![]() |

|
![]() |
|
Toskanische Rotweine zwischen Klassik und Moderne
2005 CIANTI CLASSICO RISERVA DOCG
BADIA A COLTIBUONO

Dieser sehr klassisch gehaltene Chianti kommt aus Monti, und besteht aus 90 % Sangiovese und 10 % Canaiolo. Die Reben stammen von den Weinbergen Argenina und Montebello, die Rebstöcke sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Auf Badia a Coltibuono wird seit Jahren biologisch bewusst gearbeitet, die Weine sind inzwischen komplett ökologisch zertifiziert und geschmacklich sehr klassisch gehalten. Nach 24 Monaten Ausbau in französischer und österreichischer Eiche reift der Wein noch weitere vier Monate in der Flasche, bevor er in den Handel kommt. Momentan sollte man den Wein mindestens drei bis vier Stunden vor Genuss dekantieren.
Intensive, tiefrubinrote Farbe mit violetten Nuancen, das Bukett ist eindrucksvoll, klassisch und würzig mit vielen dunklen Früchten, Bitterschokolade und Gewürzen. Immer dabei: das toskanische Veilchen und andere Blumen. Am Gaumen eher elegant als wuchtig frisch und mit reifen Tanninen, im Nachhall rauchig und blumig. Große Länge und ein großzügiger Nachhall. Ein Wein, der seine Herkunft wie ein Schild vor sich herträgt und genauso überzeugt. Er ist noch mindestens acht bis zwölf Jahre wunderbar zu trinken.
2003 CHIANTI CLASSICO RISERVA DOCG
POGGIO ROSSO

Der deutlich breitschultrigere Chianti kommt vom Landgut San Felice bei Siena. Diese Agricola gilt als einer der besten Produzenten für Chianti Classico.
Er besteht zu 90 % aus Sangiovese und zu 10 % aus Colorino, ist also auch sehr originär produziert. Die Rebstöcke wurden im Jahr 1975 gepflanzt und sind auf dem Zenit ihrer qualitativen und quantitativen Möglichkeiten. Der Wein liegt über 20 Monate in französischen Eichenfässern mit 500 Litern Fassungsvermögen und reift noch 15 Monate in der Flasche nach, bevor er auf den Markt kommt. Vor dem Trinkgenuss diesen Wein mindestens zwei Stunden dekantieren.
Das sehr heiße Weinjahr 2003 hat auch in Italien für Ausnahmeweine gesorgt.
Der Poggio Rosso Chianti Classico Riserva hat ein volles, vielschichtiges Bukett von Beeren und eine deutliche Vanille- und Holznote. Am Gaumen weiter deutlich Fülle und fruchtiger Charakter. Eine rassig-spaßige Säure und ein opulentes Finale mit viel Leder, Tabak und erdiger Struktur machen diesen Wein zu einem wuchtigen Solitär, großartigen Speisebegleiter und Kellerschatz mit 15 bis 20 Jahren Lagerpotential.
2005 BELGUARDO IGT
TENUTA BELGUARDO

Die Tenuta Belguardo liegt in Montebottigli in der Gemeinde Grosseto und stammt aus Reben, die in eindeutigen Süd- und Süd-West-Lagen immens der heißen Sonne der Küstentoskana ausgesetzt sind. Sie werden ausschließlich von Hand gelesen. Dieser Wein in der jungen Tradition der Supertuskans besteht aus 90 % Cabernet Sauvignon und 10 % Cabernet Franc. 18 Monate Reifeprozess in klassischen, französischen 225 Liter Barriques, die zu 70 % erstbelegt sind.
Die dichte Struktur des Weins erfordert den Einsatz des Dekanters einige Stunden vor dem Trinkgenuss.
Die beiden französischen Rebsorten geben diesem Wein natürlich ein ganz anderes Gesicht als den beiden klassischen Vorgängern. Sie bringen einen Wein von kraftvoller und doch raffinierter Persönlichkeit. Trotz seiner Wucht taucht schon im Geruch erfrischende Würze auf. Das junge Holz setzt sich neben einer fast orientalisch wirkenden Gewürzdichte durch. Am Gaumen samtig und vollfruchtig, harmonisch mit Bitternoten und langer Süße. Breiter Abgang. der nicht plump wirkt, sondern süchtig macht. Lagerpotential wie ein mittelgroßer Bordeaux aus einem guten Jahr.
2005 ORNELLAIA
TENUTA DELL̕ORNELLAIA

