
Das wohl eleganteste Format unter allen ›Vitolas‹, ob klassisch aus der cubanischen Lehre oder aus den Schatzkisten der moderneren Cigarrenproduktionen entnommen, dürfte die schlanke, etwas längere Version der allbekannten ›Corona‹ sein, die ›Lonsdale‹.
Benannt sind diese Cigarren nach dem Earl of Lonsdale, einem englischen Adeligen und Lebemann, welcher, begeistert von Sportsgeist und Lebensart, sich die ersten ›Lonsdales‹ in seinem bevorzugten Format, personalisiert mit seinem Abbild auf der Cigarrenkiste, in Cuba produzieren ließ. Die ursprünglichen Cigarren waren die der Marke ›Flor de Rafael Gonzáles‹. Bemerkenswert an dieser Geschichte, die wie fast alle Mythen aus der Welt des Tabaks kleine Fragezeichen offenlässt, ist, dass es zwar sehr wohl den Earl of Lonsdale gab, der den Cigarren einen weit höheren Bekanntheitsgrad bescherte, als es vorher je möglich gewesen wäre, aber nirgends in den (wenigen) Aufzeichnungen ein Marques Rafael Gonzáles erwähnt wird...
Im cubanischen Vitolaverständnis kommen zwei ›vitolas de galera‹ in den Genuss als ›vitola de salida‹, also im Handel als ›Lonsdale‹, über den Tisch gereicht zu werden. Am bekanntesten ist wohl die ›Cervantes‹ ( 42 x 165 mm), benannt nach Miguel de Cervantes, dem Schöpfer von
Don Quijote, dem »Ritter der traurigen Gestalt«, während die ›Dalia‹
( 43 x 170 mm), benannt nach der schönen Dahlie, ein wenig dicker und ein bisschen länger ist. Diese Blume im Lonsdaleformat stellt das Format vieler der beliebten Cigarren, die in den 8-9-8-Kisten gelagert werden, zwingend ist es aber nicht, dass diese Sonderform der Cigarrenverpackung immer ›Lonsdales‹ beinhaltet.
In den vielen anderen Provenienzen ist es gang und gäbe diese Cigarren, die zwischen 165 mm und 175 mm lang sein sollten und nicht weniger Ringmaß haben sollten als die klassische Coronadicke von 42, allerdings die 43 auch nicht überschreiten sollten, eher mit Fantasienamen oder Nummerncodes zu belegen, als sie beim Namen ›Lonsdale‹ zu nennen. Warum, bleibt fraglich. Allerdings lässt diese Einteilung es zu, bei Länge und Ringmaß einmal ein Auge zuzudrücken und eine Cigarre, die ein wenig dünner, länger, dicker oder kürzer ist als ›Lonsdale‹ zu bezeichnen, einfach weil sie zu lang für eine ›Corona‹, zu dick für eine ›Long Panetela‹ und zu dünn für eine ›Churchill‹ ist. Fakt ist, dass diese elegante und formschöne Cigarre, die im Laufe ihres Abbrandes aufgrund ihrer Länge sehr schön die Einteilung in drei sensorische Drittel zulässt, und deren Rauchverlauf durch das verlängerte schlanke Ringmaß eine unbedingte Aufmerksamkeit des Genießers fordert, anhand der momentanen Verkaufszahlen fast eher als Relikt, als archetypisches Format zu bezeichnen wäre. Zu groß ist anscheinend die Nachfrage nach den verkürzten Klassikern wie ›Short Churchills‹ oder ›Petit Robustos‹ und den kleinen Klassikern wie ›Entreactos‹ oder ›Minutos‹, die deutlich besser in die kleinen Zeitfenster passen und auch leichter und mit weniger Aufmerksamkeit zu rauchen sind. Mit der Zeit gehen oder sich antizyklisch klassisch zu verhalten, jedem, wie es ihm gefällt, entscheidend sollte der Genussmoment sein. Auf keinen Fall vergessen sollte man die Klassiker aus der guten alten Zeit, wo eine verlängerte Stunde Rauchdauer noch nicht als übermäßig verlängerte Pause, sondern als blaue Stunde durchging. Jedenfalls ist »Geduld« hier das Zauberwort, denn eine Cigarre in diesem schönen und eleganten Format braucht Aufmerksamkeit, das beginnt beim Anzünden und zieht sich über das meist eher verhaltene erste Drittel, nur wer es versteht ohne Hast zu rauchen, wird später mit dem vollen Vergnügen belohnt. Geduld – heutzutage eine fast vergessene Kunstform oder essentielles Rüstzeug auch des modernen Genießers?
Gut zu sehen, dass inmitten der quirligen Hauptstadtmetropole, sozusagen am Puls der Zeit, noch genügend Menschen eben diese Zeit und Muße fanden, um mit Cigar Clan eine ganze Reihe ausgezeichneter Cigarren im Lonsdaleformat zu verkosten.
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