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Erst richtiges Einrauchen garantiert Genuß
Es ist sehr schwierig, eine neue, gerade erst gekaufte Pfeife auf der Stelle genußvoll zu rauchen. Zunächst muß die Pfeife sorgfältig vorbereitet werden – schließlich besteht die Innenhöhle des Pfeifenkopfs aus nacktem Holz, und beim unsachgemäßen Verbrennen von Tabak in einem neuen Pfeifenkopf mischt sich der Tabakrauch unweigerlich mit dem Geschmack von verkohltem Holz. Um das zu vermeiden, muß eine neue Pfeife zuerst eingeraucht werden: Eine gleichmäßige Kohleschicht im Inneren der Rauchkammer wird die Pfeife vor dem Verbrennen schützen und das Holz davor bewahren, den Geschmack und das Aroma des Tabaks mit unerwünschten Noten zu beeinträchtigen. Die wichtigste Regel beim Einrauchen einer Pfeife lautet: Die komplette Tabakfüllung rauchen, damit sich die Kohleschicht gleichmäßig verteilt. Allerdings verlangt der Einrauchprozeß mehrere Etappen …
Erste Etappe



Den Tabak kompakt auf dem Boden des Pfeifenkopfs stopfen. Dabei die Pfeife nur zu einem Viertel füllen (unter 2 Gramm Tabak). Diese Füllung bei leicht zähem Zugwiderstand bis zum Ende rauchen, so daß eine dünne Kohleschicht am Pfeifenboden entsteht. Nach dem Abkühlen der Pfeife wird das gute Stück vorsichtig entleert und ausgeklopft und sollte ein paar Tage trocknen, um sich zu erholen.
Zweite Etappe


Wie schon zuvor wird die Pfeife vorsichtig gestopft. Diesmal jedoch sollte die Füllung ungefähr einen halben Pfeifenkopf ausmachen. Nachdem die Tabakfüllung bis zum Ende geraucht worden ist, die gesamte Asche entfernen und der Pfeife eine erneute Ruhepause gönnen.
Dritte Etappe


Die Pfeife wird jetzt fast vollständig gestopft, und zwar bis auf etwa einen halben Zentimeter Abstand zum Rande des Pfeifenkopfs. Nach dem Ende dieses Rauchvorgangs ist somit einzig jener obere Rand des Pfeifenkopfs noch nicht eingeraucht. Die Vorfreude auf den nächsten Rauchgenuß kann nun mit einer weiteren Ruhepause erneut gesteigert werden.
Vierte Etappe


Jetzt wird die Pfeife vollständig gestopft, also bis zum Rand, um sie dann bis zum Ende zu rauchen. Nachdem die Asche entleert worden ist, zeigt sich eine dünne schwarze Kohleschicht an den Innenwänden des Pfeifenkopfs. Die Pfeife kann nun noch mehrere Male geraucht werden, bevor ein Zuviel an Kohleschicht von den Wänden entfernt werden sollte. Jetzt ist die Pfeife bereit zur dauerhaften Nutzung.
Ein erfahrener Raucher kann eine neue Pfeife einrauchen, indem er sie gleich bis zum Rand stopft. Verfährt jedoch ein Anfänger so, läuft er Gefahr, die Pfeife zu verderben.
Es soll Zeitgenossen geben, die beim Einrauchen einer neuen Pfeife beispielsweise eine dünne Schicht Honig auf die Innenwände des Pfeifenkopfs auftragen, um die Kohleschicht fester und ebenmäßiger zu machen und das Pfeifenholz weniger zu beschädigen. Doch Vorsicht: Die Verwendung von »Zusatzstoffen« kann eine ganze Reihe von Un-
annehmlichkeiten zur Folge haben. Werden die Wände mit Honig be-strichen, verbrennen dessen Aroma- und Geschmacksingredienzien, so daß nur verbrannter Zucker übrigbleibt, der auch dann noch an den Wänden haftet, wenn die Pfeife bereits vollständig eingeraucht ist. Eine nicht gerade erwünschte Nebenwirkung.
Eine gleichmäßige Kohleschicht auf den Wänden des Kopfes belegt die gelungene Einrauchprozedur. Jene Schicht sorgt für aromatisches und genußvolles Rauchen und schützt die Pfeife nachhaltig vor dem Verbrennen. Eine bereits eingerauchte Pfeife sollte jedoch nach wie vor mit einer gewissen Vorsicht behandelt werden. Nach jedem Rauchen verlangt die Pfeife nach Ruhe. Ein paar Stunden sind vollkommen ausreichend, um die Pfeife abkühlen und trocknen zu lassen.
Pfeifen mit sogenannter »Einrauchpaste« im Innenraum machen die Etappen 1 bis 3 überflüssig. Hierbei sollte wohl aber die prinzipiell für alle Pfeifen geltende Empfehlung des kühlstmöglichen Rauchens befolgt werden. Generell schont kühles Rauchen nicht nur die Pfeife, sondern erhöht auch den Genuß. Lieber die Pfeife einmal ausgehen lassen, als die Aromen des Tabaks durch überhöhte Temperatur mitzuverbrennen. Je kühler und unsichtbarer der Rauch, desto reichhaltiger der Geschmack! Und bitte nicht den Tabak wechseln – er vermählt sich mit der Pfeife, und sie könnte es Ihnen übelnehmen, wenn Sie Ihrem Tabak untreu werden.
Text: Julij Krelin
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