Das Vorzeige-Weindorf der Maremma ist Bolgheri in absoluter Küstennähe. Hier entsteht mehr als nur ein Supertuskan, der Ornellaia ist auf jeden Fall ganz vorne dabei. Der Besitz wechselte vom weltberühmten Weinproduzenten Antinori zu Mondavi und dann zu Frescobaldi(!). Der 2005er ist trotzdem erst der zwanzigste Jahrgang der Tenuta, nebenbei erwähnt der erste des deutschen Önologen Axel Heinz. Er besteht aus 60 % Cabernet Sauvignon, 22 % Merlot, 14 % Cabernet Franc und 4 % Petit Verdot. Die Weine werden erst 18 Monate in klassischen, französischen Barriques ausgebaut und dann nach der Assemblage noch einmal ein halbes Jahr in Holzfässern gelagert.
Muss von allen Weinen am längsten dekantiert werden!
Der großartige Supertuscan besitzt eine intensiv rubinrote Farbe und entwickelt in der Nase kräftige Noten von reifer, roter Beerenfrucht, Tabak, Gewürzen und Vanille. Am Gaumen präsentiert er sich elegant und einnehmend, getragen von dichten und feinen Tanninen ohne Härte.
Schöner Nachhall, langer und kerniger Abgang. Sicherlich wie alle Ornellaias ein großes Reifepotential.
Davidoff
4000

Format: Corona Larga (Lonsdales)
Länge: 155 mm
Ringmaß: 43 (17,1 mm)
Deckblatt: USA (Connecticut Shade)
Umblatt: Dominikanische Republik
Einlage: Dominikanische Republik
Stärke: 2
Rauchdauer: ca. ¾ Std.
Einzelpreise:
D: € 13,80
CH: sfr 16,80e
Was macht eine Cigarre zur Rotweincigarre? Rief man früher nach dunklen Cigarren mit satter und übervoller Aromatik, zeichnen sich erfahrungsgemäß die leichteren Pretiosen dadurch aus, dass sie wirklich zum Rotwein passen.
Die Lonsdale aus der 1 000er Serie, die geschmacklich zwischen der sehr milden Classic-Serie und der kräftigeren Grand Cru Serie »geparkt« hat. Kommt in einwandfreier Verarbeitung und mit hellem, zarten Connecticut-Shade-Deckblatt aus der unlackierten 20er Holzkiste. Schöner Auftritt.
Sie duftet in erster Linie zurückhaltend nach Zedernholz, dazu kommen leichte Kakaoaromen. Der kalte Zug erscheint halb süß, halb trocken.
Die ersten Züge sind sensorisch erwartungsgemäß verhalten, der Rauch ist warm und leicht, aber nicht leer. Befürchtete Staubigkeit bleibt aus.
Der Zug ist sehr leicht und gleichmäßig, die Cigarre brennt über den gesamten Rauchverlauf gerade ab und hinterlässt leicht flusige, aber sehr schöne durchgängig graue Asche.
Gleichmaß ist das beste Wort, um den weiteren Rauchverlauf zu beschreiben, eine stringente greifbare Steigerung ins Würzige, leicht Pfeffrige kommt im zweiten Drittel, noch etwas mehr Fülle und leichte Süße im letzten.
Das letzte Drittel gefällt dem Aficionado übrigens besonders lange, man kann nach dem Entfernen des Cigarrenrings noch 5 bis 10 schöne Minuten einplanen.
Diese Cigarre schmeckt im Herbst am Spreeufer, aber auch im Sommer in der Provence.
Hoyo De Monterrey
Epicures Especiales

