home Home > Cigar Clan 3/2009 > Havanna-Festival
News Cigar Clan-Inhalt Tastings Abo Kontakt Media-Information & AGBs Where to find


 


Havanna-Festival

Von der Geburtstagsfeier zum Havanna-Festival
Eigentlich war es dereinst eine Geburtstagsfeier. 1994, die Marke H. Upmann wurde 150 Jahre alt, wurde in Havanna eine große Fiesta gefeiert. Zwei Tage lang. Und weil es so schön war und im Jahr darauf Partagas das gleiche Jubiläum hatte, entschloss man sich wiederum zu einer Fiesta. Ebenso ein Jahr später. Die Cohiba wurde 30, die Marke La Flor de Gonzales 60. Nun hätte sich sicherlich jedes weitere Jahr ebenfalls irgendein Cigarrenjubiläum finden lassen. Doch nachdem dreimal eine Fiesta zu Ehren der Havanna-Cigarre abgehalten wurde, war es irgendwie schon Tradition. So fanden sich auch in diesem Jahr wieder 1 000 Aficionados aus 70 Ländern auf der Karibikinsel ein. Zum 11. Festival del Habano. Exklusiv für Cigar Clan schreiben im folgenden Teilnehmer der rauchigen Tage in Havanna von ihren Eindrücken. Vielleicht ein Grund, sich den 22. bis 26. Februar 2010 vorzumerken – Habanos Festival das Zwölfte…
b
5th-Avenue-Marketing-Chef Christoph Puszkar und der mächtigste Mann im cubanischen Cigarren-Business: Manuel Garcia (rechts), Vizepräsident von Habanos
b
Mit überdimensionalen Tubos und zwei Models wirbt Habanos S.A. am Messestand für seine Neueinführungen. Dazu gehört auch die neue Montecristo-Linie »Open«.
b
Die Manufaktur H. Upmann ist eine der modernsten in Havanna. Bis zu 30 000 Cigarren werden hier täglich gerollt, unter anderem die neue »Open«-Linie von Montecristo.
b
Am liebsten treffen sich die deutschen Festival-Teilnehmer beim Mojito auf der Terrasse ihres Hotels Nacional:
5th-Avenue-Marketingchef Christoph Puszkar (3. von links) mit Cigarwiki-Gründer Hans Fischer (links), Patricia Benden von Tabac Benden in Düsseldorf (2. von links), der neue Habanos-Deutschland-Mann Tony de Dios, die Nürnberger Casa-Chefin Christine Klever und 5th-Avenue-Vertriebsleiter Ino Mühlmann (rechts).
b
Alejandro Robaina und die Berliner Aficionada Barbara Dötsch kennen sich durch die Cigarre schon seit fast zehn Jahren. Noch immer erweist sich der »Don« als großer Charmeur, obwohl er am 20. März bereits 90 wird.
b
Hollywood und Havannas: Schauspieler und Regisseur Peter Coyote (»E.T.«, »Alabama Burning«) wollte sehen, wie die Cohiba gerollt wird. Manufakturchef Angel Brown (rechts) führte ihn persönlich durch seine Produktion.

Wunderbar und traumhaft
Von Michael Weiland
b
»Nein, du fährst nach Havanna, das ist doch schrecklich, da ist doch alles kaputt, schreckliches Essen, fürchterliche Hotels, da kann man doch keinen Urlaub machen.« Aber Urlaub wollte ich ja auch nicht machen, sondern am XI. Habanos Festival, der alljährlichen Messe der neuen Havanna-Cigarren in Cubas Hauptstadt Havanna teilnehmen. »Trotzdem überleg dir das gut, das ist doch« einfach wunderbar und traumhaft schön, denn auf all meinen vielen Reisen in die ganze Welt habe ich selten ein Land bereist, das mich so für sich eingenommen hat, dessen Morbidität auf der einen und Schönheit auf der anderen Seite mich so fasziniert haben. Und dessen Freundlichkeit der Menschen, die oft selbst nicht viel haben, aber bereit sind, das Wenige was sie besitzen, mit dir zu teilen. Sie teilen nach ihrer Vorstellung einen Teil ihres Glücks, was man ihnen ansieht. Nur selten habe ich so viel strahlende Menschen getroffen.
