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Edelobstbrände
Nicht am Ende, sondern am Anfang der ersten Cigarren-Edelobstbrand-Verkostung standen zwei Forderungen. Zunächst: »Brände zur Cigarre sollten im Holzfaß ausgebaut sein.« Dann: »Laßt uns eine Fortsetzung machen.« Wurden im Januar 2007 im schönen Interlaken, im ›Lindner Grand Hotel Beau Rivage‹, unter fleißiger Mithilfe mehrerer Gäste, Freunde und Mitarbeiter von Cigar Clan unter immensen Anstrengungen klare Brände aus verschiedenen Früchten und Herkunftsländern verkostet (siehe auch Cigar Clan, Ausgabe 4/2007, Seiten 88–94), sollten in einer zweiten Degustation nur im Holz gereifte Brände mit Cigarren probiert werden. Die Gastgeber waren schnell gefunden: Alain Langlois, der Geschäftsführer der ›Ziegler Edelobstbrennerei‹, und seine Frau, Barbara Wolf-Sykes, luden zur Fortsetzung ein, und zwar ins Herzstück der Firma, direkt in die Brennerei nach Freudenberg am Main. Cigar Clan stellte sich der Herausforderung.
Und so versammelten sich eines Abends im November ein Brennmeister, sein Chef, dessen Frau und zwei Köche sowie ein Cigarrensommelier, ferner ein Cigarrenhändler und dessen Lieferant zusammen mit einem Verlagsvertreter in den edlen Hallen. Im Schatten von Kupferkesseln und Destillationsgerät begann ein Abend, der in die Annalen der Cigar Clan-Verkostungsgeschichte eingehen wird.
Der Aperitif – Champagner, aus großen Flaschen natürlich – wurde im Faßkeller eingenommen, und danach wurde erst einmal hart gearbeitet: Alain Langlois hatte vier (natürlich faßgereifte) Brände ausgesucht und sich das Vergnügen gemacht, jeweils zwei gleiche und insgesamt ausschließlich sehr verwandte Früchte einer Gattung zum Verkosten bereitzustellen. So trafen jeweils zwei ›Vielle Prune‹, also Pflaumen, auf zwei ›Alte Zwetschgen‹, also … Zwetschgen. Voilà.
Die drei Cigarren kamen aus den bekanntesten Provenienzen: Dominikanische Republik, Honduras und Kuba. Es waren helle und dunkle Deckblätter vertreten, und als Reminiszenz an die zu erwartenden kräftigen Brände hatten alle Cigarren recht große Ringmaße.
Bleibt unbedingt zu erwähnen, wie der restliche Abend verlief: Einer der besten Köche der Region, Ingo Holland, zauberte vor Ort ein hinreißendes Menu in fünf Gängen, welches vom Gastgeber vortrefflich mit Weinen aus dem eigenen Keller begleitet wurde.
Zwischen den Gängen wurden nach Art der Normannen Brände gereicht, mal frisch aus der Kühlspirale, mal – ganz außer Konkurrenz, aber im thematischen Rahmen – eine ›1942er Alte Zwetschge‹, bei deren Herstellung der Gastgeber natürlich noch nicht selbst beteiligt war, aber deren Bestand er wie seinen Augapfel hütet … fast immer.
Und wie nach Athen getragene Eulen tauchten nach dem Dessert noch kubanische Vintage-Cigarren auf: ›Double Coronas‹ von ›Punch‹ aus den zurückliegenden achtziger Jahren, gelagert in Cabinet-Kisten, begleitet von der ›1942er Alten Zwetschge‹. Eine geradezu himmlische Harmonie. Aber zurück in die Realität, das heißt zur Dokumentation der Degustation. Allerdings nicht, ohne zuvor einen herzlichen Dank an den Hausherrn der ›Ziegler Edelobstbrennerei‹ für diesen Traum von einem Abend zu sagen …
Vielle Prune ›Barrique‹
Destillerie Etter, Schweiz
(41 % Vol.)

