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Die Philosophie der Einzigartigkeit Ciro Paone und seine 1968 in Neapel gegründete Marke ›Kiton‹stehen für luxuriös gefertigte Herrenbekleidung – geschaffenvon Meistern der neapolitanischen SchneidertraditionJetzt übernehmen die Erben des legendären Gründers dieGeschicke des elitären Labels. Arzano, ein kleiner Vorort hoch über Neapel. Schwere Eisentore und mannshohe Zäune umgeben die unscheinbare Fassade des Hauptsitzes des Unternehmens ›Kiton‹. Nichts läßt ahnen, welche Luxuswelt sich im Inneren dieses schlichten Industriebaus eröffnet. Doch dann ein pompöses Entree: Eine Halle, gepflastert mit feinstem Marmor und Travertin. Herrschaftliche Büros, bestückt mit raren Antiquitäten und ausladenden Ledersofas. Die perfekte Bühne für Ciro Paone, den Gründer der Marke ›Kiton‹. Zumindest bis vor kurzem. Nach einer plötzlichen Krankheit, von der er sich bis heute nicht erholt hat, ist der charismatische Patron stark eingeschränkt. Und doch zog es ihn schon nach wenigen Wochen zurück ins Unternehmen. Er ließ sich Verkaufszahlen vorlegen, studierte Bilanzen und gab seinen Erben und Geschäftspartnern zu verstehen, was er von ihnen in diesen Zeiten erwartet: Business as usual. Kein Mitleid. ![]() m Wettbewerb mit anderen Anbietern sieht Antonio de Matteis ›Kiton‹ eindeutig im Vorteil: »Wer einmal ein Sakko oder einen Anzug von uns getragen hat, will nichts anderes mehr« Für Ciro Paones Kinder und Neffen ist der große Moment jäher gekommen als erwartet. Es heißt Verantwortung übernehmen für Paones Lebenswerk: eine Marke, die wie keine andere als Synonym für luxuriöse Schneiderkunst steht. Jetzt gilt es, aus seinem Schatten zu treten, zu beweisen, daß sich Paone in seiner harten, selektiven Wahl nicht geirrt hat. Von achtzehn Familienmitgliedern, die den Firmenpatriarchen potentiell beerben könnten, haben es nur fünf in die Firma geschafft. Vom ersten Tag an mußten sie sich beweisen, wie Paones Neffe Antonio de Matteis erzählt. »Keiner von uns ist hier, weil er mit ihm verwandt ist. Wir waren tagtäglich gefordert; niemandem ist etwas in den Schoß gefallen. Das schwierigste war und ist, seine hohen Ansprüche zu erfüllen.« In Verhandlungen ließ Ciro Paone seine Kinder und Neffen stets dabei sein – anfangs als stumme Zuhörer. Jetzt sind sie gefordert, Paones Rolle im Unternehmen Schritt für Schritt zu übernehmen. Wie die neue Generation in die Fußstapfen des legendären ›Kiton‹-Gründers tritt, zeigt sich am besten an den einfachen Dingen im Unternehmen. Zum Beispiel, wenn in der schlichten Kantine zum Essen gerufen wird. An Paones Seite sitzen enge Mitarbeiter, die längst in Rente sind. Ein Buchhalter, ein Schneider – ihre Meinung schätzt der Dreiundsiebzigjährige noch immer hoch. Die Unterhaltung allerdings dominiert Ciro Paones Tochter Maria Giovanna; sie stellt heute die Fragen, die auch ihren Vater brennend interessieren. Viel hat sie von ihm geerbt. Da sind die lebhaften Augen, die markante Stimme, die dramatischen Gesten, die Fähigkeit, ein Gespräch zu dominieren. Als »Presidente« der Firma wird sie den Vater beerben. Alles neu? Bloß nicht! Doch wie alle anderen aus der zweiten Generation weiß Maria Giovanna Paone genau: Ihrem Vater nachzufolgen bedeutet nicht, mit ›Kitons‹ Tradition zu brechen. Zu visionär war damals dessen Idee der »sartoria industriale«. Einer Familie von Stoffhändlern entstammend, war Paones Überlegung so einfach wie genial. Statt in vielen kleinen Ateliers über die Stadt verteilt, sollten die Schneider alle an einem Platz arbeiten. Damit war die Schneiderkunst aus Neapel plötzlich auch international wettbewerbsfähig. Die industrielle Struktur, der professionelle Vertrieb und nicht zuletzt das Marketing machten aus dem handwerklichen Potential der Stadt eine Marke: ›Kiton‹. Wenngleich jeder ›Kiton‹-Schneider auch heute noch in der Lage ist, einen perfekten Maßanzug im Alleingang zu fertigen, wurde die aufwendige Handarbeit in einzelne Schritte unterteilt. ![]() Nur wenige Meter hinter den repräsentativen Büros befinden sich also die Fertigungshallen von ›Kiton‹. Auffällig: Auch hier ließ Ciro Paone mit Marmor pflastern. Selbst in der Wäscherei, wo der Boden arg leidet. Eine Respektbekundung an jene Männer und Frauen, die in akribischer Kleinarbeit das luxuriöse Versprechen ›Kitons‹ einlösen. Denn es ist nach wie vor ihre Handarbeit, die anspruchsvolle Kunden auf der ganzen Welt überzeugt. Statt in kostspielige Marketing-Kampagnen zu investieren, zieht es die ›Ciro Paone S.p.A.