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Automobiles... aufgerollt
1
Koenigsegg CCX/CCXR
Vom Winde verweht

Vorurteile sind auch nicht mehr, was sie einmal waren, denn zumindest vom neuen Traumwagen der schwedischen Firma ›Koenigsegg‹ kann man beim besten Willen nicht behaupten, er wäre nüchtern, blond und kühl. Im Gegenteil: Kaum ein kontinentales Gefährt ist so brandheiß. Zwar diktiert die Neue Sachlichkeit die Form des Karbon-Mantels, aber schon in Lauerstellung ist dem nordischen Rennschlitten die Angespanntheit der Ruhe vor dem Sturm anzusehen.
Pünktlich zum ›Genfer Salon‹ haben die Schweden ihr Supercar überarbeitet. Um die US-Crashtest-Normen zu erfüllen, hat die Karosse um einige Zentimeter zugelegt. Spannender geht es aber unter dem Dach zu, die den hauseigenen 4,7-Liter-V8-Mittelmotor mit 806 PS verbirgt. Am Limit bringt das Aggregat es auf ein maximales Drehmoment von 920 Newtonmeter und auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 395 km/h.
Sollte jemand die offene Version bevorzugen, empfiehlt sich eine Kopf-Fixierung. Auch das Anlegen des seltsamen Halsschmucks aus Kupferringen, wie ihn die Frauen vom Stamm der Padaung aus Myanmar tragen, hätte durchaus seine Berechtigung, denn mit der maximalen Querbeschleunigung von 1,3 Gramm wird der Fahrer zum Jet-Piloten.
Falls der Interessierte wegen der Klimadebatte ein schlechtes Gewissen entwickelt haben sollte, raten wir zum ›CCXR‹. Der läßt sich mit E85-Biokraftstoff betanken. Da Ethanol zum einen die Brennräume kühlt und zum anderen eine Oktanzahl von über 100 RON mitbringt, gelingt sogar eine Leistungssteigerung.
Fein aufgeräumt präsentiert sich das Cockpit, dessen Instrumenten-Cluster patentiert wurde. Dabei sind alle wichtigen Daten in einem einzigen Instrument konzentrisch ablesbar. Endlich hat der Fahrer den Blick wieder frei für die Straße – bei der Höchstgeschwindigkeit ein unschätzbarer Vorteil. Um die Angst des Beifahrers zu lindern, installierten die Schweden einen iPod-Anschluß, über den beruhigender Sound verbreitet werden kann. Gut gefüllt sollte das Bankkonto des Käufers sein: Liegt der Grundpreis bei 458.000 Euro, so sagen für die Vollausstattung satte 510.000 Euro adieu.


2
Bentley Brookland
Sportclub

»No sports« lautete die klare Ansage des Genuß- und Machtmenschen Winston Churchill, den stets eine glimmende Cigarre durch sein aufregendes Leben begleitete. Vielleicht hätte er bei diesem Coupé seine Meinung geändert. Mit dem ›Brookland‹ vereint ›Bentley‹ das Beste aus zwei Welten: zeitlos klassische Eleganz und unbändige schiere Kraft. Ist manchem solventen Zeitgenossen der ›GT‹ aus demselben Haus eine Spur zu jung-dynamisch, so beherrscht dieser Gentleman mühelos den perfekten Dresscode für jedweden Auftritt. Von der langen Motorhaube über die steil angewinkelte Frontscheibe, entlang der niedrigen Dachlinie, schmeichelt die Optik dem Auge des unvoreingenommenen und neidlosen Betrachters. Ohne B-Säule schließt das unaufgeregte Heck die Linie ab. Traditionell gestaltete 20-Zöller tragen die imposante Erscheinung scheinbar mühelos. Alles besitzt Ebenmaß.
Wer vergessen haben sollte, daß ›Bentley‹ auch eine Sportwagentradition hat, wird beim Anlassen des Motors jäh daran erinnert: Grollend erwacht dann ein 6,75-Liter-Biturbo-Monster, das nur darauf wartet, seine 537 PS auf dem Asphalt zu markieren. 1050 Newtonmeter klingen wie eine Androhung, vermitteln jedoch genau die Gewißheit, die in der Gelassenheit ihren Ursprung hat.
Die Passagiere im Inneren spüren kaum etwas von dieser Wildheit. Eingebettet in mit bestem Leder bezogenen Einzelsitzen, umgeben von einigen Quadratmetern fein gemaserten Edelholzes und hochflorigen Teppichs, können sie sich ganz dem luxuriösen Ambiente hingeben oder die Außenwelt als einen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgespulten Film genießen. Über die höchstmögliche wird vornehm geschwiegen. Hat man das Fahrerlos gezogen, kann man sich je nach Temperament für die schaltfaule Automatik-Version oder die aktive Teilnahme an der Gangwahl entscheiden. Damit endet aber schon der Sport im Club. Um die Exklusivität zu wahren, werden nur 550 Mitglieder aufgenommen. Indiskrete Butler verrieten einen Einstandspreis von 330.000 Euro. Wer hört schon auf sie?


