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Fragen über Fragen

Nachdem in den vergangenen Ausgaben des Cigar Clans an dieser Stelle die verschiedenen Aspekte rund um das Thema der Cigarrenlagerung ausführlich diskutiert wurden, möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, häufig gestellte Leserfragen zu beantworten. Aufgrund der Fülle und Komplexität der Anfragen (und der Antworten) behandeln wir diese Themen nicht in der Rubrik Leserbrief, sondern bieten Ihnen an dieser Stelle eine ausführlichere und strukturierte Wissensbasis rund um das Thema Cigarrenlagerung. Sofern ein Thema bereits in einer der vorangegangenen Ausgaben des Cigar Clans behandelt wurde, erfolgt ein Querverweis auf die betreffende Ausgabe. Somit sind Sie in der Lage, auf Wunsch die Thematik weiter zu vertiefen und die Antworten im Gesamtzusammenhang nachzuvollziehen.
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Wie verändert sich eine Cigarre, wenn sie nicht regelmäßig mit Frischluft versorgt wird oder sogar luftdicht verschlossen gelagert wird?
Eine weit verbreitete und noch immer in der Cigarrenliteratur anzutreffende Meinung lautet, Cigarren müssten regelmäßig mit Frischluft versorgt werden, da sie ansonsten verfaulen oder schimmeln würden. Hierzu ein einfaches Experiment: Nehmen Sie zehn bei rund 70 % relativer Luftfeuchte gelagerte Cigarren, stellen Sie diese in ein Einweckglas (für die jüngeren Semester sei erklärt, dass es sich bei einem Einweckglas um ein Behältnis handelt, bei dem zwischen Glaskorpus und Deckel ein Gummiring zur Abdichtung liegt und damit ein vollkommen luftdichter Verschluss ermöglicht wird) und lassen Sie die Cigarren ein Jahr lang im Keller (oder auch im Humidor) stehen. Wenn Sie das Glas dann wieder öffnen, werden Sie eine Überraschung erleben. Kein Schimmel, kein Verfaulen – jedoch ein sehr angenehmer und intensiver Tabakgeruch und durchaus bemerkbare Stall-Aromen. Letztere sind die Folge des aus der Cigarre austretenden Ammoniaks, welches durch den luftdichten Verschluss des Einweckglases jedoch nicht entweichen kann, wie das bei der Lagerung in Kisten oder bei der Einzellagerung im Humidor der Fall ist.
Wenn Sie eine derart gelagerte Cigarre rauchen, werden Sie feststellen, dass sich ihr Aroma, im Vergleich zur konventionell gelagerten Cigarre, kaum verändert hat. Sie schmeckt im Grunde fast unverändert, wie zu dem Zeitpunkt, als Sie sie in ihr luftdichtes Verlies eingesperrt haben. Selbst wenn Sie die Cigarren mehrere Jahre luftdicht verschlossen lagern, werden diese weder schimmeln noch faulen. Damit ist zumindest einmal die seltsame Meinung widerlegt, luftdicht verschlossene Cigarren würden verschimmeln.
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Brauchen wir dann überhaupt noch einen Humidor? Oder wäre es dann nicht clever, Omas Dachboden zu durchwühlen und sämtliche Weckgläser zum Zweck der Cigarrenlagerung zu annektieren? Nicht so ganz.
Wird das Einweckglas verschlossen, so sind ja noch immer einige Kubikzentimeter an Restluft darin enthalten. Da die Cigarre weder Kiemen noch eine Lunge hat, also auch nicht atmet, reicht der im Glas enthaltene Sauerstoff vollkommen aus, um einen gewissen Grad der Nachreifung zu gewährleisten. Die Geschwindigkeit der Nachreifung und die damit verbundene Aromenänderung im Tabak werden jedoch extrem verzögert. Vor allem bei einigen cubanischen Cigarren, die meines Erachtens erst nach einigen Jahren der Reifung ihre wahre Größe schmecken lassen (beispielsweise eine Partagas D4 oder auch die meisten Limitadas), würde eine luftdichte Lagerung einen extrem langsamen Reifeprozess zur Folge haben, was ja nicht unbedingt die Zielsetzung ist, wenn man diese Cigarren noch zu Lebzeiten konsumieren möchte. Eine gewisse Menge an Sauerstoff ist für die Cigarrenreifung erforderlich, damit bestimmte Aromenumbauprozesse überhaupt in Gang kommen. Diese gewohnten Aromenänderungen kommen bei einer luftdichten Lagerung fast gänzlich zum Erliegen.
