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Quintessenz von fünfzehn Jahren: Überfluß der Sinneseindrücke

Es taten Matthias Martens, Adam Dittrich und die treue Cigar Clan-Verkosterriege den nächsten Schritt und nahmen sich eine weitere Qualitätsstufe des Leitmotivs »Whiskys und Cigarren« zur Brust. Man war in Hamburg zusammengekommen, um intensive Verkostungsarbeit an einer internationalen Auswahl von Premium-Cigarren und fünfzehnjährigem schottischen Gold zu leisten. Was dabei über die geschmackliche Bühne ging, kam einem multisensorischen Feuerwerk auf See gleich.
Man hatte auf die ›MS Großer Michel‹ geladen, und man hatte es gutgemeint. Von der Apero-Cigarre bis zum dreigängigen Menü, von einer dreifachen Begrüßungsrede bis zum großartigen Evergreen-Performer Danilo Galke blieb kein Wunsch offen und kein Sinnesorgan unbedient an jenem Abend Anfang März im Hafen zu Hamburg, der sich bis in den frühen Morgen hinzog.



The Glenlivet 15 Years
French Oak Reserve Single Malt Scotch Whisky
(40 % Vol.)


Schon der Zwölfjährige hat sich zu den (damals kubanischen) Cigarren sehr erquicklich und vermählungsfreudig präsentiert. Dem steht der ältere Bruder kaum nach. Nach der regulären Faßlagerung und vor dem endgültigen Blending reift ein Teil der Brände noch für einige Zeit in Fässern aus französischer Limousin-Eiche.
Dieser Speyside liegt hellgolden im Glas, erinnert an einen jungen Sherry, mitunter auch an einen mittelschweren Weißwein. In der Nase fällt deutlich eine präsente, frische Süße von Zitrusfrüchten und Zedernholz auf, während er am Gaumen noch fruchtig-frisch, aber deutlich komplex mit Gewürzen, Pfeffer, Vanille und exotischen Früchten beladen ist. Der volle Körper und der weiche, mittellange Nachhall vervollständigen das Erlebnis.


The Glenlivet ›NÀdurra‹ 16 Years
Single Islay Malt Scotch Whisky
(57,7 % Vol.)


»Nàdurra«, diese gälische Bezeichnung für »natürlich«, bezieht sich auf die Art der Filtration (nicht gekühlt), welche bei diesem Whisky, der zudem mit einem sehr hohen Volumprozentanteil abgefüllt wird, angewendet wird. Solches Vorgehen erhält die gut strukturierten, lebendigen Aromen. Sechzehn Jahre Reifung als »Erstbelegung« in amerikanischen Eichenfässern – die Fässer sind vorher also nicht, wie sonst üblich, mit amerikanischem Bour- bon-Whiskey befüllt gewesen – sorgen für präsente Holzaromen und würzige Fruchtigkeit.
Zuerst fällt die helle Farbe im Glas auf: Weißgold, mit gelben Reflexen. Die erste Nase ist wegen des hohen Alkoholgehalts stechend und sehr frisch. Später nimmt man exotische Früchte und das klare Holzaroma wahr. Der Geschmack ist von ätherischer Frische und Süße geprägt: Ingwer, Pfirsich und Vanille, sehr ausgewogen. Blüht der Körper, vor allem mit ein wenig Wasser genossen, geradezu auf, ist der Nachhall erfrischend, lang und knackig.


Laphroaig 15 Years
Single Islay Malt Scotch Whisky
(43 % Vol.)


