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Mit Sand gebaut
Sand … Gelbe Dünen, so weit das Auge
reicht … Eine Sandburg am Strand … Ein Wesen von außerirdischer Gestalt, das voller Inbrunst die Granitfassade eines Gebäudes mit Sandstrahlen aus einer speziellen
»Waffe« reinigt … Ah, wir kommen der Sache näher … Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden Sandstrahlen, die aus einer speziellen Maschine unter Hochdruck abgefeuert werden, zum Gravieren und Schneiden, zum Reinigen von Glas, Metall und Stein verwendet. In der Umgangssprache heißt solch eine Maschine einfach »Sandstrahler«.
Alfred Dunhill höchstselbst, so die Überlieferung, soll der erste gewesen sein, der auf die Idee gekommen ist, Pfeifenköpfe mit Hochdrucksandstrahlen zu bearbeiten. In alten Katalogen von ›Dunhill‹, in denen seine Pfeifen offeriert werden, findet sich die Serie ›Shell Briar‹, schwarze Pfeifen mit rauher, bläschenartiger Oberfläche, die ersten sandgestrahlten Pfeifen von ›Dunhill‹. Perfekt war das Verfahren zunächst noch nicht: Der mächtige Sandstrahl, der die Bruyère-Faser prägen sollte, hatte zum Teil die Kopfform verändert, und so wagte es die Fabrikleitung noch nicht einmal, diese Pfeifenserie, wie sonst üblich, mit einem Nummerncode zu versehen. Die Pfeifen der Serie ›Shell Briar‹ erhielten jedenfalls keinen Code, sondern kamen lediglich als ›Exemplar I‹, ›Exemplar II‹ und so weiter auf den Markt.

›Dunhill Shell Briar‹

›Dunhill Shell Briar Xmas‹

›Kharlamov Bent‹


Ursprünglich ist, so wird angenommen, das Sandstrahlen deshalb erfunden worden, um Defekte (geringe Farbabweichungen, kleine Sandkörnchen, winzige Vertiefungen) an der Oberfläche zu kaschieren. Betrachten wir jedoch das Angebot der Pfeifenhersteller im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, so ist festzustellen: Fast die gesamte Produktion war dunkel gebeizt, wobei Vertiefungen sowie Sandpits (Sandkörnchen, die im Bruyère eingewachsen sind) unter der Schicht dunkler Holzbeize (kirschfarben oder braun) nicht zu sehen waren; außerdem achtete man damals beim Pfeifenkopf wenig auf die Maserung des Bruyère – die meisten Pfeifen waren ›mixed-grain‹ oder ›cross-grain‹ (die Maserung der Bruyère-Fasern verläuft quer über den Pfeifenkopf). Jedenfalls war es so gut wie ausgeschlossen, kleine Fehler der Baumheide zu finden, ohne die Beize zu entfernen. Als sich mit der Zeit die Geschmäcker der Pfeifenraucher änderten und immer mehr Pfeifen mit heller Holzbeize auf den Markt kamen, wurde es zunehmend schwieriger, jene kleinen Defekte im Bruyère zu kaschieren. Das wiederum führte zu einer Erhöhung der Produktion an sandgestrahlten Pfeifen.
Böse Zungen behaupten, für sandgestrahlte Pfeifen eigne sich durchaus auch zweitklassiges Bruyère-Holz. Das entspricht nicht den Tatsachen, denn jeder Bruyère-Block gelangt aus dem allgemeinen »Korb« (bzw. der normalen Lieferung) zur Bearbeitung in die Pfeifenmanufaktur. Nachdem die einzelnen Pfeifenköpfe aus den Blöcken herausgearbeitet worden sind, sortiert ein erfahrener Manufakturmeister die Rohlinge: Köpfe mit stark ausgeprägter, schöner Maserung (›flame-grain‹ oder ›straight-grain‹) kommen zu den »glatten« Serien, also zur hellen Beizung, andere werden mit dunkler Holzbeize weiterverarbeitet (›cross-grain‹), während Rohlinge mit leichten Defekten an der Holzoberfläche den Weg in die Sandstrahlkammer antreten. Somit werden sowohl die glatten als auch die sandgestrahlten Pfeifen aus dem Bruyère derselben Qualität gefertigt – das Kriterium für die unterschiedliche Verarbeitung ist lediglich die Oberflächenbeschaffenheit des jeweiligen Rohlings.
Allgemein bekannt ist die Verwendung von Quarzsand als »Schlagkraft« in einem Sandstrahlaggregat. Aber es gibt auch andere Materialien, die bei der Pfeifenkopfbearbeitung zum Zuge kommen, so etwa Glasgranulat und Nußschalen (!), denn feste Regeln gibt es hier nicht: Was für den einen Meister gut ist, muß dem anderen nicht gefallen – schließlich ist das Sandstrahlen echte Kunst. Eines ist jedoch allen Meistern gemein: Das gewünschte Resultat erhalten sie nur durch die fehlerfreie Bearbeitung der Pfeifenkopfoberfläche.
Es ist relativ einfach, im Bruyère-Rohling eine Maserung zu erkennen, aber es gelingt bei weitem nicht allen, diese Maserung – bei Beibehaltung der Form und der Proportionen des Pfeifenkopfs – in ein ausdrucksstarkes Oberflächenrelief zu verwandeln. Selbst viele berühmte Pfeifenmacher, Schöpfer wahrer Kunstwerke, scheuen sich, hier ein Risiko einzugehen, und geben ihre Pfeifen zum Sandstrahlen in eine Fabrik, beispielsweise zu ›Stanwell‹, weil sie diesen Prozeß lieber erfahrenen Spezialisten anvertrauen. Aber es gibt auch Künstler, die in der Ausführung dieser Technik wahre Gipfel erklommen haben. Einer davon ist der Amerikaner Larry Roush. Lange und beharrlich hat er experimentiert, hat von Pfeife zu Pfeife seine Sandstrahltechnik perfektioniert. In der Pfeifenwelt zählen heute einige seiner sandgestrahlten Exemplare zu den besten ihrer Art.
Einen Baumheiderohling Sandstrahlen auszusetzen ist kein Kunststück. Aber unsereins hätte danach nur ein unförmiges Stück Holz vor sich liegen. Die Sandstrahltechnik hat bereits seit langem ihre ursprüngliche Funktion überholt, nämlich Defekte an der Pfeifenoberfläche zu kaschieren. Heute ist sie in den Händen eines geschickten Meisters ein Instrument, mit dessen Hilfe er wahre Kunstwerke kreiert.
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