Andererseits kann die luftdichte Lagerung von älteren Cigarren, die bereits einen Teil ihres Bouquets verloren haben, zu einem längeren Erhalt ihres Bouquets führen, ja sogar zu einer Aromenintensivierung. Gewiss – einmal verlorene Aromen lassen sich nicht wieder herbeizaubern, doch kann diese Art der Cigarrenlagerung die (genussbezogene) Lebensdauer der Cigarre ganz erheblich verlängern.
Ich habe einige Kisten Los Statos de Luxe, eine in Deutschland nahezu unbekannte cubanische Cigarrenmarke. Ebenso einige extrem milde Cigarren der Marke Casa Blanca, die meines Wissens in Europa seit langem nicht mehr erhältlich ist. Diese Cigarren sind allesamt extrem mild und gemäß dem Boxingdate mit einem Alter von nun rund 12 bzw. 15 Jahren auch nicht mehr so ganz das Feuerwerk der Aromen. Werden diese Cigarren noch weitere fünf Jahre in der Kiste gelagert, so raucht man nur noch Löschpapier. Sollen die noch vorhandenen Aromen erhalten bleiben und die Cigarre wieder an Bouquet gewinnen, so ist die Lagerung in einem Einmachglas eine wirklich ernstgemeinte Empfehlung. Obwohl die Cigarren einzeln cellophaniert sind, strömt mir beim Öffnen des luftdicht schließenden Glases ein kräftiger Tabakduft entgegen. Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, ob die Cellophanierung ein wirksamer Schutz gegen Austrocknung und Aromenverlust ist – sie ist es nicht. Ansons­ten wäre beim Öffnen des Behälters kein so intensiver Tabakduft bemerkbar.
Fazit: Die Lagerung im Einmachglas ist geeignet, um
– milde, ältere Cigarren mit wenig Reifepotential am weiteren Aromenverlust zu hindern,
– Cigarren auf Reisen mitzunehmen (wenngleich solch ein Glas wirklich unpraktisch zu transportieren ist),
– Cigarren unter kontrollierten Bedingungen extrem langsam reifen zu lassen.
Schiefbrand, Kraterbrand, Kondensatbomben, Ammoniakstinker – alles eine Folge des falschen Anzündens!
Bei nahezu jedem Cigarrenevent werde ich gefragt, wie man denn eine Cigarre korrekt anzündet. Für den geneigten Cigarrenraucher ein an sich langweiliges Thema, ist darüber doch schon in epischer Breite geschrieben worden. Allerdings meist vor dem Hintergrund der Etikette und des Stils und weniger unter dem Aspekt, worin die konkreten Vor- und Nachteile der jeweiligen Methoden liegen.
Stilecht anzünden mit dem Fidibus?
Zugegeben – wird eine Cigarre mit einem brennenden Span aus Spanischem Zedernholz entzündet, so ist dies doch ein optisch durchaus anregender Moment. Allerdings auch nur ein Optisches. Neben der Gentlemen-Optik hat der Fidibus einen gravierenden Nachteil – das Holz brennt stark rußend und nicht geruchsneutral. An sich ist der Geruch sehr angenehm, bedingt durch die verbrennenden aromenwirksamen Komponenten wie Kaladene und Farnesane bzw. durch die als Harz bezeichneten Stoffe Ramnose, Galaktose und Xylose, jedoch haben diese Fremdaromen allenfalls in einem Räucherstäbchen etwas zu suchen, aber keinesfalls in der Cigarre. Zieht man dann während des Anzündens auch noch die Flamme durch das Brandende in die Cigarre, dann rauchen Sie einen mit Brandaromen durchsetzten Pfriem. Dass das Brandende meist kräftig verrußt ist, ist zumindest geschmacklich irrelevant. Das Problem sind die in die Cigarre ziehenden Fremdaromen der Flamme, die das gesamte Cigarrenaroma verändern. Milde Cigarren mit einer etwas blumigen oder auch herbalen Note sind davon weit mehr in Mitleidenschaft gezogen als schwere, erdige und komplexe Cigarren. Kaum eine Auswirkung haben die Fremdaromen des Fidibus bei Cigarren mit süßlich-schokoladigen Anklängen wie bspw. bei der Marke Trinidad, weil diese die leicht bitteren Komponenten der Spanischen Zeder nahezu gänzlich überdecken. Eine Davidoff Millenium Blend oder eine Flor de Selva mit einem Fidibus anzuzünden, zeugt dagegen von der völligen Unkenntnis der fatalen Wirkung dieses Tuns.

