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Automobiles... aufgerollt
Jaguar C-XF
Metamorphose

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Man(n) reibt sich verwundert die Augen: Ist das ein ›Jaguar‹? Aus dem dynamischaggressiv gestylten Blechkokon lugen keilförmige, hungrige Leuchtbänder, während ein dunkler, weit nach hinten gesetzter Kühlergrill die Witterung aufnimmt. Von hinten betrachtet, erscheint die Nachfolgestudie der altbackenen ›S-Type‹ geradezu zum Sprung geduckt. Keine Frage: Die Raubkatze ist wieder auf Beutezug.

Damit folgt die englische Traditionsfirma dem aktuellen Trend und vollzieht einen kompletten Stilwechsel: Aus der klassischen Limousine wird ein viertüriges elegantes Sportcoupé, dessen geschwungene Flanken markante Schweller zieren, während hinter den vorderen Radhäusern beeindruckende Lüftungskiemen auffallen. Dem Heck verpaßten die jungen Designer eine hoch angesetzte Abrißkante, einen Diffusor und vier Endrohre. 21 Zoll große Leichtmetallfelgen vervollständigen den vorwärtsdrängenden Gesamteindruck. Der radikale Schnitt setzt sich im Inneren fort, das mit edlen Materialien ausgeschlagen ist. Futuristisch muten nicht nur das einspeichige Lenkrad mit überdimensionierten Schaltpaddeln und die Drehknopfsteuerung der 6-Gang- Automatik an, sondern auch die blau unterlegten Rundinstrumente, die alle relevanten Informationen liefern. Betätigt man endlich den roten Starterknopf, beginnt großes Kino: Beim Anlassen pulsiert der Starter im Herzschlagrhythmus, während sich ein blauer Leuchtring von der Mitte der Instrumententafel über den gesamten Innenraum spannt und die Dachhimmelkonsole den Wagen ganz in Blau taucht. Hingegen ergeben kleine technische Gimmicks mehr Sinn, so etwa die Türgriffe, die erst nach einem Sensorkontakt ausfahren, oder der Mittelkonsolenmonitor, der Fahrer und Beifahrer gleichzeitig unterschiedliche Bilder anzeigen kann.

Seine Sprungkraft bezieht der ›XF‹ aus dem 4,2-Liter-V8 des verwandten ›XKR‹. 420 PS genügen, um eine Höchstgeschwindigkeit von rund 290 km/h zu erreichen und den Konkurrenten deutlich die Krallen zu zeigen. Was man für rund 60.000 Euro auch erwarten darf.

Audi Q7 V12 TDI
Die Braut

Audi Q7 V12 TDI
Ganz in weiß und mit 500 PS und 1000 Nm traut sich ›Audi‹, diesen Allrad-Boliden anzubieten. Der Kunde ist König, der Kunde ist Bräutigam, und er darf die aufgebrezelte bayerische Braut sein eigen nennen, wenn er den Brautpreis entrichtet. Der ist noch nicht endgültig ausgekartelt, wie der Süddeutsche das Aushandeln nennt, dürfte aber um die 110.000 Euro liegen. Welche Chancen der ›Q7 V12 TDI‹ auf dem Basar der Begehrlichkeiten hat, versuchen die Ingolstädter in den nächsten Wochen und Monaten herauszufinden. Ihr Angebot steht: Unerschöpfliche 500 Pferdestärken aus 6 Litern Hubraum und souveräne maximale 1000 Nm beschleunigen das immerhin 2,5 Tonnen schwere Maxi-SUV (SUV = Sports Utility Vehicle) in 5,5 Sekunden auf 100 km/h. Fällt die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung, dürfte das Gefährt mühelos eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h erreichen. Ob das sinnvoll ist, mag dahingestellt sein, doch ›Audi‹ überführt konsequent die Ergebnisse seiner Diesel- Rennsport-Technologie in die Serienfertigung. So steht denn auch der Leistungsexplosion ein relativ bescheidener Verbrauch gegenüber. Ganz und gar nicht bescheiden ist der Auftritt des Brummers. Riesige Lufteinlässe, ein aufgeblasener Kühlergrill und größere Räder verlangen beim Ausführen ein ungetrübtes Selbstbewußtsein. Erwartet wird zudem eine Aufwertung des bis dato üblichen Interieurs. Keine Frage: Es werden sich Liebhaber finden. Ob das in Europa der Fall sein wird, sei ebenfalls dahingestellt.

