riesiger Schallraum, der sogenannte ›Cube‹ (wegen seiner Würfelform) zur Verfügung, in dem die Testobjekte per Kran millimetergenau plaziert werden können, um die Messungen so vergleichbar wie möglich zu gestalten.

Vom Funktionalismus des ›Bauhauses‹ inspiriert, gestaltet Peter Bang 1934 die Musiktruhe ›Hyperbo 5RG Steel‹. Technisch der visionäre Vorläufer moderner Musikanlagen, greift das Design noch eklektizistisch die berühmten Freischwinger-Stühle des ›Bauhaus‹-Designers Marcel Breuer auf. Mit dem ›Hyperbo‹ ist die ›Bang & Olufsen‹-typische Vermählung zwischen Technik und Design aber dauerhaft besiegelt

Allein auf diese Messungen verlassen will man sich bei ›Bang & Olufsen‹ aber nicht. Schließlich sollen die Produkte Menschen zufriedenstellen, keine Roboter. Deshalb gibt es in der Konstruktionsphase Testläufe mit einem Team, dessen Mitglieder in einer besonderen Untersuchung überdurchschnittliches Seh- und Hörvermögen bewiesen haben. Damit die Tester nicht vergessen, wie echte Instrumente klingen, müssen sie auf Kosten des Unternehmens regelmäßig Live-Konzerte, Opern, Musicals und andere musikalische Veranstaltungen besuchen.

Svend Olufsen und Peter Bang im Jahre 1932, sieben Jahre nach Gründung ihrer Firma in der Nähe der dänischen Stadt Struer …

Die Philosophie hinter der Technik ist einfach, aber anspruchsvoll: Der Benutzer soll sie mit so wenig Mühe wie möglich nutzen können. Ein besonders augenfälliges Beispiel ist das Konzept der Fernbedienung. Für alle Geräte reicht ein einziges Exemplar, egal, wie viele Geräte, wie alt sie sind und um welche Gerätetypen es sich handelt, solange sie nur von ›Bang & Olufsen‹ stammen und eine entsprechende Schnittstelle für Fernsteuerung besitzen.

Der Zeit voraus
›Bang & Olufsen‹ hat im Laufe der Firmengeschichte viele technische Neuerungen Jahre vor den Konkurrenten auf den Markt gebracht. Ein besonders gutes Beispiel ist das System ›Beolink‹. Bereits Anfang der achtziger Jahre entwickelten die dänischen Ingenieure ein System, Audioquellen (TV-Gerät oder Audioanlage) mit zusätzlichen Wiedergabegeräten über mehrere Räume hinweg zu vernetzen. Zusätzlich an das Netzwerk angeschlossene Infrarotsensoren erlaubten schon vor über zwanzig Jahren, die zentrale Audioquelle von jedem angeschlossenen Raum aus mit einer einzigen Fernsteuerung zu bedienen.

Der ›Beolit‹ besitzt als erster in Serie gefertigter Rundfunkempfänger ein Gehäuse aus Bakelit, dem Urahn der Industrie-Kunststoffe. Er kommt Weihnachten 1938 in die Läden

Der Rest der Branche schien das Prinzip der Vernetzung bis vor rund zwei Jahren zu verschlafen. Erst die Versuche einiger Hersteller von Computernetzwerken, mit ihrer Technik Audiogeräte zu vernetzen und in »fremden Revieren« zu wildern, rüttelte die Branche wach.

Der ›Eliminator‹ ist das erste erfolgreiche Produkt der frisch gegründeten Firma ›Bang & Olufsen‹. Heute würde man ihn als Netzteil für batteriebetriebene Radiogeräte bezeichnen. Das für damalige Zeiten Besondere war, daß er den Strom nicht nur transformierte, sondern auch die Störungen aus dem Stromnetz herausfilterte, also ›eleminierte‹

Daß es sich beim ›Beolink‹-System um eine proprietäre Lösung handelt, die nur mit ›Bang & Olufsen‹-Geräten funktioniert, ist für die meisten Kunden der Dänen ohne Belang. Sie besitzen ohnehin keine anderen Geräte. Diese aber funktionieren dafür seit über zwanzig Jahren im Netz, egal welchem Modelljahrgang sie entstammen.

