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Klasse dank Masse
Daß eine Serie, die sich mit Prestigeuhren beschäftigt, mit dem Namen einer Plastikuhr beginnt, mag verwundern. Doch historisch betrachtet, trifft es den Nagel auf den Kopf. Blicken wir also kurz zurück. Nicht ins 18. Jahrhundert, in dem die ältesten der heute noch existierenden Top-Marken gegründet worden sind, sondern in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Zu dieser Zeit kämpften fast alle europäischen Uhrenhersteller ums Überleben. Schuld war ein Paradigmenwechsel in der Branche. Während die Schweizer und die Deutschen alles daransetzten, ihre mechanischen Uhren immer weiter zu verbessern, hatte in Fernost die Elektronik Einzug gehalten. Japanische Hersteller überschwemmten den europäischen Markt mit Quarzuhren, die um ein Mehrfaches genauer gingen als die besten Mechanikuhren, aber nur einen Bruchteil von dem kosteten, was für letztere zu entrichten war.
Uhren
Mit der Armbanduhr ›Tradition‹ erinnert ›Breguet‹ an eine historische Taschenuhr des großen Meisters
Die sogenannte »Quarzkrise« brachte die europäische Uhrenbranche in existentielle Schwierigkeiten. Rund zwei Drittel aller Mitarbeiter, die bei Schweizer Uhrenherstellern beschäftigt waren, hatten in dieser Zeit ihre Arbeitsplätze verloren, und die beiden maßgeblichen Uhrenkonzerne ›ASUAG‹ (›Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG‹) und ›SSIH‹ (›Société Suisse de l’Industrie Horlogère‹) steckten tief in den roten Zahlen. Um aus diesen beiden Kranken einen Gesunden zu machen, wurde Nicolas G. Hayek engagiert, unter anderem Inhaber der Consulting-Firma ›Hayek Engineering‹. Der leidenschaftliche Cigarrenraucher organisierte 1983 die Fusion der beiden Unternehmen zur Holding ›SMH‹ (›Société Suisse de Microélectronique et d’Horlogerie SA‹), reorganisierte den Konzern (wobei die Fusion 1985 abgeschlossen war) – und brachte die ›Swatch‹ auf den Markt. Produktion und Einführung einer Uhr, die vollkommen aus Plastik bestand und die nahezu vollautomatisch gefertigt wurde, zudem recht bunt daherkam, erschien Skeptikern als enormes unternehmerisches Risiko. Doch das »Unternehmen Swatch« entpuppte sich bald als Millionenerfolg: Wurde 1992 die Produktion der hundertmillionsten ›Swatch‹ gefeiert, waren vier Jahre später schon zweihundert Millionen von ihr gebaut worden. Aufgrund dieser Entwicklung wurde der Konzern 1998 schließlich zur ›Swatch Group‹ umbenannt.

Der Unternehmer Hayek machte mit dem Gewinn aus dem Verkauf der Plastikuhr im Laufe der folgenden Jahre zahlreiche Schweizer Traditionsmarken wieder flott und hat damit sicher keinen geringen Verdienst an der Renaissance der mechanischen Uhr.

Blancpain: Feines aus dem Bauernhaus
Maßgeblichen Anteil an der Wiederbelebung der mechanischen Uhrmacherkunst hat sicher auch Jean-Claude Biver. Der einstige ›Omega‹-Manager litt wie Zehntausende andere unter der eingangs geschilderten »Quarzkrise« und verlor 1981 seinen Arbeitsplatz beim Konzern ›SSHI‹ (dem Eigentümer von ›Omega‹ und weiteren klangvollen Marken). Doch statt sich eine andere Branche zu suchen, machte sich der unternehmungslustige Belgier selbständig. Er erwarb – 20.000 Schweizer Franken soll, so Insider, der Kaufpreis betragen haben – von seinem ehemaligen Arbeitgeber die Marke ›Blancpain‹, die in den Schubladen der ›SSHI‹ zu verstauben drohte. Biver ließ die Manufaktur – der Betrieb der 1735 gegründeten Traditionsmarke war 1970 bis auf weiteres eingestellt worden – wiederaufleben, unterstützt von seinem Kompagnon Jacques Piguet, Nachfahre eines berühmten Uhrmachers. Das geschah 1981 im Juradorf Le Brassus. ›Piguet‹ lieferte Uhrenrohwerke, die erstklassige Uhrmacher in einem umgebauten Bauernhaus verfeinerten oder um Zusatzfunktionen ergänzten. Von Anfang an waren die Uhren mit Glasböden ausgestattet. »Die Kunden müssen sehen, wofür sie viel Geld bezahlen«, erläuterte Biver sein Konzept.

