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Bordeaux. La grande degustation avec des cigarres nobles … Im ›Louis C. Jacob‹, dem traditionsreichen Hotel an der vornehmen Elbchaussee in Hamburg, spielte sich alles ab: Dort trafen sich am 8. August siebzehn Degustateure, um fünf Bordeaux-Weine, ein marokkanisches Gewächs (als »Pirat«) und drei ausgesuchte Cigarren zu verkosten. »Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.« Diese Verszeile von einem der bedeutendsten humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands, Wilhelm Busch, selbst leidenschaftlicher Raucher, gab den Anstoß zu einer der exklusivsten Degustationen, die sich bisher dem Thema »Wein und Cigarre« in Deutschland widmeten. »» Rotwein wird sehr oft genannt, wenn es um besonders passende Begleiter für eine gute Cigarre geht, wobei der ›Bordeaux‹ an oberer Stelle zu nennen ist. In der Tat: Zusammen genossen sind der richtige ›Bordeaux‹ und die richtige Cigarre eine kaum zu übertreffende Kombination. Eine Vermählung von Königskindern also? Nicht unbedingt, weist doch jeder Rotwein neben seiner fruchtigen Seite auch nicht zu unterschätzende Säure und Tannine auf, die nicht nur für das ausgewogene Geschmacksbild, sondern auch (und besonders) für die Lagerfähigkeit wichtig sind. Genau diese Stoffe aber finden sich auch in vielen Cigarren, und so läuft man Gefahr, eine geschmackliche Doppelung hervorzurufen, die mitunter eine Verträglichkeit beider Genußmittel unmöglich macht, zumindest jedoch erschwert. Dennoch oder gerade deshalb scheinen beide Apologeten wie füreinander geschaffen. Ob und auf welche Weise unsere Königskinder zueinander finden (konnten), wird im Folgenden differenziert dargelegt … Die Weine 1995 Château Pape Clément, Grand Cru Classé de Graves ![]() Der von der Aromatik und seinem Geschmack wohl klassischste Wein der Verkostung präsentierte sich in noch satter karminroter Farbe und offenbarte reife Aromen. Dezente Nase, unverkennbar ›Bordeaux‹. Die Tannine schon samtig, der Wein würzig am Gaumen, die ausgereifte Frucht sich noch im Glas entwickelnd. Weicher, angenehmer Abgang. 2002 Château Pape Clément, Grand Cru Classé de Graves ![]() Aus dem nicht überragenden Jahr 2002 hier ein Wein, der im Glas Zeit braucht. Ein kräftiges Rubinrot leuchtet tiefgründig. Anfangs etwas verschlossen. Hauptsächlich Kirscharomen und – recht präsent – Tannine. Später Cassis, Holz und Vanille, sogar Schokolade und Nougat. Gerade anfangs ein kurzer Abgang. Später deutlich zugänglicher. 2001 La Sérénité, AOC Pessac-Leognan ![]() Ein prächtiger Wein mit sattroter, kräftiger Farbe. Weiches, volles Bouquet. Anfangs reserviert, öffnet er sich allerdings rasch. Aromatisch und kräftig im Geschmack. Karamel und Schokolade freten hervor, dazu kommen rote Beeren. Viel Kraft und viel Alkohol, allerdings nicht plump, sondern schön ausbalanciert. Im Abgang mittellang und feurig-erfrischend. 2003 Châteaux la Croix de l`Espérance, AOC Lussac Saint-Émilion ![]() Sehr dunkel, mit violetten Reflexen im Glas. 100 Prozent Merlot geben neben einem vollen Bouquet und der schönen Farbe auch eine tiefe, wie eingekochte Frucht. Daneben kommen animalische Aromen und Holz auf. Der Wein ist jung und ungestüm und braucht viel Luft. Langer breiter Abgang mit leicht begrenzter Finesse. 2003 Magrez Tivoli, AOC Médoc ![]() Tiefrot und sehr dunkel im Glas. Schon in der Nase modern und satt. Reif und opulent mit den dunkelsten Beeren des Waldes, fast süßlich, aber durch die Faßlagerung trotzdem sehr maskulin. Der Wein ist dicht, dennoch schon gut trinkbar. Eine junge, aber zugängliche Tanninstruktur gibt dem Wein das Rückgrat für lange Lagerung. Ewiger Abgang … 2003 Lumière Guerrouane, Marokko ![]() Dieser »Pirat« der Verkostung wird von dem französischen Starschauspieler Gérard Depardieu aus den Rebsorten ›Syrah‹ und ›Grenache‹ produziert. Als Vertreter moderner Weinbaukultur und ausgefallener Anbaugebiete