Benzinfeuerzeug
Dazu muss man im Grunde nur eines sagen – zünden Sie sich einen billigen Cigarillo mit einem Benzinfeuerzeug an. Wenn Sie den zweiten Zug ohne abgrundtiefen Ekel noch fertigbringen, dann sind Ihre Geschmackspapillen sowieso schon hinüber, und Sie können auch gerollte Bananenblätter rauchen.
Dabei geht es gar nicht einmal um die Diskussion, ob die Benzindämpfe gesundheitsschädlich sind, sondern einfach darum, dass die Fremdaromen derart penetrant sind, dass die Cigarre praktisch unrauchbar wird.
In einem Cigarrenforum las ich kürzlich den folgenden Beitrag zu diesem Thema: »Ob Gasfeuerzeug, Zippo, Kerze, Gasherd, Lagerfeuer, Blitz oder Flammenwerfer – mir ist es total Banane, wie ich meine Zichte anmache – Hauptsache sie brennt.«
Ich bin zwar kein Freund von viel Brimborium rund um das Anzünden der Cigarre, aber es bedarf doch eines gerüttelten Maßes an Dummheit, wenn einerseits teure, handgemachte Cigarren über Jahre sachgerecht gelagert werden und dann durch einen Moment der Ungeduld oder Unkenntnis ruiniert werden.

Die Kerze und der Seemann
Zündet man eine Zigarette (oder auch Cigarre) an einer Kerze an, dann stirbt ein Seemann. Die Etymologie dieses Ausspruchs hat ihren Grund darin, dass einst die Seeleute in den ruhigen Wintermonaten für ihr Auskommen Wachszündhölzer herstellten. Benutzt man statt des Zündholzes die Kerze, so verarmt der Seemann und verhungert.
Zwar ist diese Problematik heute nicht mehr gegeben, dennoch sollte die Kerze am Adventskranz oder in der Kirche brennen, aber nicht zum Anzünden der Cigarre herhalten müssen. Beim Verbrennen des Kerzenwachses entstehen Stearine, die sich an den Tabak anlagern und damit eine permanente Geschmacksveränderung verursachen. Gesundheitsschädlicher als eine Cigarre ist das zwar auch nicht (wie bereits 1994 durch eine Forschergruppe bestätigt), aber es bringt uns um den Genuss.

Die traditionelle Gasflamme
Dazu ist nicht viel zu sagen – außer, dass es die einfachste und risikoloseste Art des Anzündens einer Cigarre ist. Die Flamme verbrennt geruchsneutral und nicht zu heiß, somit ist keine negative Beeinträchtigung des Tabakaromas zu erwarten.
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Das Jetflame oder Turboflame
Mittlerweile großer Beliebtheit erfreuen sich die Jetflame-Feuerzeuge mit einer, zwei oder gar drei Flammen. Der Vorteil liegt auf der Hand: In zehn Sekunden brennt auch die dickste Cigarre, und wenn sie beim Rauchen einmal ausgeht, dann schießt die Turboflamme auch durch die Asche bis zum Brandende und entfacht dasselbe in wenigen Sekunden. Das geht zwar alles ganz schnell – und wir haben alle auch so furchtbar wenig Zeit –, hat aber einen gravierenden Nachteil. Die Flamme eines Turbofeuerzeugs brennt am Ende der inneren, blauen Flamme mit nahezu 1 300 °C. Wird die Flamme auch nur ein bisschen zu nahe an die Cigarre gehalten, dann verwandelt sich das Aroma des Tabakrauches in stinkenden Ammoniak. Neben einer sehr unangenehmen Raumnote hängt dieses Aroma auch in der Cigarre, wenn man beim Anzünden die Flamme in das Brandende zieht.

