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Die Lieblingspfeife


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An einem stillen Abend, wenn alle Dinge erledigt sind, ist endlich die Zeit für meine Pfeife gekommen. Ich setze mich ans Fenster und betrachte zum x-ten Mal mein Lieblingsstück. Sie ist ein Wunder an Schönheit: phantastische Holzmaserung, zurückhaltende, lakonische Formen, ganz ohne Schnörkel … Ich versuche, sie zu verwöhnen – sie ist es, die stets den besten Tabak bekommt. Die Pfeife dankt es mir; sie bleibt mir nichts schuldig. Das schöne Stück belohnt mich mit dicken Schwaden aromatischen, trockenen und kalten Rauchs. Ich sehe, wie sie beim Erhitzen buchstäblich zum Leben erwacht … Das Holz wärmt angenehm die Hand, die Maserung wird kontrastreicher, die polierte Oberfläche erhält einen lebendigen Glanz, sie atmet förmlich … Irgendwo in der Ferne tönt das Rattern von Zugrädern, und der Wind trägt den wohlbekannten Geruch der Eisenbahn zu mir herüber …
Es gab keinen besonderen Grund zur Eile. Ich hatte genug freie Zeit an jenem Tag. Nach mehreren Stunden im Zug wollte ich etwas umherlaufen, mich bewegen. Ohne Hast stopfte ich meine Pfeife und dachte darüber nach, welchen Weg ich für meinen Spaziergang nehmen sollte. Meine Überlegungen amüsierten mich: Jedes Mal, wenn ich hierherkam, stellten sich dieselben Gedanken ein, aber der Weg änderte sich nie. Auch dieses Mal schritt ich auf den altbekannten Pfaden und ging auf die märchenhafte Stadt zu, die sich, in leichten Morgenrauch gehüllt, vor mir erstreckte. Hier spielte der Wind, war das nur eine Handbreit entfernte Meer zu erahnen …
Nachdem ich meine Pfeife angezündet hatte, trat ich hinaus auf den Bahnhofsvorplatz und wandte mich der Stadt zu, vorbei am Bismarck-Denkmal; der »Eiserne Kanzler« war wie immer imponierend. Auf der inzwischen grün patinierten Bronze funkelten Regentropfen; sein Blick unter den zusammengezogenen Augenbrauen war streng und durchdringend. Ich blieb ein paar Minuten auf der ›Puppenbrücke‹ stehen, ging zwischen den gußeisernen Löwen die Allee vor dem alten ›Holstentor‹ entlang, verweilte wie immer einen Augenblick vor diesem altehrwürdigen Gemäuer, das im Licht der morgendlichen Sonnenstrahlen mit seinen grünen Kacheln und seinem nachgedunkelten Gold erglänzte …
Nachdem ich das Tor passiert hatte, befand ich mich zum wiederholten Mal im Märchen: spitze Dächer und stufenförmige Fassaden in allen Tönen roter Ziegel, verziert mit prächtigen Ornamenten, die alte Bronze der grandiosen Kirchturmspitzen, grün geworden von den Launen des hiesigen Wetters, das Gold der altertümlichen Wetterfahnen, die hochbetagten Salzspeicher entlang dem Flußufer, die durchbrochenen Brücken, das Dickicht aus Masten und Hafenkränen, die vor Sauberkeit blitzenden Straßen der stillen und gemütlichen, aber gleichzeitig majestätischen Stadt. Durch die ungestümen bleiernen Wolken drangen nun grelle Sonnenstrahlen, und die Stadt spielte mit allen Farben des Regenbogens …