Neu in der Verkostungsreihe ist der ›Laphroaig‹, in der zweiten Runde der Quadrologie natürlich in der fünfzehn Jahre alten Version. Für Neugierige sei allerdings verraten, daß er hier nicht zum letzten Mal präsentiert wird. Als Islay-Whisky polarisiert er: Man liebt ihn oder … sagen wir mal, man muß sich erst mit ihm anfreunden. Zumindest »His Royal Highness The Prince Charles, Duke of Rothesay« – so die offizielle Ansprache des Prince of Wales in Schottland, bei uns als Prinz Charles bekannt – liebt diesen Single Malt, seit er nach einem »Beinaheflugzeugabsturz« auf Islay diesen Brand als erste wiederbelebende Maßnahme verabreicht bekam.
Im Glas goldgelb, lebendig in der Nase: intensiv, jodig und salzig und typisch torfig. Am Gaumen verspürt man im ersten Moment Grasigkeit und Süße. Dem folgt eine eindrucksvolle Ladung Islay-Intensität: dampfender Torf, Jod und Salz. Der Körper ist komplex und facettenreich. Im Nachhall bleibt eine ewige Lebendigkeit und Frische. Diese Typizität ist für Whisky-Kenner und Isley-Liebhaber eindeutig das Größte. Weniger versierte Spirituosenliebhaber werden sich wohl erst allmählich dafür erwärmen können. Nicht verzweifeln!


Dewar’s 15 Years
Blended Scotch Whisky
(40 % Vol.)

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Als einziger Blend in der Verkostungsreihe mußte der ›Dewar’s‹ vor allem die Puristen in ihren Ressentiments überzeugen, was ihm schon im Vorfeld der Cigarrenverkostung eindeutig gelang, als er zu einem hinreißenden Dessert von gratiniertem Ziegenkäse mit Birnenmus serviert wurde. Dieser ungemein ausgewogene Whisky ist europaweit ausschließlich in Deutschland erhältlich, jedoch auch hier nur in begrenzter Flaschenzahl. Als Basis für die Vermählung werden vor allem Whiskys aus den Destillen ›Aberfeldy‹ und ›Mc Duff‹ verwendet, die alle älter als fünfzehn Jahre sind. Nach dem Blenden geht die Assemblage noch zwei Jahre zum endgültigen Vermählen (»Marriage«) zurück in die Fässer. Passend zum modernen Handling geben die Produzenten die Parole aus: »Drink your Whisky as you like it.«
Sattes Gelbgold im Glas und eine milde, sommerfrische, leicht holzig-süßliche Nase. Am Gaumen fruchtig und blumig wie ein Apfelgarten, mit zarten Ananasnoten und einem angenehmen Touch von süßem Malz und frischer, sahniger Milch. Mittlerer, aber schön präsenter Körper, ausgewogen und rund, dazu ein warmer, eleganter Nachhall. Dieser Blended Whisky überzeugt durch seine Ausgewogenheit, die den schmalen Grad zwischen Eingängigkeit und Individualität wunderbar einhält, sowohl Einsteiger als auch Connaisseure gleichermaßen. Als Aperitif, zum Essen und auch danach ein Erlebnis.



Flor De Selva
Decimos


Format: Churchill
Länge: 182 mm
Ringmaß: 45 (17,9 mm)
Deckblatt: Ecuador
Umblatt: Honduras
Einlage: Honduras
Stärke: 2
Rauchdauer: ca. 1 Std.
Einzelpreise:
D: € 8,–
CH: sfr 13,60

