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Ein Konzept für Überflieger

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<Es ist ein außergewöhnliches Zuhause für eine Sammlung historischer Flugzeuge – und so viel mehr. Im Salzburger ›Hangar-7‹ trifft Technik auf Architektur, Kunst und Kulinarik. Der ›Red Bull‹-Gründer Dietrich Mateschitz verwirklichte sich mit dem spektakulären Gebäude einen Traum – und setzte seiner Unternehmensgruppe ein weiteres Denkmal.


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Das ursprüngliche Ansinnen des Energydrink-Herstellers ›Red Bull‹ und seines Gründers Dietrich Mateschitz war denkbar einfach: Die ›Flying Bulls‹, die historische Flugzeugsammlung des Unternehmers, der auf der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt Platz 287 einnimmt, sollten ein neues Zuhause finden. Daß es sich dabei nicht um irgendeinen Flugzeugschuppen handeln sollte, war dem 49-Prozent-Eigentümer der weltweit erfolgreichsten Energydrink-Marke wohl schnell klar – schließlich profilieren sich all seine Unternehmen stets mit ihrem Hang zu außergewöhnlichen Ideen, die sich perfekt in die jeweiligen Marketingpläne einpassen. Darüber hinaus reiht sich der österreichische Unternehmer mit seiner Leidenschaft für Flugzeuge in eine Liste prominenter Namen ein: ob Howard Hughes oder John Travolta, Franz Josef Strauß oder Niki Lauda – das Abenteuer Fliegen ist schon für viele reiche Männer vor Dietrich Mateschitz zur echten Passion geworden. Kein Wunder also, daß auch der Bau des neuen Hangars auf dem Gelände des Salzburger Flughafens Superlative erfüllen sollte. 2003 fertiggestellt, eilten Prominente und solche, die es noch werden wollen, in Scharen in das Gebäude, das die Unternehmens-PR als architektonische »Landmark« bezeichnet. Während der ›Hangar-7‹ (der eine flügelartige Gebäudeteil) der Öffentlichkeit zugänglich ist, werden im benachbarten ›Hangar-8‹ die historischen Maschinen und Hubschrauber der ›Flying Bulls‹ gewartet – ohne Publikum. Folglich ist es auch nur der kühne ›Hangar-7‹, der das allgemeine Interesse auf sich zieht.


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Außergewöhnlich: Das Gastronomiekonzept
Die Verbindung zu ›Red Bull‹ ist allgegenwärtig und doch mit bewußtem Understatement gestreut – nicht nur, weil die ›Red Bull Hangar-7 GmbH & Co. KG‹ eine eigenständige Firma darstellt, sondern auch, weil das actionreiche Bild der Trendmarke ›Red Bull‹ nicht so recht mit dem elitären Ansatz des ›Hangar-7‹ zusammengehen will. Das beeindruckende Gebäude aus Glas und Stahl ist eine imponierende Bühne für anspruchsvolle Inhalte – allen voran das Gourmetrestaurant ›Ikarus‹, das unter der Patronanz des Jahrhundertkochs Eckart Witzigmann steht.
In dem außergewöhnlichen Restaurant ist Abwechslung das Programm. Jeden Monat gastiert hier ein anderer internationaler Spitzenkoch. Selbstverständlich nur am Beginn des Gastmonats; danach sorgen der Witzigmann-Schüler Roland Trettl und sein Team für die gaumenschmeichelnden Höhenflüge. Ein ehrgeiziges Konzept, das die Gourmetwelt gleichermaßen in Verzückung versetzt wie an ihre Grenzen führt – so überlegten die Gastronomiekritiker lange, wie denn nun dieses Restaurant zu werten sei. Mit wie vielen Sternen, Hauben oder Punkten bedenkt man ein Restaurant, in dem jeden Monat ein anderer Chef die Direktiven vorgibt? So sind die Lobeshymnen, die alle Kritiker seit der Eröffnung im Jahre 2004 auf das Restaurant singen, vor allem Würdigungen der Arbeit des lokalen Teams rund um den gebürtigen Südtiroler Roland Trettl, das die kulinarische Finesse der gastierenden Starköche stets in überzeugender Perfektion umsetzt. Das größte Kompliment erhält die ›Ikarus‹-Crew allerdings von den Küchenmeistern selbst, die ja stets einige Tage unter den Argusaugen der Presse und der Gourmets ihr Salzburg-Gastspiel geben. Der österreichische Gourmetführer À la carte: »Dem Vernehmen nach sind selbst pingelige Starköche wie Marc Haeberlin, David Thompson, Norbert Niederkofler oder Jean George Vongerichten baß erstaunt, wie perfekt die eigenen Speisen von der ›Ikarus‹-Küche zubereitet werden.« Keine Frage, daß bei solch einer ambitionierten und exquisiten Cuisine auch dem Wein eine bedeutsame Rolle zukommt. Restaurantleiter Manuel Lechner ist nicht nur Herr über kostbarste Weine, Champagner und Edelbrände, sondern auch Pate einer Weinedition, die in diesem Jahr zum zweiten Mal die Fachwelt begeistert. Zwei Weinbauern werden eingeladen, ihren Spitzenanspruch noch einmal zu toppen. Für die ›Edition Ikarus‹ werden je ein Weiß- und ein Rotwein gekeltert, wobei jedes Faß nur dreihundert Flaschen hergibt. ›Ikarus White‹ und ›Ikarus Red‹ sind heiß­begehrte Weine – kommen jedoch nie offiziell in den Verkauf. Wer also eine der exklusiven Flaschen genießen will, muß über Beziehungen verfügen oder das ›Ikarus‹ besuchen.