Eingetaucht sind wir in diese doch etwas andere cubanische Welt direkt im ehrwürdigen alten Hotel Nacional mitten in Havanna. Das Hotel Nacional, vor der Revolution oft Anlaufpunkt von amerikanischen Ölmagnaten und Hollywoodgrößen, hat seinen Charme in all den Jahren kaum eingebüßt. Ein ehrwürdiges Portal mit einer Art Showtreppe führt den Gast und Besucher mitten in die riesige Hotel-Lobby, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Hier treffen alte Hölzer auf schwere dunkelbraune Ledersessel und geben dem Nacional eine fast schon anhimmelnde Einzigartigkeit, die einen für sich einnimmt. Hier treffen Gruppen von Bustouristen auf Mojito trinkende Cigarrenaficionados, die gerade eine frische cubanische Cigarre aus der hoteleigenen Casa del Habano genießen. Die größte Kontaktbörse des XI. Habanos Festivals und Dreh- und Angelpunkt der 1 000 Aficionados aus der ganzen Welt ist zweifelsohne die Terrasse des Hotel Nacional mit unverbautem Blick auf den Malecon und den daran angrenzenden Atlantik. Für die Berliner Gruppe sollte Cuba dann auch klassisch touristisch beginnen mit einem Besuch im Tropicana, der Mutter aller Musikshows, die in diesem Jahr ihr 70-jähriges Jubiläum feiert und den Esprit samt cubanischer Musik einem sehr nahebringt. Nach der Ausgabe der Festivalunterlagen am Montagmorgen verbrachten die deutschen, österreichischen und Schweizer Aficionados den Tag auf dem Smoker's Train. Dieser Zug fährt auf historischen Gleisen von der kleinen Bahnstation Guanabo in die alte cubanische Zuckerrohrstadt Hershey. Die insgesamt mehr als 90 Cigarrenliebhaber konnten auf der Fahrt großformatige Cigarren des bekannten Torcedors Rinaldo und gut gemixte Mojitos genießen. Am Abend wurde dann im Teatro Karl Marx die neue Montecristo-Linie Open mit einer zur ehrwürdigen Cigarre eher unpassenden Danceshow vorgestellt. Aber mit Hinblick auf die neuen jungen Zielgruppen, die man ansprechen will, aus cubanischer Sicht vielleicht verständlich. Für mich als Heavy-Smoker aber ist die neue Montecristo-Linie zu leicht, erinnert fast schon an Honduras- oder Nicaraguatabak. Ich denke aber, dass diese neue Linie ihre Käufer finden wird und vielleicht sogar neue Cigarrenaficionados für sich gewinnt. Die anschließende Party in Havannas schönstem Beachclub, dem Club Havanna im Botschaftsviertel Miramar, war leider hoffnungslos überfüllt und nach dem 5. Tablett Mojitos im Kreuz entschloss ich mich doch, eher zu gehen, um auf der Terrasse vom Hotel Nacional noch einen Mojito zu genießen. Dort blieb ich aber nicht lange alleine mit meinem Mojito und so kamen nach und nach einige Cigarrenfreunde dazu, so dass die Nacht im Morgengrauen endete. Für den kommenden Tag stand eigentlich die Besichtigung der Tabakplantagen von Pinar del Rio an. Allerdings hielt mich die Abfahrt von 7 Uhr doch eher von der Teilnahme ab. So blieb etwas Zeit, Schlaf nachzuholen und Torcedor Rinaldo in seiner Casa in der Altstadt einen weiteren Besuch abzustatten. Für den Abend stand eines der bekanntesten privaten Restaurants Cubas, das Laguarida, auf dem Programm, gelegen in einem Hinterhof. Vorbei an Containern durch ein sehr renovierungsbedürftiges Treppenhaus gelangt man schweißtreibend und schnaufend im vierten Stock in ein kulinarisches Kleinod mitten in Havanna. Es erwartet einen eine zauberhafte Atmosphäre mit einer hervorragenden Küche und einer exzellenten Cigarrenkarte (fast ausschließlich Limitadas). Am nächsten Morgen waren wir mit Maximilian Herzog und seiner langjährigen Freundin Emilia Tamayo, der ehemaligen Chefin der Cohiba-Manufaktur El Laguito, unterwegs zu zwei Cigarrenfabriken. Zuerst öffnete uns Emilia die sonst für alle verschlossenen Türen der ehemaligen Romeo-y-Julieta-Fabrik, die jetzt eine Ausbildungsstätte für angehende Cigarrentorcedores ist. Als zweite Station stand dann El Laguito auf dem Programm, die Manufaktur, der Emilia über fast 30 Jahre verbunden war. Gänsehaut machte sich breit, als die ehemaligen Mitarbeiter ihre Ex-Chefin erblickten und »Emilia, Emilia!« schrien, angerannt kamen, sie drückten und herzten und selbst dem aktuellen Cohiba-Chef Brown, der uns auch sehr herzlich begrüßte, muss klar sein, dass Emilia Tamayo hier noch immer die Chefin der Herzen ist. Für den Abend stand dann die Einführung der neuen Trinidad Robusto T im Hotel Havanna Libre auf dem Programm. Im Rahmen eines dreigängigen Cigarrendinners wurden unterschiedliche Trinidad-Formate zum jeweiligen Gang gereicht, allerdings bei viel zu lauter Musik und, dank gut funktionierender Air Condition, sogar mit fast frostigen Temperaturen. Mich hat die Robusto T überzeugt: Komplexität, schon jetzt feine Schokoaromen mit Nussnuancen und wenig Salz – eine Cigarre, auf die ich mich freue, wenn sie den deutschen Markt erreicht. Und so endete auch dieser Abend wieder auf der Terrasse des Hotels Nacional. Am kommenden Morgen entschlossen wir uns spontan, den großen Mann der cubanischen Cigarre, Don Alejandro Robaina, in Pinar del Rio zu besuchen und uns der Gruppe des Schweizer Cigarrenhändlers Urs Portmann anzuschließen, die Don Alejandro jedes Jahr im Rahmen des Festivals besucht. Für mich einer der vielen Höhepunkte der Woche auf Cuba, diese Cigarrenlegende auf seiner Hacienda zu treffen und eine frische Puro aus seinen Händen zu bekommen, um diese dann mit ihm zusammen zu rauchen. Am Abend stand dann der 5th-Avenue- und Intertabak-Abend anlässlich des 20-jährigen Bestehens beider Firmen auf dem Programm, die sich als Ort eine alte Brauerei ausgesucht hatten. Für mich eine der gelungensten Abendveranstaltungen des Festivals. Am Freitagabend stand dann die große Abschlussgala der Cohiba Gran Reserva auf dem Programm, opulentes Fünf-Gänge-Menü mit korrespondierenden Cigarren, beispielsweise einer Siglo I in der Tube zum Entree, und endete mit einem Feuerwerk an cubanischer Tabakkunst, so wie man sich eine gute Cigarre in den schönsten Träumen immer wünschen würde: Die Cohiba Gran Reserva befriedigt all diese Wünsche und versprüht geradezu ein nicht enden wollendes Feuerwerk an Nuss-, Schokoladen- und Kacao-Aromen. Man würde sich wünschen, dass das immer so weiter geht. Am Samstag waren wir dann mit einer kleinen Gruppe zu einem exzellenten Lunch mit Langusten auf kreolische Art als Hauptgang in die Privatresidenz des deutschen Botschafters Dr. Claude Robert Ellner eingeladen. Den Abend ließen wir mit der Neuaufführung und Premiere von Mozarts Zauberflöte im Gran Teatro von Havanna ausklingen. Der kommende Abschlusstag führte mich zusammen mit Maximilian Herzog noch einmal in den Club Havanna, wo wir auf der Terrasse ein vorzügliches Lunch mit guten Weinen und frischem Fisch hatten, bevor uns der Shuttle-Bus zum Flughafen brachte. Schon jetzt freuen wir uns auf das XII. Habanos Festival Ende Februar 2010...

