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Kubas farbigste Seite. Teil III
Die farbenprächtigen Lithographien auf und in den kubanischen Cigarrenkisten vereinen das scheinbar Unvereinbare: Naivität und Eitelkeit, Gefälligkeit und Heimatstolz, sozialistische Propaganda und romantische Sujets der Weltliteratur. Viele Motive waren im 19. Jahrhundert jedem bekannt – und sollten dem (unentschlossenen) Käufer vor allem eines suggerieren: Die Fabrik, deren Cigarren er gerade in Augenschein nimmt, blüht und gedeiht – und deshalb wird er keine besseren Cigarren als diejenigen finden, die vor ihm liegen.
Auch in unserer Zeit kauft das Auge mit. Gleichwohl rufen heutzutage so manche Havanna-Lithographien Mißverständnisse hervor und lassen sich nur mit Mühe interpretieren. Kurz gesagt, beim Öffnen der nächsten Kiste aromatischer Havannas sollte sich der Connaisseur auf einige spannende Entdeckungen freuen: Er muß dafür lediglich für einige Sekunden sein Augenmerk auf die bunten Blickfänger richten.
Juan LÓpez
Im Vordergrund ist das typische Haus einer Tabakfarm zu sehen, im Hintergrund Trockenhaus, Tabakplantagen, Königspalmen und ein Kapok- Baum. Die Lithographie wird von zahlreichen Medaillen und vom Wappen der spanischen Könige geschmückt. Die Bourbonen-Herrscher ließen sich also auch Cigarren der Marke ›Juan López‹ an ihren Hof liefern …

Hoyo de Monterrey
Diese Lithographie ist nach demselben Prinzip wie die der Marke ›Partagás‹ gestaltet, ist aber zusätzlich mit einer großen Aufschrift versehen. Ihr Inhalt lautet sinngemäß wie folgt: »Diese Fabrik ist die einzige, die Cigarren dieser Güte aus Tabak herstellt, den sie von eigenen Plantagen bezieht.«

La Flor de Cano
Die Gestaltung der Cubierta mit den Namen der Marke und des Gründers ist nicht gerade als überbordend zu bezeichnen. Obwohl auch sein Bruder Tomás im Betrieb eine leitende Position innehatte, findet nur der Name des Firmenchefs, Juan, Erwähnung. Die Gestaltung der innen befindlichen Vista ist ebenfalls nicht spektakulär, wenn auch ein wenig üppiger als die der Cubierta: eine typische Plantage, ferner Trockenhaus und Königspalmen. Die Felsen auf dem Bild verweisen auf das Tal von Viñales, Zentrum des Tabakanbaus auf Kuba.


JosÉ L. Piedra
Ein sehr einfaches und lakonisches Logo, das zudem lediglich Auskunft über den Namen des Markenbesitzers gibt. Interessanterweise hat José Lamadrid Piedra den Nachnamen seines Vaters (Lamadrid) auf einen Buchstaben gekürzt. Warum er seine Cigarren nicht in Zusammenhang mit seinem Vater bringen wollte, entzieht sich genauerer Kenntnis
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La Gloria Cubana
Die Vista der ›La Gloria Cubana‹ besteht gänzlich aus Symbolen, von denen allerdings die meisten dem heutigen Cigarrenliebhaber wenig sagen. Vor hundert Jahren indes schmückten sich viele Cigarrenlithographien mit dergleichen Bildchen, und zwar vorwiegend solche aus dem (mittel)amerikanischen Raum. All diese Symbole haben etwas mit Blühen und Gedeihen zu tun. So auch das Flachrelief mit dem Bild des griechischen Gottes Hermes, dem Schutzgott des Handels (nebenbei bemerkt: auch der Diebe), und seinem unabdingbaren Attribut, dem Kerykeion: dem wohlstandbringenden goldenen Stab mit zwei Flügeln, der von zwei Schlangen umschlungen ist (und von dem Kind auf der rechten Seite gehalten wird). Zwei weitere, für die Tabakindustrie untypische Gegenstände gehören derselben Kategorie an: eine Berghacke und ein Metallzahnrad. Zwei Kinder, ein weißer und ein Indianerjunge, stehen für die Verkörperung der Freundschaft zwischen den Spaniern und den Ureinwohnern Kubas. Die weibliche Figur hat anscheinend keine symbolische Bedeutung und dient offensichtlich rein ästhetischen Zwecken.

Montecristo
Die zurückhaltende Aufmachung dieser Marke erinnert mit den gekreuzten Degen, die ein Dreieck bilden, und der königlichen Lilie, Symbol der französischen Monarchie, an den Roman von Alexandre Dumas, an den Grafen von Monte Cristo. Dieser auf Kuba bis dato ungewöhnliche Markenauftritt war der erste, dessen Design modern, kompakt und weit entfernt vom üblichen barocken Stil war. Vor allem dank des damals ungewöhnlichen Designs hatte seinerzeit die ›Montecristo‹ schnell durchschlagenden Erfolg.
Por LarraÑaga
Während die (äußere) Cubierta der ›Por Larrañaga‹ lediglich eine einfache goldgeprägte Bezeichnung der Marke aufweist, findet sich auf der (inneren) Vista ein bedeutend interessanteres Bild. Es ist eine fast identische Kopie des Sujets, das die Vista der ›El Rey del Mundo‹ verkörpert. Statt der Tiere fungieren hier Kinder als Symbole für die Kontinente: ein weißer Knabe, ein kleiner rothäutiger Indianer, ein mandeläugiger Chinesenjunge und so weiter.


Text: Xenia Jakowlewa
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