So entstanden 1982 und in den Jahren darauf die unter Uhrenkennern bekannten »Sechs Meisterstücke«: eine ultraflache Uhr, eine Mondphasenuhr, ein Ewiger Kalender, ein Chronograph mit Schleppzeiger, ein Tourbillon und eine Minutenrepetition. Alle genannten Zusatzfunkti­onen vereinigen sich im Spitzenmodell, dessen Produktname an das Gründungsjahr erinnert: ›1735‹.

Ein versierter Uhrmacher braucht ziemlich genau ein Jahr, um aus den siebenhundertvierzig Einzelteilen eine perfekt arbeitende Uhr zu bauen – weshalb solch ein (Kunst-)Werk selbst gestandenen Uhrensammlern das Herz höher schlagen läßt. Für den Gegenwert einer soliden Immobilie (ca. 650.000 Euro) erhält der Kunde die wohl komplizierteste Serienarmbanduhr der Welt, die übrigens heute noch in dem erst jüngst renovierten Bauernhaus gebaut wird. Damit entspricht sie in Perfektion dem Credo des Wiedergründers Jean-Claude Biver: »›Blancpain‹ hat seit 1735 ausschließlich mechanische Uhren gebaut – und wird nie etwas anderes tun …« Seit 1992 gehört die Traditionsmarke zur ›Swatch Group‹. Heute heißt das Motto »Tradition der Innovation«. Schließlich, so Marc Hayek, Enkel des ›Swatch‹-Vaters und aktueller Geschäftsführer der Marke (und ebenfalls begeisterter Cigarrenraucher) … schließlich sei ›Blancpain‹ bei vielen Entwicklungen in der Uhrentechnik schon immer ganz vorne mit dabeigewesen – außer bei der Quarzuhr.
Uhren
Die ›Omega Moonwatch‹ wird seit 1969 praktisch unverändert gebaut

Breguet: Im Namen des Meisters
Die Marke ›Breguet‹ atmet Uhrengeschichte in tiefen Zügen, und zwar nicht nur deshalb, weil das Unternehmen in der Vergangenheit zahlreiche gekrönte Häupter belieferte, unter ihnen Napoleon, der russische Zar, die englische Königin und der deutsche Kaiser. Schließlich geht der Markenname auf einen der genialsten Uhrmacher aller Zeiten zurück, auf Abraham- Louis Breguet. Ihm verdanken die Uhrenfreunde unter anderem den ersten automatischen Aufzug, die stoßgesicherte Unruh, eine für höchste Ganggenauigkeit gebogene Spiralfeder und das Tourbillon. Das gangregulierende Drehgestell feierte 2001 seinen zweihundertsten Geburtstag, wird noch heute als die Krönung der Uhrmacherei angesehen – und wird daher häufig in die Top-Modelle angesehener Uhrenmarken integriert.

