
Es gab Zeiten, da konnten die Genießer feiner Tabakwaren noch guten Gewissens ihren Gewohnheiten frönen, wann, wo und in welcher Lebenslage sie das auch wollten. Zwar war rücksichtsvoller Umgang mit den weniger, gerade nicht oder gar nicht rauchenden Mitmenschen Ehrensache oder zumindest Stilfrage, aber Verbote und Anfeindungen gehörten damals noch nicht zu den täglich erlebten Situationen, mit denen sich Aficionados auseinandersetzen mußten.
In jenen Tagen, in die sich unsereins gerne zurückversetzen möchte, war die Qual wohl eher die Wahl aus einer großen Bandbreite von Formaten, hervorgerufen durch die vielen Zeitfenster, die für das Rauchen zur Verfügung standen. Von einer ›Double Corona‹ bis zu einer ›Small Panatela‹ reichte das Spektrum. Darunter auch ein lange fast vergessenes Format, das ›Entreacto‹ genannt wurde, um es in ebendiesem Moment – »zwischen den Akten« – im Foyer des Opern- oder des Theaterhauses zu genießen. Die Rauchdauer passend zur Dauer der Pause.
Die Erklärung, warum andere kleine Formate wie ›Trés Petit Corona‹, ›Perla‹, ›Minuto‹ oder ›Demi Tasse‹ ihre Namen bekamen, dürfte sich erübrigen. Weitere Bezeichnungen für kurze Cigarren sind ›Cadetes‹, ›Chico‹ oder ›Trabuco‹. Sie kommen aus den kubanischen Galeras, werden allerdings inzwischen auch von Produzenten anderer Provenienzen für ihre kleinen Schätze verwendet.
Heute steht uns Rauchern nach dem Boom der verkürzten Formate mit großem Ringmaß, den ›Short Piramídes‹, den ›Short Churchills‹ oder den ›Petit Robustos‹, die mittlerweile sehr beliebt sind, eine Renaissance der klassisch-kleinen Cigarren bevor – nicht, weil wir für jede Gelegenheit passende Vitolas brauchen, sondern weil die Gelegenheiten zu rauchen immer seltener und zudem immer kürzer werden. Der heutige Genießer zieht es also vor, mit »Zwergen« große Schatten bzw. blauen Dunst zu produzieren, um, trotz fehlender Weisheit Andersdenkender und Andersempfindender, zu seinem ihm zustehenden Genuß zu kommen.
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