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Freier Auslauf

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Schon das »normale« Modell ›XKR‹ erreicht dank seiner 416 bestens im Futter stehenden Pferdestärken eine Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Dabei könnte diese Katze durchaus noch deutlich schneller sprinten, durfte es aber (bislang) nicht. Denn ein spezieller Chip in der Motorsteuerung stutzt ihr sozusagen künstlich die Krallen. Anders beim ›XKR-S‹: Hier läßt ›Jaguar‹ den Top-Sportler an der langen Leine laufen und gewährt ihm bis Tempo 280 freien Auslauf. Damit ist der neue ›XKR-S‹ der schnellste ›Jaguar‹ seit dem legendären ›XJ 220‹ aus den zurückliegenden neunziger Jahren. Nur mit dem Unterschied, daß im Gegensatz zum durchaus alltagstauglichen 2+2-Sitzer der Gegenwart der ›XJ 220‹ ein eigens für den Motorsport konzipiertes Coupé war – mit zwei Sitzen, Mittelmotor und eher spartanischem Komfort.

Special: Super, sportlich, schnell

Das »S« steht beim ›Jaguar XKR-S‹ für »sportlich«, »superschnell« und ganz allgemein für »special«. In der Tat heben ihn zahlreiche kleinere und größere Besonderheiten von seinem Gen-Spender ›XKR‹ ab. Schon der Auftritt im Habitus einer zum Sprung vorgespannten Katze nötigt Respekt ab: Gierig saugt der im Vergleich zu seinem Stallgefährten 10 Millimeter tiefer auf dem Boden kauernde ›XKR-S‹ den Asphalt auf. Mit den typisch britischen Maschendrahteinsätzen gegen das Eindringen von Steinen und Papierschnipseln geschützt, signalisieren die großen Frischluftschächte: Hier holt jemand aus großen Lungen kräftig Luft. Und am Heck suggerieren je zwei dicke und polierte Auspuffrohre pro Seite: Wo »S« draufsteht, ist auch viel Saft drin.
Damit diese titanische, aus 4,2 Litern Hubraum und acht Zylindern generierte Kraft auch zuverlässig verzögert werden kann, hat ›Jaguar‹ dem ›XKR-S‹ eine ganz spezielle Bremsanlage spendiert. Entwickelt hat sie die Firma ›Alcon‹, Top-Spezialist mit viel Motorsport-Know-how im Rücken. Markenzeichen der Spezialkonstruktion sind rot lackierte Bremssättel mit je sechs Kolben vorn und je vier hinten. Sie leuchten effektvoll durch die Speichen der 20 Zoll großen Leichtmetallräder und sorgen schon beim bloßen Anblick für Vertrauen. Zumal die Reibflächen der innenbelüfteten Scheiben zusätzlich halbmondförmige Ausfräsungen aufweisen – das hält sie bei feuchtem Wetter besser trocken. Immerhin ist der ›Jaguar XKR-S‹ aus dem Stand in nur 5,2 Sekunden bei 100 Stundenkilometern angelangt – und so ultraschnell er auf Jagdtempo kommt, so schnell will er im Notfall auch wieder eingebremst werden.
Ein weiteres optisches Highlight des trotz zusätzlicher Muskelmasse angenehm proportionierten ›XKR-S‹ ist die außergewöhnlich coole Außenfarbe: ›Ultimate Black‹ heißt sie. Sie sorgt mit kontrastierenden helleren Tönen an Grill und Schwellern, seitlichen Lufteinlässen und Heckdiffuser für optischen Genuß.
Der als »Schwarzer Panther« auftretende ›Jaguar‹ wurde auch aerodynamisch modifiziert, um selbst noch bei Maximalgeschwindigkeit stoisch geradeaus zu laufen und sich dabei fest auf die Fahrbahn zu pressen. Dafür sorgen ein Heckspoiler und der wie bei einem Rennwagen als Diffusor ausgeformte Unterboden.
Vom Schwestermodell ›XKR‹ übernommen hat das neue Spitzen-Coupé neben dem zugleich sehr leichten und festen Aluminiumchassis auch die innovative Sechsstufenautomatik. Weil ein konventioneller Selbstschalter bei einem solchen Raubtier nur für müdes Gähnen sorgen würde, lassen sich die Gänge mittels Schaltwippen am Lenkrad im Millisekundenbereich per Hand wechseln – ein Genuß für sportlich ambitionierte Piloten, denen es beim Blick durch die Onboard-Kamera eines ›Formel 1‹-Monopostos schon immer in den Fingern gejuckt hat.

