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Wenn einer eine Reise tut …
… dann kann er viel erzählen. Wenn jemand jedoch ständig an einem anderen Ort dieser Welt anzutreffen ist, dann werden ihm die interessanten Geschichten mit Sicherheit niemals ausgehen.
Am letzten Wochenende im August dieses Jahres war er beispielsweise in Istanbul; dort fand »sein« zweihundertfünfzigster ›Formel 1 Grand Prix‹ statt. Er kennt nicht nur alle großen Rennstrecken auf den fünf Kontinenten, sondern auch viele Veranstaltungshallen, die in Europa und in den Vereinigten Staaten vor allem dann zahlreiche Sportfans anziehen, wenn in der Hallenmitte ein
Boxring hell erleuchtet ist.
Kai Ebel ist TV-Sportjournalist, nein, TV-Sportreporter. Das ist ein großer Unterschied. Während ein Sportjournalist ein Fußballspiel kommentiert und analysiert oder einen Boxkampf oder auch ein ›Formel 1‹-Rennen oder aber eine Sportsendung moderiert, ist der Sportreporter ganz nahe dran am Geschehen. Er ist sozusagen der Mann an der Front, derjenige, der einen Nick Heidfeld oder einen Nico Rosberg nach dem Training, dem Qualifying oder dem Rennen interviewt, einen Henry Maske oder einen Vitali Klitschko nach dem Ende eines Boxfights danach fragt, wie er sich denn nach zehn oder zwölf Runden harten Kampfes jetzt fühle, oder wie er es geschafft habe, den Gegner, der bekanntlich für seine extremen Nehmerqualitäten bekannt sei, schon in der vierten Runde erstmals zu Boden zu schicken, um ihn dann zwei Runden später endgültig auszuknocken. Und während der Journalist aus einer gewissen Distanz dem Zuschauer bestimmte Spielzüge, Überholmanöver oder das Boxen in der Halbdistanz erklärt, hat der Reporter Stimmungen und Meinungen einzufangen und seine Fragen so zu stellen, daß der Interviewte Auskunft gibt über das, was ihn bewegt oder wie er sich fühlt.
»Mister Formel 1«
Das ist nicht immer einfach. Einen Sieger zu interviewen ist gewiß leichter, als einen Besiegten zu fragen, warum denn der Boxenstopp nicht so reibungslos geklappt habe wie gemeinhin oder wieso er der rechten Geraden des Gegners nicht habe ausweichen können und daraufhin zu Boden gegangen sei. Fingerspitzengefühl und das Gespür dafür, seinem Gegenüber die richtigen Fragen zu stellen, also solche, auf die der Angesprochene auch zu antworten bereit ist – das ist etwas, das nicht jeder hat. Kai Ebel hat es. Kein Wunder bei der Routine. Schließlich berichtet er seit fünfzehn Jahren aus den Boxengassen der Rennkurse. Und dennoch: Auch das siebte Interview mit Bernie Ecclestone, dem mächtigen ›Formel 1‹-Boß, stellt dasselbe Maß an Herausforderung dar wie einst das erste. Also doch kein Wunder? Wohl eher harte Arbeit. Wie sich alles im Leben wandelt, gebiert auch die Sportwelt stets neue Situationen, sind neue Regeln zu beachten, die wiederum neue Aufgaben mit sich bringen. Da ist es manchmal heikel, bestimmte »heiße Themen« anzupacken. Selbst nach fünfzehn Jahren an der Sportfront und dementsprechender Erfahrung wäre das bloße Vertrauen auf die vorhandene Routine dem Reporterdasein eher unzuträglich. Gleichwohl bilden eineinhalb Dezennien angesammelte Kenntnisse und Erkenntnisse ein Erfahrungspolster, das einen bei heiklen Situationen auffängt und gelassen macht.
Kai Ebel hat sie alle vor sein Mikrophon bekommen: Nigel Mansell, Alain Prost, Michael Schumacher, Damon Hill,
Jacques Villeneuve, Mika Häkkinen und Fernando Alonso, um nur die ›Formel 1‹-Weltmeister der »Ära Ebel« zu nennen; auf der anderen Seite »Gentleman« Henry Maske, den »Tiger« Dariusz Michalczewski, Graciano »Rocky« Rocchigiani sowie den Schwergewichtsboxer Axel Schulz, nicht zu vergessen Wladimir und Vitali Klitschko, um nur die bekanntesten Faustkämpfer zu nennen, die bei deutschen Boxställen unter Vertrag standen und stehen. Und obwohl sie ihm alle nach teilweise harten Kämpfen Rede und Antwort gestanden haben, wird der Name Kai Ebel von dem weitaus größten Teil der Sportzuschauer in erster Linie mit dem Rennsport in Verbindung gebracht. Er ist für sie der »Mister Formel 1«.