steht er als Pendant zu den klassischen und modernen Bordeaux-Weinen. »Bizarr, aber charmant«, nannte Gastgeber Hendrik Thoma den Wein, der sich konzentriert, aber nicht unelegant präsentierte, mit der Zeit im Glas immer raffinierter wurde und sowohl mit Schokoladenaromen als auch mit (orientalischen?) Gewürzen nicht geizte. Die geschmacklichen Impressionen Davidoff Millennium Blend Piramides Dominikanische Republik ![]() Format: Pyramide Länge: 156 mm Ringmaß: 52 (20,6 mm) Deckblatt: Ecuador (Connecticut Cuba Seed) Umblatt: Dominikanische Republik Einlage: Dominikanische Republik Stärke: 3 Rauchdauer: ca. 1 Std. Einzelpreise: D: € 17,50CH: sfr 21,50 Im seidig-glänzenden Ecuador-Deckblatt in dunklem Colorado eine stattliche Erscheinung, die auch in der Verarbeitung keine Wünsche offen läßt. Der süßliche Kakaoduft und die Kombination aus Zedernholz und Schokolade versprechen dem Raucher schon vor dem Anzünden ein besonderes Vergnügen. Brennend hält die ›Davidoff‹, was sie verspricht: Bei einwandfreiem Zug werden die kräftigen Schokoladen- und Ledernoten im warmen Rauch sehr gut transportiert. Ein gerader Abbrand und eine wunderbare lineare Steigerung bis zum Schluß machen diese Cigarre zu einem Meisterstück. 1995 Château Pape Clément Verliert an Charme. Der ausgereifte Wein fügt sich nicht in die Tanninstruktur der Cigarre ein. Was jeweils für sich genommen weich erscheint, wird in Kombination unrund. Die später unerwartet hinzukommende Lakritze rettet die Situation nur kurz. 2002 Château Pape ClémentEine interessante Reife. Der etwas »kurze« Wein erscheint mit der Cigarre präsenter und durch auftauchende Karamelaromen deutlich zugänglicher. Bis zum Schluß eine feine Begegnung, die den Geschmack des Weins aber zu deutlich verändert. 2001 La Sérénité Grande Finale. Der Wein findet schon früh zur Cigarre. Aufgrund der Kraft und Würze ein ebenbürtiger Partner, der auch spät noch lebendig und erfrischend ergänzt. 2003 Châteaux la Croix de l`EspéranceDie Kraft der Früchte. Nicht unkompliziert, gerade zu Beginn. Die satten Früchte bringen die Süße, welche die Cigarre wunderbar mittransportiert. Ab und zu ein Schluck Wasser sorgt für Beruhigung und leitet wieder neuen Genuß ein … 2003 Magrez TivoliBietet mit milder Süße die Stirn. Die mittelstarken Tannine und eine milde Süße lassen den Wein als ebenbürtigen Partner in dieser Kombination auftreten. Die beiden rangeln anfangs um die Präsenz am Gaumen, was aber dem Gesamteindruck guttut – und was dann sehr schnell in eine schöne Harmonie mündet. 2003 LumièreKissenschlacht à la Tausendundeiner Nacht. Die Cigarre und der Wein verschmelzen zu einem opulenten Wirrwarr. Holz und helle Früchte wechseln sich ab. Mal verschlingt die Cigarre den Wein, dann herrscht wieder eine Ausgewogenheit von Süße und Würze vor. Nie unangenehm, aber insgesamt zu unruhig. Hoyo de Monterrey Double Corona Kuba (Mai 2002) ![]() Format: Prominente (Double Corona) Länge: 194 mm Ringmaß: 49 (19,5 mm) Deckblatt: Kuba Umblatt: Kuba Einlage: Kuba Stärke: 3 Rauchdauer: ca. 2 Std. Einzelpreise: D: € 13,–CH: sfr 19,60 Boxpressed aus der 25er Kiste in leicht grünstichigem, feinseidigem Colorado, liegt dieser Klassiker wie ein Szepter in der Hand, leichte Aromen von Erde und Nüssen verströmend. Das große Format brennt hervorragend ab. Hinzu kommt die lineare Steigerung einer sehr komplexen Geschmacksstruktur. Zedernholz und helle Früchte begleiten den ganzen Rauchverlauf, während süßlicher Milchkaffee zu schokoladenbestäubtem Cappuccino wird. Leicht, aber beständig bilden klassische Kuba-Aromen von Unterholz und feiner Süße eine wohlbekannte Basis. 1995 Château Pape Clément Feine Geister. Das wünscht man sich! Die feine Süße und die reife Frucht treffen sich über den ganzen Rauchverlauf und kombinieren anfangs klassisch und edel, später würzig, etwas weihnachtlich-orientalisch. 