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Lasse Skovgaard
Die Suche nach der reinen Form
Tao Nielsen, einer der angesehensten Pfeifenmacher Dänemarks, antwortete vor einiger Zeit in einem Interview mit unserer Zeitschrift (siehe Ausgabe 6/2007, Seite 34 f) auf die Frage, ob es in Dänemark junge Pfeifenmacher gebe, die das Potential hätten, seine Generation abzulösen, mit einem nachdrücklichen »Ja«. Namentlich hob er besonders einen jungen Pfeifenmacher hervor: Lasse Skovgaard, gerade einmal Mitte Zwanzig. Grund genug für unseren Autor Joachim Westermann, sich mit diesem talentierten Pfeifenmacher näher zu beschäftigen.

Es war im Jahre 2005, als Lasse Skovgaard damit begann, die Pfeifenwelt für sich zu entdecken und erstmals auf sich aufmerksam zu machen. Da war er gerade einmal einundzwanzig Jahre jung – ein äußerst zartes Alter für einen, der sich in dem Dreieck von Holz, Tabak und Rauch zurechtfinden und sich mit seinen Ideen und seiner Kreativität in diesem Metier durchsetzen möchte.
Große Fußstapfen
Es war jedoch kein Sprung ins kalte Wasser. In den Jahren zuvor nämlich hatte Lasse Skovgaard bereits für den renommierten Pfeifenhersteller ›Larsen‹ gearbeitet, bevor er dann Exponate unter seinem eigenen Namen auf den Markt brachte. Sein Vater, Benni Jørgensen, konnte zu diesem Zeitpunkt bereits auf zahlreiche Jahre als Pfeifenmacher zurückblicken, in denen er ebenfalls für ›Larsen‹ gearbeitet hatte. Im wesentlichen hatte der Senior die hohe Kunst des Pfeifenmachens von dem weltbekannten Meister Teddy Knudsen erlernt.
So wuchs auch Lasse Skovgaard – wie vor ihm zahlreiche Pfeifenmacher der zweiten und dritten Generation – umgeben von Pfeifen auf. Schon im Alter von sechzehn Jahren half er seinem Vater in dessen Werkstatt. Wie es das Los eines Novizen mit sich bringt, mußte er sich am Anfang mit dem kleinen Einmaleins dieser kreativen Handwerkskunst beschäftigen: Pfeifenstopfer machen sowie Pfeifenzubehör aus Horn und anderen Materialien herstellen, stets unter den Augen und der Obhut seines Vaters und stets für den Auftraggeber ›Larsen‹. Obwohl das noch nicht die »großen« Arbeiten waren, lernte er gleichwohl eine Menge von dem, was dieses Metier ausmacht. Beispielsweise die Maserung eines Bruyère-Blocks zu »lesen«, beispielsweise auch die Feinheiten der Techniken während der verschiedenen Arbeitsgänge zu verinnerlichen. Was lag also näher, als sich selbst an dieser Kunst zu versuchen – und so machte er bald seine ersten Schritte, sprich Pfeifen. Diese ersten Ergebnisse brachten jedoch keine euphorischen Ausbrüche hervor, und für euphemistische Jubelstürme war kein Platz angesichts der ehrlichen Einschätzung, die Vater und Sohn an den Tag legten. Beide waren sich einig: Das konnte besser werden.


Erste Erfolge
Die Angewohnheit, bei ersten Fehlschlägen den Kopf in den Sand zu stecken, gehört nicht zu den Charakterzügen des Lasse Skovgaard. Der junge Mann gab nicht auf, setzte vielmehr alles daran, seine Arbeitsmethoden zu verfeinern und seine Designideen zu vervollkommnen. Sein konzentriertes Lernen und seine nordische Hartnäckigkeit, ergänzt durch sein künstlerisches Talent, führten schließlich zu ersten beachtlichen Ergebnissen: Im Alter von achtzehn Jahren fertigte er Pfeifen für die ›Zweiton‹- und ›Select‹-Reihen von ›Larsen‹. Schon kurze Zeit später überantwortete ihm ›Larsen‹ auch die Herstellung von ›Straight Grain‹-Modellen, denn die Verantwortlichen des Unternehmens hatten ebenfalls Augen im Kopf, und so war ihnen recht bald klar, daß sie es hier mit einem großen Talent zu tun hatten.
