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Asche und Rauch
Für den angehenden Aficionado, insbesondere für denjenigen, der zuvor Cigaretten geraucht hat, ist die Asche etwas Überflüssiges, ja Lästiges, etwas, das Anzug oder Tischdecke beschmutzen könnte. Die Asche einer Cigarre ist jedoch nicht überflüssig, sondern außerordentlich wichtig, ja sogar nützlich. Was man über Asche wissen sollte – darüber berichtet unser Tabak- und Cigarrenexperte Willy Alvero.

Die Merkmale der Cigarrenasche
Das Cigarrenrauchen ist ein der Photosynthese entgegengesetzter Prozeß. Bekanntlich entstehen bei der Photosynthese durch das Zusammenwirken von Kohlendioxyd, Wasser und Wärmeenergie, etwa der Sonne, organische Verbindungen und Sauerstoff. Beim Rauchen hingegen zerstört Sauerstoff die organischen Stoffe, wobei neben Wärmeenergie (als Feuer) Wasser und Kohlendioxyd freigesetzt werden.
Während des Rauchens verbrennen die organischen Stoffe vollständig oder verdunsten in Gasform. Die nichtorganischen Stoffe hingegen verbrennen nicht und bilden letztendlich die Asche. Organisches unterscheidet sich von Nichtorganischem dadurch, daß ersteres Kohlenstoffatome enthält. Chemisch gesehen, besteht die Asche also aus Verbrennungsrückständen nichtorganischer Stoffe.
Die Cigarrenasche besteht zunächst einmal aus Oxiden und (Bi-)Karbonaten verschiedener Metalle: Calcium (Erdkalimetall), Kalium (Alkalimetall), Mangan (Übergangsmetall), Silicium (Halbmetall) sowie aus chemischen Elementen, etwa Phosphor. Die prozentuale Zusammensetzung dieser Stoffe stellt sich, unabhängig von der Herkunft des Tabaks, bei allen Cigarren in etwa gleich dar. Neben den Metallen sind es die anorganischen Kristallverbindungen und die Salze, welche der Asche erst ihren Charakter verleihen. Zwar nur mit einem Hundertstel an der Gesamtmasse beteiligt, sind sie zuständig für die wichtigsten Eigenschaften der Asche, wie etwa Farbe und Struktur.
Farbe
Vermag man die Zeichen richtig zu deuten, gibt die Asche vieles von der Herkunft einer Cigarre preis. Vor allem bei kubanischen Cigarren läßt die Farbe der Asche Rückschlüsse auf das Tabakanbaugebiet zu, da sie die Beschaffenheit und den Mineralstoffgehalt des Bodens widerspiegelt. Weil die Böden auf Kuba von Region zu Region mitunter große Unterschiede aufweisen, sind auch die einzelnen Tabake verschieden.
Die Böden der im Westen Kubas gelegenen Region Vuelta Abajo, wohl des besten Tabakanbaugebiets der Erde, sind sehr eisenhaltig – ein Umstand, der die Chlorophyllbildung begünstigt. Außerdem ist der Boden dort reich an Stickstoffverbindungen, wovon sowohl Geschmack und Aroma als auch der Nikotingehalt des Tabaks direkt abhängen. Zudem weisen die lockeren Lehmböden reichlich Kalium und Phosphor auf. Verleiht Kalium dem Tabak Elastizität und gute Brenneigenschaften, spielt Phosphor eine wichtige Rolle beim Metabolismus (Stoffwechsel) der Tabakpflanze und beeinflußt die Intensität, mit der sie alle anderen Nährstoffe aufnimmt. Im Ergebnis dieser »Balance der Elemente« ist die Asche des Tabaks, der in der Vuelta Abajo angebaut wird, von heller, stahlgrauer Farbe – für kubanische Cigarren ein Gütesiegel. Noch kaliumhaltiger als die Böden in der Vuelta Abajo sind die in Remedios, der zentralen Region Kubas – weshalb die dortigen Tabaksorten traditionell hervorragende Brenneigenschaften besitzen. Ihre weiße Asche ist ein Beleg für das vollständige Abbrennen organischer Stoffe.
Oriente, im Ostteil der Insel gelegen, ist mit mineralstoffreichen Böden nicht gerade üppig versorgt. Der dortige Tabak geht überwiegend in die Produktion von Cigaretten und einheimischen Cigarren. Für die Asche der Cigarren dieser Region ist eine dunkelgraue bis schwarze Farbe typisch.
Die schwarze Färbung ist ein Indiz dafür, daß die organischen Stoffe nicht ganz abgebrannt sind. In der Regel ist das auf den Kaliummangel in den Böden zurückzuführen. Der läßt sich durch Dünger ausgleichen – wie überhaupt der natürliche Nährstoffmangel der Böden durch Düngen behoben werden kann. In der Vuelta Abajo wird ausschließlich natürlicher Dünger in Form von Pferdedung verwandt, während in den Regionen Remedios und Oriente chemischer Dünger zum Einsatz kommt. Es gelingt aber bei weitem nicht immer, das gewünschte Ergebnis zu erzielen, auch deshalb, weil auf den Plantagen hin und wieder zuviel oder zuwenig gedüngt wird. Bedingt durch falsche Anbautechnologien, kommt schwarze Asche auch bei Cigarren vor, deren Tabak in Regionen angebaut worden ist, die zu den ausgewiesen besten zu zählen sind – weshalb bei einer Cigarre der Premiumklasse, die mit schwarzer Asche aufwartet, eine gewisse Skepsis durchaus angebracht ist. Andererseits kommt so etwas gelegentlich vor. Ist jedoch die Asche aller Cigarren einer Kiste schwarz, sollte auf die anfängliche Skepsis ein tiefes Mißtrauen folgen, denn dann stammen die Cigarren mit Sicherheit nicht aus einer der bevorzugten Anbaugebiete.
Bei nichtkubanischen Cigarren fällt die Zuordnung ungleich schwerer. Weil die Hersteller in den anderen führenden Cigarrenländern, der Dominikanischen Republik, Honduras und Nicaragua, in einer Cigarre nicht selten Tabake verschiedener Regionen verarbeiten, auch diverse Tabaksorten verwenden, läßt die Farbe der Asche keine Rückschlüsse auf die Herkunft der Rohstoffe zu. Einzig die schwarze Farbe zeugt als universelles Erkennungsmerkmal von einer unvollständigen Verbrennung der organischen Elemente und von minderwertiger Qualität. Eine stahlblaue Farbe läßt hingegen auf einen hohen Mineralstoffgehalt des Tabaks schließen.
Formen des Abbrands