Mercedes Ocean Drive
Die Sternwarte

Mercedes Ocean Drive
Nach ganz oben – dahin wollen die sonst so erdverbundenen und nüchternen Schwaben. Nicht, daß ihnen Luxus ein Fremdwort wäre, aber die imaginäre Schranke zum Traumland der Superreichen dürfen bislang nur die ›S‹- und ›CL‹-Karossen passieren. Dort – und nur dort – glitzern die Kolliers der Stars, und aus dem gleißenden Nachthimmel über Hollywood fallen nicht nur Träume, sondern auch zählbare Sterntaler. Wenn sich das über drei Quadratmeter große Stoffdach öffnet, dann soll es etliche davon in das neue Stuttgarter Modell regnen. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem letzten

›S-Klasse‹-Cabriolet nahmen die Konstrukteure aus dem Ländle den Fehdehandschuh der Konkurrenz auf und stellten in Detroit das »komfortabelste und eleganteste Cabriolet der Welt« vor (O-Ton ›DaimlerChrysler‹). Denn dort, in der Neuen Welt, lebt die Klientel, deren Polster auf dem Konto weit mehr abfedert als jenes des Luxusgefährts. Das 5,29 Meter lange Schmuckstück, bis dato noch ein Unikat, besitzt eine klassisch anmutende, jedoch vollkommen neu entwickelte Karosserie, geformt aus einer Liaison von ›Maybach‹ und ›S-Klasse‹. Nur das Heck scheint vom ›CL‹ zu stammen. Wie den ›Maybach‹ schmückt den ›Ocean Drive‹ ebenfalls eine Zwei-Farben-Lackierung. Weiters dominiert ein imposanter Kühlergrill die Frontpartie, während die unendlich lang erscheinende seitliche Scheibenzeile nicht von einer B-Säule unterbrochen wird – um die Türen anschlagen zu können, bleibt lediglich ein Säulenstummel erhalten. Die Innenausstatter durften bestes Leder, feinste Stoffe und edles Vogelahorn verschwenden. Wahrhafter Luxus zeigt sich schließlich im Überflüssigen: Für den Ausritt in kalte Gefilde – wenn etwa Madame in Alaska Nordlichter bestaunen möchte – bedarf es nur eines Knopfdrucks, und die Kopfraumheizung ›Airscarf‹ verwöhnt auf allen vier Plätzen den Hals-, Nacken- und Kopfbereich mit wohliger Wärme. Selbstverständlich ist ein Champagnerfach zwischen den Sitzen Serie – bei einem voraussichtlichen Kaufpreis von rund einer halben Million Euro nun wirklich nichts Außergewöhnliches.

Wegen seines langen Radstands empfiehlt sich (zumindest) das 12-Zylinder-Triebwerk aus dem ›S 600‹ als Standardmotorisierung. Mit 517 PS gewinnt man zwar nicht den Wettlauf mit den Sternen, aber die kommen schließlich jede Nacht wieder. Dann heißt es: Vorhang auf in 20 Sekunden.

Chrysler Nassau
Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum

Chrysler Nassau
Nassau ist bekanntermaßen die Hauptstadt der Bahamas, bevorzugter Wohn- und Urlaubssitz solventer Zeitgenossen. Vielleicht ist dieser Umstand die Brücke zur Namensgebung eines wahrhaft schönen Coupé-Entwurfs von ›Chrysler‹. Die amerikanische Stiefschwester der deutschen Sternenschmiede ›Daimler-Benz‹ muß ihre Absatzzahlen ankurbeln. Während die Marke ›Jeep‹ auf dem 4x4-Weltmarkt erfolgreich mitspielt, bekommen die hauseigenen Limousinen kaum einen Fuß in den berühmten Türspalt. Das soll sich mit dem ›Nassau‹-Concept gründlich ändern.

Das Coupé übernimmt gekonnt die Karosserieform des klassischen englischen ›Shooting Brake‹. Obwohl auf der Plattform des ›300C‹ basierend, wirkt es ungleich kompakter. Um diesen Effekt zu erzielen, kürzte ›Chrysler‹ die Überhänge vorne und hinten und stellte das Blechgewand auf 21-Zöller im 10-Speichen-Design. Ganz im Trend verzichtet der Viertürer auf eine B-Säule. »Made in Germany« könnte auf dem Motorblock stehen, denn seine Dimensionen sprechen für eine Verwandtschaft mit dem ›CLS‹. Nach dem Motto »Alles muß raus« ging es an das Mobiliar. Futurismus lautet das Motto für die Innenraumgestaltung. Denn die neue Zielgruppe ist jung, multimediaund konsumerfahren. ›Chrysler‹ möchte mit dem Coupé vor allem ›Audi‹ und ›BMW‹ die zahlungskräftigen Kunden abspenstig machen.

Einzelsitze vermitteln jedem der vier Passagiere eine privatsphärische Illusion. »Space around« nennen das die Amerikaner. Dazu zählen unbedingt Bluetooth, Home Cinema, IT-Schnittstellen – und für den Fahrer digitales Datenmanagement. Wem Schaltwippen zu konservativ sind, der kann die Gänge über ein Menü auf dem Armaturenbrett anwählen. ›Nassau‹ klingt gut. Ob letztendlich auch der Preis gut klingt, bleibt abzuwarten.

