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Im Pfeifendschungel
Die Qual der Wahl
Es lohnt sich nicht, gleich mit den teuren Pfeifen anzufangen. Man kaufe sich lieber ein Exemplar für fünfzig bis hundert Euro. Schon für diese Summe kann man ein veraltetes Modell eines berühmten Pfeifenhauses, aber auch eine gelungene Pfeife eines weniger umtriebigen Herstellers erwerben. Die Qualität wird in etwa die gleiche sein. Zudem muß es nicht immer gleich Bruyère sein. Pfeifen aus Birnen-, Kirsch- oder Olivenholz sollte man nicht grundsätzlich für zweitklassig halten. Verschiedene Hersteller bieten sehr gute Modelle an, die aus den genannten Holzarten gefertigt sind. Vornehmlich sind sie in sonnigen Ländern zu finden, etwa in Griechenland und Italien, also dort, wo Obstbäume im Überfluß gedeihen. Diese Pfeifen sind gewöhnlich leichter als solche aus Bruyère und haben einen anderen Geschmack, mit ganz eigenen Tönen und Nuancen.

Die Form
Da das ästhetische Wohlbefinden nicht zu unterschätzen ist, sollte die äußere Form einer Pfeife unbedingt gefallen (wobei die Betonung auf »unbedingt« liegt). Ferner sollte das Genußobjekt gut in der Hand liegen und im Mund nichts Unangenehmes hervorrufen (was man jedoch leider erst nach dem Kauf feststellen kann, da es nicht gestattet ist, ein Mundstück im Laden auszuprobieren). Empfehlenswert, ja wünschenswert für den Einsteiger ist eine gerade oder fast gerade Pfeife oder auch eine mit lediglich geringfügiger Krümmung. Die Bezeichnungen für diese Art Pfeifen sind zahlreich: ›Apple‹, ›Billiard‹, ›Dublin‹, ›Liverpool‹, ›Lovat‹, ›Poker‹, ›Pot‹ sind am gebräuchlichsten. Sie unterscheiden sich nur in kleinen Details, so etwa in der Ausführung des Pfeifenkopfs sowie in Tiefe und Länge des Mundstücks.
Der Pfeifenkopf
Empfehlenswert ist zudem ein Pfeifenkopf, der weder besonders groß noch besonders klein ist, wobei die Tiefe der Brennkammer ungefähr drei bis dreieinhalb Zentimeter betragen sollte (bei einem Durchmesser von circa einem halben Zentimeter). Eine Pfeife mit großem Kopf und dicken Wänden liegt zwar besser in der Hand und wird nicht so heiß wie eine kleinere mit dünnen Wänden, kann aber auch zu schwer sein, um sie zwischen den Zähnen zu halten. Hier muß jeder für sich seine eigene goldene Mitte finden. Wichtig ist auch die Länge des Holms: Sie sollte einschließlich des Mundstücks ungefähr zehn Zentimeter betragen. In kürzeren Pfeifen kühlt der Rauch schlecht ab und verursacht insbesondere bei Anfängern leicht Unbehagen. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, wie die Pfeife innen gefertigt ist. Die Brennkammerränder haben ebenmäßig zu sein, das heißt ohne Scharten, Splitter und Unebenheiten in der Bohrung. Häufig ist die Brennkammer mit einer speziellen Lösung bestrichen, die dem Hersteller zufolge das Einrauchen erleichtert. Nach solch einem Hinweis braucht man nicht zu suchen, denn er ist eigentlich unerheblich: Jene Lösung erleichtert das Rauchen nicht, erschwert es auch nicht, ist demnach ohne Bedeutung.
