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Klassiker von morgen Ein gesundes Selbstbewußtsein In der Welt der mechanischen Uhr ist eigentlich alles alt. Die erste Maschine, die mit Hilfe von Rädern und Wellen – natürlich aus Holz – die Zeit maß, datiert aus dem 13. Jahrhundert. Bereits im 17. Jahrhundert erfand der Holländer Christiaan Huygens das Drehpendel mit Spiralfeder, die Unruh, und schuf so die Grundlage für die tragbare Uhr. Und bereits im 18. Jahrhundert wurden im Schweizer Jura reihenweise Uhrenmarken gegründet, die heute noch oder die heute wieder am Markt aktiv sind. Die eigene Tradition ist ein Pfund, mit dem speziell Marken im oberen Segment gerne und erfolgreich wuchern. Was macht da eine Uhrenmarke, die erst 1975 aus der Taufe gehoben worden ist? Ganz einfach: Sie läßt sich nicht beirren. Denn wer eine Uhrenmarke in der Schweiz gründet zu einer Zeit, da der europäische Markt durch Billigimporte aus Asien überschwemmt wird und in der Alpenrepublik reihenweise Uhrenhersteller ihre Tore schließen oder gar Konkurs anmelden, der muß schon ein gesundes Selbstbewußtsein haben – und eine Portion Marktkenntnis. Beides hat man bei der ›Desco von Schulthess AG‹, dem Mutterhaus von ›Maurice Lacroix‹. »Die Desco«, wie das Unternehmen im Branchenjargon genannt wird, ist ein Züricher Handelshaus, das sich seit 1946 erfolgreich als offizieller Importeur und Agent für namhafte Schweizer Uhrenmarken in Asien betätigt. ![]() Vom Private-Label-Hersteller zur Manufaktur – die Entwicklung von ›Maurice Lacroix‹ ist gekennzeichnet von viel Engagement sowie einer durchdachten Modell- und Unternehmenspolitik. So haben beispielsweise die Uhren der aktuellen ›Masterpiece‹-Serie tatsächlich das Zeug, die Klassiker von morgen zu werden 1961 steigt die ›Desco‹ selbst in die Uhrenproduktion ein. Sie kauft einen Montagebetrieb in Saignelégier im Schweizer Kanton Waadt. Dort werden im Kundenauftrag Uhren gebaut, die zuweilen das Logo der Kunden auf dem Zifferblatt tragen und daher auch als Private-Label-Uhren bezeichnet werden. In Saignelégier erarbeitet sich das Unternehmen das Know-how, das 1975 in einer eigenen Marke mündet. Im Laufe der Jahre entstehen mehrere Tochtergesellschaften, wobei sich speziell die 1980 gegründete ›Maurice Lacroix Deutschland GmbH‹ mit Sitz in Pforzheim als treibende Kraft erweist. Gestützt werden die Vertriebsanstrengungen von einem durchdachten Produktprogramm. Die qualitativ hochwertigen, gut ausgestatteten Uhren, zum Großteil mit Quarzwerken betrieben, behaupten sich schon nach relativ kurzer Zeit in diesem hart umkämpften Marktsegment. ![]() ›Masterpiece-Collection‹: ›Cinq & Cinq‹, Nachfolgemodell der ›Cinq Aiguilles‹, mit fünf Zentralzeigern und fünf Tagen Gangreserve. Neuheit zur ›Baselworld 2006‹ Damit hätten die Verantwortlichen eigentlich schon zufrieden sein können. Doch sie begreifen den Erfolg als Ansporn, um auf der Marktleiter weiter nach oben zu klettern. Besonders aktiv ist dabei der Produktentwickler René Baumann, ein Uhrenfachmann, der mit einer besonderen Weitsicht gesegnet ist. Denn während der sogenannten Quarzkrise, in der, wie beschrieben, viele Uhrenhersteller schließen mußten, kauft Baumann mit dem Segen der Geschäftsleitung aus den Konkursmassen chargenweise neuwertige Mechanikwerke zu vergleichsweise günstigen Preisen auf. Dieser Lagerbestand an mechanischen Uhrwerken entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Schatz, von dem ›Maurice Lacroix‹ noch heute zehrt. Die Renaissance der Mechanik Jene Uhrwerke ticken in den Modellen der ›Masterpiece Collection‹, die ebenfalls von René Baumann initiiert worden ist. Das sind die Top-Modelle des Hauses, mit denen ›Maurice Lacroix‹ im übrigen einen wesentlichen Beitrag zur Renaissance