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Von weißem Flaum. Und von Milben und Käfern
Die Chemie der Cigarrenblüte
Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Interpretationen, was genau die Cigarrenblüte ist. Insbesondere auf amerikanischen Websites liest man neben halbwegs richtigen auch sehr skurrile Meinungen. Da ist dann von »ausgeschwitztem Traubenzucker« oder »ausgefällten Stärkeflocken«, von »Tabakölen, die an der Oberfläche trocknen und kristalline Strukturen bilden« oder von »Abbauprodukten der Nachfermentierung des Tabaks« die Rede.
Die chemische Analyse der Cigarrenblüte jedoch zeigt etwas anderes – und zugleich etwas recht Erstaunliches. Es gibt nämlich zwei verschiedene Arten der Cigarrenblüte, die sich auch in ihrer chemischen Grundstruktur unterscheiden. Die eine Art tritt immer dann auf, wenn die relative Feuchte im Humidor absinkt, während die andere speziell dann zum Vorschein kommt, wenn die relative Feuchte im Humidor zu schnell erhöht wird, zum Beispiel in der ersten Woche nach Befüllen des (passiven) Befeuchtungssystems.
Sinkt die relative Feuchte im Humidor für längere Zeit ab, so ist der an sich hygroskopische Tabak noch feuchter als die ihn umgebende Luft. Physikalisch gesprochen liegt der Wassergehalt des Tabaks oberhalb der Sorptionsisotherme, gibt also so lange Feuchtigkeit ab, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Wassergehalt des Tabaks und der ihn umgebenden Luft einstellt.
Wird der Luft nun nicht (durch einen Befeuchter) Feuchtigkeit zugeführt, so fungiert die Cigarre als »Luftbefeuchter« – sie wird immer trockener. Das Wasser transportiert nun auf seinem Weg zur Verdunstung an der Cigarrenoberfläche nicht nur sich selbst, sondern auch gelöste Mineralien und Salze. Diese Mineralien und Salze treten im gelösten Zustand durch das Deckblatt an die Oberfläche der Cigarre. Die Folge: Das Wasser verdunstet, und es bleiben die Mineralien (respektive Salze) sichtbar auf dem Deckblatt zurück. Besonders bei Cigarren, deren Tabake auf stark mineralreichen Böden angebaut worden sind, ist dieser Umstand von Bedeutung, da hier die Ausblühungen ganz unglaubliche Ausmaße annehmen können und auch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten. Das Spektrum reicht vom weißen, fadenartigen Geflecht bis hin zu schwefelblumenartigen Ausblühungen, die nur schwer entfernt werden können.
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So einfach die Begründung für das Auftreten der mineralischen Cigarrenblüte beim Austrocknen des Tabaks ist, so komplexer ist die Erklärung der Cigarrenblüte, wenn die Umgebungsfeuchte rasch ansteigt, da physikalisch ja genau das Gegenteil des oben beschriebenen Sachverhalts vor sich geht. Salzablagerungen können es also nicht sein. Und tatsächlich haben die beauftragten Labors bei dieser Art der Cigarrenblüte keine Salze nachweisen können. Auch der Hinweis auf Zucker oder Stärke hat sich nicht bestätigt. Auffallend ist der leicht bittere Geschmack der Ausblühungen (man muß alles einmal probiert haben). Bei den Ausblühungen, die aufgrund steigender relativer Feuchte auftreten, handelt es sich offensichtlich primär um Proteine – allerdings konnten die Labors die Herkunft bzw. den Entstehungsprozeß dieser Cigarrenblüte nicht eindeutig identifizieren. Osmose, Verdunstung, Kristallisation – all diese meßbaren und nachvollziehbaren Prozesse scheiden aus. Ein spezifisches Problem der Analyse: Die Cigarrenblüte, die durch Feuchteanstieg entsteht, »wächst« viel langsamer als die Blüte durch Austrocknen der Cigarre. Zudem: Um sie zu analysieren, bedarf es einer äußerst aufwendigen Laboruntersuchung.