Der Rauchkanal
Er sollte vom Boden aus oder, wenn man so will, im Boden des Pfeifenkopfs gebohrt sein. In gut geführten Tabakgeschäften hält man spezielle Taschenlampen bereit, die dafür gedacht sind, die Höhe der Bohrung des Rauchkanals zu überprüfen. Hierfür reicht aber auch ein simpler Pfeifenreiniger, der drehend in den Rauchkanal eingeführt wird. Nachdem er den Kanal passiert hat, muß er, einige Millimeter vom Grund entfernt, am Boden des Pfeifenkopfs ankommen. Ist der Kanal deutlich oberhalb des Bodens gebohrt, wird der Tabak unterhalb des Kanals nicht verbrennen. Dadurch verbleibt immer ein feuchter Rest, was letzten Endes zu einer »sauren« Pfeife führt – einfach gesagt: Sie verliert mit der Zeit an Geschmack. Ist der Kanal dagegen unterhalb des Bodens gebohrt, gelangt das gesamte Kondensat direkt ins Mundstück und dann auf die Zunge. Ein unerfreulich bitterer Geschmack ist die Folge – ein Erlebnis, das jedem Raucher erspart bleiben sollte. Genaues Hinschauen lohnt also. Denn die oben erwähnten Besonderheiten bestimmen letztlich, ob jemand am Pfeiferauchen Gefallen findet oder nicht, und da nichts und niemand eine falsch gewählte Pfeife korrigieren kann, muß man sich entweder mit ihr abfinden oder eine neue kaufen.
Die Maserung
Viele Spezialisten empfehlen, bei der Wahl einer Pfeife auf die Maserung des Pfeifenkopfs zu achten. Bei Pfeifen der erwähnten Preiskategorie hilft jener Rat in der Regel wenig, denn die angebotenen Stücke dieses Segments sind häufig »rustiziert« (nicht glatt, sondern mit speziellen Vertiefungen und Gräben). Oftmals gebeizt, oftmals auch dick lackiert, läßt sich dann die Maserung nicht mehr erkennen. Hierzu einige Ausführungen … Als die schönsten und teuersten Pfeifen gelten solche, die mit einer Maserung aufwarten, deren Formen Flammen assoziieren. Diese Maserung entsteht durch ein Holzstreifenmuster. Klassischerweise sollten Pfeifenköpfe so geschnitzt sein, daß die Flamme von unten nach oben verläuft, wobei sie gerade sein oder an wirbelnde Feuerzungen erinnern kann. Ein weiteres Kriterium für die Qualität von Pfeifen und die Bewertung der Maserung ist das sogenannte »Bird Eye«, ein charakteristischer kleiner Ring, der in der Tat wie ein Auge aussieht –ob nun wie das eines Vogels, mag dahingestellt sein. Solche Maserungen sind jedoch äußerst selten, und deshalb haben diese Pfeifen auch ihren entsprechenden Preis.
Filter
Es gibt Pfeifen mit Filter, aber natürlich auch solche, die darauf verzichten. Letztere werden mit und ohne Kühler angeboten. In der Regel handelt es sich bei besagtem Kühler um ein Aluminiumröhrchen oder einfach um einen Preßkörper. Hierauf setzen sich Nikotin und Kondensat ab (die wesentlichen Stoffe, die sich beim Rauchen bilden), wodurch der Rauch abgekühlt wird. Nicht wenige Raucher verzichten auf den Kühler, da er bei der Reinigung der Pfeife hinderlich ist. Filterpfeifen sind meistens mit einem Filter von 6 bis 9 Millimetern Durchmesser ausgestattet. Aus praktischen Gründen empfiehlt sich anfangs eine Pfeife mit einem Filter von 9 Millimetern, da in dieser Kategorie stets die größte Auswahl zu finden ist. Die grundsätzliche Frage, ob mit oder ohne Filter, ist dagegen schwer zu beantworten; sie ist vielmehr Gegenstand eines ewigen Streits zwischen Pfeifenrauchern. Einerseits sind Filterpfeifen weniger gesundheitsschädigend, doch andererseits ist jeder Raucher mit langjähriger Erfahrung der Meinung, daß ein Filter nicht nur unnütz, sondern sogar störend sei, wolle man eine Pfeife wirklich schmecken und wahrhaft genießen. Dem ist durchaus zuzustimmen, doch sei jedem Anfänger geraten, sich zunächst für eine Pfeife mit Filter zu entscheiden. Der Filter nimmt das Kondensat hervorragend auf und hat – bezogen vor allem auf diejenigen, die gerade mit dem Pfeiferauchen beginnen – nach überwiegender Expertenansicht keinen allzu nennenswerten Einfluß auf den Geschmack.