Eine zwar typisch anmutende, doch streng selektierte Cigarre mit veränderter Tabakzusammenstellung aus dem Sortiment von Maya Selva. Die Verpackung aus Acrylglas mag zwar Ansichtssache sein, aber die Cigarren selbst nicht: Sehr anmutig im 12er Gebinde, ruhen sie, ein ums andere Stück, in ihrem Behältnis. Die ›Decimos‹ liegt gut in der Hand, ist fein verarbeitet, fast schwerelos leicht und mit einem zusätzlichen Cigarrenring veredelt, der das Brandende schützt.
Sehr zart und edel präsentiert sich das Deckblatt in Colorado Claro – typisch für eine ›Flor de Selva‹. Die Cigarren verströmen einen leicht schokoladigen, hölzernen Duft, der, kalt gezogen, schon die erste Würzigkeit erahnen läßt. Das Ritual des Toastens und Anzündens ist bei diesen pergamentartigen Deckblättern schon ein Vergnügen für sich, der erste Zug allerdings noch fast undefiniert leicht. Mit den weiteren Zügen und der aufkommenden Temperatur erfährt der Raucher einen Quantensprung in der Aromenentwicklung. Neben einer gewohnt süßlichen Komponente tragen Kakao- und Schokoladen­aromen nicht zu dick auf und transportieren eine willkommene Würze, die im Verlauf deutlicher wird, während man ab der Hälfte des Rauchverlaufs von verhaltener Schärfe sprechen kann. Helle, exotische Fruchtaromen und sanfte Säure begleiten das Ganze und passen gut ins Bild. Zug und Abbrand bedürfen, weil einwandfrei, keiner weiteren Worte. Die Asche ist hell und stabil, bis sie weich fällt.
Wenn das Ende gekommen ist, kann man in Ruhe ablegen und sich auf neue Kapitel im Buch der Dame freuen, die uns aus Honduras ständig gute Cigarren beschert.

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The Glenlivet 15 Years
I’m still standing … Eine runde, belebende Kombination. Die Süße der beiden besteht über zwei wunderschöne lange Drittel des Rauchverlaufs. Mit der Zeit kommt im Nachhall Bitterkeit auf..
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The Glenlivet ›NÀdurra‹ 16 Years
Tough Guys, listen! Zuerst einmal muß man den ›Laphroaig‹ akzeptieren können. Er dominiert die Situation zudem mit fester Hand. Beim nachdenk­lichen Lauschen hört man die feine Stimme der Cigarre – und was sie zu sagen hat.

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Laphroaig 15 Years
One, two, three times … a lady. Der hochprozentige Whisky ist zu raß für die Dame. Ein Schluck, dreimal ziehen, dann funktioniert es …

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Dewar’s 15 Years
Wertvoll. Ausgewogenheit macht hier das Rennen. Die Cigarre schmiegt sich an die süßen Grundtöne und lebt weiter im ewigen Nachhall des balancierten Whiskys.




LÉon Jimenes Maduro
Robusto


Format: Robusto
Länge: 127 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Brasilien (Mata Fina)
Umblatt: Dominikanische Republik
Einlage: Dominikanische Republik
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 5,90
CH: Auf Anfrage

Cellophanierte Cigarren reifen einsam. Das dunkle, einwandfreie Mata-Fina-Deckblatt stellt sich nach dem Auspacken eindrucksvoll ohne jeden Unterholzmuff vor, mit einer eindeutigen Bitterschokoladen­aromatik und einem tiefen, klassischen Tabakduft. Auch die Verarbeitung besticht. Dafür sind die ersten Züge von belastender Trockenheit geprägt, die nach keinem der vier Whiskys schreit, sondern eher nach süßem Kaffee oder einem Portwein. Wenn sich dieses Manko reguliert hat, wird es ernst – und zugleich spaßig.
Die fest gerollte Cigarre zieht sehr gut. Bei Vernachlässigung brennt sie allerdings ein wenig in sich hinein. Die Asche ist ein schöner antik-hellgrauer Kontrast zum Deckblatt und sitzt fest, in sich körnig und zerfällt in Schichten.
Der Rauch ist ab dem Moment, an dem die besagte Trockenheit vergeht, durch den gesamten weiteren Rauchverlauf weich, aber präsent. Angenehme Bittertöne und dunkles, gedörrtes Obst finden mit wenig Schärfe ausgewogen an den Gaumen. Subtile Steigerungen und Ausreißer bis zum Finale: breit, wuchtig und … endlich ein wenig süßlich.