Dann, 2004, schlug Teddy Knudsen dem aufstrebenden Lasse Skovgaard vor, die ›Chicago Pipe Show‹ zu besuchen, zum einen, um einen Eindruck davon vermittelt zu bekommen, was andere Pfeifenmacher auf den Markt bringen, zum anderen, um die Reaktionen der Pfeifenraucher und -sammler auf seine eigenen Schöpfungen zu erfahren – schließlich hatte Lasse Skovgaard zwölf Pfeifen im Gepäck, hergestellt unter seinem Namen, als er in die Neue Welt aufbrach. Als er Chicago verließ, war sein Pfeifenkoffer leer – das Feedback des Fachpublikums zu seinen mitgebrachten Pfeifen war überwältigend positiv gewesen, und so konnte er innerhalb kürzester Zeit das Pfeifendutzend verkaufen.
Derartige Erfolge beflügeln – und können ein solides Fundament für die Zukunft sein. So auch bei Lasse Skovgaard. Anfang 2005 wagte er – durchaus konsequent – den Schritt in die Selbständigkeit eines Pfeifenmachers und baute ein kleines, aber feines Händlernetz in verschiedenen Ländern auf, wobei er von Anfang an seinen Focus auf die Vereinigten Staaten richtete. Daneben arbeitete er weiterhin sehr intensiv daran, seine Handwerkskunst zu verfeinern und einen eigenen erkennbaren Stil herauszubilden. Nach einer weiteren überaus erfolgreichen ›Pipe Show‹ in Chicago wurde sein Name endgültig als der eines der kommenden Pfeifenmacher gehandelt, und er begann, sich in seiner Selbständigkeit zu etablieren.
In den ersten Entwürfen spiegelte sich, verständlicherweise, bei Lasse Skovgaards Pfeifen der Stil seines Vaters wider. Von diesem Stil hat er sich jedoch nach und nach gelöst und seinen eigenen, kunstvollen Duktus entwickelt. Mittlerweile läßt sich beobachten, daß der Stil von Teddy Knudsen einen spürbaren Einfluß auf sein Schaffen hat.
Anfang 2008 machte Lasse Skovgaard schließlich den letzten Schritt in die Selbständigkeit: Nachdem er sich bis Ende 2007 mit seinem Vater eine Werkstatt geteilt hatte, nutzt er nun Werkstatt und Räumlichkeiten von Teddy Knudsen. Dieser Umzug wird sicherlich zur weiteren Verfeinerung seines eigenen, individuellen Stils beitragen. Gleichwohl zählt er schon heute, im recht jungen Alter von vierundzwanzig Jahren, zu den herausragenden Talenten unter den Pfeifenmachern Dänemarks. Bleibt noch zu erwähnen, daß Lasse Skovgaard pro Jahr um die vier- bis fünfhundert Pfeifen für eine immer größere Fangemeinde in aller Welt fertigt. w
Joachim Westermann, leidenschaftlicher
Pfeifenraucher, ist Mitbegründer des in Bochum ansässigen ›Pfeifenkollegiums‹
(www.pfeifenkollegium.de), zu dessen Vorstand er auch gehört. Der gelernte Buchhändler, heute leitender Angestellter in einem führenden deutschen Software-Unternehmen, engagiert sich darüber hinaus bei mehreren Webseiten, welche die Pfeife und das Pfeifenrauchen zum Thema haben, und ist Mitglied des ›Pipe Club of London‹, dem führenden Pfeifenclub in Großbritannien.
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