Die Tabakblätter

Struktur
Die Struktur der Asche hängt davon ab, welche Blätter für eine Cigarre gewählt worden sind. Dichte Asche mit einer Länge von zwei bis drei Zentimetern ist ein Gütezeichen und ein Beleg dafür, daß es sich bei der betreffenden Cigarre um einen Longfiller handelt. Hat der Torcedor jedoch nicht ausreichend Tabak verarbeitet, wird die Cigarre eine schwache Rollstruktur aufweisen und die Asche recht locker sein. Locker ist die Asche auch bei Shortfillern, da hier kleine, lose sortierte Tabakstücke Verwendung finden, weshalb die Asche relativ schnell abfällt. Schließlich: Schöne, glatte Asche ist das Ergebnis richtigen Rollens und der Einhaltung der vorgegebenen Mischung.
Die Einlage eines jeden Longfillers besteht aus drei Blattsorten: Da ist einmal der schlecht brennende, aber für die Festigkeit so wichtige Ligero vom oberen Pflanzenteil zu nennen, dann der aromatische Seco von der mittleren Blattebene sowie das dünnste und brennbarste Blatt, der Volado (untere Blattebene). Bei einer richtig gerollten Cigarre befindet sich der Ligero in der Mitte der Einlage, gefolgt vom Seco und schließlich vom Volado. In diesem Fall kommt es zu einem kegelförmigen Abbrand. Wird diese Reihenfolge nicht eingehalten, kann die Cigarre flach, mitunter sogar kraterförmig abbrennen. Auch wenn es die »Aufgabe« des Deckblatts ist, den Aficionado für eine Cigarre einzunehmen, so ist es die Einlage, die weitgehend den Charakter einer Cigarre ausmacht. Zusammen mit dem Umblatt bestimmt sie auch Struktur und Dichte der Asche, während deren Äußeres vom Deckblatt geformt wird. Das sollte gut und gleichmäßig abbrennen und somit die Kegelform von Asche und Abbrand gewährleisten.
Auf Kuba gilt der Seco als das beste Deckblatt und wird daher in den Fabriken auf der Insel am häufigsten verwendet. Dieses Blatt ist relativ elastisch und sehr aromatisch, besitzt aber nur mäßige Brenneigenschaften. Als Ausgleich und zur besseren Brennqualität dient dann Volado als Umblatt – der sich allerdings auch oftmals als Deckblatt präsentiert (und somit für einen gleichmäßigen Abbrand sorgt). Wegen des Aromas überwiegt dann in diesem Fall der Seco-Anteil in der Einlage.
Die Besonderheit des kubanischen Deckblatts: Jeder Zug hinterläßt eine Spur von hellen Ringen auf der Asche (die, bei glühendem Tabak, zwischen den Zügen dann dunkel ist), wobei der Wechsel von hellen und dunklen Ringen auf die Rauchintensität schließen läßt. Der amerikanische ›Connecticut Shade‹ beispielsweise, der bei nichtkubanischen Cigarren oftmals als Deckblatt Verwendung findet, brennt meistens schön gleichmäßig ab und präsentiert aufgrund seines erhöhten Kalium- und Kohlenstoffgehalts in der Regel eine weiße Asche. Schließlich sei noch auf eine Besonderheit hingewiesen: Ein dickeres Deckblatt macht die Asche stabiler und läßt eine Aschesäule von einigen Zentimetern entstehen.
Die Rolle der Asche
Die Asche hat eine wichtige Filterfunktion, bestimmt doch ihre Länge die Sauerstoffzufuhr durch den Cigarrenkörper. Zum einen: Je mehr Sauerstoff vorhanden ist, um so intensiver gestalten sich Oxydationsprozeß und Brennvorgang. Zum anderen: Je länger die Aschesäule ist, um so schwerer gelangt der Sauerstoff zum brennbaren Teil (Abbrand) – was zur Folge hat, daß die Temperatur während des Brennprozesses abgesenkt wird und der Rauch abkühlt, wodurch wiederum das Rauchen angenehmer wird. Immerhin senkt ein Zentimeter Asche die Temperatur um ungefähr 15 Grad Celsius (weshalb ein allzu häufiges Abstreifen der Asche vermieden werden sollte). Es sollte daher versucht werden, die Asche wenigstens einige Zentimeter lang zu halten. Das trifft vor allem auf das letzte Drittel zu, wenn der Rauch besonders heiß und beißend ist. Daran sollte immer gedacht werden, denn: Kühler Rauch ist die Voraussetzung für einen optimalen Rauchgenuß.
Materialvorbereitung: Sergej Drosdow
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