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Uhren mit Charakter

Vom Zwei-Personen-Betrieb zur Weltmarke mit Sitz im eigenen Haus – diese Entwicklung hat ›Chronoswiss‹ in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren durchlaufen. Gründer und Inhaber Gerd-Rüdiger Lang sieht als Ursachen für den Erfolg die Eigenständigkeit, die Preiswürdigkeit und die Qualität seiner Produkte. Cigar Clan sprach mit dem Uhrmachermeister, Uhrensammler und Liebhaber klassischer Automobile.
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Vor kurzem haben Sie Ihre neue Uhrenfabrik bezogen. ›Chronoswiss‹ ist seit einiger Zeit mit mechanischen Uhren zur Weltmarke geworden. War das vorherzusehen?
Ganz im Gegenteil. Viele haben mich damals für verrückt erklärt, weiter auf die mechanische Uhr zu setzen. Die sogenannte Quarzkrise hatte damals vielen großen Uhrenmarken die Existenz gekostet. Bis dahin war die Genauigkeit der wichtigste Grund, eine teure Uhr zu kaufen. Die Quarzuhren waren aber viel genauer als jede mechanische Uhr und obendrein viel billiger.
Warum haben Sie dennoch auf die mechanische Uhr gesetzt?
Ich bin Uhrmachermeister und wollte nie zum Batteriewechsler degenerieren, denn ich liebe die Mechanik. Sie hat etwas Dauerhaftes. Selbst hundert Jahre alte Uhren können heute noch problemlos repariert werden, kaputte Quarzuhren dagegen werden weggeworfen. Das geht mir gegen den Strich. Ich bin damals auf Sammler getroffen, die ähnlich dachten wie ich. Deshalb setzte ich weiter auf die mechanische Uhr. Daß ich damit eine Bewegung anstoße, habe ich seinerzeit allerdings nicht geahnt.
Was waren die Grundlagen für Ihren Erfolg?
Mein Ziel war es immer, Uhren zu machen, die nicht an der obersten Spitze der Preisspirale stehen, um Einsteigern ins Uhrenhobby die Chance zu geben, eine Uhr zu erwerben, die einerseits ihren Wert hält, andererseits aber kein zu großes Loch in den Geldbeutel reißt. Ein gutes Beispiel dafür ist unser erster ›Regulateur‹, der heute als gebrauchte Uhr zum vierfachen des damaligen Neupreises gehandelt wird. Wir haben also den Wert erhalten, auch durch das Design. Mit solchen Uhren gewinnt man langfristig Sammler, nicht nur für ›Chronoswiss‹, sondern auch für Marken wie ›Lange‹ oder ›Patek Philippe‹. Mir fällt es übrigens nicht schwer, Uhren für Sammler zu bauen, schließlich bin ich selbst einer. Ich muß also nur die Uhr bauen, die ich mir als Kunde kaufen würde. Die Menschen müssen spüren: Der Herr Lang mag seine eigenen Uhren. So entstand im Laufe der Jahre meine ganze Kollektion. Ich baute immer Uhren, die ich bisher noch nicht hatte: Das war eben die Regulatoranzeige, das war die zweite Zeitzone in der ›Tora‹, das war eine ›Delphis‹ mit drei verschiedenen Arten der Zeitanzeige oder eine ›Digiteur‹ mit rein digitaler Zeitanzeige auf der Basis eines mechanischen Uhrwerks. Und das ist noch nicht zu Ende – schließlich ist Uhrmacher ein Erfahrungsberuf, und ich bin mittlerweile achtundvierzig Jahre in diesem Beruf tätig.
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Hätten Sie sich vor achtundvierzig Jahren denn träumen lassen, welche Entwicklung Sie selbst einmal nehmen würden?
Nein, schließlich war ich erst fünfzehn Jahre alt. Ich war ein schlechter Schüler und froh, als ich aus der Schule herauskam. Da brauchte ich eben einen Ausbildungsplatz. Daß ich Uhrmacher wurde, war eigentlich ein Zufall – und daß ich in diesem Beruf gewisse Fähigkeiten habe, habe ich auch erst nach Abschluß der Lehre gemerkt. Mein Ausbildungszeugnis war das beste Zeugnis, das ich bis dahin hatte. Das hat mir Selbstbewußtsein gegeben, und ich sagte mir: Du mußt eben das machen, was du gut kannst. Deshalb bin ich dann auch in die Schweiz gegangen, um dort in meinem Beruf weiterzukommen. Und das kann ich jedem nur empfehlen: Geht in die Welt raus. Dort lernt man Offenheit, Toleranz und erweitert seinen Horizont.
Welche Zukunft hat die mechanische Uhr heute?
Ich denke, sie hat eine große Zukunft. Natürlich müssen wir alle daran arbeiten, daß die mechanische Uhr ihre Faszination behält. Ich wünsche mir, daß sich alle einen eigenen Charakter bewahren oder schaffen. Schließlich hat jeder Mensch eine persönliche Vorstellung von einer schönen Uhr. Und deshalb muß das Angebot auch möglichst vielseitig sein. Die Renaissance der mechanischen Uhr, die ich ja mit eingeleitet habe, ist vorbei. Jetzt tritt dieser Markt in eine neue Phase. Jetzt geht es darum, langfristig zu denken. Wie schaffen wir ein Produkt, das zwar keiner braucht, an dem aber möglichst viele Menschen Freude haben? Geld, das man für etwas ausgibt, das einem Freude bringt … dieses Geld gibt man am leichtesten aus. Viele Menschen kämpfen heute mit viel Streß und Frust in ihrem Alltag, und deshalb gönnen sie sich gerne mal etwas Schönes. Für Männer sind das oft Uhren.