Am Marktplatz steuerte ich auf die berühmte Konditorei gegenüber dem Rathaus zu. Dort gibt es den besten Kaffee und den schmackhaftesten Kuchen; ich konnte unmöglich daran vorbeigehen. Die Vitrinen waren voll von herrlichsten Marzipansorten aller möglichen und unmöglichen Farben und Formen. Im Café herrschte wie stets eine leise, einladende Atmosphäre.
Ich trank einen heißen, cremigen Kaffee und versuchte mich zu erinnern, wie oft ich schon hiergewesen war. Zehnmal? Fünfzehnmal? Der letzte Aufenthalt mußte mehr als ein Jahr zurückliegen. Es war genau solch ein Samstagmorgen – sonnig und windig. Ich streifte durch die engen Gassen dieser Märchenkulisse, entlang an den Kanälen, vorbei an den Pfefferkuchenhäuschen, atmete den Geruch des Meeres und das Aroma des berühmten Lübecker Marzipans.
In einem Tabakladen entdeckte ich eine Pfeife, die mein Interesse weckte. Nachdem ich einige Worte mit dem Verkäufer gewechselt hatte, beschränkte ich mich allerdings auf den Kauf von ein paar Dosen Tabak. Kurz darauf stand ich wieder auf der Straße, und die Pfeife blieb in der Ladenvitrine zurück. Im Weggehen dachte ich, daß Eile nicht not tat und ich in wenigen Wochen die nächste Gelegenheit haben würde, diesen Laden aufzusuchen … Bereits nach zwei Stunden wurde mir klar, daß es ein Fehler war zu glauben, ich könnte auf diese Pfeife verzichten, ein Trugschluß, daß ich ohne sie auskommen könnte. Aber es war zu spät; der Laden hatte geschlossen, und ich mußte zurück nach Hause …
Nach einem reichlichen Jahr war ich nun wieder hier. Ich mußte nur noch darauf warten, daß der Laden öffnete. An den Erfolg meines Unternehmens glaubte ich nicht mehr. Ein Jahr ist schließlich eine lange Zeit. In dieser Zeit hatte vermutlich längst jemand anderes sein Auge auf die Pfeife geworfen. All die Monate hatte mich der Gedanke an sie nicht losgelassen, ja, es schien mir fast so, als würde ich ständig an sie denken; bei jeder Pfeife, die ich rauchte, hatte ich sie vor Augen, wie sie, von Staub bedeckt, in der Vitrine darauf wartete, gebraucht zu werden. Gleichzeitig war ich voller Zuversicht, bemühte mich, ruhig zu bleiben, und sprach mir selbst Mut zu.
Pünktlich zur Ladenöffnung war ich da. In der ganzen Zeit hatte sich nichts verändert, und die Pfeife, die mir keine Ruhe gelassen hatte, lag noch an ihrem angestammten Platz. Ich konnte mein Glück nicht fassen, und meine Freude kannte keine Grenzen: Der langgehegte Traum, der zuletzt zu einer fixen Idee geworden war, ging in Erfüllung.
An diesem Tag zog ich noch mehrere Stunden durch die Stadt, und nach einem guten Mittagessen in der ›Schiffergesellschaft‹, einem der ältesten Etablissements der Hansestadt, saß ich, um den gerade niedergehenden Regen abzuwarten, an einem Eichentisch, schmauchte meine neue Pfeife und betrachtete die unzähligen Schiffsmodelle, die den Saal schmückten.
Jedes Mal, wenn ich meine Lieblingspfeife anzünde, erinnere ich mich an jene wundervolle Stadt, in die ich mich gleich beim ersten Besuch verliebt hatte. Vor vielen Jahren ist das gewesen. Wenn möglich, werde ich noch oft diese Heimat kühner Seefahrer, genialer Schriftsteller und begnadeter Musiker besuchen.


