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Gottfried Hellers Jahresausblick 2007
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Meine Annahmen
1. Alle wichtigen Faktoren – Konjunkturdaten, Bewertungsziffern, Gewinnentwicklung, Liquidität – sprechen dafür, daß 2007 das fünfte gute Börsenjahr in Folge wird.

2. Europäische Börsen – vor allem die in Deutschland – sind immer noch die Favoriten. Die großen Standardwerte im ›DAX‹, im ›D.J. Euro Stoxx‹ oder im ›Dow Jones‹ dürften sich besser entwickeln als die meisten kleinen.

3. Die Jahreshöchststände der großen Indices müssen nicht am Jahresende liegen, sondern können schon früher erreicht werden.

4. Die Kursschwankungen werden zunehmen. Dafür werden sowohl riskante Investments der Private Equity Fonds und der Hedge Fonds sorgen als auch viele private und institutionelle Anleger, welche die bisherige Hausse größtenteils versäumt haben und die erst in der Spätphase der Hausse in Aktien einsteigen. Das sind die »Zittrigen«, wie mein Partner Kostolany sie nannte.

5. Die Kapitalmärkte schwappen über vor Liquidität, die rentable Anlagen sucht. Anders als früher gibt es nicht in erster Linie einen Kampf ums Kapital, sondern einen Kampf um eine möglichst hohe Rendite. Das stützt die Aktien- und Rentenkurse und treibt die Immobilienpreise in die Höhe. Auf der Jagd nach Profit werden aber zunehmend riskantere Investments getätigt. Daher ist ein größerer Unglücksfall im Finanzsystem nicht auszuschließen.

6. Die Leitzinsen werden in Europa und Japan noch etwas angehoben. Aber die Phase der Zinserhöhungen nähert sich dem Ende, ist mancherorts gar schon abgeschlossen. Die Renditen der Festverzinslichen werden etwas anziehen, bleiben aber im historischen Vergleich sehr niedrig. Für Anleger ist mit Anleihen kein Blumentopf zu gewinnen, und für Aktien stellen sie keine Konkurrenz dar. Höchst attraktiv sind sie nur als Finanzierungsinstrumente für Schuldner, etwa für Häuslebauer.

8.
Der Konsens der Prognosen geht von einer Abschwächung der Weltkonjunktur aus. Das Wachstum wird sich anfänglich etwas verlangsamen. Im späteren Jahresverlauf wird das weltweite Wachstum wieder zunehmen. Es könnte schließlich höher sein als allgemein erwartet.
9. Die Emerging Markets werden ihre Erfolgsserie fortsetzen und ein siebtes Mal in Folge besser abschneiden als die Hauptaktienmärkte. Aber die Risiken in einzelnen Ländern sind bereits erheblich – beispielsweise in den BRIC-Ländern China und Indien –, und die scharfen Kurseinbrüche letztes Jahr in der Türkei und in Thailand sind ein Warnsignal. Daher ist es empfehlenswert, nicht sein Glück mit Länderfonds oder gar Stock Picking zu versuchen, sondern in einen gut gemanagten, global breit diversifizierten Emerging Markets Fonds zu investieren.
10. Der Tenor der Prognosen für den US-Dollar lautet etwa folgendermaßen: »Steigen kann er, fallen muß er.« Obwohl sich jeder, der sich mit Währungsprognosen abgibt, dem Verdacht der Leichtfertigkeit aussetzt, wage ich die Annahme, daß sich die Veränderungen des US-Dollar zum Euro eher unspektakulär in einer Bandbreite von +/– 5 Prozent bewegen werden. Ein Überschießen ist temporär jedoch allemal drin.
11. An den Rohstoff- und Ölmärkten wird sich die Korrektur, die etwa Mitte 2006 begann, vorläufig fortsetzen. Wenn sie im Lauf des Jahres abgeschlossen ist, werden Rohstoffaktien wieder attraktiv. Das gilt auch für Ölaktien mit ihren meist hohen Dividenden. Gold bleibt nicht einschätzbar. Zwar wird die Inflation keinen Anlaß für steigende Goldkurse bieten, weil sie zahm bleiben wird, aber die bestehenden Risiken im Finanzsystem und beim US-Dollar könnten für Auftrieb sorgen.