Nachdem Breguet das Unternehmen 1775 gegründet hatte, wurde es bis 1870 von seinen Nachkommen fortgeführt. Danach übernahm es der Werkstattchef Edward Brown, dessen Familie die Geschäfte bis 1970 weiterführte. Dabei kümmerten sich die Browns allerdings in erster Linie um Reparatur und Restauration historischer ›Breguets‹. Es folgten als weitere Besitzer das Pariser Juwelier- und Schmuckunternehmen ›Chaumet‹ sowie die saudisch-amerikanische Gesellschaft ›Investcorp‹, bis die Marke schließlich 1999 von der ›Swatch Group‹ übernommen wurde. Dort kümmert sich, der Bedeutung der Marke entsprechend, Nicolas G. Hayek persönlich um die Belange und die Entwicklung von ›Breguet‹. Für Hayek senior, in der Branche als knallharter Geschäftsmann bekannt, ist ›Breguet‹ offensichtlich eine Herzenssache. Mit großem Engagement rettete er die Ikone der klassischen Uhrmacherei nicht nur vor dem Untergang, sondern bringt sie Zug um Zug wieder auf neue Höhen. Dazu gehört unter anderem eine neue, selbstverständlich modernst ausgestattete Manufaktur, aber auch eine kontinuierliche Pflege der Kollektion. Einerseits tut er das mit anachronistischen Modellen wie der ›Tradition de Breguet‹, welche die ›Montre à tact‹ aus dem Jahre 1800 interpretiert. Andererseits durchbricht er die reine Traditionspflege, indem er ein Uhrwerk entwickeln läßt, in welchem Bauteile aus Silizium zum Einsatz kommen. Der aus der Halbleiterfertigung bekannte Werkstoff zeichnet sich durch eine spiegelblanke Oberfläche und eine gleichbleibende Elastizität über einen breiten Temperaturbereich aus, was insgesamt der Ganggenauigkeit der Uhr zugute kommt.

Die Tradition pflegen, aber immer die Augen für Neues offenhalten – so könnte der Satz interpretiert werden, den Nicolas G. Hayek kurz nach dem ›Breguet‹-Erwerb gegenüber Journalisten fallenließ: »Wenn Breguet heute lebte, hätte er die ›Swatch‹ erfunden.«

Omega: Nicht nur auf dem Mond
›Omega‹ klingt weit weniger schillernd als die frankophonen Markennamen ›Blancpain‹ oder ›Breguet‹, doch minder faszinierend ist die in Biel ansässige Marke keineswegs. Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, auch als Kürzel für den elektronischen Widerstand (Ohm) bekannt, impliziert eine technisch orientierte Marke, und das trifft es im Falle des Uhrenherstellers ›Omega‹ sehr gut. Nichts belegt diese Einschätzung besser als ein Ereignis, das am 16. Juli 1969 stattfand und die Welt bewegte. An diesem Tag betraten die ersten Menschen den Mond: die beiden amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin, die ebenso wie ihr Kommandant Charles Conrad mit einem Chronographen des Typs ›Omega Speedmaster Professional‹ ausgestattet waren. Seitdem heißt diese Uhr schlicht ›Moonwatch‹, die Monduhr. Bemerkung am Rande: Nur Aldrin trug die Uhr beim ersten Mondspaziergang, während Armstrong seine ›Omega‹ an Bord ließ, weil – angeblich – das elektronische Bordchronometer ausgefallen war.

Gegründet wurde ›Omega‹ drei Generationen zuvor, im Jahre 1848, durch den jurassischen Uhrmacher Louis Brandt. Dank makelloser Qualität und gefälligen Aussehens der Produkte entwickelte sich das Unternehmen in knapp vierzig Jahren zur größten Uhrenfabrik der Schweiz (die erst seit 1894 auf den Namen ›Omega‹ hört). Chronographen und Stoppuhren waren schon damals Spezialitäten des Bieler Unternehmens, was einerseits den Weg auf den Mond vorzeichnete, andererseits auch klarmacht, warum ›Omega‹ bis heute eine feste Größe im Bereich der Sportzeitmessung darstellt. Mehr als zwanzigmal agierten die Schweizer als offizielle Zeitmesser bei Olympischen Spielen. Um sportliche Höchstleistungen zu messen, muß ein Unternehmen aber nicht nur die Mechanik beherrschen, sondern auch in der Elektronik vorne sein – ein Grund, warum ›Omega‹ für das Quarzzeitalter eigentlich gut gerüstet war. Dennoch schlitterte das Unternehmen in den zurückliegenden achtziger Jahren in die Krise, mußte aber nicht schließen, sondern wurde unter dem Dach der ›SMH‹, der späteren ›Swatch Group‹, fit gemacht für die Zukunft. »Lifestyle« war das damalige, mittlerweile schon anachronistische Schlagwort, denn die Begehrlichkeit der Kundschaft sollte nicht allein über das Produkt, sondern auch über sogenannte »Markenbotschafter« geweckt werden – eine Strategie, die bis heute gefahren wird und von Erfolg gekrönt ist. Zu »Omega- Ambassadoren« gehören so klangvolle Namen wie der siebenmalige ›Formel 1‹-Weltmeister Michael Schumacher, dem eine eigene Kollektion gewidmet ist, das Top-Model Cindy Crawford – und James Bond. Der trug zwar zwischendurch auch mal ›Rolex‹ und ›Seiko‹, aber inzwischen ist »007« bei ›Omega‹ wieder fest unter Vertrag.

