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»KLARES WASSER«
Vom »Prekariatströster« zum In-Getränk der Reichen und Schönen. So ließe sich die »gesellschaftliche« Entwicklung des Wodkas in den letzten zehn Jahren umschreiben – die Karriere einer Spirituose, über die zumindest souffliert wird, sie sei die reinste und edelste, die in der Welt der Destillate zu finden sei.
Wodka ist bei weitem nicht die einzige hochprozentige Spezialität, die klar und durchsichtig ins Glas kommt. Aber gerade diesem »Wässerchen« haftet eine geheimnisvolle Melancholie an: Gedanken kommen auf an rührende Szenen, die sich an den Ufern der Wolga abspielen, an tränenreiche Exzesse bei derben Gelagen in tiefer, dunkler nordischer Nacht – »Erinnerungen«, die unsere mangels eigener Erfahrungswerte verklärte und romantische Phantasie beflügeln … ob nun mit, ob nun ohne vorherigen Schnapsgenuß.
Destillat der Begierde
Wie ehedem zeugen die Verbrauchszahlen der nord- und osteuropäischen Wodka-Konsumenten von konstanter Nachfrage. Was sich dagegen in den letzten Jahren deutlich nach oben korrigiert hat, sind Qualität und Markenvielfalt. Und was in Rußland, Polen und Skandinavien gut und mit zunehmendem Maße auch teuer wurde, konnte für den Rest der Welt nicht schlecht sein; so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich findige Brennereien auf (fast) allen Kontinenten eigene Wodkas einfallen ließen. Solches Geschehen erfordert keinen großen Aufwand, denn weder regionale Traditionen noch zwingende Rohstoffvorschriften reglementieren die Wodka-Produktion, und auch die Wahl der einzelnen Schritte bei Destillation und Finish unterliegt keinerlei Geboten; hier hat der Produzent freie Hand. So wird Wodka heute noch äußerst selten aus Kartoffeln hergestellt, sondern vielmehr aus Getreide: Roggen und der (günstige) Winterweizen, aber auch der (teure) Sommerweizen sowie Mais liefern die stärkehaltige Maische, aus der das Destillat der Begierde gewonnen wird.
Bezogen auf die Produktionsmenge, sind die klassischen Wodka-Länder im Norden und Nordosten Europas weiterhin führend, und so vertreiben sie immer noch den Löwenanteil jener Wodkas, die auf den internationalen Markt gelangen. Allerdings sind die Produkte exotischer Herkunftsländer wie Frankreich, die Schweiz und die Vereinigten Staaten in In-Bars auf der ganzen Welt keine Seltenheit mehr. Mittlerweile ist auch der erste neuseeländische Wodka ausgemacht worden …
Was heutzutage dem einen als ungeregeltes Herkunfts- und Qualitätschaos erscheinen mag, gibt dem anderen die Möglichkeit, auf eine schier unüberschaubare Wodka-Palette zurückgreifen zu können und dieses hochprozentige Getränk sowohl als Haupt- wie auch als Nebeningredienz für Cocktails zu verwenden oder einfach pur zu genießen.
Neue Generationen
In früherer Zeit kam aus den klassischen Wodka-Ländern, etwa Polen und Rußland, eine Spirituose, die nach eher wenigen Destillationsschritten mit deutlichem Eigengeschmack und individueller Aromatik aufwartete. Im zu Ende gehenden 20. Jahrhundert begann man hauptsächlich in Skandinavien damit, Wodkas zu produzieren, die so rein und klar wie möglich sein sollten; ein erkennbarer Eigengeschmack ebenso wie wahrnehmbare Aromen waren hierbei nicht entscheidend. Da diesen Spirituosen der ausgeprägte Charakter fehlte, hatten sie vor allem als Basis für Mixgetränke eine durchaus nachvollziehbare Daseinsberechtigung.
In den letzten Jahren haben sich jedoch die Tugenden »vertauscht«: Während man in der ehemals westlichen, der »neuen« Wodka-Landschaft verstärkt auf individuelle und facettenreiche Produkte trifft, vollziehen die Hersteller gerade aus Rußland eine Kehrtwendung hin zum zigfach destillierten und so rein wie möglich filtrierten Wodka, der über »die reine Seele« hinaus absolute Brillanz und aromatische Stringenz in sich tragen soll. Es findet also bei dieser klassischen Spirituose eine spannende sensorische Dynamik statt.
Der traditionelle klare Wodka darf in keiner Bar fehlen, aber als korrespondierendes Getränk zur Cigarre ist er, zugegebenermaßen, eher ein Novum. Dennoch lud Ewald J. Stromer, in Personalunion Leiter der ›Raffael’s Bar‹ im ›Kempinski Hotel Falkenstein‹ und der ›Tizian’s Bar‹ in der ›Villa Rothschild‹, das Cigar Clan-Degustationsteam zur harten Arbeit an der Wodka-Front ein.
Kleinod mit internationalem Flair
Eine bewegte Geschichte hat sie hinter sich, die ›Villa Rothschild‹, ebenso wie das ›Kempinski Hotel Falkenstein‹ in Königstein/Taunus gelegen, und sie hat viele bedeutende Zeitgenossen kommen und gehen sehen. Da ist zunächst einmal der erste Hausherr zu nennen, der Bankier Wilhelm Carl von Rothschild, der seine Sommerresidenz 1894, nach sechsjähriger Bauzeit, zusammen mit seiner Gattin Hanna Mathilde bezog.
Jahrzehnte später, 1949, kamen auf dem Anwesen – die ›Villa Rothschild‹ ist eingebettet in einen 10 Hektar großen Park – die Ministerpräsidenten der deutschen Länder zusammen, um der Idee des neu zu schaffenden Staates ›Bundesrepublik Deutschland‹ Kontur zu geben. Im ›Haus der Länder‹, so die damalige offizielle Bezeichnung, trafen sich Politiker der ersten Stunde, unter ihnen Ludwig Erhard, Theodor Heuss und Ernst Reuter, mit zahlreichen Diplomaten aus der ganzen westlichen Welt. Schließlich wurden hier die entscheidenden Verträge zur Gründung des neuen Staates unterzeichnet, weshalb die ›Villa Rothschild‹ auch als »Wiege der Bundesrepublik« bezeichnet wird.
Seit 1. März 2007 treffen sich in dem prächtigen Gebäude aus den späten Gründerjahren wiederum Besucher aus aller Welt. Sie sind nun Gäste des neu eröffneten Boutiquehotels ›Villa Rothschild‹. Vorausgegangen waren sechzehn Monate umfangreicher Sanierungsarbeiten, bei denen die strengen Auflagen des Denkmalschutzes bis ins letzte Detail zu beachten waren. Es hat sich gelohnt: Mit sechzehn stilvoll eingerichteten Zimmern, dem Feinschmecker-Restaurant ›Villa Rothschild‹ unter Leitung des Franzosen Arnaud Juillot und nicht zuletzt dem ›Tizian’s‹ erwartet den Besucher eine luxuriöse Gastlichkeit, die hohem internationalen Standard gerecht wird.
Neben den edlen Hölzern und den raumhohen Fenstern, die den Blick auf die Frankfurter Skyline freigeben, ist es vor allem der perfekte Service unter Leitung von Ewald J. Stromer, vom Gault Millau zum ›Barkeeper des Jahres 2006‹ gekürt, der das ›Tizian’s‹ zum Erlebnis werden läßt. Eine besondere Erwähnung wert sind nicht nur die über fünfzig Rum-Sorten, die hier angeboten werden, sondern auch die mehr als dreißig Wodka-Sorten …
Als die ›Villa Rothschild‹ 1894 mit einer prunkvollen Eröffnung ihre höheren Weihen erhielt, gehörten zahlreiche gekrönte Häupter zu den Gästen, unter ihnen auch der Prinz von Wales, der spätere Edward VII. von England, einer der bekanntesten Cigarrenraucher seiner Zeit. Aber das ist eine andere Geschichte …
Die Wodkas
Vodka Grey Goose, Frankreich