‹ vor, den Großteil ihrer Wertschöpfung in das Produkt einzubringen. Wahrer Luxus, weil vor allem auch diskreter Luxus Daß ›Kiton‹ ausschließlich in Italien gefertigt wird, wollen auch die Jungen nicht ändern. »›Made in Italy‹ ist für uns nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern absolut essentiell. Denn man könnte an keinem anderen Ort ein ›Kiton‹-Teil erstellen. Schließlich ist jeder Schneider bei ›Kiton‹ in die arttypische Schneiderkunst des ›Kiton‹-Styles eingearbeitet worden«, so Antonio de Matteis. Ein Qualitätsmerkmal, das nur ein geschultes Auge auf den ersten Blick erkennt. Schließlich ist ›Kiton‹ vor allem dezenter Luxus. »Unsere Anzüge trägt man zunächst für sich selbst, nicht für die anderen.« Kein Wunder also, daß die Marke von echten Connaisseuren geschätzt wird. Gianni Agnelli beispielsweise, ›Fiat‹-Patriach und Stilikone, trug ›Kiton‹ – und damit erheblich zum Ruhm der Marke bei. Über aktuelle Kunden verliert man bei ›Kiton‹ kein Wort. Schließlich wollen die Reichen und Mächtigen, die Unternehmer und Vorstandschefs, die ›Kiton‹ kaufen, nicht in einen Topf mit Stars und Sternchen geworfen werden, welche sogenannten Celebrity-Marken zu steigenden Verkaufsergebnissen verhelfen. Den entscheidenden Unterschied zu anderen Herrenschneidern bilden vor allem die feinen Tücher und Stoffe, die zum überwiegenden Teil exklusiv für ›Kiton‹ produziert werden. Wenn Antonio de Matteis selbstbewußt behauptet, daß niemand auf der Welt bessere Stoffe als ›Kiton‹ verarbeite, tut er das, weil er im Stofflager mühelos den Beweis antreten kann. Die unscheinbaren Ballen entpuppen sich als echte Wertanlage. ›Kiton‹ hat hier die feinsten Wollkammgarnstoffe am Lager. Mit der Feinheit 12,8 Micron oder einem englischen Gabardine in der Fadenfeinheit von 13,8 Micron. Für alle diese Stoffe hat sich ›Kiton‹ weltweit Exklusivitätsrechte einräumen lassen. Kammgarn-Sommer-Cashmere in nur 220 Gramm Schwere, Guanacos und Vicuñas für Anzüge, Sakkos und Mäntel – da kommen Kenner ins Schwärmen. Daß ein Herrenmantel aus dem teuren Vicuña dann schon mal 20.000 Euro kostet, zeigt, daß Kommerzialität für ›Kiton‹ nicht das erste Kriterium ist. Ganz im Gegenteil: »il meglio del meglio più uno« – das Beste vom Besten plus eins lautet das Firmencredo, wenn es um Stoffe, Produktion und Finish geht. Die Zukunft Mit seinem absoluten Bekenntnis zum Luxus trifft ›Kiton‹ den Nerv der Zeit. Jährlich verzeichnet das Unternehmen konstant zweistellige Zuwachsraten – auch weil sich die Marke längst nicht mehr auf Sakkos und Anzüge beschränkt. Hemden und Krawatten – auch hier 80 Prozent Exklusiv-Dessins –, Sportswear und Outdoor-Bekleidung und neuerdings auch rahmengenähte Herrenschuhe zählen zum Angebot der Marke. Daneben wird eine exklusive Damenlinie unter dem prestigeträchtigen Namen vertrieben. ›Kiton‹, dessen Name sich von dem Wort »chitone« ableitet, der altgriechischen Bezeichnung für Bekleidung, die zum Gebet am Olymp getragen wurde – ›Kiton‹ erhebt mehr denn je einen Anspruch auf Vollkommenheit. Nicht nur handwerklicher Natur. Seit dem Eintritt der jungen Generation wurden Produktbereiche ergänzt, die es jetzt möglich machen, den Kunden von Kopf bis Fuß einzukleiden. Besonders in den elf eigenen Läden in internationalen Metropolen nehmen ›Kiton‹-Kunden diesen Service gerne in Anspruch. Doch auch die Erfahrungen der langjährigen Handelspartner auf der ganzen Welt zeigen: Der ›Kiton‹-Kunde schätzt das Exklusive. Einmal begeistert von der Einzigartigkeit, bleiben die meisten von ihnen der Marke treu. Im Wettbewerb mit anderen Anbietern, die sich ebenfalls mit dem Image der italienischen Schneiderkunst schmücken wollen, sieht Antonio de Matteis die Marke eindeutig im Vorteil: »Wer einmal ein Sakko oder einen Anzug von uns getragen hat, will nichts anderes mehr.