Ob nun Anfänger, ob Fortgeschrittener, die Fragen, die sich einem Raucher stellen, sind immer dieselben. So möchte jemand, der sich beim Pfeifenkauf in einem höheren Preissegment bewegt, fast dasselbe wissen wie ein Einsteiger, und demgemäß sind die »Probleme«, die beide Gruppen haben, nahezu identisch: Stimmt die Qualität des Bruyère? Ist ein korrekter Rauchabzug gewährleistet? Läßt sich die Pfeife »bequem« rauchen? Der einzige Unterschied zwischen beiden Preiskategorien: Obwohl niemand vor Irrtümern geschützt ist, ist beim Kauf einer »vornehmen« Pfeife die Wahrscheinlichkeit, »auf Grund zu laufen«, eher die Ausnahme von der Regel.
Der Tabak
Nehmen wir einmal an, jemand hat eine Pfeife erworben. Er denkt, das war’s? Mitnichten! Es stimmt, die Pfeife ist das wichtigste, aber sie ist auch erst die »Hälfte«. Jetzt fehlen noch Tabak und Accessoires … Die beste Pfeife ist nichts ohne einen guten Tabak. Tabak auszuwählen und zu kaufen ist etwas ganz anderes, als Cigaretten zu kaufen – es ist bedeutend komplizierter und interessanter. Wird für Cigaretten vorwiegend ›Virginia‹ verwendet, so handelt es sich beim Pfeifentabak nahezu durchgängig um wunderbare Kompositionen mit einer Vielzahl von Noten, Nuancen und Tönen. Um diese Kompositionen zu kreieren, werden verschiedene Tabaksorten gemischt. Die Grundlage bilden in der Regel entweder ›Virginia‹ oder ›Burley‹, denen andere Tabake in unterschiedlichen Mengenanteilen hinzugefügt werden. Nicht umsonst heißen deshalb viele Pfeifentabake »Mixture« (»Mischung«). Die Anteile der Tabaksorten innerhalb der Mischung bestimmen den Geschmack und die Stärke der Komposition. Die meisten Mischungen bestehen aus der berühmten Triade ›Virginia‹, ›Burley‹ und ›Cavendish‹. Letzterer ist eigentlich wiederum eine Mischung verschiedener Tabake, die bei Wärme unter Zugabe unterschiedlicher Ingredienzen (Honig, Rum, Wein etc.) gepreßt und anschließend geschnitten und zerkleinert werden. Diese Art der Pressung wird Fermentation genannt.
Bei der Tabakwahl sind keine besonderen Regeln zu beachten. Trotzdem ist es zwingend, an dieser Stelle zwei extreme, eigenwillige Sorten zu erwähnen, da sie mitunter in einer Tabakmischung auftauchen. Der eine liebt sie, der andere kann sie nicht ausstehen: ›Latakia‹ und ›Perique‹. Während ›Latakia‹ der Mischung einen kräftig harzigen, teerigen Ton verleiht, ergibt der Zusatz von ›Perique‹ eine wohlriechende Schärfe, die mit anderen Tabaken kontrastiert (was durchaus reizvoll sein kann). Geschmäcker sind jedoch verschieden, und so wähle ein jeder den Tabak, der ihm zusagt … Des weiteren wird jeder, der sich auf das »Rauchabenteuer Pfeife« einläßt, beim Tabakkauf unterschiedliche Schnittarten von Tabak kennenlernen. Die wichtigsten:
• Normaler Schnitt (grob, mittel, fein)
• ›Flake Cut‹: Die Tabakblätter werden schichtweise aufeinandergestapelt, unter Druck zu einer Platte gepreßt und dann in dünne Scheiben (Flakes) geschnitten
• ›Bird´s Eye‹: Tabak in Form kleiner Rollen, die beim Schnitt meist ein hübsches Mosaik ergeben
• ›Cube Cut‹: Gepreßter, in kleine Würfel geschnittener Tabak Einige Läden bieten Tabakproben an (von ca. fünf Gramm), stellen auch »Demodosen« zur Verfügung, an denen man riechen und somit das Aroma wahrnehmen kann. Nicht ratsam ist es, gleich beim ersten Kauf große Packungen zu erwerben. Standardmäßig wird Tabak in 50-Gramm-Einheiten verkauft. Eine solche Menge reicht vollkommen aus, um eine Tabakmischung auszuprobieren. Darüber hinaus ist es ratsam, zu Anfang mit einfachem, nicht zu starkem Tabak gewöhnlicher Schnittart zu beginnen, der durchaus eine gewisse Süße aufweist. Auch wenn es noch so verführerisch zu sein scheint: Die Experimente mit »exotischem « Tabak sollten erst dann unternommen werden, wenn erste Genußeindrücke gewonnen worden sind. Mit der Zeit wird jeder »seine« Mischung finden.