Die Destillerie Etter wurde schon im Jahre 1870 gegründet.
Traditionell werden nur heimische Früchte verwendet.
Die Herstellung aller Spirituosen beschränkt sich auf einen Brennvorgang und eine sorgsame Trennung des zu verwendenden Mittellaufs von Vor- und Nachlauf. Die ›Vielle Prune Barrique‹ ist eine Pflümli-Spezialität aus kleinen Schweizer Löhrpflaumen, welche für ihre süße Aromatik bekannt sind. Drei Jahre Faßlagerung sind angesetzt, bevor die Brände auf den Markt kommen.
Die ›Vielle Prune‹ liegt blaßgelbgolden im Glas und erinnert im Geruch einladend an trockenes Gras, helle Früchte, Marzipan und eher an frische als an getrocknete Pflaumen. Die Geschmacksentwicklung ist eher verhalten, der Nachhall zwar präsent, aber nicht überwältigend. Dafür trägt der Brand eine sehr erfrischende Note mit sich.
Vielle Prune ›Reserve Particulaire‹
Destillateur Jean-Paul MettÉ, Frankreich
(45 % Vol.)

Seit über hundert Jahren erzeugt man bei ›Jean-Paul Metté‹ im elsässischen Ribeauvillé Brände allererster Güte. Alle Eaux de Vie werden nach überlieferten Traditionen in Doppelbrandanlagen aus Kupfer hergestellt, und zwar hauptsächlich aus Früchten der eigenen Obstplantagen. So werden Spitzenprodukte mit voller Aromatik und rassiger Alkoholnote produziert.
Die ›Vielle Prune Reserve Particulaire‹ ist eine der wenigen Spezialitäten, die bei ›Metté‹ im Holzfaß, in diesem Fall in altem Holz, ausgebaut werden.
Auch hier fällt eine eher blasse Farbe auf. Der Geruch erinnert nahezu greifbar an die originäre Frucht. Dieser Brand gewinnt deutlich mit der Zeit im Glas. Geschmacklich wird durch die hohe Alkoholität eine kräftige Note erzeugt. Marzipan am Gaumen, wenig Süße, eher im Mund präsent als im Nachhall.
1996er Alte Zwetschge ›Zigarrenbrand‹
Ziegler Edelobstbrennerei, Deutschland
(43 % Vol.)

Seit 1865 werden in Freudenberg am Main von der ›Gebr. J. & M. Ziegler Edelobstbrennerei‹ hervorragende Obstbrände produziert. Alain Langlois und sein Brennmeister Jürgen Marré halten die lange Tradition aufrecht. Exzellente Obstqualität und lange Lagerzeiten haben für sie oberste Priorität.
Im Doppelbrandverfahren kommt nach dem Rohbrand der Feinbrand, wobei der Mittellauf bei jedem einzelnen Brennvorgang nur nach der reinen Sensorik ausgewählt wird. Die faßgelagerten Brände empfehlen sich explizit als Cigarrenbrände.
Die ›Alte Zwetschge‹ präsentiert sich bernsteinfarben mit goldenen Reflexen im Glas. In der Nase erscheint der Brand sehr klassisch. Feine Vanille, zartbittere Schokolade, etwas Rauch und ein wenig Marzipan. Am Gaumen viel Süße, getrocknete Früchte, Lebkuchen und Gewürze. Angenehm rund und recht lange im Nachhall.
Alte Zwetschge ›XA Ernte 1989‹
Brennerei GÖlles, Österreich
(43 % Vol.)

Seit vier Generationen bewirtschaftet die Familie Gölles Obstgärten im sonnigen Hügelland rund um die Riegersburg in der Steiermark. Seit Anfang der achtziger Jahre liegt der Schwerpunkt auf der Herstellung feiner Essige und edler Destillate. Besonderes Augenmerk gilt auch hier der Verwendung erstklassiger Produkte, um den naturgegebenen Wohlgeschmack ins Glas zu bekommen.
Für die Brände der ›XA‹-Linie wurde schon vor vielen Jahren damit begonnen, die geschmacksdichtesten Fraktionen verschiedener Brände zu reservieren.
Die ›Alte Zwetschge‹ zeigt im Glas ein sattes Rotbraun und ist deutlich der dunkelste Brand in der Degustation. Der Geruch ist überwältigend intensiv und erinnert sehr an Rum und rosinige ›Pedro Xímenes‹-Aromatik. Am Gaumen bleibt der Brand bei weiterhin präsenter Süße angenehm weich und weinig. Allerdings ist er jetzt viel zwetschgentypischer als in der Nase.
Cuesta Rey
Belicoso № 11