Eines aber ist auszuschließen: Es handelt sich bei der durch Feuchteanstieg bedingten Cigarrenblüte weder um kristallisierte Öle noch um Abbauprodukte einer Nachfermentation (dazu müßte der Cigarre Wärme zugeführt werden), sondern um einen Eiweißstoff. Das erklärt auch den unangenehmen Geruch, wenn Sie eine in »Blüte« stehende Zigarre anzünden – was Sie übrigens niemals praktizieren sollten, selbst wenn in einigen amerikanischen Publikationen das »Blüte-Rauchen« als »hip« angesehen wird. Es schmeckt einfach nicht.
Leider lassen sich die beiden Arten der Cigarrenblüte optisch nicht voneinander unterscheiden. Selbst unter dem Mikroskop sehen die Strukturen sehr ähnlich aus. Sowohl geflechtartige Umhüllungen als auch leicht abwischbare, verstreute weiße Punkte (von kristallin bis flauschig-weich), als auch mit dem Deckblatt verwachsene, schwefelblumenartige Ausblühungen treten in beiden Fällen der Cigarrenblüte auf.
Welcher Art nun die Cigarrenblüte auch sein mag: Sie wischen die Ausblühungen mit einem weichen Pinsel ab und prüfen gewissenhaft die relative Feuchte im Humidor. Je konstanter sie ist, desto geringer ist die Neigung der Cigarre zum Ausblühen. Viel wichtiger, als die einzelnen Arten der Cigarrenblüte zu erkennen, ist die Unterscheidung zwischen Cigarrenblüte und Schimmel.
Schimmel tritt verhältnismäßig selten im Humidor auf und dann auch nur, wenn die relative Feuchte mehrere Wochen bei nahezu 80 Prozent oder sogar darüber liegt. Die Temperatur hat hierbei einen geringen Einfluß. Entgegen der landläufigen Meinung, eine höhere Temperatur (etwa 25 bis 30° C im Sommer) begünstige das Schimmelwachstum, ist es genau umgekehrt: Je kühler die Umgebung, desto schneller wächst der Schimmel (wie man auch gut beim Käse im Kühlschrank beobachten kann).
Der auftretende Schimmel kann, neben einer zu hohen relativen Feuchte im Humidor, seine Ursache in eingeschleppten Schimmelsporen haben (in der Regel zurückzuführen auf Lebensmittel). Der dann auftretende Schimmel ist meist einer der Art Aspergillus. Zwar wächst dieser Schimmel vorzugsweise auf stärkehaltigen Lebensmitteln, fühlt sich aber auch auf feuchten Wänden im Haus wohl. Auf der Cigarre finden sich dagegen Arten des Aspergillus, die als Nährboden Salz- und Stickstoffquellen bevorzugen. Der Zusammenhang ist offensichtlich: Wenn die aus kristallisierten Salzen und Mineralien bestehende Cigarrenblüte nicht von der Cigarre entfernt wird, bildet sie einen idealen Nährboden für Schimmel.
Der eigentliche Tabakschimmel (Oespora tabaci) kommt auf Cigarren im Humidor äußerst selten vor und tritt nur bei ganz akuter Überfeuchtung in Zusammenhang mit Stockflecken und muffigem Geruch auf. Für einen Laien ist dieser Schimmel aber nicht vom klassischen Lebensmittelschimmel zu unterscheiden.
Schimmel tritt immer punktuell auf, hat einen Kern und einen Vorhof, ist weiß oder schwarz, grau oder grünlich. Er kann leicht vom Deckblatt entfernt werden, hinterläßt aber im Gegensatz zur Cigarrenblüte meist einen Fleck oder eine Farbveränderung an der betroffenen Stelle. Da die Cigarrenblüte weiß ist, kommt es häufig zu Verwechslungen und zum versehentlichen Entsorgen der Cigarren. Die einzig sichere Methode, Schimmel von der Cigarrenblüte zu unterscheiden, ist die Untersuchung unter einem hochauflösenden Mikroskop. Wenn die Ausblühungen fadenartig oder wie spitze Nadeln aussehen, dann handelt es sich um die Cigarrenblüte. Hat die Substanz jedoch die Gestalt von Stecknadelköpfen, handelt es sich um Schimmel (da sich die Schimmelsporen in den Köpfen befinden). Egal, welche Schimmelart auf einer Cigarre auftritt – sie ist nicht mehr zu genießen und muß entsorgt werden.
