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Maybach Landaulet
Klappt doch
Im Jahre 1702 reiste Joseph I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, König von Böhmen und Mähren und Ungarn und, und, und … Joseph jedenfalls reiste nach Landau in der Pfalz, um den Oberbefehl über jene Truppen zu übernehmen, welche die damals französische Grenzfeste belagerten. In des Blaublütigen Gefolge ein Troß von siebenundsiebzig sogenannten »konvertiblen« Kutschen, die sich von einem offenen in einen geschlossenen Wagen wandeln ließen. Seinerzeit sollen diese neuartigen Reisewagen nach dem kleinen Ort in der Pfalz benannt worden sein. Soweit die Legende.
Gut drei Jahrhunderte später, 2007, reanimiert ›Maybach‹ auf Wunsch eines europäischen Unternehmers, der nicht genannt werden will, diese schöne Art des Reisens. Allerdings in der abgewandelten Spielart ›Landaulet‹, bei der nur die hintere Dachhälfte klappbar ist. Schade, daß wir nicht wissen dürfen, wer auf diese Weise die Aussicht genießen möchte – schließlich kann es doch nur einen Grund für eine derartige Wahl geben: sehen und gesehen werden. ›Maybach‹ kann es egal sein. Exklusive Aufträge erhöhen das Prestige, und nebenbei soll noch ganz profan Geld verdient werden. Interessenten müssen sich allerdings bis zu neun Monate gedulden, um endlich 1,1 Millionen Euro für den Logenplatz loszuwerden. Das dürfte zwar schwerfallen, doch eine Alternative mit derart hohem Verwöhnfaktor ist nicht in Sicht.
Luxus ohne Grenzen verspricht der Blick in den Katalog, dessen Ausstattungsvielfalt – welch schnödes Wort! – schwindlig macht. Wer nicht fahren muß, hat den Joker gezogen: Liegesessel ausfahren und Wolkenschäfchen zählen. Fallen die ersten Tropfen, schließt das siebenlagige Stoffverdeck vom Spezialisten ›Edscha‹ elektrisch in 16 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h. Natürlich kann das 612 PS starke Edelgefährt auch schneller – nur: Dann wiederum erkennen wir nicht, wer im Fond thront.

Mercedes ML 500
Der stille Amerikaner
Eigentlich müßte es heißen: »Der stillende …«, denn zu groß war der Hunger nach einem adäquaten »amerikanischen« Motor für den Luxus-SUV. Nicht, daß etwa ein ›420er Diesel‹ oder gar ein ›63er AMG‹ den Stern im Schlamm stecken oder auf der Kriechspur verglühen ließen, aber in Übersee zählt nun einmal Hubraum – und sonst gar nichts.
Wer den V8-Benziner wählt – und das sind in Deutschland recht weni-ge –, der wird mit einem merklichen Zugewinn im Fahrkomfort belohnt. Wo der Turbodiesel noch nach Ladedruck fragt, reagiert der fette Achtzylinder unvermittelt. Und wo der Selbstzünder mit hartem Unterton nagelt, gibt der Benziner den geschmeidigen Bariton. Dieser Motor, in Wahrheit gar ein 5,5-Liter-Block, überzeugt rundum.
Im Gelände schraubt sich der ›500er‹ mittels serienmäßiger Luftfederung auf bis zu 275 Millimeter Bodenfreiheit.
30 Millimeter mehr erkauft man sich mit dem Offroad-Paket. 70 Euro pro Millimeter erscheinen zunächst arg überzogen, doch zusätzlich erhält man unentbehrliche Differentialsperren. Für Touren im extremen Gelände reicht die Ausstattung zwar nicht ganz, doch unpassierbare Wege existieren für den ›ML‹ praktisch nicht.
Wie alle Fahrzeuge von ›Mercedes‹, wird auch dieser Hubraumriese bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt. Standesgemäß läßt die Ausstattungsvielfalt keine Wünsche offen. Die dicken Sessel sind herrlich bequem und vermitteln trotzdem ausreichend Seitenhalt. Geradezu fürstlich ist das Platzangebot im Fond. Nach kurzer Zeit hat man alle Bedienelemente im Griff, selbst den Automatikwahlhebel am Lenkrad.