Format: Short Belicoso
Länge: 125 mm
Ringmaß: 52 (20,6 mm)
Deckblatt: Honduras
Umblatt: Honduras
Einlage: Honduras
Stärke: 1,5
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 5,–
CH: sfr 8,–
Mit dieser kurzen ›Belicoso‹ präsentiert sich eine sehr schön verarbeitete Cigarre, die manch ein Aficionado eventuell erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. Obwohl sie aus dem Hause ›Arturo Fuente‹ kommt, macht sie im zarten Colorado mit leichtem Duft nach feinem Zedernholz und ein wenig Pfeffer wenig Aufhebens um sich. Wenn man sie allerdings erst einmal in der Hand hat, steigt die Vorfreude.
Ein kurzer Anschnitt reicht, um schon kalt einen sehr guten Zug zu erlangen, und brennt die Kleine erst einmal, füllt sich der Raum mit zunächst leicht ätherischem, später vollerem Rauch.
Der Geschmack erscheint zu Beginn bipolar. Helles Holz und ein wenig grüne Tannine auf der einen, leicht würzige Röstaromen auf der anderen Seite. Die Cigarre balanciert sich allerdings recht schnell aus, und noch im ersten Drittel des Rauchverlaufs kommt eine zarte, süße Aromatik auf. Der Zug bleibt gut, fast zu gut, während der Abbrand, ein wenig schräg, gepflegt werden will. Die Asche trägt einen leichten gelblichen Schimmer und fällt früh, um sofort zu zerbröseln.
Der sehr smarte Rauch wird im Verlauf des Vergnügens leicht bitter und sucht deshalb nach einer erfrischenden Komponente. Spirituosen sind möglich, aber nicht unbedingt nötig. Die ›Cuesta Rey‹ läßt sich für das Format lange rauchen, meldet sich aber unmißverständlich ab, wenn die letzte Ruhe naht.
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Vielle Prune ›Barrique‹
Destillerie Etter, Schweiz
Tête-à-tête. Die wohlverdiente Erfrischung fällt in heller Dimension aus. Schick. Aber wo bleibt der Tiefgang
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Vielle Prune ›Reserve Particulaire‹
Destillateur Jean-Paul MettÉ, Frankreich
Top Nuts. Nachdem die ersten Ressentiments wegen des sehr alkoholischen Brands revidiert worden sind, ist eine wunderbare Balance aus nussigen und hellholzigen Aromen zu konstatieren.
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1996er Alte Zwetschge ›Zigarrenbrand‹
Ziegler Edelobstbrennerei, Deutschland
In alle Richtungen. Da die Kombination sehr nervös ist, will sich keine Ruhe einstellen. Teilweise erheiternd, teilweise ernsthaft verstörend.
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Alte Zwetschge ›XA Ernte 1989‹
Brennerei GÖlles, Österreich
Neues Spiel. Mit die beste Kombination. Die beiden machen alles anders. Während die Süße des Brandes vergeht, kommen Eindrücke von dunklem Holz aut.
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Flor De CopÁn LÍnea Puro
Robusto