Vorreiter der neuen Wodka-Generation, der die Reichen und Schönen in Hollywood überzeugte. Leicht florale Nase mit unauffälliger, frühlingshafter Brise von frischem Gras. Am Gaumen ein Eindruck von Minze mit zarter Süße. Rosenblüten, Veilchen. Fragil, aber nicht unauffällig. Inzwischen ein Klassiker unter den hochwertigen Wodkas, der in kaum einer Bar fehlt.
Vodka Kauffman, Russland

Ein Beispiel für Luxus-Wodka par excellence. Wunderbares Design und großartige Ausstattung. Riecht nach frischem Lakritz, Gewürzen und Kamille. Im Mund mehr Substanz als erwartet. Warme Honigtöne, satt und ölig. Jahrgangs- und Lagen-Wodka von sonnigen Weizenfeldern …
Vodka
Level, Schweden

Die Luxuslinie des bekannten ›Absolut Vodkas‹ bietet im Auftritt vor allem Ausgewogenheit. Mit zurückhaltendem Geruch. Von feinster Süße geprägt, findet er sich eher auf der milden Seite. Geschmack anfangs unrund, später besser definiert: Birne, leichtes Karamel und wenig Schärfe. Im Abgang feine Zitrusnoten mit ätherischer Frische. Ein Wodka, der Zeit braucht, um zu gefallen, dann aber sehr überzeugt.
Vodka Tito’s, Vereinigte Staaten