Bange Fragen nach dem Verbrauch stellen mittlerweile auch die US-Bürger. Wer den V8-Benziner an der langen Leine rennen läßt, muß schnell mit 18 Litern auf 100 Kilometern rechnen. Wer aber den relaxten amerikanischen Fahrstil pflegt, kann seinen Tank um 7 Liter entlasten. Ganz sicher wird der ›ML 500‹ auch hierzulande neue Freunde finden. Ab 69.556 Euro wird die Ehe besiegelt.

Maserati Quattroporte Sport GT S
Zackenscharf
Es gibt Kunden, die sind nie zufriedenzustellen. Und das ist gut so. Da wäre zum Beispiel der ›Maserati Quattroporte‹. Er ist wunderschön, wird von einem kraftstrotzenden Achtzylinder mit 400 PS angetrieben – und in weniger als sechs Sekunden auf 100 km/h und schließlich auf eine Reisegeschwindigkeit von 270 km/h gebracht. Sein Inneres, mit edlen Materialien verschwenderisch ausgestattet, gleicht einem feudalen Salon. Nobler kann man in der Oberklasse kaum reisen.
Trotzdem gab es Kritik. Bemängelt wurden die wackligen Knie, sprich die Wankneigung der Luxuslimousine in scharf genommenen Kurven. Schließlich soll die Cigarrenasche des Cheffahrers im Aschenbecher landen und nicht auf dem in ›Brioni‹ gewandeten Bein.
Die Dreizack-Marke wurde aktiv. Sie tauschte die nachgiebigen ›Skyhook‹-Federbeine gegen passive Dämpfer von ›Billstein‹ und straffe Federn von ›Eibach‹. Mit dem Resultat, daß der Karosserie die Flatterhaftigkeit gründlich ausgetrieben wurde. Den Preis zahlt der Komfort, doch stören wird es nur die Prinzessin auf der Erbse. Nachgeschärft wurden ebenfalls die Bremsen. 360 statt 330 Millimeter große ›Brembo‹-Scheiben aus Guß und Aluminium nehmen die knapp zwei Tonnen wiegende Limousine an die Kandare. 295er Breitgummis für die saubere Linie an der Hinterachse und Sportsitze ergänzen das Geschirr. Das Automatikgetriebe stammt vom deutschen Hersteller ›ZF‹ und arbeitet gewohnt präzise und superschnell – die Schaltzeiten reduzieren sich um beachtliche 35 Prozent gegenüber dem Standardmodell. Wählt man die Gänge per Lenkradpaddel vor, schaltet die Box beim Anbremsen vor der Kurve sauber runter und verschenkt keinen noch so winzigen Gasstoß beim Herausbeschleunigen. Wer noch einen Zacken zulegen möchte, drückt einfach den Sportknopf: Belohnt wird die Entschlußfreude mit einem vom ESP ungetrübten, puren Fahrerlebnis. Grund zur Besorgnis um den Chef besteht nicht, denn die ausgezeichnete Bodenhaftung verliert der ›GT S‹ auch in diesem Modus nicht.
Selten war ein ›Maserati‹ so handzahm. Schon gar nicht ein so sportlicher. 125.315 Euro sind für den Feinschliff des eindrucksvollen Dienstwagens zu entrichten.
Fisker Hybrid
Greenhorn
»Fun, Fun, Fun.« Das verhießen die ›Beach Boys‹. Niemand an der sonnigen Pazifikküste Kaliforniens möchte sich den Spaß verderben lassen. Schon gar nicht am Autofahren. Doch langsam dämmert auch den vergnügungssüchtigen Westcoastlern, daß ihr Paradies durch den Benzinsmog bedroht ist. »Hybrid« ist »in«. Zwar demonstriert bereits eine kleine grüne Elite ihr neues Umweltbewußtsein mit dem ›Prius‹, doch der steht wegen seiner Häßlichkeit die meiste Zeit in der Garage. Und Kaliforniens Gouverneur? Arnold Schwarzenegger fährt einen kastenförmigen Öko-›Hummer‹ auf Wasserstoffbasis.