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Old Company Navy Cut Flake
Hersteller:
Orlik Tobacco Company A/S, Dänemark
Mischung:
›Burley‹ mit Zusatz von ›Virginia‹
Schnittbreite:
Flake
Typ:
Naturbelassen
Aroma:
Naturbelassener Tabak
Stärke:
Medium
Verpackung:
75-Gramm-Rechteckdose

Während ich meine Pfeife stopfe, schaue ich mir das Etikett an, welches das Bild eines Segelschiffs im Hafen schmückt. Ein typisches Motiv für einen traditionellen Preßtabak. In mir ruft es Erinnerungen an Hafenstädte und Seefahrerromantik wach. Den Seemännern verdanken wir diese Platten­tabake, die bei Spaziergängen an der frischen Luft unentbehrlich sind und uns großzügig mit dickem, kaltem Rauch und langen Stunden voller Wohlvergnügen entlohnen.
›Old Company‹ ist ein klassisches Beispiel für einen ›Flake‹ auf der Basis von ›Burley‹ unter Zusatz von ›Virginia‹. Aufgrund dieser Zusammensetzung hatte er mein Interesse geweckt. Die Mischung besteht aus hochwertigen Tabaken, die auf Plantagen in den Vereinigten Staaten, Brasilien, Malaysia und Mexiko angebaut werden. Falls mich mein Geruchssinn nicht trügt, kommt der ›Old Company‹ ohne zusätzliche Aromastoffe aus.
Der Geruch aus der Dose ist eine reine Freude: Schokoladentöne überwiegen, zu denen sich leichte Ingwernuancen, das wohlbekannte Aroma von Heu sowie Noten von Roggenbrot gesellen. Das Aroma der Mischung ist zurückhaltend und elegant. Die Tabakscheibchen sind von angenehmer dunkelbrauner Farbe und optimaler Feuchtigkeit.
Der Tabak ist akkurat in gleichmäßige kleine Scheiben geschnitten, die in zwei Stößen in der Dose Platz finden. Genau ein Paar dieser Scheibchen paßt exakt in eine Pfeife mittlerer Größe. Beim Stopfen kann man experimentieren; ich versuche allerdings immer, Preßtabak in der Form zu stopfen, wie ich ihn in der Verpackung vorfinde. So geht er besser auf, brennt bedeutend länger als zerbröselter Tabak und wird nicht so heiß. Die »grobe« Stopfung eignet sich für das Rauchen an der frischen Luft, besonders bei windigem Wetter. Also: ein paar Krümel auf dem Boden, nicht allzu fest gerollte Scheibchenhälften danach und ein paar Krümel obendrauf.
Der Tabak raucht sich schnell und elastisch. Bei korrekter Stopfung reichen zum Anzünden zwei Streichhölzer. ›Burley‹-Tabake, welche die Basis dieser Mischung bilden, brennen etwas heißer als ›Virginia‹-Tabake. Deshalb muß man vorsichtig sein. Raucht man bei Wind, ist es durchaus sinnvoll, einen speziellen Deckel als Windschutz zu ver­wenden.
Nach dem Anzünden offenbart der Tabak schnell seinen gehaltvollen Charakter und entfaltet ihn vollständig nach dem ersten Drittel der Stopfung, wobei er seine Tiefe und seine Fülle bis zum Ende bewahrt. Im Geschmack überwiegt ›Burley‹, und deutlich treten herbe und nussige Töne hervor.
Der ›Virginia‹ leistet hierbei keinen entscheidenden Beitrag, sondern ist nur im Hintergrund spürbar. Er zügelt jedoch das heiße Brennen des ›Burley‹ und verlangsamt es.
Die Mischung brennt gleichmäßig und hat
keine Neigung zu erhöhter Kondensataussonderung. Im Raum verbleibt ein neutraler Geruch edlen Tabaks. Die Mischung macht einen mittelstarken Eindruck, jedoch ist der
Nikotingehalt etwas höher als medium.
Jener Umstand erklärt sich durch die Zusammensetzung.
Den Tabak kann man gut im Wechsel mit Mischungen auf Basis von ›Virginia‹ rauchen, da er im Gegensatz zu ihnen die Zunge nicht reizt. Er empfiehlt sich für erfahrene Raucher, die den Geschmack und das Aroma von naturbelassenen Tabaken mögen, sowie für Raucher, die gerne mit verschiedenen Stopfungsarten experimentieren.
In Europa sind Mischungen auf Basis von ›Burley‹ wenig verbreitet. Aufgrund der porösen Struktur werden die Blätter dieses Tabaks häufig lediglich als zusätzliche Aromatisierungsträger in Mischungen dänischer Art verwendet. Naturbelassene Mischungen, in denen ›Burley‹ dominiert, lassen sich buchstäblich an einer Hand abzählen. Diese Tabake sind selten und originell, jedoch sehr beachtenswert. Auf dem amerikanischen Kontinent sind sie bekannter und eher verbreitet.
So wie viele andere interessante und seltene Tabakmischungen wird auch ›Old Company‹ in Dänemark hergestellt und vorwiegend auf dem dortigen Binnenmarkt vertrieben.


Text: Dmitrij Nasarenko

 
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