›Omega‹ spielt aber nicht nur auf der Rennstrecke, dem Laufsteg und bei der Verbrecherjagd eine erfolgreiche Rolle – auch unter Wasser sind die Bieler mit ihren Modellen der Linie ›Seamaster‹ Spitze. Legendär ist die später als ›Ploprof‹ (Plongeur Professionel = Tauchprofi) bekannt gewordene ›Seamaster 600‹, die einen Taucheinsatz von acht Tagen in einer Tiefe von zweihundertfünfzig Metern klaglos aushielt. Zusatzfunktionen sind, mit Ausnahme des Chronographen, dagegen nicht die Spezialität der Bieler. Dafür setzen sie auf absolut zuverlässige und genaue Uhrwerke, die nicht selten mit dem Zertifikat »Chronometer« ausgezeichnet sind. Zudem gelang es ›Omega‹ 1999, die sogenannte »Co- Axial-Hemmung«, eine Erfindung des Briten George Daniels, zur Serienreife zu bringen. Diese einzigartige Form der Gangregulierung, welche die Uhr noch zuverlässiger machen soll, ist heute ein wichtiges Verkaufsargument. Damit, so ist man sich in Biel sicher, wird ›Omega‹ auch weiterhin für Qualitätsfanatiker attraktiv und damit eines der großen Zugpferde der ›Swatch Group‹ bleiben.
Uhren
In der ›Gentleman’s Corner‹ von ›Glashütte Original‹ finden sich nicht nur feine ›Cohibas‹, sondern auch fünf edle Uhren der Baureihe ›Senator‹ im Rotgoldgehäuse

Glashütte Original: Sächsische Schweizer
Der Begriff »Sächsische Schweiz« hat in Glashütte eine ganz neue Bedeutung gewonnen, bezeichnet er hier doch nicht in erster Linie eine Region, sondern vielfältige Wirtschaftsbeziehungen. Alle Uhrenhersteller im beschaulichen Müglitztal haben enge Kontakte in die Schweiz. Das gilt auch und insbesondere für ›Glashütte Original‹. Die Marke ist seit 2001 Teil der ›Swatch Group‹ und für Nicolas G. Hayek »die ideale Ergänzung« zu den bereits genannten Schwestermarken.

So positiv und weltläufig, wie sich die Glashütter Uhrenindustrie heute darstellt, war sie nicht immer. Sie erlebte – und damit haben die Sachsen mit den Schweizern etwas gemeinsam – während der vergangenen rund hundertsechzig Jahre ein stetes Auf und Ab. Von kleinsten Anfängen im Jahre 1845 mit ungelernten Kräften und staatlicher Unterstützung zu Zeiten des Gründers Ferdinand Adolph Lange führte der Weg aufwärts zu einer hohen Konzentration von Fachkönnen und zu einer spezialisierten Industrie mit weltberühmten Produkten. Dieser Aufschwung dauerte bis zu den ersten beiden Dekaden des 20. Jahrhunderts an. Dann ging es über die Wirtschaftskrisen der zwanziger Jahre abwärts in Richtung Zweiter Weltkrieg, in dessen Folge ein planwirtschaftliches System errichtet wurde, das einerseits die Reputation der Glashütter Uhrenindustrie nutzte, um andererseits diesen Ruf aus weltanschaulichen Gründen zu beschädigen.
Uhren
Mit den Modellen der ›Master Collection‹ macht ›Longines‹ seinem Ruf als hochwertige Traditionsmarke alle Ehre