« Die Faszination in Worte zu fassen fällt ihm schwer; lieber würde er alle Kunden einladen, nach Arzano zu kommen und die Manufaktur selbst zu sehen. Wo stolze Schneider, dreihundertdreißig sind es insgesamt, in perfekt gebügelten Hosen und gestärkten Hemden jeden Arbeitsschritt mit größter Sorgfalt ausführen, wo keine Designer, sondern Handwerker die sanften Anpassungen an Schnitt und Linienführung vornehmen, welche die Klassiker von ›Kiton‹ modern wirken lassen. Wo in der firmeneigenen ›Scuola di Alta Sartoria‹, der Schule für hohe Schneiderkunst, junge Menschen auf ›Kitons‹ Kosten zwei Jahre Gelegenheit haben, von den Besten zu lernen und ihre Liebe für die Herrenschneiderei zu entdecken. Wo die Bekleidung des Duke of Windsor, die ›Kiton‹ bei ›Sotheby’s‹ ersteigert hat, in einem reizvollen Kontrast steht zu den modernen architektonischen Akzenten des iranischen, in Hamburg lebenden Star-Architekten Hadi Teherani. Wo großformatige Bilder in den Fluren an die bisherigen Erfolge erinnern … unter anderem daran, daß der italienische Staatspräsident Ciampi Ciro Paone 1999 zum ›Cavaliere del Lavoro‹ ausgezeichnet hat – ein Ehrentitel, der nur einer Handvoll Menschen zuteil wird. Die Summe dieser Meilensteine ist es, die den Unterschied ausmacht. ›Kiton‹ will nicht Mode sein. Die Marke ist mehr als das. ›Kiton‹ ist ein Bekenntnis. Text: Martina Müllner Die junge Generation Die in Neapel ansässige ›Ciro Paone S.p.A.‹ wurde 1968 von Schneidermeister Ciro Paone gegründet. Er entwickelte unter dem Namen ›Kiton‹ ein expandierendes Unternehmen, das heute weltweit aktiv ist. Bekannt ist die Marke vor allem für ihre erstklassige Herrenkonfektion, die typisch neapolitanische Schneiderkunst mit internationalem Design verbindet. In der zweiten Generation folgen dem dreiundsiebzigjährigen ›Kiton‹-Gründer Ciro Paone jetzt fünf seiner achtzehn erbberechtigten Kinder und Neffen nach. Wie schon in der gesamten Unternehmensgeschichte, so soll auch unter ihrer Leitung das Unternehmen jährlich zweistellig wachsen. Als Hoffnungsmärkte gelten vor allem Rußland und die Vereinigten Staaten. Verstärkt setzt ›Kiton‹ auf die Eröffnung eigener Läden: Die elf bestehenden werden schon demnächst um ein neues »Flagship« in London ergänzt. In Deutschland sind die Produkte der Marke bei exklusiven Fachhandelspartnern sowie in jenen drei ›Kiton‹-Läden erhältlich, die sich in München, Düsseldorf und Köln befinden (www.kiton.it). Die Köpfe Maria Giovanna Paone: Als »Presidente« der Gesellschaft folgt sie ihrem Vater nach, dem ›Kiton‹-Gründer Ciro Paone. Sie ist damit die wichtigste Vertreterin des Unternehmens und vor allem für alle internen Abläufe und Personalentscheidungen verantwortlich. Antonio de Matteis: Als Generaldirektor der ›Ciro Paone S.p.A‹. bildet Antonio de Matteis gemeinsam mit Maria Giovanna Paone die Führungsspitze des Unternehmens. De Matteis ist Ciro Paones Neffe. Antonio Paone: Auch er ein Neffe von Ciro Paone. Er leitet die Kontrolle des internationalen Vertreterstabs der Marke. Ihm kommt damit eine entscheidende Rolle im Export zu. Silverio Paone: Ein weiterer Neffe von Ciro Paone. Er zeichnet verantwortlich für die Schneiderateliers in der Damen- und Herrenkonfektion sowie für die Produktion von Hemden und Krawatten. Raffaela Paone: Die zweite Tochter von Ciro Paone kontrolliert die Zulieferer der Marke ›Kiton‹ in enger Abstimmung mit den Produktmanagern des Unternehmens. |
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