Format: Robusto
Länge: 140 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Ecuador
Umblatt: Nicaragua
Einlage: Dominikanische Republik, Nicaragua
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. 1 Std.
Einzelpreise:
D: € 6,–
CH: sfr 7,10
Die ›Puro‹-Linie einer Cigarrenmarke, die vom Ursprung her nicht immer die interessanteste war, aber im »Quality check« stets bestanden hat. In der Degustationsrunde war deshalb die Erwartungshaltung hoch.
Das Colorado-Maduro-Deckblatt der erstklassig verarbeiteten ›Robusto‹ besticht in samtiger Art und Weise mit feinen, schönen Äderchen. Die Cigarre duftet in kaltem Zustand leicht erdig, auch etwas schokoladig und ist nach dem Anzünden sofort präsent, aber nicht belastend im Raum. Erscheinen die ersten beiden Züge etwas scharf, wirkt die Cigarre durch die steigende Temperatur ausgewogener. Der Nachhall ist zunächst eher verhalten.
Bisweilen stimmen Zugverhalten und Abbrand nicht ganz überein. Der Zug perfekt, der Abbrand leider harte Arbeit. Trotz schöner weißer Asche ein technischer Punktabzug.
Die aromatische Steigerung über den Rauchverlauf ist in erster Linie von Stringenz geprägt. Es passiert nicht wenig, aber alles der Reihe nach. Das macht die Cigarre zuverlässig, aber nicht unbedingt spannungsgeladen. Allerdings: Diese ›Robusto‹ läßt sich mit Muße angenehm lange rauchen.
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Vielle Prune ›Barrique‹
Destillerie Etter, Schweiz
Ausgewogen. Die Kombination ist als »Nummer Sicher« zu werten, weil sie nicht interessant genug ist, um ganz oben zu stehen.
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Vielle Prune ›Reserve Particulaire‹
Destillateur Jean-Paul MettÉ, Frankreich
Lift me up! Auch hier besticht der hohe Alkoholgrad und beschert der Cigarre neue Dimensionen. Sehr belebend und elegant.
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1996er Alte Zwetschge ›Zigarrenbrand‹
Ziegler Edelobstbrennerei, Deutschland
Softball. Ausgewogen und ausgewogen muß nicht langweilig sein. Es passiert ein lebendiges Miteinander auf steigendem Niveau.
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Alte Zwetschge ›XA Ernte 1989‹
Brennerei GÖlles, Österreich
Machtspiel. Hier herrscht der Stärkere und nimmt dem Schwächeren die Individualität. Neben Süße und Kraft bleibt nicht viel von der Cigarre. Allerdings entstehen auch keine Mißtöne.
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Romeo y Julieta
ExhibiciÓn № 4

Format: Hermoso № 4 (Robusto)
Länge: 127 mm
Ringmaß:48(19,1 mm)
Deckblatt: Kuba
Umblatt: Kuba
Einlage: Kuba
Stärke: 4
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 8,20
CH: sfr 11,
Diese ›Romeo y Julieta‹ überzeugt durch eine schöne Verarbeitung, wirkt ein wenig zu jung, ist aber überraschend zugänglich. Das recht seidig-samtige Deckblatt, im klassischen Colorado gehalten, steht ebenso für moderne kubanische Qualität wie der neue Cigarrenring für Schätze aus der 50er Cabinet-Kiste.
Das Aroma der kalten Cigarre ist ausgewogen würzig, leicht stallig und mit einem Touch von Schokolade gesegnet. Gleich nach dem Anzünden erobert die junge Kubanerin den Raum, und auch am Gaumen übernimmt sie sofort die Regie. Von geröstetem Brot über Würzaromen bis zum Kakaoschmelz hält sie hier die klassische ›Romeo y Julieta‹-Typizität für große Ringmaße ein, langer Nachhall inkludiert.
Auch der Zug ist überzeugend. Ein gleichmäßiger Abbrand beschert einen ansehnlichen Aschezylinder im Altherrengrau.
Direkt nach der Hälfte der Rauchdauer kommt vorübergehend Unruhe auf. Leichter Schiefbrand, der sich durch kurze Konzentration ausgleichen läßt. Die Aromen verdichten sich immer mehr, ohne übermächtig zu werden. Wenn die Cigarre älter gewesen wäre, wäre sie noch länger rauchbar gewesen, aber so: ein wehmütiges Adieu am Cigarrenring – leider …
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Vielle Prune ›Barrique‹
Destillerie Etter, Schweiz
Exciting: Die Frische steht der Cigarre gut. Am Anfang nicht ganz ausdefiniert, aber zum Ende hin immer besser …
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Vielle Prune ›Reserve Particulaire‹
Destillateur Jean-Paul MettÉ, Frankreich
Für Eingeweihte. Der Brand gewinnt mit der Cigarre noch deutlich an Komplexität. Immer noch sehr harsch, aber wunderbare Gewürzaromen kommen auf. Für Ostbrand- und Kubafans.
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1996er Alte Zwetschge ›Zigarrenbrand‹
Ziegler Edelobstbrennerei, Deutschland
Smoky Joe. Nicht wirklich kriminell gut, hat aber etwas Verruchtes, auch wenn keiner der beiden wirklich gewinnt. Eine heiße Kombination.
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Alte Zwetschge ›XA Ernte 1989‹
Brennerei GÖlles, Österreich
Zerstreut. Was der süßliche Rumtouch versprochen hatte, ist verschwunden. Jetzt mehr Zwetschge. Aber die Süße fehlt. Wer tut hier wem nicht gut?
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