home Home > Cigar Clan 2/2008 > Kai Ebel: Abseits der PS-Pisten
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Fremd ist sie, die, wie nicht wenige behaupten, schönste Metropole der Welt. Dabei ist die deutsche Sprache im früheren Konstantinopel eher zu Hause als das kosmopolite Englisch. Rund zwölf Millionen Menschen sorgen, unterstützt durch eine einzigartige Topographie und begleitet von einer einnehmenden orientalischen Gastfreundschaft, für ein unglaubliches Flair. Eine Kultur, die den Atem raubt und dem Besucher das Gefühl gibt, weiter von der Heimat entfernt zu sein als auf dem amerikanischen Kontinent

Verpflichtendes …
›Boğaziçi Köprüsü‹ und ›Fatih Sultan Mehmet Köprüsü‹ – lediglich diese zwei Brücken verbinden Europa und Asien miteinander (wobei noch die ›Galata Köprüsü‹ sowie die ›Haliç Köprüsü‹ bzw. ›Fatih Köprüsü‹ erwähnt werden sollten, letztere eine Autobahnbrücke über das Goldene Horn). Entsprechend scheint die örtliche Rush-hour kein Ende zu nehmen. Wer aber einmal sein Ziel erreicht hat, den belohnt Istanbul mit einer aufregenden Küche, traumhaften Aussichten auf die Meerenge Bosporus, auf das Goldene Horn und das Marmarameer sowie mit endlosen kulturellen Schätzen. Der ›Topkapi-Palast‹ ist dabei ebenso Pflicht wie die christliche ›Hagia Sophia‹ und die gegenüberliegende ›Blaue Moschee‹. Der ›Dolmabahçe-Palast‹, seit Mitte des 19. Jahrhunderts Residenz der Sultane, in dem Kemal Atatürk 1938 starb (und in dem alle Uhren auf seiner Todesstunde stehen) sollte auf Ihrer Liste der Ausflugsziele nicht fehlen, auch nicht die Zisterne ›Yerebatan Sarnıcı‹, die im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian als Wasserspeicher für den ›Großen Palast‹ angelegt worden ist. Als kleinen Zwischenaufenthalt empfehle ich den ›Caglioglu Hamam‹, vor über dreihundert Jahren errichtet und das wohl älteste Dampfbad in der Türkei. Männer und Frauen sind hier streng nach Geschlechtern getrennt. Entspannt und gut erholt, sollte sich der kaufwütige Gast dann unbedingt zum ›Großen Basar‹ begeben, dem größten geschlossenen Basar der Welt. Von Gewürzen, Teppichen und Lederkleidung bis hin zu Goldschmuck ist mit etwas Verhandlungsgeschick ein echtes Schnäppchen drin. Leider ist der ›Große Basar‹ nur bis 19.00 Uhr geöffnet.
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… und Angesagtes
Nach Stunden im Getümmel und unterhaltsamem Handeln (Deutsch ist hier fast Amtssprache und der Apfeltee das Getränk der Wahl) kommt automatisch der Hunger. Die leckersten Köfte (Frikadellen) gibt es bei ›Sultanahmet-Köfte‹ am gleichnamigen Platz. Wer dagegen etwas sehen möchte, sollte ins schicke Nisantasi-Viertel gehen. In der Brasserie ›Nisantasi‹ schmeckt der türkische Kaffee gleich besser. Aber Vorsicht: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Design-Tempel ›Beyman‹ – ein absolutes Top-Kaufhaus, in dem die türkische High-Society einkauft und das die Geldbörse schrumpfen läßt. Für den Abend empfiehlt sich der In-Treff ›Café Lucca‹ im angesagten Viertel Bebek. Dort findet der Besucher auch hervorragende Fischlokale wie das ›Poseidon‹ oder das ›Iskele‹, in denen man köstliche und absolut frische Meeresfrüchte genießen kann. Apropos Meer: Ein bißchen versteckt, dafür aber ein kleiner Geheimtip ist das ›Balikçı Sabahattin‹ im Viertel Sultanahmet. Auch hier kommt der Fisch frisch auf den Tisch, zudem noch in einem zauberhaften Kopfsteinpflasterambiente unter freiem Himmel. Wer dagegen mehr für »sehen und gesehen werden« ist, dem empfehle ich das ›Ulus 29‹ oder das ›Sunset‹, zwei Restaurants mit internationaler Küche und einem Traumblick über den Bosporus. Einmal sollte jeder dieses Panorama genossen haben. Anschließend warten schon die Clubs mit dem angeblich besten Nachtleben in Europa. ›Sortie‹, ›Reina‹ und ›Anjelique‹ heißen die »Multikurzweilkathedralen« direkt am Bosporus, die von den wohlhabenden Einheimischen gerne vom Wasser aus per Boot angesteuert werden. In jedem dieser Vergnügungskomplexe gibt es mehrere Restaurants, und im Anschluß wird in der Traumkulisse zum Tanz gebeten. Euroasiatische Discomusik vor der Kulisse vorbeifahrender Riesentanker macht den Abend zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Kurucesme heißt das Viertel des Vertrauens.
Ach ja, dem Cigarrenraucher empfehle ich ausnahmsweise einmal zusätzlich die türkische Wasserpfeife zum gemütlichen Ausklang. Hört sich alles ein wenig fremd an. Aber doch irgendwie bekannt …

 
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