3
Wiesmann GT
Flinke Echse


Dülmen klingt nach Provinz. Ist es auch. Wer sie ignoriert, übersieht allerdings leicht ihre Schätze, denn längst geraten die automobilen Kenner beim Anblick der feinen Roadster mit dem Gecko-Logo in Verzückung. Seit kurzem hat die Sportwagenschmiede aus dem Münsterland die Serienversion des Coupé im Angebot. Geboten wird ein reinrassiges, klassisch elegant gestyltes Sportoutfit: lange, unendlich lange Haube, verchromter Rippenkühlergrill und runde Scheinwerfer vorne, ein wohlproportioniertes Heck fast ohne Karosserieüberhänge hinten. Liebevoll gearbeitete Details beim Interieur wecken Erinnerungen an die fünfziger und sechziger Jahre.
Breit und stark im Auftritt, verspricht das Coupé schon im Stand Fahrgenuß. Technisch nüchtern gibt sich der ›GT‹ unter der Haut. Sein Rückgrat bildet ein Rahmen aus Aluminium-Profilen, in dem wegen der optimalen Gewichtsverteilung weit hinter der Vorderachse ein Achtzylinder-Motor seinen Rhythmus schlägt. Reichlich knapp ist der Innenraum bemessen, was aber beim Druck auf den Anlasserknopf schlagartig vergessen ist. Dann singt der Motor sein Hohelied auf den Achtzylinder. Sonorig grummelnd im Leerlauf, hebt er mit zunehmender Drehzahl zum grollenden Donnerchor an. Die 367 PS haben keine Mühe mit dem gerade mal
1240 Kilogramm leichten Sportler. Aber Vorsicht und Konzentration sind angesagt, da die Reptilienzüchter bewußt auf die Traktionskontrolle zugunsten des Spaßfaktors verzichtet haben. Der könnte demnächst noch potenziert werden, planen die Dülmener doch den Einbau des 507 PS und 520 Newtonmeter starken 5-Liter-V10-Motors aus dem ›BMW M5‹ bzw. ›M6‹. Auch ein Aufladen des ›V8‹ ist denkbar. Was der Kunde und Liebhaber ganz sicher erhält, ist feinste Handarbeit für
mindestens 96.000 Euro.

4
Spyker C12 Zagato
Oranje Express
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Käse, Tomaten, auch »verbotene Früchte« produzieren unsere Flachland-Nachbarn. Aber Sportwagen? Dabei verbindet sich mit dem Namen ›Spyker‹ eine alte Automobil- und Rennsportgeschichte. 1889 konstruierten die aus Hilversum stammenden Brüder Jacobus und Hendrik-Jan Spijker eine vergoldete Kutsche anläßlich der Inthronisation von Königin Wilhelmina. Dem Zug der Zeit folgend, etablierten die Kutschenbauer eine Manufaktur, die zunächst modifizierte ›Benz‹-Modelle unter dem Namen ›Spyker Benz‹ vertrieb. 1905 verließ das erste eigene Modell, der ›Spyker 5 H.P.‹, die Werkhalle. Danach setzten sie mit dem weltweit ersten allradgetriebenen Rennauto und mit Bremsen für alle vier Räder Meilensteine des Automobilbaus. Vom Zusammenbruch der Luxuswagenproduktion infolge des Ersten Weltkriegs erholte sich die Firma nicht mehr und mußte 1926 versteigert werden.
Hundert Jahre nach der Gründung ließ der Multimillionär Victor R. Muller die Sportwagen-Manufaktur wieder auferstehen. In Genf enthüllte nun ›Spyker‹ einen »Flachmann«, der in Zusammenarbeit mit ›Zagato‹ entstand. Die Frontpartie wird optisch dominiert durch einen langen Steg, der in einer spitzen Nase im Kühlergrill verläuft. Entlüftungskamine und eine riesige Lufthutze prägen das futuristisch anmutende Heck.
Neben dem extravaganten Design beeindrucken die technischen Bauteile. Unter dem schwarzen Blech wartet ein W12-Motor mit 6 Litern Hubraum auf seine Befehle. 500 PS treiben die 1480 Kilogramm Eigengewicht in 3,8 Sekunden über die 100-km/h-Markierung des Tachometers. Erst ab 310 km/h geht dem Boliden die Luft aus. Bei einem Preis von 495.000 Euro wohl nicht nur ihm.