Vor kurzem ergänzte ›Bang & Olufsen‹ sein Netzwerk um eine Funkkomponente für Vernetzungen unter schwierigen Verhältnissen, zum Beispiel für solche in historischen Gebäuden mit Denkmalschutz.

Von Michael J.M. Lang

DIE GESCHICHTE. MIT ANFANG, ABER OHNE ENDE

Die Wurzeln für den Erfolg großer Marken liegen meist in den Anfängen verborgen. Ein Blick auf die Gründerjahre von Traditionsunternehmen – wozu ›Bang & Olufsen‹ zweifelsohne gehört – ist deshalb nicht nur aufschlußreich, sondern auch ausgesprochen spannend.

Die Erfolgsgeschichte von ›Bang & Olufsen‹ beginnt im Jahre 1925 im jütländischen Quistrup nahe der dänischen Stadt Struer. Hier basteln auf dem Dachboden eines Landguts zwei junge Ingenieure Radios. Svend Olufsen, 28 Lenze jung, ist einer der drei Söhne des Hofbesitzers, der drei Jahre jüngere Peter Bang sein Freund. Was noch wie ein jugendliches Hobby wirkt, ist für Bang bereits Teil seiner beruflichen Pläne. Während eines längeren Aufenthalts in den USA hat er dort eine aufblühende Rundfunkindustrie kennengelernt. Er spürt: Diese Technik wird auch in Europa einen industriellen Boom auslösen, und er will daran teilhaben. Olufsen teilt seine Begeisterung für die Funktechnik.

Das Menetekel

Während im beschaulichen Westen Dänemarks die beiden jungen Männer ihre ersten Radios zusammenbauen, bahnen sich in den Hauptstädten Europas kulturelle und gesellschaftliche Umbrüche, aber auch eine schreckliche Katastrophe an. In Moskau flimmert Eisensteins genial gefilmte Revolutionshymne Panzerkreuzer Potemkin zum ersten Mal über die Leinwand, und in Deutschland publiziert der junge Physiker Heisenberg seine erste Abhandlung über die Quantenphysik. Das physikalische Weltbild wird darin zwanzig Jahre nach Einsteins Relativitätstheorie zum zweiten Mal auf den Kopf gestellt. In München aber erscheint das Menetekel eines schrecklichen Krieges. Das Völkermordmanifest trägt den Titel Mein Kampf. Es wird kaum wahrgenommen. Zwei Jahrzehnte später jedoch wird wegen der darin enthaltenen Ideen die halbe Welt in Trümmern liegen.

1925 aber ahnen nur ganz wenige, was auf Europa zukommt. Am 17. November gründen Peter und Svend daher noch voller Optimismus ihre eigene Firma ›Bang & Olufsen‹. Auf die Frage sorgenvoller Lieferanten nach der Solvenz der Jung­unternehmer entgegnet der örtliche Bankdirektor, sie gäben wohl viel Geld aus, aber die Eltern der beiden seien ausreichend wohlhabend.

Technik und Design finden sich
Schon zwei Jahre später bauen die Jungunternehmer vor den Toren Struers ihre erste große Fabrik. Die beiden sind nicht nur einfach Ingenieure, sondern Pioniere einer neuen Zeit. Sie haben den Ehrgeiz, das technisch Machbare zu machen. Peter und Svend experimentieren mit dynamischen Lautsprechern, bauen 1929 ihr erstes Kinosoundsystem und 1930 die erste Musiktruhe mit Radio und Grammophon.

1934 konstruiert Bang im Stil des ›Bauhaus‹-Designers Marcel Breuer einen visionären Vorläufer der modernen Musikanlagen, das ›Hyperbo 5RG Steel‹. Es enthält ein Radiomodul, einen Plattenspieler, einen Lautsprecher und ein Fach für Schallplatten. Noch mangelt es jedoch dem Design an Eigenständigkeit; die technischen Innovationen stehen im Vordergrund. 1938 entsteht ›Master 38CH‹, das weltweit erste Radio mit mechanisch programmierbaren Sta­tionstasten, ein Jahr später das Modell ›Beolit‹ mit Bakelit-Gehäuse. Bakelit ist der Urahn der industriell produzierten Kunststoffe, die wenige Jahre später den Gehäusebau in der ganzen Welt revolutionieren werden.