Auf hohem Niveau: Eleganz und Komfort
Natürlich hat ›Jaguar‹ diese ultimative Fahrmaschine auch im Fahrwerksbereich noch einmal angefaßt, sprich neu abgestimmt. Und wo geht so etwas unbestechlicher (und zugleich unbarmherziger) als auf der Nordschleife des ›Nürburgrings‹, an der das Unternehmen ein eigenes Testcenter betreibt? Seien es die Federn, die Querstabilisatoren, die eigens für den ›XKR-S‹ gefertigten Hochleistungsstoßdämpfer – alle Komponenten und deren Parameter wurden auf dieser geschichtsträchtigen Berg-und-Tal-Bahn in akribischer Arbeit feingetunt. Selbst das bewährte ›CATS‹-System (›CATS‹: ›Computer Active Technology Suspension‹) und die Lenkung erhielten eine veränderte Abstimmung. Dabei gelang den ›Jaguar‹-Ingenieuren der Spagat, einerseits dem ›XKR-S‹ ein noch intensiveres Fahrerlebnis als dem ›XKR‹ zu verpassen, andererseits aber Komfort und Kultiviertheit des letztgenannten Modells beizubehalten. Natürlich mußte in der Eifel auch die Bremsanlage des »Schwarzen Panthers« vor der Serienfreigabe ungezählte Runden lang ihr Können unter Beweis stellen, wozu sich noch Tausende von Kilometern auf den anspruchsvollsten Straßen Europas gesellten.
Der solcherart gestählte »Grand Tourer« hat seinem glücklichen Besitzer aber auch akustisch einiges zu bieten: Da wäre zunächst der durch sein typisches ›V8‹-Grummeln auffallende Kompressor-›V8‹-Motor, der allein schon für ein Feeling sorgt, das mit dem Ausdruck »Gänsehaut« noch zurückhaltend umschrieben ist. Zusätzlich hat ›Jaguar‹ sein Abgassystem so abgestimmt, daß es bei entspanntem Dahingleiten nur dezente Töne produziert, beim scharfen Beschleunigen dagegen einen markanten, sportlichen Sound zum Besten gibt. Ebenfalls »Musik in den Ohren« echter Liebhaber dürfte der Hinweis auf das serienmäßig installierte Hochleistungs-Audiosystem sein: Die 525 Watt starke Premium-Anlage glänzt mit Lautsprechern der britischen Klangexperten ›Bowers & Wilkins‹. Verzerrungsfreie Kevlar-Mitteltöner und Aluminiumkalotten-Hochtöner garantieren exzellenten Hörgenuß über den gesamten
Frequenzbereich – und auch optisch wirkt alles äußerst geschmackvoll.
Last, but not least blieb auch das Interieur des Ausgangsmodells ›XKR‹ nicht unangetastet. Während bei der Optimierung der Technik und des Karosseriedesigns Sportlichkeit und Dynamik im Vordergrund standen, wurde der Innenraum mit Blick auf den Charakter des neuen Top-Modells als kompromißlos luxuriöser Sportwagen weiterentwickelt. Davon zeugen eine Vollederausstattung aus hochwertigem ›Soft Grain‹-Leder im ›Charcoal‹-Ton (charcoal: koksgrau) mit farblich kontrastierenden Doppelnähten in ›Ivory‹ (elfenbeinfarben). Das Leder bedeckt zusätzlich zu den Sitzen auch die Oberseite der Instrumententafel, die Mittelkonsole, die Türverkleidungen und die hinteren Seitenverkleidungen. Abgerundet wird das hochwertige Ambiente durch Paneele in Klavierlackoptik, einen luxuriösen ›Charcoal Alston‹-Dachhimmel sowie veränderte Instrumente inklusive einer bis 280 Stundenkilometer reichenden Geschwindigkeitsskala.
Trotz geballter Hochleistungstechnik entpuppt sich der ›XKR-S‹ im täglichen Umgang keineswegs als zickige Edelkatze. Er ist zwar hochexklusiv, sich aber durchaus nicht zu schade zum gelegentlichen Brötchenholen. Was ihn jedoch vor allem auszeichnet, ist die faszinierende Mischung aus hoher Leistung, exzellenter Dynamik und luxuriöser Handwerkskunst, mit der er die jaguartypische Fahrfaszination in eine neue Dimension hebt. So wird er zum perfekten Sinnbild für den Anspruch der Traditionsmarke, schöne und schnelle Automobile zu bauen.
Und weil der Jaguar ›XKR-S‹ so außergewöhnlich ist, wird es ihn auch nur in einer auf zweihundert Exemplare limitierten Sonderauflage geben. Exakt die Hälfte davon ist für jenen Markt reserviert, in dem seine Höchstgeschwindigkeit noch ganz legal ausgefahren werden darf: dem deutschen. Erste Auslieferungen beginnen in diesem Sommer. Außergewöhnlich ist auch sein Preis: Für die Zahlung von 116.900 Euro wechselt diese Rassekatze den Besitzer – für das, was der Käufer geboten bekommt, eine mehr als akzeptable Summe. Wer also diese Investition tätigen möchte, der sollte sich beeilen, denn sicherlich gibt es hierzulande bedeutend mehr als hundert Katzenliebhaber …
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Text: Hans Dietrichsen

 
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