Rolls-Royce Drophead
Coupé Landgang

Rolls-Royce Drophead Coupé
»Schiff ahoi« möchte man rufen – und: »Nimm mich mit!« Dabei ist es nur ein Auto. Aber was für eines. Vorbei die Zeit der Lähmung und Resignation. Die Zuversicht zeigt sich offen und mit Glamour. ›Mercedes‹ schickt den ›Ocean Drive‹ in den Ring, ›Bentley‹ den ›GTC‹ … und ›Rolls-Royce‹ fertigt sein Top-Cabriolet endlich in Serie. Aus dem Experimentalfahrzeug ›100EX‹ wurde der offene, 5,60 Meter lange Zweitürer mit den markentypischen Designelementen ohne jegliche formale Strenge, jedoch in gekonnten Proportionen.

»Spirit of Ecstasy«: Die legendäre Figur thront wie gewohnt auf dem Kühlergrill am Ende der langen Edelstahl-Motorhaube. Nicht nur dem Design, sondern auch dem cw- Wert sei die aerodynamisch gezeichnete Front geschuldet. Typisch für die junge ›Rolls‹- Generation sind Kulleraugen mit schmalen LEDs darüber. Vorsicht beim Einstieg: Die beiden Türen öffnen entgegen der Fahrtrichtung. Ganz traditionell bietet ›Rolls-Royce‹ dagegen eine Palette an erlesenen Edelhölzern, Rinderhäuten und, einmalig, Fußmatten aus Korbgeflecht, so daß man glaubt, an Bord einer Luxusyacht zu sein. Per Knopfdruck lassen sich sowohl das fünflagige Stoffverdeck als auch die neu gestaltete Kühlerfigur versenken. Damit nicht genug der technischen Raffinesse: Beim zweiteilig zu öffnenden Kofferraum mutiert der untere Teil der Kofferraumklappe ganz nach Belieben zum Picknicktisch oder -sitz. An Orwell wiederum erinnert die Kamera unter dem Nummernschild, deren Bilder auf einen Monitor im Inneren übertragen werden. Für die passive Sicherheit sorgt der gut verborgene Überrollbügel hinter den Rücksitzen mitsamt dem Windschutzscheibenrahmen aus speziellem Edelstahl.

Angetrieben wird das Traumschiff von dem bekannten, 460 PS starken 6,75-Liter- V12-Motor, der das Gefährt souverän über die Unebenheiten des Pflasters führt. Spüren werden die Insassen – pardon: Bordgäste – dank der Luftfederung kaum etwas. Um etwaigen Unpäßlichkeiten vorzubeugen, riegelt der elektronische Kapitän bei 240 km/h ab. Die Bordkarte erhalten Sie ab circa … nein, das wäre unfein.

Range Rover Sport TDV8
Landparty

Range Rover Sport TDV8
Ein cooler Engländer. Sportlich, kernig, komfortabel, luxuriös und geländetauglich wie kaum ein zweiter. Fast ein Traumtyp. Fast, denn was ihm dazu bislang fehlte, war ein standesgemäßer Diesel. Der behäbige 6-Zylinder-Selbstzünder war noch ein Relikt aus der kurzzeitigen bayerischen Regentschaft. Ihre Lordschaft hat diesen Zustand beendet und mit dem V8-Diesel endlich die ideale Motorisierung für die noble Allradkarosse im Haus gefunden. Der Turbodiesel macht Spaß, besitzt mächtigen Schub in jeder Situation und glänzt durch Abwesenheit des berüchtigten Turbo-Lochs. Er verzichtet auf den brachialen Antritt, kommt aber sehr nachdrücklich zur Sache. Seine gut abgestimmte 6-Gang- Automatik nutzt die stattlichen 640 Nm Drehmoment souverän, um den Wagen auch in hohen Gängen lässig und zügig zu beschleunigen. Dafür steht mit 272 PS mehr als ausreichend Leistung zur Verfügung.

Innen reist man erster Klasse. Beim Platzangebot erreicht dieser ›Rover‹ zwar nicht ganz die Üppigkeit seines großen Bruders, aber die Freude am Fahren macht das mehr als wett. Mit dem Verstauen des Gepäcks sollte man allerdings den Butler beauftragen: Man muß es sportlich über die untere Hälfte der Heckklappe wuchten. Ist alles gepackt, gibt es kein Halten mehr – der ›Range Rover‹ fühlt sich auf jedem Terrain wohl. Unwegsames Gelände meistert die ausgefeilte technische Kombination aus verstellbaren Luftfedern und Sperren perfekt. Bei Vollgas auf der Autobahn erreicht er nach 9,2 Sekunden die 100-km/h-Marke und gibt sich erst bei 209 km/h geschlagen. Aufwendige Sicherheitsfeatures verscheuchen jegliche Bedenken. Kaum zu glauben, daß dieser Traum bereits für nur etwas mehr als 60.000 Euro zu haben ist.


Text: Björn Breiter

 
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