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Citroën C6 Haute Couture


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Franzosen sind bekanntlich Genießer. Und Genießen ist eine Kunst. Kann man sie erlernen? Man kann. Sie bedarf keiner vergleichenden Argumente, keiner Statussymbole. Sie verlangt nichts als die Bereitschaft, den eigenen Eindrücken zu vertrauen. Um so mehr, wenn unser Bewußtsein vom vermeintlichen Image bestimmter Produkte geprägt oder, besser, manipuliert wurde. Wem das Marken-Emblem von Autos weniger wichtig ist als das Selbstsein, der sollte einen Blick auf den ›Citroën C6‹ werfen. Seit 2006 bietet der Erfinder der legendären »Ente« (›2CV‹) mit dem ›C6‹ feinen französischen Luxus jenseits aggressiver Krafthuberei. Fernab des automobilen Mainstreams von höher, schneller, weiter wagt die traditionsreiche Firma den kompletten Bruch. Statt an den Vorgänger ›XM‹ anzuknüpfen, überrascht sie mit radikalem Design und innovativer Technik und kehrt damit in die Oberklasse zurück.
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Zurück, denn mit einem Luxusgefährt gleichen Namens reüssierte das Familienunternehmen bereits 1928 auf dem ›Pariser Autosalon‹. Das Sechszylindermodell ›AC6‹ (›C6‹) war die französische Antwort auf die damalige amerikanische Konkurrenz. Es glänzte durch feine Verarbeitung und neuartige Technik. Aus 2,44 Litern Hubraum schöpfte es eine Leistung von 45 PS. Mit dem ›C6E‹‹ entwickelte ›Citroën‹ dann eine ganze Baureihe, inklusive zwei- und viersitziger Cabriolets. Bis 1932 folgten die Modelle ›F‹ und ›G‹, deren Clou ein »schwimmend« gelagerter Motor war. Während bisherige Motoren starr mit dem Chassis verbunden waren und die Vibrationen kaum gefiltert an die Pioniere der Landstraße weitergaben, wurde nun der Antrieb in Gummiblöcken so gelagert, daß dessen Schwingachse durch seinen Schwerpunkt verläuft. Obwohl zwei französische Spezialisten, Lemaire und Daubaréde, dieses Prinzip entdeckten, ließ es sich ›Chrysler‹ als »Floating Power«-System patentieren. Den Passagieren wird das egal gewesen sein, spürten sie doch den Komfortgewinn deutlich.
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Immer wieder drängte der Firmengründer André Citroën auf kreative Lösungen. Der Absolvent der ›Ecole polytechnique‹, im Bild oben zu sehen mit der sogenannten »Fregatte«, einem zur Uniform der Universität gehörenden Zweispitz, führte 1919 die Serienfertigung ein und gilt als Vorreiter in Sachen Werbung und Marketing. Angefangen hatte die Geschichte von Citroën jedoch schon 1901 mit einer kleinen Fabrik am Pariser Quai de Grenelle, die aus der Masse gearbeitete Winkelzahnräder herstellte. Aus der Winkelverzahnung ebendieser Antriebsräder wurde das Firmenemblem abgeleitet.
Einundfünfzig Jahre nach dem umwerfenden Design der »göttlichen« ›DS‹ weckt der neue ›C6‹ mit seinen mutigen Formen sofort Interesse. Die auffällige Karosserie strahlt Eleganz aus, und eigenwillig schöne, wie Bumerangs gebogene Heckleuchten grüßen freundlich. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die kunstvoll konkav gewölbte hintere Scheibe. Grazil fließen die D-Säulen nach hinten. In der Linie fast ein Coupé, endet der ›C6‹ konsequent ohne eine konservative Heckklappe. Um die Limousine zu stabilisieren, wurde ein Spoiler integriert, der sich ab Tempo 65 aufrichtet und unter 115 km/h wieder zu sinken beginnt, bis er bei 25 km/h gänzlich in die Ausgangsposition zurückfällt.
Zahlreiche Extravaganzen belegen den Anspruch der Franzosen auf das Attribut »Luxusklasse«. So ist der Beifahrersitz für mehr Beinfreiheit vom Fond aus elektrisch verstellbar. Ebenso lassen sich die Rücksitzlehnen in eine Komfortstellung bewegen. Ohne Einschränkung bieten die beigen ›Vitelli‹-Club-Sessel generöse Bewegungsfreiheit. Dank des seit über fünfzig Jahren ständig weiterentwickelten Hydropneumatik­systems schwebt der ›C6‹ nerven- und wirbelsäulenschonend mit überragendem Abrollkomfort über die Straße. Als einziger seiner Klasse bietet er einen Knie-Airbag vorn an.
Bekennende Individualisten werden das stimmig gestaltete Interieur zu schätzen wissen. Raffiniert: Drückt man zweimal die »Dark«-Taste in der Mittelkonsole, werden bei Dunkelheit nur noch das Tempo und die eingelegte Fahrstufe angezeigt. Im Falle einer Warnung gehen alle Lampen wieder an. Und sollte die Fahrbahnmarkierung überfahren werden, rüttelt ein sogenannter AFIL-Spurassistent den eventuell eingenickten Fahrer wach. Ein Head-up-Display, bei dem die Cockpitanzeigen in die Windschutzscheibe eingespiegelt werden, beläßt den Blick des Chauffeurs auf der Straße. Dort gewinnen Autos mit Seele selten den Geschwindigkeitswettbewerb, doch der V6-Biturbo bietet völlig ausreichende 204 PS, um eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h zu erlangen. Wer spricht da von »Sänfte«?
Der enorm leise, drehmomentstarke Diesel harmoniert blendend mit der butterweich schaltenden Automatik. Alternativ entwickelt ein Dreiliter-Benziner 211 Pferdestärken bei 6000 Umdrehungen.
Wer das Besondere sucht und Wert auf eine perfekte Reiselimousine legt, kommt an ›Citroën‹ nicht mehr vorbei. Frankophile belegen bereits einen Kurs in der Kunst des Genießens. Die Executive-Ausstattung des ›C6‹ ist für 51.200 Euro zu haben.


Text: Björn Breitter


 
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