Format: Gordito
Länge: 141 mm
Ringmaß: 50 (19,8 mm)
Deckblatt: Kuba
Umblatt: Kuba
Einlage: Kuba
Stärke: 3
Rauchdauer: ca. ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 11,–
CH: sfr 13,60
ies ist die zweite Cigarre der Marke Hoyo de Monterrey, nach der Magnum 50, die schon mal als Edition Limitada auf dem Markt war, im Jahre 2004 mit den deutlich dunkleren Deckblättern, die den limitierten Ausgaben so gut stehen.
Immerhin hat die Cigarre noch einen anderen zweiten Cigarrenring behalten, der sie Mitglied der Epicure-Familie kennzeichnet. Schick! Das hellere Deckblatt ist deutlich geädert und nicht das allerfeinste, die Cigarre liegt robust in der Hand und macht richtig Lust auf Genuss.
Der Geruch ist recht kubanisch, zwar jung mit leichten stalligen Noten, aber doch recht greifbar und kompromissbereit. Die ersten Züge müssen sich finden, es macht Sinn diese Hoyo ausgiebig zu toasten, um keine hektischen Fehlaromen bei zu zügigem Anzünden zu erzeugen. Nach ein paar Zügen ist alles gut und besser noch: es kommt richtig cremig-elegante Fülle auf.
Der Zug ist gut, exemplarabhängig fast zu gut, die Cigarre brennt schön und fast gerade ab. Grau-schwarze Asche, die früh fällt, bröselig und sandig.
Der Rauchverlauf ist mehr als typisch, nach dem hellen Beginn tut sich noch vor der Mitte der Cigarre Würze, ein wenig Süße und etwas Pfefferschärfe auf.
Der Körper des Rauchs ist mittelkräftig und angenehm, lässt Platz für die Rotweinaromen und gibt dem Gaumen die Möglichkeit sich zwischen den Zügen zu erholen, so kommen die begleitenden Getränke gut zur Geltung.
Im Finale überschlagen sich die Ereignisse, auch das kommt bekannt vor. Wild und ungestüm geht ein Genussmoment zu Ende, der mit oder ohne Zypressen im Hintergrund seinesgleichen sucht.
 |
2005 Chianti Classico
Riserva Badia a Coltibuono
Der Chianti verliert. Der Wein kann nur die ersten Züge mithalten und verliert dann deutlich gegen die Fülle und Kraft der Cigarre. Zum Ende hin fast nur noch Löschwasser mit Frucht. Lieber alleine trinken!.
|
 |
2003 Chianti Classico
Riserva Poggio Rosso
Mehr Kraft im Spiel... und schon wird die Geschichte runder. Der Wein ist reif, und die Säure stört nur am Rande ein wenig. |
 |
2005 Belguardo
Tenuta Belguardo
Verschließt sich. Die männlichen
Aromen, das Holz und die Bitternoten machen es der Cigarre schwer. Wasser
trinken und die Frucht herbeisehnen hilft. |
 |
2005 Ornellaia
Dell̕Ornellaia
Seidentuch. Der viel zitierte Schatten über der Schönen, der Wein baut die Cigarre allerdings ordentlich auf! |
Toscano
Il Moro

Format: Eine riesige Toskano
Länge: 230 mm
Ringmaß: deutlich über 50
Deckblatt: Kentuckytabak (USA)
Umblatt: nicht vorhanden
Einlage: Kentuckytabak (Toskana, Umbrien)
Stärke: 4 ½
Rauchdauer: ca. 1 ½ Std.
Einzelpreise:
D: € 35,–
CH: auf Anfrage
Der schöne Brauch, eine Toscano in der Mitte durchzuschneiden, sich also zu teilen, ist ebenso einzigartig in der Cigarrenwelt wie die Tatsache, dass sich die Cigarre beim Durchführen dieses Rituals nicht auflöst.
Bei einem Tasting mit toskanischen Rotweinen darf natürlich die Kult-Cigarre aus der Toskana nicht fehlen, und zwar nicht irgendein kleines Toscanelliformat, sondern eine Rarität, deren limitierte Auflage in Italien regelmäßig rasend schnell ausverkauft ist. Bei uns ist diese Cigarre mit der wertigen Aufmachung und den immensen Ausmaßen eher unbekannt, noch... Beim Tasting standen die Verkoster jedenfalls Schlange.
Ein Regenschauer soll an der Entstehung der Toscano-Cigarren schuld gewesen sein, die Einlageblätter werden noch heute nass fermentiert.
Das Deckblatt ist rau, die Cigarre liegt wie ein Stock in der Hand, und der Geruch ist animalisch, wild und stallig, genauso der kalte Zug, der schon angenehme Pfeffrigkeit auf der Zuge hinterlässt.
Die ersten Züge, viel angenehmer und vor allem ausgewogener als befürchtet. Der Rauch ist präsent und würzig, aber weder spitz noch kalt noch scharf, eher tief und unterholzig weich. Im Körper zwar rustikal und satt aber nicht unangenehm. Der Zug ist gut bis sehr gut, die Cigarre brennt sehr langsam ab. Die Asche ist grau-schwarz geringelt, auffallend sandig und fällt spät. Auch nur die halbe Cigarre zu rauchen, fordert den Genießer sowohl zeitlich als auch sensorisch, denn spätestens nach der Hälfte kommt neben smarter Süße auch die erwartete Kraft auf. Wer aber Nikotin und volles ehrliches Tabakaroma verträgt, kann die Il Moro lange, sehr lange rauchen.
|
|