Im Rahmen der Cigar Clan-Degustation fand die Europa-Premiere dieses Wodkas statt: ›Tito’s‹, der Freak in der Reihe der Exoten … Der sechsmal destillierte Mais-Wodka könnte in der Hausbar eines waschechten Texaners zu finden sein. In der Nase auffällig grasig mit ein wenig Vanillesüße. Leichte Bitterkeit am Gaumen mit fast moussierender Nervosität, die im recht langen Abgang verblaßt und Platz gibt für Süße und Volumen. Pur oder mit leichten Mixpartnern.
Vodka Xellent, Schweiz

Edelstes Design mit Hang zum Pop. Die Nase ist auffällig himbeerfruchtig. Später ein ganzer Obstkorb. Keine Bittertöne, eher eine Reminiszenz an feinsten Grappa. Am Gaumen dann Nüsse und süße Roggennoten, die gleichmäßig warm abstrahlen … und wieder diese raffinierten Obsttöne. Als klarer Digestif einfach Sonderklasse, als Wodka pur sehr gefällig, ohne Ecken und Kanten..
Wodka Potocki, Polen

Ausgesprochen »Po-toh-tski«. Name eines alten polnischen Adelsgeschlechts, das erstmals 1816 und nun wieder seit 2002 einen traditionellen Wodka herstellt, der ausschließlich aus Roggen zweifach gebrannt wird. Leichte Nußaromen bei aromatischer Festigkeit mit feiner Frucht. Deutliche Schärfe im Geschmack. Minzige Bitterkeit und ein öliger, langer, schwerer Nachhall. Ein ehrlicher Wodka für Puristen, die es voll und schwer mögen.
Avo Classic № 9
Dominikanische Republik

Format: Robusto
Länge: 121 mm
Ringmaß: 48 (19,1 mm)
Deckblatt: Connecticut Shade
Umblatt: Dominikanische Republik
Einlage: Dominikanische Republik
Stärke: 2,5
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 6,70
CH: sfr 9,20
Endlich auch in Europa erhältlich. Der erste Eindruck ist vom goldschimmernden Colorado-Deckblatt mit wenig Struktur bestimmt. Einwandfrei beste Qualität. Genausogut ist die Cigarre verarbeitet und liegt verführerisch in der Hand.
Auch olfaktorisch überzeugt die Cigarre mit milder Schokonote und leichtem Duft nach Leder. Angezündet verströmt die ›Avo № 9‹ weichen, nicht beißenden Rauch. Der Geschmack ist frisch, leicht floral, allerdings früh durch Säure geprägt. Wie erwartet, brennt die Cigarre hervorragend ab, einhergehend mit einem perfekten Zug und fester, aber poröser dunkler Asche, die leider früh fällt.
Der gesamte Rauchverlauf ist durchgängig angenehm. Die weiterhin präsente Säure vermittelt den Eindruck einer noch etwas zu jungen ›Avo‹. Trotzdem kann der bedachte Genießer diese feine Cigarre bis weit hinter den Cigarrenring rauchen.
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Vodka Grey Goose, Frankreich
Schwer zu definieren. Die beiden stehen einander im Weg. Obwohl keine Mißtöne entstehen, ist die Kombination anfangs unruhig und holprig, allerdings bis zum Schluß weich und voll.
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Vodka Kauffman, Russland
Weich und weg. Durch die Nachhaltigkeit der sanften Süße entsteht eine schöne Harmonie zur Cigarre, doch leider zu unauffällig.
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Vodka Level, Schweden
Wilde Würze. Fast ginähnlich präsentiert sich die Paarung der Aromen dieses Wodkas mit der ätherischen Note und der grasigen Cigarre. Beste Kombination.
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Vodka Tito’s, Vereinigte Staaten
Time to play. Der Wodka läßt der Cigarre viel Raum zur Entfaltung und hebt sie in ihrer Aromatik. Nicht ganz durchgängig, aber vor allem im letzten Drittel sehr
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Vodka Xellent, Schweiz
Sanfter Start. Die süßlichen Aromen und die Fruchtigkeit unterstreichen die Frische der Cigarre. Vor allem bis zur Hälfte der Cigarre äußerst harmonisch.
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Wodka Potocki, Polen
Scharfe Dominanz. Der volle Roggengeschmack verstärkt die Säure der Cigarre. Der Nachhall entschädigt zwar, aber das Pärchen ist definitiv nicht die erste Wahl.
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Carlos Toraño SignatureRobusto
Nicaragua