5
Aston Martin V8 Vantage Roadster
Stürmische Heimfahrt


Lange galt: Über dem British Empire geht die Sonne niemals unter. Das ist längst Geschichte. Doch jetzt ist sie wieder aufgegangen, denn ›Aston Martin‹, diese urbritische Sportwagen-Institution, ist endlich wieder unter dem Schutz der Krone. »Ford mit der Fremdherrschaft« könnte man kalauern, nachdem die Luxusmarke für 450 Millionen Pfund vom englischen Rennsport-Aktivisten David Richard aus der »Babylonischen Verbannung« zurück auf die Insel geführt wurde.
Der 4,38 Meter lange Roadster ist eine elegante und mit perfektem Body-Index ausgestattete Erscheinung. Nirgendwo findet sich Hüftspeck, obwohl das Alu-Chassis an einigen Stellen verstärkt wurde. Eine vollautomatische dreilagige Stoffkapuze mit beheizbarer Glasheckscheibe überspannt den mit anschmiegsamem Leder ausgekleideten Minisalon. Der Strip dauert leider nur 18 Sekunden, wird aber garantiert bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h vollführt. Unverändert übernimmt der offene Beau die Leistungsparameter seines geschlossenen Bruders: 4,3-Liter-V8 mit 380 PS und 410 Newtonmeter maximales Drehmoment. Mit 280 km/h Höchstgeschwindigkeit und einem Spurt von 0 auf 100 in 5 Sekunden liegt er auch gleichauf mit dem Coupé. Damit ist er bei den »British Open« selbstverständlich gesetzt.
Wahlweise kann der Hecktriebler seine Kraft über ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder über ein automatisches Schaltgetriebe übertragen. Sonnenspiele treiben die 18- bzw. 19-Zoll-Leichtmetallräder mit fetten 235er Pneus vorne und 275ern hinten. Das Thema Sicherheit wird neben den Standards ABS, abschaltbarem ESP und Bremsassistent durch eine spezifische Traktionskontrolle und ein Sperrdifferential bestens bedient. Selbstverständlich lassen sich in dem edlen Briten alle denkbaren elektronischen Gehilfen finden: vom Bordcomputer für diverse technische und Komfort-Funktionen bis zum HiFi-Soundsystem mit Sechsfach-CD-Wechsler. Noch stehen die Preise für den im zweiten Quartal angekündigten Marktstart nicht fest. Doch zwei Dinge sind sicher: ›Aston Martin‹ is coming home, und James Bond hat wieder die Wahl. God save the Queen.


6
Ferrari 575 GTZ Zagato
Nimm Zwei

In den fünfziger Jahren, als die Frauen noch sinnliche Rundungen haben durften, baute ›Ferrari‹ mit dem ›250 GT‹ einen seiner schönsten Sportwagen. Wer es noch exklusiver mochte, brachte – damals gab es noch keine Designer – seinen Traum in Rot zum Mailänder Karosseriebauer ›Zagato‹. Aus dem ›250 GT‹ wurde ein einzigartiger ›GTZ‹.
Fast ein halbes Jahrhundert später erinnert sich ein japanischer Autosammler dieser Geschichte und bittet Andrea Zagato, den Enkel des Firmengründers Ugo, seinen knapp 200.000 Euro teuren ›Ferrari 575 Maranello‹ in Anlehnung an den ›Zagato-Ferrari‹ umzubauen. Der nimmt die Herausforderung an und erschafft ein aufregendes Einzelstück, in dem sich die sportliche Eleganz der Fünfziger mit der Technik der Neuzeit wunderbar vereint. Besonders auffällig ist das »Double Bubble«-Dach, welches schon der Vorläufer ›250 GTZ‹ getragen hat. Bei ›Zagato‹ verzichtete man bewußt auf Änderungen an Motor und Chassis, so daß ›Ferrari‹ dem schönen Pferd seinen Segen gab und zusagte, sich am Bau von bis zu fünf Ausnahmemodellen zu beteiligen.
Stolze 512 PS aus einem fauchenden Zwölfzylinder garantieren nicht nur Aufmerksamkeit auf den Großstadtpromenaden, sondern auch phantastische Rundenzeiten auf der Rennpiste. Den Preis hält die norditalienische Karosserieschmiede mit dem Gründungsdatum 1919 streng geheim. Herr Yoshiyuki Hayashi wird seinen ›Zagato‹ nur in die Garage stellen – als Wertanlage. Welch ein Jammer.