Der (antike) Cigarrenanzünder
Das Prinzip ist einfach – ein Widerstandsdraht, zu einer Spirale gewickelt, wird unter Strom gesetzt und beginnt zu glühen. Hält man die Cigarre daran und zieht leicht an ihr, brennt sie in kürzester Zeit. Im Grunde nichts anderes als ein Zigarettenanzünder aus dem Auto.
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So ungewohnt diese Art des Cigarrenanzündens auch erscheinen mag, sie ist phantastisch. Kein Ruß, keine offene Flamme, die man versehentlich in das Brandende zieht und damit einen Brandkrater verursacht, keine Fremdaromen und gleichzeitig ein vollkommen gleichmäßiges Brandbild. Selbst der Hektiker frohlockt – brennt doch die Cigarre noch schneller als mit dem Jetflame-Feuerzeug.
In früheren Zeiten wurden tatsächlich Tischfeuerzeuge nach diesem Prinzip gebaut, leider ist diese Technik in Vergessenheit geraten. Zumindest ist mir kein Hersteller bekannt, der ein solches Produkt noch herstellt.

Streichholz
Weit besser als ein Fidibus ist ein langes Streichholz. Es rußt weniger und bringt kaum Fremdaromen in die Cigarre. Allerdings muss man darauf achten, zunächst den Schwefelkopf des Streichholzes abbrennen zu lassen und erst dann die Cigarre anzuzünden. Sofern die Schwefel- und Phosphordämpfe in die Cigarre gelangen, wird der Rauch unerträglich scharf und beißend und die Cigarre ist ungenießbar. Auch das können Sie mit einem billigen Cigarillo einmal testen – Cigarillo in den Mund, Streichholz anzünden und noch während der Zündkopf lebhaft brennt, ran an die kleine Cigarre und schön daran ziehen. Ich verspreche Ihnen – das machen Sie garantiert nur ein Mal…
Verwendet man die extrem langen Kamin­ofen-Streichhölzer, so muss sichergestellt sein, dass diese Hölzer nicht mit Brand fördernden Zusatzstoffen wie Paraffin getränkt sind, deren Dämpfe und Fremdaromen sich ebenfalls im Tabak anlagern.

Das Anzünden
Dazu möchte ich nicht viel schreiben und auch nicht explizit kommentieren, was nun wie stillos oder stilvoll ist oder was man aus Gründen der Etikette so oder so machen müsse. Das muss jeder selbst wissen. Von der Etikette ist vor allem dann Abstand zu nehmen, wenn sie das Produkt verschandelt, wie beim Anzünden mit dem Fidibus. Nur so viel: Nie die Flamme in die Cigarre hineinziehen. Das kann zu Brandkratern und zu unregelmäßigem Abbrand führen, schlimmstenfalls kommt es zu einer vorschnellen Kondensatablagerung, und die Cigarre wird schnell bitter. Einfach nur das Brandende der Cigarre zum Glühen bringen, einige Male auf das glühende Brandende blasen, bis eine gleichmäßige Glut entstanden ist, und dann den ersten Zug setzen. Das war’s. Wer meint, er müsse die Cigarre anfächeln, der soll es tun. Das hat zwar den Anschein plumpmartialischer Großmannssucht, aber zumindest schadet es der Cigarre nicht.
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Das Anwärmen der Cigarre
Ab und an kann man noch immer beobachten, dass der vermeintliche Kenner seine Cigarre zunächst über der Flamme über die ganze Länge anwärmt. Den Grund dieses Vorgehens beschreibt Zino Davidoff in seinem unnachahmlichen Cigarren-Brevier. Um die Jahrhundertwende (des vorletzten Jahrhunderts) wurden in Sevilla Cigarren gefertigt, deren Deckblatt mit Tragantgummi fixiert wurde, und dieser Tragantgummi war mit Zichorie gefärbt. Wurde diese beim Rauchen warm, so entwickelte sich ein unangenehmer Geruch. Um diese Geruchsentwicklung zu vermeiden, hat man die Cigarre am Kopf kurz erwärmt, sodass die Zichorie abdampfen konnte und keine weitere Geruchsbelästigung auftrat. Dieses Anwärmen fanden wohl einige Zeitgenossen so stylisch, dass es noch bis heute in dieser Form zelebriert wird. Ein völliger Unsinn, geht es doch darum, den Rauch möglichst kühl in den Mund zu bekommen.
Fazit: Achtet man beim Anzünden der Cigarre auf einige wenige Details, dann ist sichergestellt, dass die aufwendige Handarbeit nicht in einem Moment der Unachtsamkeit zerstört wird. w

 
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