Format: Robusto
Länge: 127 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Brasilien (Sun Grown Maduro)
Umblatt: Connecticut Broadleaf
Einlage: Dominikanische Republik (Piloto Cubano Ligero), Nicaragua (Cuba Seed)
Stärke: 2
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 6,60
CH: sfr 10,–
Tiefes Maduro prägt das Deckblatt dieser sehr gleichmäßig gerollten Cigarre. Ölig und eher grob gezeichnet, ein Ausbund an Eindruck. Ebenso der Geruch und die Präsenz der feuchten, ledrig-erdigen Aromen, die von floralem Charme umspielt werden.
Nach dem Anzünden produziert die ›Carlos Toraño‹ viel Rauch: Der Raum wird eingehüllt in weiche, süßliche Tabakpräsenz. Am Gaumen Nüsse, Mandeln und Kraft, doch unter Ermangelung eines frischen Moments halten diese Eindrücke leider nicht lange an. Der gute Zug dosiert den Rauch vernünftig, weshalb die Cigarre fast gleichmäßig abbrennt – der Genießer muß nicht zu bedacht rauchen. Die anfangs stabile Form des Aschekegels bricht auf, und die sehr schöne hellgraue, mit schwarzen Reliefs versehene Asche bröselt in Stücke.
Diese ›Robusto‹ riecht deutlich kräftiger, als sie schmeckt, was sich positiv auf die Harmonie mit begleitenden Getränken auswirkt. Solitär genossen, könnte der Cigarre eventuell das »Je ne sais quois« fehlen.
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Vodka Grey Goose, Frankreich
Spicy-Lemon-Slicy. Frische Zitrusnoten schäumen auf wie eine kühle Vollmondbrandung. Dazu leichte Anklänge von Anisette. Einfach hinreißend.
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Vodka Kauffman, Russland
Explosive Mischung … Chiliartige scharfe Spitzen treffen auf die deftige Aromatik, die sich hier auch am Gaumen ihrer Kraft erinnert. Wenig Eleganz, dafür um so mehr ungezügelte Wirkung.
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Vodka Level, Schweden
Löschwasser. Erst im letzten Drittel wirkt der Riesling erfrischend. Zuvor doppeln sich auch hier Bittertöne. Außerdem fehlt erneut die Süße. Schade.
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Vodka Tito’s, Vereinigte Staaten
Die fast perfekte Welle. Harmoniert sehr ordentlich und tauscht sich wellenartig aus. Zwischendurch wacklig.
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Vodka Xellent, Schweiz
Alles nix… oder genau diese Milde und das fehlende »Etwas« zerstören hier die feine, filigrane Fruchtnote.
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Wodka Potocki, Polen
Eine Nuance daneben. Nicht wirklich ein Ärgernis, aber die beiden wollen nicht miteinander gehen, jedenfalls nicht fest.
Ab und zu gebrannte Mandeln vom Jahrmarkt …
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Flor de Selva Robusto
Honduras

Format: Robusto
Länge: 121 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Ecuador (Connecticut Seed)
Umblatt: Nicaragua
Einlage: Honduras (Cuba Seed)
Stärke: 1,5
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 6,20
CH: sfr 9,60
Auf der Suche nach milden Cigarren, die zu Getränken mit feiner sensorischer Stilistik passen, kommt man an der ›Flor de Selva‹ nur schwer vorbei. Wie heller, nicht ganz trockener Lehm schimmert leicht ölig das Deckblatt in Colorado Claro. Leichtes Nachgeben bei der ersten Berührung. Perfekte Rollung. Wie ein Souvenir hinterläßt der erste Kontakt terrakottaartige Staubigkeit auf den Fingerkuppen.
Im kalten Zustand geht ein verhaltener, feiner Tabakgeruch von der Cigarre aus, nicht fordernd, eher beruhigend. Brennend taucht nur begrenzt Komplexität auf – hier beeindruckt die klare Kontur der linearen und schlanken Stringenz. Die verhaltene Rauchentwicklung bei gutem Zug paßt wunderbar ins Bild, ebenso die durchgängig graue Asche.
Zu Beginn der Reise führt uns die Cigarre in gleichmäßig-reservierte, wenig fordernde Gefilde. Indes erreicht die ›Flor de Selva‹ erfreulich schnell Temperatur. Der relativ kurze Rauchverlauf birgt in der Tat eine Steigerung, und zwar eine faszinierend lineare. Helle Gebäcktöne spielen mit zurückhaltender Süße und (allerdings sehr spät) feiner Schärfe. Man kann diese Cigarre zu Tageszeiten rauchen, zu denen man noch nicht an Wodka denken sollte …
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