6
Mercedes Recy
Morgenstern

Wie und was werden wir in der Zukunft angesichts zunehmender Urbanisierung, ständiger Energiekrise und fortschreitender Umweltzerstörung fahren? Zum dritten Mal in Folge gaben die innovativsten Köpfe des ›Mercedes Advanced Design Studio‹ in Los Angeles darauf ihre Antworten. Die positive vorweg: Niemand soll auf seinen geliebten fahrbaren Untersatz verzichten müssen. Nur werden
die Mobile der Zukunft ganz anders aussehen als heute.
Mercedes nennt seine Vision ›Recy‹.
Der Öko-Roadster für von der Sonne verwöhnte Regionen – und
das könnten dank der Erderwärmung fortgesetzt mehr werden – lehnt sich in der Form an den ›SL‹ an. Seine luftige Karosserie scheint aus Holz gefertigt, immerhin einem nachwachsenden Rohstoff. Anstelle eines Verdecks hat der Zweisitzer Höcker hinter den beiden Sitzen, und die hier trennende Chromstange ist ebenfalls ungewöhnlicher Natur. Ein Dach ist nicht vorgesehen, während die Windschutzscheibe eher einem verstellbaren Föhn ähnelt. Markant streckt der ›Recy‹ seine spitze Nase mit den freischwebenden Scheinwerfern in den Wind. Simple Schutzbleche sichern die freistehenden Räder.
Am Ende seines automobilen Daseins kann der Hingucker aus Holz, Naturkristallglas und Kautschuk einfach auf dem Kompost entsorgt werden. Nur den 150 PS starken Diesel (!) muß man vorher ausbauen.

7
Artega GT
Artgerecht

Die Rangordnung im deutschen Sportwagenstall scheint klar und festgefügt. Da wird natürlich jeder Neue intensiv beschnuppert und muß beweisen, daß er dazugehört. Oft sind es gerade die sogenannten Kleinen, die sich nicht fortbeißen lassen. Dieser Neuzugang hört auf den klangvollen Namen ›Artega‹, und stellt sich nach dem Motto »klein, aber fein« der Konkurrenz. Gerade einmal 118 Zentimeter ist er hoch, und weil er darüber hinaus nur 395 Zentimeter in der Länge mißt, scheint das Fohlen chancenlos gegenüber den ausgewachsenen Muskeltieren. Doch bekanntlich zählen auch die inneren Werte, und die werden zweifellos von Renngenen bestimmt. Der ultraleichte Zweisitzer bringt dank Alu-Rahmen und Kohlefaser-Karosserie nur 1100 Kilo auf die Waage. Befeuert von einem 300 PS starken 3,6-Liter-Sechszylinder, legt er einen strammen Galopp auf die Bahn. Bei 2400 Umdrehungen stampfen die Hufe maximal 350 Newtonmeter in den Boden, während ein DSG-Getriebe effektiv die Gangart steuert.
Seinen Stammbaum kann der Kleine durchaus selbstbewußt vorzeigen: Henrik Fisker, der frühere Design-Direktor von ›Aston Martin‹, sowie der ehemalige ›Porsche‹-Konstrukteur Hardy Essig finden sich dort wieder. Mit einer geplanten Jahresproduktion von fünfhundert Exemplaren dokumentieren die Macher aus Delbrück bei Paderborn ihren ernsthaften Anspruch, eine Dauerbox zu beziehen. Für einen einmaligen Auftritt auf der Rennbahn wären 75.000 Euro doch zu schade …

 
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