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Ein Flug über die Weinberge
Zur Präsentation der diesjährigen ›Edition Ikarus‹ kam Cigar Clan als einziges internationales Medium in den Genuß – nicht nur der Weine, sondern auch eines Rundflugs über jene Güter, aus denen die edlen Tropfen stammen. Exklusives Verkehrsmittel war eine ›Douglas DC-6B‹. Sie wurde im Jahre 1958 gebaut und ist das Prachtstück der ›Flying Bulls‹ – nicht nur wegen ihres unverwechselbaren Retrodesigns und der luxuriösen Inneneinrichtung, sondern vor allem wegen ihrer Historie. Einst gekauft von der jugoslawischen Staatsfluglinie ›JAT‹, ließ sie der damalige Staatschef, Marschall Josip Broz Tito, zu einem Luxusflugzeug für sich und seine illustren Gäste umbauen. 1975 verkaufte Tito die Maschine an Sambias Staatschef Kenneth Kaunda. Auch er nutzte die ›Douglas DC-6B‹ als Repräsentationsflugzeug. Nach diesen glorreichen Zeiten erlebte die Maschine mit Beginn des Düsenflugzeitalters – vorerst – ein bitteres Ende.
Auf dem Vorfeld des Flughafens von Lusaka rostete sie vor sich hin. Ein Zustand, den Chris Schutte beendete, der das exklusive Flugzeug für sein kleines Luftfahrtunternehmen in Windhuk/Namibia kaufte. Die Schwestermaschine der ›Douglas DC-6B‹ erwarb er gleich mit dazu, um erst das Tito-Flugzeug, später ihre Verwandte zu restaurieren und mit den beiden Maschinen Rundflüge anzubieten, zum Beispiel zu den Viktoria-Fällen. 1999 mußte er wegen der Unruhen an der Grenze zu Angola die Rundflüge einstellen und die Tito-Maschine verkaufen. Mit den ›Flying Bulls‹ fand er einen würdigen Abnehmer der aviatischen Rarität. Drei Jahre lang wurde das gute Stück in Salzburg restauriert, in alle Einzelteile zerlegt und mit neuen Motoren und moderner Flugtechnik ausgerüstet. Auch die Innenausstattung ließ Mateschitz kostspielig überarbeiten. Alle Finessen des neuen luxu­riösen Interieurs geben dem Kenner zu verstehen: Hier hat jemand richtig Geld investiert.
Aus den Fenstern dieser einmaligen Maschine betrachtet, wirken die steirischen und burgenländischen Weinberge der Winzer Tement und Preisinger beinahe bescheiden – von anderen, viel weniger prestigeträchtigen Weingärten sind sie nicht zu unterscheiden. Und dennoch sind diese Ziele – die Riede (die Einzellage) ›Zieregg‹ von Manfred Tement in der südlichen Oststeiermark und die Rieden ›Weidener Rosenberg‹, ›Golser Goldberg‹, ›Mönchofer Rappbühl‹ des »jungen Wilden« Claus Preisinger – ebenfalls eine Form von Luxus, auch wenn der sich viel bescheidener kleidet. Die besten Weinlagen Österreichs sind nämlich etwas vom Teuersten, das diese Regionen zu bieten haben. Hier seine Weingärten zu haben ist daher meist ein Erbprivileg.
Während die chromstählernen Propeller der ›Douglas DC-6B‹ mit ihrem so charakteristischen tiefen Gesang den Flug begleiten, wecken die Landschaften große Erwartungen an den Wein. Ist er so kühn wie Manfred Tements hochmodernes Weingut auf dem sonnenexponierten Hügel, dessen großzügige Fensterflächen so neugierig und weltoffen auf das nahe Slowenien gerichtet sind? Hat er den rebellischen Charakter des Claus Preininger, der in dieser von Harmonie geprägten Landschaft um den Neusiedler See gewiß auffallen muß?