Henry Fisker, der dänische Autonarr in des Wortes bestem Sinne, will für die Upper Class den »American Way of Drive« mit der Natur versöhnen. Der Wahl-Kalifornier und Schöpfer solcher Traumwagen wie dem ›BMW Z8‹ und dem ›V8 Vantage‹ von ›Aston Martin‹, gründete heuer gemeinsam mit ›Quantum Technologies‹ eine neue Firma und wirft einen glamourösen Entwurf aufs Papier. »Schnell, schön und gut fürs Gewissen« lautet das Statement des Luxusrenners mit seiner langgestreckten, flachen Silhouette, den stark konturierten Kotflügeln und dem freundlich grinsenden Kühler. Smile – und die Welt lächelt zurück. Im Gegensatz zum reinen Elektroflitzer von ›Tesla‹ verzichtet der Viersitzer des Henry Fisker allerdings nicht gänzlich auf den fossilen Kraftstoff. Unter seiner Motorhaube schuftet ein Plug-in-Hybrid, ein Antriebssystem, das man getrost an jede Steckdose anschließen kann.
Noch hat der Edelgrüne keinen Namen, doch seine Väter glauben an den Erfolg und eine verkaufte Serie von fünfzehntausend Fahrzeugen pro Jahr. Selbst der Preis ist bereits kalkuliert und soll knapp unter 100.000 Dollar liegen. Damit ist der Sunnyboy eine ernstzunehmende Alternative nicht nur für den ›Lexus LS 600 h‹, sondern auch für die angekündigten Supercoupés ›Aston Martin Rapide‹ und ›Porsche Panamera‹.
In Sachen Patriotismus übertrifft die Amerikaner so leicht niemand. Gute Chancen also für eine grüne Welle im Surfrevier der Staaten.

Alpina B3 Biturbo
Allgäuer Radler
Laut kleiner süddeutscher Getränkekunde verbirgt sich hinter dem Begriff »Radler« ein mehr oder weniger großer Schuß Limonade im Bier. Dem einen verdirbt er den Geschmack, der andere schwört darauf. Die Tuner aus dem Bilderbuch-Landstrich schütten schon seit 1978 eine ganz besonders prickelnde Brause in die weiß-blaue ›3er‹-Basis. Mit Erfolg, wie die gut sechstausend verkauften Modelle belegen.
›Alpina‹ steht innen für den edlen Mix aus Holz, Leder und Aluminium – alles in tadelloser Verarbeitung. ›B3‹ weist auf das »Rohmaterial« hin – den ›3er‹ von ›BMW‹. Und ›Biturbo‹ verheißt nichts weniger als einen bayerischen Dampfhammer. Traditionell in Metallicblau, ist das Blechkleid perfekt an die Mehrleistung angepaßt: leicht geschwellt die Frontschürze, die den Auftrieb gegen Null senkt, dezent der Heckspoiler. Mit den Sternfelgen kommt dann der Aha-Effekt des Wiedererkennens.
Das gilt auch für den Motor. 1989 schickte ›Alpina‹ einen doppelt aufgeladenen, 360 PS starken ›Biturbo‹ auf die Serpentinen. ›B10‹ hieß der 3,5-Liter-Sechszylinder damals; heute genügen dafür 3 Liter. Kalt röchelt er rauh und heiser, um mit steigender Betriebstemperatur in ein selbstgefälliges Grummeln und Knurren zu verfallen. Vom Start weg zeigt der ›Biturbo‹ feine Sitten. Kein Ruckeln verrät die Anspannung des Sechszylinders, dessen Kraftreserve zwischen dem ›335i‹ mit 306 und dem ›M3‹ mit 420 PS liegt. ›Alpinas‹ sogenannte Switch-Tronic-Schaltung betont den samtigen Charakter des Antriebs. Bei 2000 Umdrehungen lässig brabbelnd, wagt er sich bei vollem Ladedruck respektlos an Gegner aus der Sportwagenklasse. Dank seinem höheren Drehmoment nimmt der ›B3‹ seinem »Vetter«, dem ›M3‹, beim 0-auf-100-Sprint glatt eine Zehntelsekunde ab. Weiter dreht die Tachonadel bei Vollgas unbeirrt auf die 300-km/h-Marke. Entscheidend hierfür war ein technischer Kniff an den Kolben, in dessen Folge der Kraftstoff besser um die Zündkerzen verteilt wird.