Häufig wird als Unterscheidungsmerkmal zwischen Cigarrenblüte und Schimmel der Sachverhalt angeführt, Schimmel könne nicht rückstandslos entfernt werden, wohl jedoch die Cigarrenblüte. Dem ist nicht so. Auch die Cigarrenblüte kann mit dem Deckblatt der Cigarre fest verwachsen, ja sogar, im Extremfall, das Deckblatt stark beschädigen.
Falls Ihre Cigarren ausblühen bzw. einen weißen Flaum flächig oder punktuell verteilt aufzeigen, gehen Sie bitte wie folgt vor:
• Bürsten Sie die Cigarren mit einem weichen Pinsel ab und entfernen Sie die weißen Rückstände restlos, da sie ein Keimboden für Schimmel sind.
• Lassen sich die Ausblühungen entfernen, ohne daß ein Fleck an der betroffenen Stelle verbleibt, dann handelt es sich um Cigarrenblüte.
• Sind die Ausblühungen grünlich, blaugrau oder schwarz und verbleibt nach dem Abwischen an der betroffenen Stelle ein Fleck, dann sollten Sie die Cigarren entsorgen.
• Verwechseln Sie jedoch nicht Farbabweichungen im Deckblatt der Cigarre mit Schimmel. Auch bei ganz frischen Cigarren sind oft kleine grüne Punkte auf dem Deckblatt zu erkennen, die sich nicht entfernen lassen. Hierbei handelt es sich um eine harmlose Verfärbung des Deckblatts, die davon herrührt, daß der Rohtabak während seiner Fermentation versehentlich Wasserspritzer abbekommen hat, weshalb dann an diesen Stellen der Fermentationsprozeß nicht vollständig wirksam gewesen ist.
• Prüfen Sie die Feuchte im Humidor. Ist die relative Feuchte im Humidor konstant oder schwankt sie? Schwankende Feuchte ist meist der Grund für eine verstärkte Ausblühung. Sorgen Sie für eine konstante relative Feuchte – am sichersten ist das mit einem elektronisch geregelten Befeuchtungssystem möglich.
Wenn Ihre Cigarren tatsächlich verschimmelt sein sollten, dann muß neben der Entsorgung der befallenen Cigarren der Humidor äußerst gründlich gereinigt werden. Immer wieder ist davon zu lesen, ein Humidor sollte nach Schimmelbefall wenn nicht mit Alkohol, so doch mit Essig ausgewischt werden. Was es damit auf sich hat, wird weiter unten erklärt. Zunächst geht es um die Frage, was Sie erreichen wollen. Bei der Schimmelbeseitigung gibt es unterschiedliche Zielsetzungen:
• Verhindern der weiteren Ausbreitung des Pilzmyzels;
• Verhindern einer umfangreicheren Sporenbildung;
• Tatsächliches Entfernen des Schimmelbelags am Holz des Humidors (durch Abschleifen);
• Zerstörung der Sporen, so daß sie biologisch nicht mehr aktiv werden können (sporizide Wirkung).
Wenn Sie mit hochprozentigem Alkohol (Isopropylalkohol) den Schimmel aus dem Humidor wischen, dann lösen Sie lediglich die Schimmeloberfläche ab. Auf glatten Flächen mag das ausreichen, doch in einem Humidor mit poröser Holzoberfläche können Sie sich diese Mühe sparen. Alkohol hat keine sporiziden, also schimmelvernichtenden Eigenschaften. Daher gehört solch eine Aktion in den Bereich der überflüssigen Handlungsweisen.
