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Günstige Einstiegschancen

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Üblicherweise zählen die ersten Monate des Jahres bei Aktien in bezug auf die Rendite zu den ertragreichsten des Jahres. Warum nahmen die Börsen in diesem Jahr bislang einen so untypischen Verlauf? Die Berichterstattung über das Börsengeschehen drehte sich hauptsächlich um die US-Immobilienkrise, die horrenden Abschreibungen der Banken bei Anleihen minderer Bonität – sogenannte »Subprime-Anleihen« – sowie die Frage, ob die USA in eine Rezession geraten, die auch die übrige (Finanz-)Welt in Mitleidenschaft ziehen würde.

Prekäre Schieflagen
Fast nichts war zu lesen über die etwaigen Schieflagen der Hedge-Fonds, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Da sie meist in Steueroasen domizilieren, gibt es über sie sehr wenig handfeste Daten. Es wird aber geschätzt, daß es über zehntausend Hedge-Fonds gibt, mit einem Eigenkapital von mehr als zwei Billionen Dollar. Weil sie mit Hebelwirkung arbeiten und ihre Investments in Anleihen und Aktien, Rohstoffe und Devisen oft mit 90 bis 95 Prozent auf Kredit finanzieren, beträgt ihre Manövriermasse ein Mehrfaches ihres Eigenkapitals. Aus diesem Umstand ergeben sich sehr oft prekäre Situationen: Als kürzlich ein pleite gegangener Hedge-Fonds Nachschuß liefern mußte, weil die Kurse seiner Investments fielen, konnte er dieser Forderung nicht nachkommen. So wurde das gesamte Engagement von den kreditgebenden Banken abgewickelt bzw. »exekutiert«, wie es im Fachjargon heißt. Das Resultat: Verluste für die Banken und Totalverluste für die Anleger.
Die Hauptursache für die heftige Korrektur an den Börsen seit Jahresbeginn liegt nicht in einer möglichen Rezession in den USA und einem geringeren Wachstum der Weltwirtschaft mit entsprechenden Gewinnrückgängen der Unternehmen, sondern in dem Platzen der größten Kreditblase in der Finanzgeschichte. Diese Blase hatte sich über Jahre gebildet. Zum einen durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank (›Fed‹) mit ihrem Chairman Ben Bernanke an der Spitze, zum anderen durch die Geldschöpfung aufgrund massiver Käufe von US-Dollar-Anleihen, die von den Zentralbanken Japans und Chinas getätigt wurden, um dadurch die Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern.

Zweifelhafte Gewinne
Eine weitere Aufblähung der weltweiten Liquidität geschah durch die sogenannten »Carry Trades« der Hedge-Fonds. Die Fonds nahmen Kredite in Niedrigzinswährungen, wie etwa dem japanischen Yen, praktisch zum Nulltarif auf, um damit Anleihen in anderen Währungen und mit höheren Zinsen zu kaufen bzw. in Aktien oder Rohstoffe zu investieren. Die Folge: Der Kurs des Yen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro fiel ständig. Es war ein wunderbares Geschäft für die Hedge-Fonds, die sowohl bei den Yen-Krediten als auch bei den Investments, die sie getätigt hatten, Gewinne machten. Nicht nur das. Es war auch ein schönes Geschäft für die Banken, denn die verdienten gleich doppelt: an den Zinsen für die Kredite, die sie den Hedge-Fonds gewährt hatten, und an den Provisionen für die Börsengeschäfte, die sie für sie abwickelten.
Als die Kurse aber fielen, war das Eigenkapital der Hedge-Fonds schnell aufgezehrt. Sie mußten nun Nachschuß liefern – und wenn sie das kurzfristig nicht leisten konnten, wurden ihre Investments verkauft. Zu jedem Preis.
Auffällig war, daß die Verkaufswelle bei Aktien am ersten Handelstag 2008 begann und sich unaufhörlich über das ganze erste Quartal fortsetzte. Obwohl nirgendwo etwas darüber zu lesen war, muß man vermuten, daß es ein Stillhalteabkommen zwischen den Spekulanten und ihren Kreditgebern, den Banken, gegeben haben muß, die Schieflagen erst im neuen Jahr auszugleichen, um die Jahresabschlüsse beider Partner nicht zu verschlechtern, zudem die Bonifikationen der Top-Manager nicht zu gefährden. Nicht eine drohende Rezession in den USA, sondern der Beginn einer Rückabwicklung der gigantischen Spekulations- und Verschuldungsorgie war somit die Hauptursache für die heftige Börsenkorrektur.
Inzwischen haben die ›Fed‹ und die US-Regierung energische Schritte unternommen, um die Finanzkrise zu überwinden und die Konjunktur anzukurbeln. Als Folge dieser Maßnahmen wird sich zum einen die Lage an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft ab dem zweiten Halbjahr bessern, könnte zum anderen der US-Dollar von einer Konjunkturbelebung profitieren und mittelfristig gegenüber dem Euro fester notieren
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Günstige Gelegenheiten
Angesichts moderater Unternehmensgewinne (außerhalb des Bankensektors) und günstiger Bewertungen am Aktienmarkt, eines starken Wachstums in den Schwellenländern, niedriger Zinsen und Anleiherenditen, einer üppigen Liquiditätsausstattung der Märkte sowie positiver markttechnischer Faktoren ist zu erwarten, daß sich an den Aktienmärkten ein stetigerer Aufwärtstrend einstellen wird. Die aktuelle Korrektur könnte daher eine günstige Gelegenheit für Aktienengagements in derzeit attraktiv bewertete Qualitätstitel sein. Weil erfahrungsgemäß die Aktienkurse schon sechs Monate vor dem konjunkturellen Tiefpunkt steigen, sollten langfristige Aktienanlagen – am besten in Form von Aktienfonds – daher bald, jedenfalls noch in diesem Jahr getätigt werden, um Kursgewinne auch nach der Einführung der Abgeltungssteuer (2009) dauerhaft steuerfrei realisieren zu können.

 
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