der mechanischen Uhr geleistet hat. Diese Renaissance wurde befördert durch ein heute selbstverständliches, damals aber fast einzigartiges Detail: die Böden mit Sichtfenster. Sie eröffneten den ersehnten Blick auf die Schönheit und die Faszination der Mikromechanik und signalisierten auch dem Nichtfachmann, daß es sich bei einer solchen Uhr um etwas Besonderes handeln muß. Den Grundstein für die ›Masterpiece Collection‹ legte ›Maurice Lacroix‹ 1990 mit dem Modell ›Cinq Aiguilles‹, zu deutsch »Fünf Zeiger«. Besagte fünf Zeiger aus dem Zifferblattzentrum zeigen neben der Uhrzeit auch noch Datum und Wochentag an. Diese eigene Entwicklung, die auf Basis eines Uhrwerks des Großserienherstellers ›ETA‹ entstand, war auch eine Initialzündung für den Ausbau der eigenen Entwicklungsabteilung. ![]() Ziel erreicht: Das im eigenen Haus konstruierte und gebaute Chronographenwerk, Kaliber ›ML 106‹, im ›Masterpiece‹-Modell ›Le Chronographe‹ erhebt ›Maurice Lacroix‹ in den Stand einer Manufaktur Die baute sich im Laufe der Zeit eine wachsende Kompetenz besonders im Bereich der retrograden Anzeigen auf. Das sind Anzeigen, die sich nicht wie üblich im Kreis drehen, sondern nur ein Kreissegment ausfüllen. Am Beispiel der Datumsanzeige läßt sich das so erklären: Der Datumszeiger wandert in einem Drittelkreis jeden Tag eine Stufe weiter bis zum Monatsende am 31. In der darauffolgenden Nacht springt er dann schlagartig wieder auf die »1« zurück. Ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklungsabteilung von ›Maurice Lacroix‹ war mit Sicherheit das 2003 vorgestellte Modell ›Double Rétrograde‹, bei dem nicht nur das Datum, sondern auch die 24‑Stunden-Indikation als retrograde Anzeige ausgelegt ist. Hier wurden die gesamten Zusatzfunktionen, die auf ein fein verarbeitetes ›ETA‹-Handaufzugswerk aufgesetzt sind, im eigenen technischen Büro entwickelt. Moderne Sammlerstücke Der vorläufige Höhepunkt aber ist das Uhrwerk mit der Kalibernummer ›ML 106‹. Es treibt das ›Masterpiece‹-Modell ›Le Chronographe‹ an, mit dem sich ›Maurice Lacroix‹ nun definitiv in der ersten Liga der Uhrenhersteller etabliert hat. Dieses Manufaktur-Uhrwerk wurde komplett im eigenen Haus entwickelt. Die Finissage der Komponenten erfolgt ausschließlich in den Werkstätten von ›Maurice Lacroix‹. Das besagte, sehr klassisch gezeichnete Chronographenwerk mit Schaltrad wird von Hand aufgezogen und besticht nicht nur durch seine stattliche Größe von fast 37 Millimetern Durchmesser, sondern auch durch einige vermeintlich altmodische Features. Dazu gehört beispielsweise die niedrige Schwingfrequenz der Unruh mit achtzehntausend Halbschwingungen pro Stunde. Sie ermöglicht im Zusammenspiel mit einem dreihundertzähnigen Zentrumsrad die klassische Einteilung der Chronographenskala in dreihundert Fünftelsekundenschritte sowie die Unterbringung eines 60‑Minuten-Zählers. Schneller schwingende Werke müssen hier mit einem 30‑Minuten-Zähler auskommen. Diese Uhr hat so überzeugt, daß die Konzessionäre von ›Maurice Lacroix‹ die auf zweihundertfünfzig Exemplare limitierte Erstauflage noch während der Fachmesse ›Baselworld 2006‹ komplett aufkauften. Wer sich ein solches potentielles Sammlerstück sichern will, sollte sich also sputen. ![]() Historische Uhrwerke in klassischen Gehäusen: Die beiden limitierten ›Masterpiece‹-Modelle ›Valjoux 23‹ (links) und ›Venus‹ sind benannt nach den legendären Chronographenwerken, mit denen sie ausgerüstet sind Mit limitierten ›Masterpiece‹-Modellen erfreut ›Maurice Lacroix‹ Uhrenkenner immer wieder. Hier kamen bisher meist die eingangs erwähnten Uhrwerke zum Einsatz, die sich das Unternehmen in den Krisenzeiten gesichert hatte. Diese klassischen, gleichwohl fabrikneuen Uhrwerke – etwa das wunderschöne Chronographenwerk ›Venus 175‹ oder die legendären Armbandwecker ›AS 1931‹ und ›AS 5008‹ – werden auf den heutigen Stand der Technik gebracht, aufgearbeitet und liebevoll dekoriert. Ihren Platz finden sie in anspruchsvoll gestalteten Gehäusen, zum großen Teil im Retrodesign. ![]() Mondsüchtig: Die Mondphasenanzeige und die retrograde Datumsindikation bei 10 Uhr geben der ›Masterpiece Lune Rétrograde‹ ihren Namen Diese Gehäuse – und das ist eine wesentliche Stärke des Unternehmens – baut ›Maurice Lacroix‹ selbst. 