Accessoires Die Auswahl der Accessoires ist bedeutend einfacher als die der Pfeifen und Tabake. Als (unbedingtes) erstes Instrument empfiehlt sich die Anschaffung eines Stopfers. Er wird benötigt, um die Pfeife zu stopfen und die Asche des verbrannten Tabaks mit leichtem Druck zu glätten. Als bekanntestes (alternatives) Accessoire dient sich ein sogenanntes »Pfeifenbesteck« an, bestehend aus einem Stopfer, einem Löffelchen bzw. Messerchen zum Reinigen des Pfeifenkopfs von Ascheresten sowie einem Dorn zum Entfernen von Tabakresten im Rauchkanal. Von diesem Utensil gibt es unzählige Ausführungen – angefangen bei einfachen und preiswerten bis hin zu Bestecken, die aus mehreren Teilen bestehen, zudem aus edlen Materialien gefertigt sind (Edelstahl, Gold, Silber etc.). Da ein teurer Stopfer nicht mehr kann als ein einfacher, sollten vor allem diejenigen Raucher, die dazu neigen, mitunter solch ein Accessoire zu verlieren, auf ein einfaches Modell zurückgreifen (und sich am besten gleich mehrere davon kaufen).

Die zweite Anschaffung: Pfeifenreiniger. Auch hier gibt es verschiedene Arten, die sich in Härte und Zusammensetzung unterscheiden. Die einen reinigen besser, nehmen aber schlechter Feuchtigkeit auf, während es bei anderen umgekehrt ist. Ein weites Feld zum Experimentieren … Und drittens? Jeder Raucher benötigt einen Feuerspender. Das können Streichhölzer, das kann ein Feuerzeug sein, allerdings kein normales, sondern ein spezielles Pfeifenfeuerzeug. Da die Diskussionen über die richtige Art des Anrauchens fast schon Legion sind, soll dieses Thema hier nicht weiter vertieft werden.
Die vorliegenden Ausführungen waren vor allem dazu gedacht, angehenden Pfeifenrauchern grundsätzliche Ratschläge und Empfehlungen an die Hand zu geben. Mit der Zeit wird sich jeder einzelne seine eigene Meinung in puncto Pfeifenform, Tabaksorte, dazu passendem Getränk und so weiter bilden – und, abhängig von seinem Charakter und seinem Temperament, seine ganz persönliche(n) Pfeife(n) finden. Eines jedoch bleibt stets unverändert: Pfeiferauchen hat mit Geschmack, aber auch mit Tradition und Kultur zu tun. Es ist ein Lebensstil, in dem kein Platz für Hektik und Hast ist: Die Wolken aromatischen Rauchs beruhigen nicht nur die Umstehenden, sondern erhellen die Gedanken und besänftigen die Seele des Rauchers. Pfeife hat etwas Magisches.
Text: Maxim Kombarow
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