Das Auswischen mit Haushaltsessig ist ebenfalls Unsinn. Die bakterizide Wirkung von Essigsäure verändert lediglich den pH-Wert, wodurch physiologische Prozesse unterbunden werden. Gegen Schimmel wirkt Essig überhaupt nicht.
Wirklich vernichtet werden kann Schimmel nur mit Hilfe der Chemie. In Frage kommen die Sporizide Wasserstoffperoxyd, Peressigsäure und Natriumhypochlorid sowie, als Fungistatikum, sogenannte quartäre Ammoniumverbindungen (wobei letzteres die Schimmelbildung lediglich zum Stillstand bringt). Die Probleme hierbei im einzelnen:
• Wischen Sie Ihren Humidor mit Wasserstoffperoxyd (35 %) aus, dann wird er innen weiß, weil Wasserstoffperoxyd ein starkes Bleichmittel ist und das im Holz enthaltene Lignin ausbleicht. Zudem ist die Substanz ziemlich aggressiv und ätzend und für den Laien in der Anwendung mit Gefahren verbunden. Mit einer geringprozentigen Lösung (etwa 3 %), die man auch zum Gurgeln verwendet, brauchen Sie allerdings gar nicht erst anzufangen. Sie wirkt nicht sporizid, sondern nur desinfizierend.
• Peressigsäure ist stark haut- und augenreizend und zudem als Bleichmittel für die Anwendung im Humidor mit den gleichen Problemen behaftet wie das Wasserstoffperoxyd. Das ist auch kein Wunder, wird doch die Peressigsäure mit Hilfe von Wasserstoffperoxyd hergestellt. Allerdings ist diese Säure so instabil, daß sie nicht gelagert werden kann und folglich frisch hergestellt werden müßte – also vergessen wir auch dieses Mittel.
• Natriumhypochlorid ist die sogenannte Chlorbleichlauge und in chlorhaltigen Haushaltsreinigern enthalten. Nachteil: Es riecht extrem stark nach Chlor, ist ätzend und greift die Schleimhäute an. Folglich lassen wir auch davon lieber die Finger.
• Quartäre Ammoniumverbindungen werden in vielen Schimmelsprays eingesetzt und sind als »kationische Tenside« auf der Verpackung kenntlich gemacht. Allerdings wirken diese Tenside nicht sporizid, töten den Schimmel demnach nicht gänzlich, sondern sind lediglich fungistatisch, das heißt pilzhemmend. Auch diese Sprays haben im Humidor nichts zu suchen.
Doch auch ohne die Anwendung chemischer Produkte kann dem Problem Schimmel begegnet werden. Es macht lediglich mehr Arbeit …
Lassen Sie den Humidor zunächst einige Tage offen stehen und austrocknen (allerdings an einem Ort, an dem Sie die Schimmelsporen nicht einatmen). Am besten fönen Sie den Humidor schön warm aus, denn Pilzmyzele sterben bei circa 50 Grad Celsius ab. Dann wird der Humidor mit 120er Schleifpapier komplett und gründlich ausgeschliffen und während des Schleifvorgangs stetig ausgesaugt. Tragen Sie bei dieser Arbeit unbedingt einen Mundschutz und führen Sie sie am besten im Freien durch. Es empfiehlt sich, die Saugdüse des Staubsaugers mit Klebeband zu verengen, so daß Sie maximale Saugkraft erreichen. Die Ecken und Kanten des Humidors sollten besonders sorgfältig ausgekratzt werden.
Optimal ist es, wenn der Humidor anschließend eine neue Auskleidung aus Spanischem Zedernholz erhält; eine Stärke von circa 4 Millimetern reicht vollkommen aus. Sollte der Humidor im Inneren mit massivem Spanischem Zedernholz ausgestattet sein, dann ist diese zusätzliche Auskleidung nicht zwingend erforderlich. Ist der Humidor dagegen innen nur dünn furniert (das ist meist am Boden der Fall), dann bleibt nach dem Ausschleifen von dem ohnehin schon hauchdünnen Furnier so gut wie nichts übrig; es sollte zumindest eine neue Bodenplatte in den Humidor eingesetzt werden. Nach dieser »Kur« ist Ihr Humidor wieder »aufnahmebereit«.