Die Anfangssilbe ›Beo‹ wird mit dem ›Beolit‹ zum festen Bestandteil aller zukünftigen Modellnamen von ›Bang & Olufsen‹, und auch das minimalistische Design wird nach dem Designabenteuer ›Hyperbo‹ zum unverzichtbaren Bestandteil aller zukünftigen Geräte.

Begegnungen der zweiten Art
Auf die Okkupation durch Hitlers Truppen reagieren Bang und Olufsen wie weite Teile der technischen Intelligenz in allen Ländern Europas anfangs zwiespältig. Sie spüren zwar die latente Bedrohung, aber auch die wirtschaftliche und technische Aufbruchstimmung. Das soll sich schon bald ändern. Im Laufe der Ereignisse nimmt vor allem Olufsen Kontakt mit dem dänischen Widerstand auf. Mit verheerenden Folgen: 1945 sprengen abziehende deutsche Besatzungstruppen die Fabrik in die Luft – aus Rache für Sabotageakte dänischer Widerstandskämpfer. Eine Hetzschrift aus dem Jahre 1925 hat die Unternehmer auf dramatische Weise eingeholt.

Vierzig Jahre später tangiert ein weiteres Ereignis aus dem Gründerjahr die Firmengeschichte, dieses Mal allerdings mit positiver Wirkung: Heisenbergs Quantenphysik. Auf ihr basiert die Lasertechnologie der CD-Player, die das Unternehmen Mitte der achtziger Jahre in seine Produktpalette aufnimmt.

Heute ist ›Bang & Olufsen‹ immer noch in Struer beheimatet und Hersteller hochwertiger Audio-, Video- und Telekommunikationssysteme mit einem unverwechselbaren Design, das stark philosophische Züge besitzt und den Lebensstil seiner Kunden prägt. Das Selbstverständnis, Qualität radikal und unabhängig vom Mainstream und seiner Tagesverfassung zu definieren, begleitet dieses Unternehmen seit seinen Anfangstagen. Das eigentliche Wunder aber besteht darin, daß ›Bang & Olufsen‹ diese Philosophie im Laufe der Jahrzehnte entgegen dem Zeitgeist und manchem Ratschlag von Wirtschaftsexperten nicht verwässert, sondern intensiviert – und damit auf sich selbst anwendet, zuletzt in den neunziger Jahren, als der wirtschaftliche Erfolg auszubleiben droht.

Tradition siegt
Die Edelprodukte stehen in jener Zeit nicht mehr nur in exklusiven ›Bang & Olufsen‹-Geschäften, sondern auch in Kaufhäusern und Geschäften mit Geräten anderer Hersteller Seite an Seite in den Regalen. Die Marke droht zu verwässern. Die Quittung der bis dahin treuen Gemeinde kommt prompt. Als ›Bang & Olufsen‹-Kunde war man bereit, für die Exklusivität und das Gefühl, Teil einer Kultgemeinde zu sein, deutlich mehr zu bezahlen, als Kaufhauskunde nicht. Immer mehr Hersteller ohne diesen Kultstatus haben in den Neunzigern auch hervorragende Geräte, aber zu deutlich niedrigeren Preisen.

Die Konsequenzen des Unternehmens stehen ganz in der Tradition des Hauses. Statt opportunistisch auf Masse und Billigzulieferer zu setzen, heißt die Strategie nun: Zurück zur Kultur der exklusiven Kulttempel, in denen nicht nur die Geräte unter Ausschluß jeglicher Konkurrenz gezeigt, sondern vor allem der haus­eigene Lebensstil zelebriert werden kann. Und die Kunden kommen wieder. Das Erfolgsrezept der Dänen hat, so scheint es, noch lange kein Ende.
 
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