Nach wie vor führt an der Aktie als einzigem attraktiven Anlagevehikel kein Weg vorbei, da alle anderen Finanzinstrumente, wie Anleihen, Garantieprodukte und Hedge Fonds, renditeschwach und damit unattraktiv sind. Um das Risiko gering zu halten, ist eine konservative Anlagestrategie angesagt. Jeder Anleger sollte daher darauf achten, nur in werthaltige, günstig bewertete, nach Möglichkeit dividendenzahlende Titel (Value-Werte mit Wachstum oder Wachstumswerte mit Value!) zu investieren und weltweit breit zu diversifizieren.

Rückblick
Meine Annahmen für 2006 in Kurzform – und wie sie sich bewährt haben:

1. Das Jahr 2006 wird ein weiteres gutes, wenn auch weniger ergiebiges Börsenjahr als das Vorjahr werden.

2. Die Kursgewinne werden im wesentlichen im ersten Halbjahr anfallen. ③ Die Kursschwankungen werden größer.

3. Neuemissionen, Fusionen und Firmenübernahmen werden deutlich zunehmen.

4. Alle Notenbanken werden die Leitzinsen maßvoll anheben.

5. Wenn 2005 als nur mäßig gutes Jahr für die Wirtschaft und als besseres für die Börse gelten kann, wird es 2006 umgekehrt sein.

6. Die Renditen der Festverzinslichen werden zwar anziehen, bleiben aber immer noch relativ niedrig. Anleihen sind unattraktiv.

7. Die Börsen der Emerging Markets werden ein viertes gutes, wenn auch weniger starkes Jahr erleben. ⑨ Der US-Dollar wird etwas fallen.

8. Der stürmische Aufwärtstrend der Rohstoffpreise, besonders der Metallpreise, wird sich nicht fortsetzen.

Resultat
Alle zehn Annahmen sind im wesentlichen eingetroffen. Erfahrung und Intuition allein hätten nicht gereicht – ein bißchen Glück gehört auch dazu. Das Jahr 2006 war tatsächlich ein gutes Jahr für die Wirtschaft (BIP Weltwirtschaft + 5 %) und nur ein mäßig gutes Jahr für die Börse: Der MSCI-Weltindex stieg, in Euro gerechnet, nur um 5,8 Prozent (Vorjahr: 23,7 %). Ausnahme: ›DAX‹ + 22 Prozent. Die Kursgewinne fielen hauptsächlich im ersten Halbjahr an – genauer bis April –, verschwanden bei der Korrektur im Mai/Juni wieder, holten dann aber alles wieder auf und legten noch etwas zu. Hingegen waren die Kursschwankungen nicht so groß wie angenommen. Nur in fünf Monaten – von Mai bis September – schlug der »Psycho-Seismograph« stärker aus. Neuemissionen, Fusionen und Firmenübernahmen machten Furore.

Anleihen waren tatsächlich völlig unattraktiv. Der Rentenindex ›REX‹ stieg gerade einmal um 0,3 Prozent. Erstmals seit vielen Jahren konnte man mit Renten kein Geld verdienen. Die Emerging Markets hatten mit + 15,9 Prozent (Vorjahr: + 49,3 %) nur ein mäßig gutes Jahr. Der US-Dollar fiel um etwa 10 Prozent. Die Rohstoffpreise setzten, mit wenigen Ausnahmen, ihren Höhenflug nicht fort. Der ›CRB Rohstoffindex‹ verlor 17,2 Prozent (in Euro gerechnet).

 
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