Milben, Käfer und anderes Kleingetier
Mindestens ebenso erschreckend und nicht weniger eklig als Schimmel auf Cigarren ist das Erscheinen von krabbelndem Getier im Humidor. Dabei gibt es zwei deutlich zu unterscheidende Arten: sehr kleine, circa 0,5 bis 1 Millimeter große, weiß-milchige, krabbelnde Punkte, meist nicht einzeln, sondern in der Gruppe auftretend, sowie circa 2 bis 4 Millimeter lange, ovale, braunrot bis braungelb gefärbte und dicht grau behaarte Krabbelkäfer.
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Bei dem milchig-weißen Krabbelgetier handelt es sich um die sogenannte Pflaumenmilbe – eine häufig vorkommende Hausstaubmilbe, die aber ungefährlich für die Cigarre ist, da sie sich primär von Pilzen (also Sporen und Myzel) ernährt. Die Pflaumenmilbe entwickelt sich bei Temperaturen zwischen 3 und 34 Grad Celsius bei einer Luftfeuchte von mehr als 60 Prozent. Also ist für dieses Lebewesen ein Humidor der ideale Lebensraum. Zwar ist die Milbe an sich für die Cigarre nicht schädlich, doch da sie sich von Schimmel ernährt, gestaltet sich das Ganze recht unappetitlich.
Selten treten diese Tierchen in Cigarrenkisten einzeln auf, sondern meist als kleine Kolonie, die lediglich die Oberfläche der Cigarren besiedelt. Das sieht zuweilen recht spektakulär aus. Aufgrund des fast ausschließlich »massenhaften« Auftretens der Milben wird vermutet, daß beim Verpacken der Cigarren kleine Gelege der Milbe mit dem Einschlagpapier der Cigarrenkiste in das Behältnis geraten, sich dort entwickeln und ausschlüpfen. Bei Milbenbefall bürsten Sie die Tiere einfach mit einem Pinsel von den Cigarren ab – wischen Sie die Kiste sorgfältigst aus und prüfen Sie, ob eventuell Schimmelbefall vorliegt.
Meine ›Partagás Limitadas‹ von 2001 beispielsweise hatten einen ganz extremen Milbenbefall. Selbst mehrmaliges Abbürsten der Milben, das Einfrieren der Cigarren (in der Kiste) bei minus 24 Grad Celsius – nichts hat geholfen, obwohl die Pflaumenmilbe empfindlich auf niedrige Temperaturen reagiert. Immer wieder sind diese Viecher von neuem aufgetaucht. Woher sie kamen, wohin sie gingen – ein Rätsel. Nach wiederholtem wöchentlichen Abbürsten war dann irgendwann Ruhe – seitdem sind auf diesen Cigarren zum einen keine Milben mehr aufgetreten, zum anderen weisen sie weder Löcher noch sonst einen Schaden auf.
Also keine Panik bei Milbenfall. Zwar könnte man die Pflaumenmilbe auch mit chemischen Mitteln bekämpfen, wie etwa mit gasförmigen Akariziden (z.B. Kohlendioxid, Phosphorwasserstoff, Stickstoff, Sulfuryldiflourid), aber das wäre dann doch etwas über das Ziel hinausgeschossen.
Wenn Sie statt weißen laufenden Punkten kleine braune Käfer im Humidor oder in der Cigarrenkiste entdecken, dann ist höchste Alarmstufe angesagt. Denn dann haben Sie den Lasioderma serricorne L. als Mitbewohner im Humidor bzw. in der Cigarrenkiste, und das ist insoweit unangenehm, als sich die Larve des Tabakkäfers von Tabak ernährt und die Cigarren regelrecht in Blockflöten verwandelt.