Aus der Glashütter Uhrenindustrie, deren Fabriken und Marken im Kombinat ›VEB Glashütter Uhrenbetriebe‹ zusammengeschlossen wurden, kamen bis 1989 preiswerte mechanische und quarzgesteuerte Uhren für den alltäglichen Gebrauch. Daneben produzierte man in Glashütte aber auch Schaltuhren und Meßgeräte. Eines haben sich die Glashütter Uhrmacher jedoch über all diese Jahre bewahrt: ihr Wissen und ihre Erfahrung in der Fertigung feiner mechanischer Zeitmesser. Als der Nürnberger Kaufmann und Uhrenfreund Heinz W. Pfeifer am 1. November 1994 die Leitung des Glashütter Uhrenbetriebs übernahm, definierte er ein ehrgeiziges Ziel: In kleinen Serien von feinen Armbanduhren sollte die Marke ›Glashütte Original‹ in Rückbesinnung auf die Tradition und das Erbe des klassischen Glashütter Uhrenbaus wieder zum Erfolg geführt werden, wobei das Credo »Höchster Qualitätsanspruch « in allen Bereichen gelebt – und entsprechend gearbeitet – werden sollte. Aufgrund der politisch bedingten Isolierung vom Weltmarkt war der Glashütter Uhrenbetrieb zu DDR-Zeiten auf Eigenproduktion angewiesen und verfügte deshalb über eine beispielhafte Fertigungstiefe, die er sich bis heute erhalten hat. Für ›Glashütte Original‹ ein erstklassiges Verkaufsargument, sind doch alle Uhrwerke zu hundert Prozent selbst konstruiert und im eigenen Hause gebaut – im Gegensatz zu manch anderen großen Namen, die Großserientechnik adaptieren und verfeinern.

Voll ausgelebt wird der Manufakturgedanke bei der Verschönerung der Uhr werke. Die Kantenbrechung in einem Winkel von 45 Grad wird in Handarbeit mit einer Druckpolitur versehen und erzeugt die faszinierenden Reflektionen auf den Werkteilen einer ›Glashütte Original‹. Hinzu kommen der auf die Platinen, Brücken und Kloben aufgebrachte Perlschliff oder der Einsatz temperaturgebläuter Schrauben. Diese und viele weitere zeitraubende und delikate Arbeitsschritte verdeutlichen, weshalb sich die Kollektion von ›Glashütte Original‹ heute internationaler Hochachtung erfreut.

Die ›Swatch Group‹: Modisch, mechanisch, luxuriös
Als Vorsitzender des Verwaltungsrats der ›Swatch Group‹ AG wird Nicolas G. Hayek immer wieder gefragt, welche Marke im Konzern ihm besonders am Herzen liege. Darauf hat er meist folgende passende Gegenfrage parat: ››Welches Ihrer Kinder ist Ihnen das liebste?‹‹ Damit ist dann auch alles gesagt. Und als sichtbaren Beweis der Wertschätzung aller Marken tritt er öffentlich nicht selten mit bis zu sechs Uhren an den Armen auf – und manchmal auch noch mit welchen, die seine Unterschenkel zieren. Doch selbst diese Auswahl ist schwer zu treffen, hat die ›Swatch Group‹ doch außer den vier genannten Manufakturen, also Herstellern, die mit eigenen Werken operieren, noch dreizehn weitere im Portfolio.

So wird das Luxussegment ergänzt durch die – in Deutschland allerdings kaum vertretenen – Marken ›Léon Hatot‹ und ›Jaquet Droz‹. Dann gibt es den Bereich, den man früher mit dem Prädikat »Die gute Schweizer Uhr« versehen hat. Dazu gehören ›Certina‹, ›Longines‹, ›Mido‹, ›Tissot‹, auch ›Hamilton‹, obwohl diese Marke 1892 in Pennsylvania (USA) gegründet wurde. Doch dieses Haus arbeitete schon früh mit Schweizer Komponenten und wurde 1972 in eine Vorläufergesellschaft der heutigen ›Swatch Group‹ eingegliedert. Weil Uhren aber nicht nur kleine Maschinen zur Zeitmessung sind, sondern auch Schmuck, runden eine designorientierte Marke wie ›Rado‹ sowie die Modelabels ›Pierre Balmain‹ und ›Calvin Klein‹ das Sortiment ab. Mit der Kinderuhrenmarke ›Flik Flak‹ schließlich hofft die ›Swatch Group‹, junge Konsumenten schon frühzeitig an sich zu binden.


Text: Martin Häusermann

 
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