Stichwort »Boxengasse«
Als Kai Ebel 1988 bei ›Radio Televison Luxemburg‹ nach einem dreijährigen Studium an der ›Deutschen Sporthochschule Köln‹, das er mit dem Diplom abschließt, wegen eines Praktikums anfragt, ist er zunächst einmal froh, beim Privatsender in der Domstadt erste Fernseherfahrungen sammeln zu können. Danach geht alles sehr schnell: Nach einem Volontariat und anschließender Anstellung als Redakteur geht 1992 bei ›RTL‹ erstmals Kai Ebel aus der Boxengasse über den Sender. Seitdem ist der gebürtige Mönchengladbacher Teil jenes Zirkus, der da ›Formel 1‹ heißt.
Das Wort »Boxengasse« hat für Kai Ebel zweierlei Bedeutung. Zunächst einmal ist diese »Gasse« jener Bereich einer Rennstrecke, in dem die Teams während des Trainings und des Rennens an den Fahrzeugen Reifenwechsel vornehmen, sie nachtanken und Reparaturen durchführen können. Und es ist der bevorzugte Arbeitsplatz des Kai Ebel. Zu Hause ist er aber auch beim Boxen, und zwar nicht nur als Reporter – Kai Ebel ist selbst leidenschaftlicher Boxer. Es ist sein größtes sportliches Hobby. Ihm geht er nach, wenn er in seiner knapp bemessenen Freizeit die Trainingshalle der ›Faustkämpfer Mönchengladbach 1925 e.V.‹ aufsucht und den Sandsack malträtiert oder Seilchen springt – oder auch schon mal zwei, drei Runden im Ring steht. Mit Ina Menzer, ebenfalls Mitglied bei den ›Faustkämpfern‹, Weltmeisterin im Federgewicht und potentielle Nachfolgerin von Regina Halmich, hat er auch schon gesparrt, allerdings ohne Kameras beim Training und ohne Nasenbruch. Solch ein Abenteuer – Amateur gegen Champion, auch wenn es sich bei dem Champion um eine Vertreterin des »schwachen Geschlechts« handelt – ist allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen. Das lehrt die jüngste Boulevard-Geschichte …
Aber das Boxen sieht Kai Ebel – wie auch das Skifahren, seine zweite sportliche Leidenschaft – ohnehin nur als Ausgleich für den oft stressigen Job, den er verrichtet. Steht nämlich ein ›Formel 1‹-Wochenende an, so heißt es für ihn schon Anfang der Woche, seine Koffer zu packen. Dienstags oder mittwochs vor einem Rennen reist er an, um dann am Donnerstag an der internationalen Pressekonferenz teilzunehmen und das eine und andere Interview im Vorfeld zu führen. Doch seine Fernsehpräsenz beschränkt sich nicht nur auf die ›Formel 1‹ und das Boxen. Seit 2004 moderiert er zusammen mit der Deutschtürkin Nazan Eckes das Magazin Formel Exclusiv, bei dem es um die schönen Seiten bzw. Schauplätze dieser Welt geht.
Kai Ebel arbeitet also nicht nur an der Reporterfront, sondern kann auch moderieren. Und mehr noch: Er kann schreiben. Das wird er ab der nächsten Cigar Clan-Ausgabe beweisen. Dann wird er von jenen interessanten Orten – Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Lokalitäten, Hotels etc. – berichten, die abseits der PS-Pisten zu finden sind. Dabei wird es auch und vor allem um Genuß gehen – schließlich ist der Weltenbummler, der ein Faible für Uhren und ausgefallene Klamotten hat, ein Mensch, der gerne genießt: Single Malt Whisky, Cognac, Brandy, asiatische Küche sowie österreichische Spezialitäten (einschließlich eines kräftigen Obstlers) sind seine Favoriten. Nur mit dem Cigarrenrauchen hapert es bei ihm. Wie dem auch sei: Cigar Clan freut sich auf Kai Ebel …


Text: Dieter H. Wirtz
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