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The Glenlivet 15 Years
Zu ernsthaft. Lassen wir den trockenen Start außer acht, fehlt hier trotzdem der Spaßfaktor. Zwar tauchen keine Mißtöne auf, aber die Kombination ist eher etwas für ernsthafte Grübler.
b
The Glenlivet ›NÀdurra‹ 16 Years
Des Widerspenstigen Zähmung.
Kaum erwartete Wendung: Der salzig­-torfig-jodige Bursche wird ruhiggestellt. Gerade zum Ende hin ausgewogen und schmackhaft.

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Laphroaig 15 Years
Früher Ausgleich. Anfänglich ein Kräftemessen. Danach balanciert die Cigarre die Alkoholität aus und erfährt ihrerseits eine frische Belebung. Aus Hin und Her wird ein Miteinander.

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Dewar’s 15 Years
Top-Schoko. Zwar bringt die Cigarre keine Süße, aber den schokoladigen Grundton. Den Rest macht der Brand. Superlecker!





Romeo y Julieta
Churchill


Format: Julieta № 2 (Churchill)
Länge: 178 mm
Ringmaß: 47 (18,7 mm)
Deckblatt: Kuba
Umblatt: Kuba
Einlage: Kuba
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. 1 ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 15,–
CH: sfr 20,40

Welchem Whisky-Trinker soll man diese Cigarre vorstellen? Sie kann zwar mehr, als nur Klassiker begleiten, aber bei dem Namensgeber ist hier eher Kür als Pflicht angesagt, oder? Dem neuen Hochglanz-Einzeltubo entnommen, kann die Cigarre manchen optisch enttäuschen. Ein ordentliches Colorado-Deckblatt, aber nicht sehr eindrucksvoll: stumpf und fast immer mit Sonnenflecken. Der Duft ist eher verhalten – wenn man ihn mit dem vergleicht, was schon aus anderen Cabinet-Kisten geströmt ist. Trotzdem eine Cigarre mit Klasse, die eindrucksvoll in der Hand liegt und eine Portion Vorfreude weckt.
Wie bei allen etwas größeren Formaten ist ein wenig Geduld gefragt. Dann tun sich kubanische Weiten auf: Holz, Leder und, ganz entfernt, Fruchtigkeit. Zugprobleme? Weit gefehlt. Ein einwandfreier Abbrand und ein fester Kegel aus dunkler, gerippter Asche, die sehr spät fällt.
Auch diese Kubanerin läßt sich in Dritteln beschreiben. Allerdings findet die deutliche Steigerung genau in der Mitte des zweiten Drittels statt, wenn sich zu den ohnehin eher männlichen Aromen eine ordentliche Portion Würze und, dem entgegenwirkend, Süße einstellt. So potenziert sich das Gesamt­erlebnis, welches, mit Muße geraucht, gut eine und eine halbe Stunde andauern kann, bis ein merkliches Signal an der Zungenspitze zum Ablegen aufruft.

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The Glenlivet 15 Years
Klassische Korrespondenz. Die beiden gehören zusammen. Ein typischer Single Malt und eine Kubanerin, die hält, was sie verspricht. Großes Gaumenkino!
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The Glenlivet ›NÀdurra‹ 16 Years
Gnade vor Recht. Diese Kombina­tion ist schwierig. Die erste, mildere Hälfte der Cigarre wird gnadenlos erschlagen, während sich die würzige zweite Hälfte verzweifelt bis zur Dopplung wehrt.

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Laphroaig 15 Years
Machismo. Eigentlich schade, eine so gute Cigarre derart zu unterwerfen. Da sie sich aber kaum wehrt, kann man den Whisky mit einer weit entfernten Rauchnote in Ruhe zu sich nehmen.

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Dewar’s 15 Years
Schmeichler. Der Whisky ist für Cigarren wie gemacht. Als Abstrich sei hier vermerkt, daß jede Aufregung fehlt. Etwas mehr Action täte beiden gut.

 

 
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