Junge Larven des Tabakkäfers sind gelblich, behaart und ziemlich fix unterwegs. Ältere dagegen werden bis zu 4 Millimeter groß, sind weißgelblich und bewegen sich recht wenig. Je nach Temperatur und Nahrungsangebot dauert die Entwicklung von der Junglarve bis zum Käfer zwischen siebzig und hundertzwanzig Tagen. Die Larven können sich nur deshalb auf und im Tabak vermehren, weil sie mit Hilfe von sogenannten »Symbionten« im Darm Nikotin abbauen, also in der Lage sind, sich selbst zu entgiften.
Zunächst einmal ist alles ganz harmlos, denn da ruhen die Puppen des Käfers in einer Art Kokon, der aus mit Speichelsekret zusammengeklebten Tabakteilchen und Kotpartikeln besteht. Dieser Kokon wird von der Larve erst kurz vor der Verpuppung gebildet. Doch wehe, wenn sie »losgelassen«. Ist das der Fall, treiben diese üblen Zeitgenossen circa eineinhalb Monate ihr Unwesen. Der erwachsene Käfer hat dann eine Lebensdauer von etwa sechs Wochen. Glücklicherweise erzeugen diese Tiere nur eine Generation an Nachkommen pro Jahr.
Cigarren mit Fraßlöchern im Deckblatt können Sie nur noch entsorgen, während Sie Cigarren ohne Beschädigungen in eine zuvor gesäuberte Kiste packen, in eine Plastikfolie stecken und für mehrere Tage einfrieren. Der Käfer und die Larven sind temperaturempfindlich: Zum einen sterben die Larven bei einer Temperatur von unter 10 Grad Celsius ab, zum anderen kann sich der Käfer nur bei Temperaturen über 20 Grad Celsius vermehren.
Wollen Sie ganz sichergehen, daß nach dem Einfrieren und Auftauen der Cigarren tatsächlich kein Käfer bzw. dessen Larve überlebt hat, bleibt nur eine Möglichkeit: die in Folie eingeschweißte Cigarrenkiste anschließend noch drei bis vier Wochen in den Kühlschrank legen. Wichtig ist jedoch auf jeden Fall eine längere Kältephase unter 10 Grad Celsius, um die Larven sicher abzutöten, denn bloßes kurzzeitiges Einfrieren (drei bis vier Tage) tötet zwar den Käfer, reicht aber zur Vernichtung der Larven nicht aus. Ganz unsinnig ist auch die (leider) weitverbreitete Meinung, eine gekühlte Lagerung der Cigarren bei circa 18 Grad Celsius schütze vor dem Tun des Tabakkäfers. Gewiß – bei dieser Temperatur vermehrt er sich zwar nicht, die Larven jedoch fressen weiterhin fröhlich Löcher in die Cigarren.
Um bereits bei der Produktion Cigarren vor Käferbefall zu schützen, werden in den Cigarrenfabriken Pheromon- und UV-Lichtfallen eingesetzt. Außerdem wird zur Schädlingsbeseitigung auch Phosphorwasserstoff eingesetzt. Dennoch frostet jeder qualitätsbewußte Importeur grundsätzlich alle eintreffenden Cigarren und bietet somit ein hohes Maß an Sicherheit vor Tabakkäferbefall. Auch eine mit 30 bis 40 bar Hochdruck durchgeführte Durchdringung der Cigarren mit Kohlenstoffdioxyd ist ein wirksames Mittel zur Abtötung des Käfers, wobei dieses Verfahren in der Tabakindustrie allerdings eher selten eingesetzt wird.
Anders verhält es sich bei selbstimportierten Cigarren oder bei Cigarren mit zweifelhafter Herkunft aus dem Ausland. Hier ist ein Käferbefall durchaus im Bereich des Möglichen – und jeder Aficionado sollte sich gut überlegen, ob er dieses Risiko eingehen möchte.
Fazit
Cigarrenblüte und weiße Milben sind zunächst unkritische, aber dennoch unangenehme Begleiterscheinungen der Cigarrenlagerung, die aber beseitigt werden können (und sollten). Wirklich durchgreifend und konsequent handeln müssen Sie bei Schimmelbefall und bei Auftreten des Cigarrenkäfers im Humidor, um große und auch zukünftige Schäden zu vermeiden. w

 
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