1989 kauften die Uhrenmacher in Saignelégier nahe der eigenen Produktionsstätte den Gehäusehersteller ›Queloz SA‹ auf. Seither wurden mehrere Millionen Euro in die Fertigungsanlagen gesteckt. Das zahlt sich heute aus, denn gute Gehäuse, die meist von Lieferanten bezogen werden, sind in der Uhrenbranche oft ein limitierender Faktor. Hier ist ›Maurice Lacroix‹ komplett autonom, damit oft schneller als der Wettbewerb und kontrolliert – das ist ganz wesentlich – eigenständig die Qualität. Bei bis zu vierhundertfünfzig Arbeitsschritten vom Rohteil bis zum fertigen Gehäuse, in denen viel passieren kann, ist das ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil. Und er gibt dem Kunden die Gewißheit, eben keine Private-Label-Uhr, sondern ein Manufakturprodukt zu erwerben, das höchsten Qualitätsansprüchen genügt. Text: Martin Häußermann Im Spiegel der Jahre ![]() 1961 Die Muttergesellschaft ›Desco von Schulthess AG‹ gründet einen Assemblage-Betrieb in Saignelégier. Produktion verschiedener Kundenmarken (Private Labels). 1975 Das erste ›Maurice Lacroix‹-Modell wird in Österreich lanciert. 1976 ›Maurice Lacroix‹ wird im spanischen Markt eingeführt. 1980 In Deutschland wird eine eigene Vertriebsorganisation gegründet. 1980/1981 ›Maurice Lacroix‹ wird in Australien durch die ›Desco‹-Filialen in Sydney und Melbourne lanciert. 1983-1987 Das internationale Vertriebsnetz für die Marke ›Maurice Lacroix‹ wird ausgebaut (Schweiz: 1983, Niederlande: 1986, Großbritannien: 1987). 1989 Erwerb einer eigenen Gehäusefabrik in Saignelégier. Laufende Investitionen sorgen dafür, daß der Maschinenpark heute zu den modernsten der Branche zählt. 1989/1990 Das Vertriebsnetz wird erweitert: ›Desco‹-Filialen in Japan, Hongkong, Singapur, Malaysia und Thailand vertreiben die Marke ›Maurice Lacroix‹. ›Maurice Lacroix‹ wird in Saudi-Arabien lanciert. Beginn des Aufbaus der Marke im Mittleren und Nahen Osten. 1994/1995 Investition mehrerer Millionen Schweizer Franken in Modernisierung und Ausbau des Assemblage-Betriebs in Saignelégier. 1995 Eröffnung von ›Maurice Lacroix USA‹. 1999 Ausbau und Renovierung der Gehäusefabrik in Saignelégier. Dadurch wird die Produktionskapazität erhöht. 2001 Philippe C. Merk übernimmt im März als Vorsitzender der Geschäftsleitung die Spitze von ›Maurice Lacroix‹. Ab 1. Oktober wird die ›Maurice Lacroix S.A.‹, bisher eine Division der ›Desco von Schulthess AG‹, zur eigenständigen juristischen Einheit. Durch bedeutende Investitionen wird der Assemblage-Betrieb von ›Maurice Lacroix‹ weiter ausgebaut. 2003 ›Maurice Lacroix‹ präsentiert die ›Masterpiece Double Rétrograde‹ mit retrograder Datums- und 24-Stunden-Anzeige. In Saignelégier wird ein Museum eingerichtet, das limitierte Uhren aus der ›Masterpiece Collection‹ zeigt. 2005 ›Maurice Lacroix‹ feiert das dreißigjährige Bestehen. Die Marke ist in über sechzig Ländern in rund viertausend ausgewählten Fachgeschäften vertreten. Jährlich verlassen an die hundertfünfzigtausend Zeitmesser den Betrieb in Saignelégier. 2006 Auf der ›Baselworld‹ wird das ›Masterpiece‹-Modell ›Le Chronographe‹ vorgestellt. Das Manufaktur-Werk ist im eigenen Haus entwickelt worden. Der wichtige Schritt zur Manufaktur ist getan. |
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