Das kulinarische Theater
Im Abendlicht entfaltet der ›Hangar-7‹ erst seine wirkliche St(r)ahlkraft. Das Farbenfestspiel der Natur wird von der Haut aus Glas und Stahl reflektiert. Der Eingang vom Flugfeld in den Hangar mißt eine beeindruckende Breite von fast vierzig Metern. Über der Ausstellungshalle, in der allerlei Gefährte aus der ›Red Bull‹-Welt parken – vom Flugzeug bis zum ›Formel 1‹-Boliden – und von staunenden Touristen und Jüngern des Energydrinks begutachtet werden, schwebt die ›Threesixty‹-Bar am Zenith des Bullen-Himmels. Der Rest der gastronomischen Erlebniswelt, als die der ›Hangar-7‹ dient, konzentriert sich auf einen der beiden Glastürme, welche die Ausstellungshalle flankieren. Tief im Keller versteckt sich die Küche, das kulinarische Herz des ›Hangar-7‹. Im Erdgeschoß erwartet die Gäste eine ›Carpe Diem‹-Lounge, benannt nach den Wellness-Drinks, die Mateschitz ebenfalls zur Weltmarke aufbauen möchte. Darüber dann das Restaurant ›Ikarus‹ und eine Etage weiter oben noch die ›Mayday‹-Bar, in der man zu Cocktails oder Champagner auch Cigarren erstehen kann, gelagert in einem der noblen Humidore der Marke ›Laura Chavin‹. Die Ähnlichkeit der beiden Marken – ›Red Bull‹ und ›Laura Chavin‹ – ist frappierend: Beide beherrschen die Kunst der Inszenierung perfekt und wissen, wie man ein Produkt weit über seine Grenzen hinaushebt und mit Emotion und Image auflädt.

Daten und Fakten ›Hangar-7‹
Flugzeugmuseum: 09:00 - 22:00
Uhr Restaurant Ikarus: 12:00 - 14:00 Uhr und 19:00 - 22:00 Uhr
Carpe Diem Lounge - Café: 09:00 - 19:00 Uhr
Mayday Bar: 12:00 - 02:00 Uhr an Wochentagen und bis 03:00 Uhr an Wochenenden & Feiertagen
Smart Food in der Mayday Bar: tägl. 12:00 - 22:00 Uhr
Threesixty Bar: 19:00 - 02:00 Uhr an Wochentagen und bis 03:00 Uhr an Wochenenden & Feiertagen.
Kein Ruhetag!



Text: Martina Müllner

 
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