Auf der Straße glänzt der sportliche ›3er‹ mit bestem Ansprechverhalten und toller Dynamik. Erstaunlich, wie selbst die Niederquerschnittspneus die Spur fast ohne Eindämpfung halten. Erste Warnung vor dem Grenzbereich gibt die Karosserie mit Eigenbewegungen. Drifts gelingen kinderleicht nach dem Aktivieren des DTC-Modus (Dynamic Traction Control): Einfach kurz den DSC-Knopf drücken – und hält man den Finger länger darauf, läßt sich das ESP gänzlich ausschalten. Natürlich empfiehlt sich diese Fortbewegungsart nur für Fortgeschrittene. Ab 57.900 Euro löscht der ›B3‹ den Fahrdurst in den Versionen Cabrio, Coupé und Limousine.

Nissan Skyline GT-R
Reiskocher
Politisch korrekt klingt das nicht, vielleicht auch nicht besonders originell, aber hier rollt ein heißes Eisen aus Japan an, das angetreten ist, den deutschen Sportwagenherstellern mächtig einzuheizen. Vor allem auf den Nimbus des ›Porsche Turbo‹ haben es die Ingenieure aus Fernost abgesehen. Den wollen sie unbedingt brechen. Zwei Turbolader und ein Sechszylinder, vier allradgetriebene Räder an einem verstellbaren ›Billstein‹-Fahrwerk sowie ein Transaxle-Doppelkupplungsgetriebe sind die wichtigsten »Marterwerkzeuge«. Bei der Leistung herrscht Patt – beide bieten 480 PS. Ähnlich unentschieden gestaltet sich der Kampf um das höhere Drehmoment, bei dem die Zuffenhausener geringe 20 Newtonmeter vorlegen können.
Der von zwei Turboladern beatmete 3,8-Liter-V6 des ›Skyline‹ hängt unnachgiebig am Gas. Blitzschnell klickt das Getriebe via Schaltwippen die Gänge rein, verteilt die Kraft punktgenau zwischen Achsen und Räder. Sauber gedämpft und mit vorbildlicher Rückmeldung agiert die Lenkung. Wie mit dem Lineal gezogen hält der kantige Samurai die Spur, scheinbar immun gegen Rillen und Lastwechsel. Nach dem Aus für das zweistufig abschaltbare ESP sprengt der ›GT-R‹ die Schale der Wohlanständigkeit, und zum Vorschein kommt der Straßenrowdy. Brenzlig wird es jedoch erst auf der Rennstrecke: Die Bremsen kochen. Der Druck im »Porsche-Kessel« läßt kurz nach, doch die Kombination aus unglaublicher Traktion und simplem Handling des Japaners hinterläßt tiefen Eindruck. Dazu hämmert der Rennstrecken-Soundmix aus Bypassventil-Pfeifen, Turbolader-Jaulen, Reifen-Wimmern und Bremsen-Zerspanen: »Der kann es.« In nur 3,6 Sekunden rast der ›Nissan‹ von 0 auf 100 km/h und nimmt dem ›Porsche‹ trotz 165 Kilogramm Mehrgewicht fast drei Zehntel ab. Unglaublich. Erst in der Höchstgeschwindigkeit zieht der Schwabe wieder gleich.
Und der Preis? Heißer als heiß, denn wenn der ›GT-R‹ im Sommer 2008 nach Deutschland kommt, soll er zwischen 70.000 und 80.000 Euro liegen. Dafür bekommt man einen halben ›Porsche Turbo‹. Gut, daß beide unverwechselbar sind. Hier zeitlose Eleganz, hinterm Horizont der aufgehenden Sonne freches Design, kantig, wie aus der Spielkonsole ausgebrochen. Schön, daß es Wettbewerb gibt.
Text: Björn Breitter
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