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Wie kamen Sie auf den Markennamen ›Chronoswiss‹?
›Chronoswiss‹ ist ein Kunstname, der aus den Worten »Chronograph« und »Schweiz« zusammengefügt worden ist. Den Chronographen galt und gilt während meines ganzen Berufslebens mein großes Interesse. Die Schweiz hat einen großen Anteil an meinem Leben und meiner Arbeit. Schließlich habe ich unter anderem achtzehn Jahre lang in der Schweiz bei der Firma ›Heuer‹ gearbeitet. Aus dieser Zeit stammen meine Arbeitsweise und meine Qualitätsvorstellungen. Den Namen haben wir uns 1984 schützen lassen und damit das Unternehmen als Familienbetrieb gegründet. Ich wollte keinesfalls einen alten Namen kaufen und mich sozusagen mit fremden Federn schmücken.
Ist ›Chronoswiss‹ demnach die Schweizer Uhr einer deutschen Marke?
Da wir alle unsere Teile aus der Schweiz beziehen und sich unsere Lieferanten dazu verpflichtet haben, uns ausschließlich mit in der Schweiz gefertigter Ware zu beliefern, bauen wir also eine Schweizer Uhr. Dies war schon immer so und soll auch weiterhin so bleiben. Das ist die Grundlage einer ›Chronoswiss‹.
Der Zusammenbau der Schweizer Einzelteile zu einer Uhr geschieht aber in München. Warum ausgerechnet hier?
Was viele nicht wissen: München hat eine große uhrmacherische Vergangenheit. Hier wurden große Turmuhren gebaut. Und im 19. Jahrhundert baute hier die Firma ›Riefler‹ Präzisionspendeluhren, die weltweit als Zeitreferenz dienten – an Bahnknotenpunkten, bei Rundfunkstationen und in Observatorien. Eine originale ›Riefler‹-Uhr, die seinerzeit die Radiotime in New York angezeigt hat, steht heute im Foyer unserer Uhrenfabrik – und damit auch für die uhrmacherische Tradition Münchens. Schließlich lebe ich seit zweiundzwanzig Jahren in München, so daß diese schöne Stadt und auch ihr Umland zu meiner Heimat geworden ist. Ich habe meine Freunde hier, meinen Fußballverein, kann hier wunderbar Rennrad fahren oder mit einem Oldtimer ins Dachauer Hinterland. Das genieße ich schon sehr. Es gab durchaus die Überlegung, nach Glashütte zu gehen – schließlich entstand dort nach der Wende ja etwas Großes, das ich sehr bewundere und unterstütze. Aber ›Chronoswiss‹ und ›Glashütte‹ – das paßte schon vom Namen her gar nicht zusammen. Ich dachte auch schon einmal darüber nach, in die Schweiz zu gehen, was ja viel praktischer gewesen wäre. Aber ich habe mir den Luxus geleistet, in München zu bleiben, weil ich die Stadt mag. Ich kann die Firma bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Das ist für mich Lebensqualität, zusätzlich zu dem hohen Freizeitwert der Stadt.
Sie beschäftigen sich in Ihrer Freizeit gerne mit klassischen Automobilen. Woher rührt Ihre Faszination für englische Fahrzeuge, insbesondere für die Marke ›Jaguar‹?
Ich schätze an den alten englischen Autos besonders die Liebe zum Detail: das Walnußholz am Armaturenbrett, das fein verarbeitete Leder und vor allem das eigenständige Design. Diese Autos haben alle einen eigenen Charakter; das kann man von vielen modernen Autos leider nicht mehr behaupten. Ich habe mich lange und intensiv mit dem Thema ›Jaguar‹ beschäftigt. Dabei hat mir vor allem der Firmengründer William Lyons imponiert, der gesagt hat: »Ich mache nicht alles selbst, aber die letzte Entscheidung muß bei mir liegen.« So ist seine Handschrift an jedem ›Jaguar‹ aus dieser Zeit zu erkennen.
Ist hier nicht eine gewisse Parallele zur Marke ›Chronoswiss‹ zu erkennen?
Ja, das stimmt. Auch ich behalte mir bis heute die letzte Entscheidung über ein neues Produkt vor. Ich frage mich bei jeder neuen Uhr: Würdest du die kaufen? Ist sie ihr Geld wert? Und das ist sie nur, wenn sie über lange Zeit ihren Wert behält. Schließlich geben die Leute uns mit dem Geld, das sie für eine Uhr bezahlen, ja auch ein Stück ihrer Arbeits- und Lebenszeit. Damit will ich nicht leichtfertig umgehen. Und deshalb wird ›Chronoswiss‹ auch keine modische Uhren bauen. Das wird auch so bleiben, wenn ich vielleicht einmal nicht mehr in der Firma bin. Die Mitarbeiter können ja gar nicht mehr anders. Sie haben meine Ansprüche zu den ihrigen gemacht.


Interview: Martin Häußermann

 
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