2002 Château Pape ClémentUnbeherrscht. Der jüngere Jahrgang findet nicht so gut zur Cigarre. Die Frucht ist allzu unzugänglich, die Tannine sind zu harsch, und so vertragen sich Cigarre und Wein vor allem anfangs kaum. Später freundet man sich etwas an, obwohl sich der Wein stets nach vorne drängelt. 2001 La Sérénité Schwierig. Voll und mächtig, läßt der Wein der Cigarre wenig Platz. Nach dem ersten Drittel ein schöner Hoffnungsstreif von Balance am Horizont (der aber leider nur sehr kurz aufflackert). Später dupliziert sich die Säure, und es wird leicht metallisch. Trotzdem nie unangenehm. 2003 Châteaux la Croix de l`EspéranceSchöne Stunden. Satte Frucht und alkoholische Frische tun der Cigarre gut. Der Tabakduft läßt auch diesen recht jungen, manchmal burschikosen Wein reifer erscheinen. Hier kommt sich in zwei Stunden Rauchverlauf nichts in die Quere. Manchmal dominiert sogar die Cigarre. 2003 Magrez TivoliOptimale Ergänzung. Die tiefe und dunkle Fruchtstruktur des Weins läßt den feinen Rauch schon zu Beginn zu. Dann werden die mächtigen Aromen elegant von der sich steigernden Tabaksüße umspült, bis nach dem ersten Drittel ein Einklang entsteht. Bis zum Ende eine sehr schöne Harmonie. 2003 LumièreSchön, aber verwirrend. Am Anfang war der Wein. Die Cigarre kommt kaum zur Geltung, und so entstehen leichte Mißtöne. Im zweiten Drittel der Cigarre gewinnt die Kombination ungemein, um zum Ende hin wieder auseinanderzudriften. Jetzt ein leicht unangenehmes Säurespiel. Laura ChavinConcours des meilleurs Connaisseurs Dominikanische Republik ![]() Format: BelicosoLänge: 152 mm Ringmaß: 50 (19,8 mm) Deckblatt: Keine Angabe Umblatt: Keine Angabe Einlage: Keine Angabe Stärke: 3 Rauchdauer: ca. ¾ Std. Einzelpreise: D: € 23,–CH: sfr 33,– Das deutlich geaderte, lederartige Colorado-Maduro-Deckblatt erscheint ein wenig staubig. Die Cigarre ist sehr gut verarbeitet und verströmt einen zurückhaltenden, jedoch deutlich animalischen Duft. Bei leichtem Zug und gutem Abbrand tauchen zunächst zurückhaltend, dann deutlich konzentrierter vielschichtige Aromen auf: Heu, Nüsse, aber auch dunklere Noten von Bitterschokolade und Mokka. Vor allem die nach der Hälfte des Rauchverlaufs erkennbare tiefe Süße sorgt für Ausgewogenheit. Ab diesem Moment eine Cigarre für aufmerksame Raucher, die zum Finale hin mit einer überwältigend werdenden Vielfalt an Geschmäckern und auch einer gesunden Schärfe aufwartet. 1995 Château Pape Clément Yellow Mellow. Die weiche Fruchtigkeit des Weins unterstützt den Rauch, während die animalischen Noten dem antiken Touch des Weins schmeicheln. Auch die spätere Schärfe der Cigarre vertreibt den weichen Wein nicht vom Gaumen. 2002 Château Pape ClémentUnpassend und verschlossen. Zwar tauchen in Wein und Cigarre teilweise verwandte Geschmacksrichtungen auf, aber die beiden finden keine Ausgewogenheit. Adstringierende Wirkung auf der Zunge: Der Gaumen trocknet aus. Zu wenig Frucht im Wein, zu verschlossen. 2001 La Sérénité Gewöhnungsbedürftig. Fruchtig-frisch erwartet der Wein den Rauch –und wird fast überrumpelt. Die Cigarre ist anfangs deutlich dominant. Vor allem die Aromen von Sauerkirsche und Holz im Wein freunden sich mit den männlichen Noten der Cigarre nur recht schwer an. Später ausgewogener und fast freundschaftlich. 2003 Châteaux la Croix de l`EspéranceHin- und hergerissen. Kräftige Süße und satte Tiefe des Weins laden ein, aber die Tannine machen den beiden dann immer mehr zu schaffen. Vor allem zum Ende hin wird die Cigarre zu mächtig. 2003 Magrez TivoliBalance par excellence. Der Wein wirkt in Kombination mit der Cigarre sofort noch zugänglicher. Im Zusammenspiel erlangen die beiden eine wunderbare süße Reife. Die Säure erinnert an Balsamico. Eine Freude, nicht nur für alte Knaben … 2003 LumièreKompott. Die dichte Fruchtstruktur und die Beerensüße machen es der Cigarre leicht, gerade zum Ende hin. Sehr passend, allerdings nicht hundertprozentig raffiniert. |
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