Menschen hinter dem Festival

Von Maximilian Herzog
b
Am berühmten Malecon in Havanna steht die schwer bewachte amerikanische Interessenvertretung. Von diesem Gebäude aus senden die USA via Leuchtband Informationen an die Cubaner – Nachrichten, die aus amerikanischer Sicht im Lande sonst nicht zugänglich sind. Kürzlich habe ich auch Merkwürdiges mir rot entgegenflimmern sehen. Es war ein Name, gefolgt von einer Buchstabenfolge. Irgendwie fühlte ich mich an Spionage-Romane aus früheren Zeiten erinnert, in denen solch kryptische Texte nur von Eingeweihten zu verstehende Anweisungen bedeuteten.
Was auch immer es damit auf sich hat, normalerweise lassen sich die Infos auf dem Leuchtband kaum entziffern. Vor dem Gebäude steht ein Wald von Masten. Sie trugen bisher immer kleine schwarze Flaggen, welche die Sicht auf diesen Sender versperren. Diesmal war es anders. Nur einige wenige Wimpel verdeckten kaum die rote Schrift an der Wand. Auch das riesige Plakat mit der Gleichstellung von George W. Bush mit Hitler fehlte. Ich fragte eine Habanera, wo denn die vielen andern Fahnen geblieben seien. Vielleicht, so meinte ich, ein Zeichen von Tauwetter angesichts des Präsidentenwechsels? Nein, sagte die Habanera, die restlichen Flaggen seien kaputt, vom Wind zerfleddert. So ist es immer in Cuba, ich muss mich beständig darauf einstellen, dass es eine sichtbare Fassade gibt, hinter der sich so manches verbirgt.
Das gilt auch für das Habanos Festival. Für alle Cigarrenliebhaber eine großartige Möglichkeit, News hinter den Cigarren zu ergattern. Die Berichte über das Festival werden voll sein davon. Mich beschäftigt etwas anderes, Menschen, die hinter dem Festival verschwinden. Ganz plötzlich, und niemand weiß so genau warum. Ich habe viele Freunde in Cuba, darunter auch eine Frau, die einstmals Star bei vielen Festivals war und heute – nahezu vergessen – hinter dem Festival abgetaucht ist: Emilia Tamayo, langjährige Chefin der prestigeträchtigsten Marke Cohiba. Mit ihr und ihrem Mann habe ich mich, wie jedes Mal bei meinen Cubabesuchen, getroffen. Ich möchte von ihr, stellvertretend für andere Menschen, die hinter dem Festival verschwinden, erzählen.
Der Chefsessel bei Cohiba ist direkt dem cubanischen Staatsrat unterstellt und dementsprechend, wie wir bei uns sagen, ein Schleudersitz. Emilia war nicht nur die erste Frau in dieser Position, sondern auch die bislang einzige Chefin, die freiwillig aufhörte und in Rente ging. Das war 2004, nachdem sie zehn Jahre lang die Geschicke der Cigarre der Cigarren geleitet hatte. Mich beeindruckt die Karriere dieser bemerkenswerten Frau, die bis 2004 an keinem Festival fehlte.
b
Emilia hat das heißblütige Temperament des Ostens. »Ich habe afrikanisches Blut in meinen Adern«, sagte sie mir einmal bei einer besonders schnell zu tanzenden Rumba. Als 1975 Avelino Lara, der damalige Direktor, neue Tabakarbeiterinnen brauchte, bewarb sich Emilia. Lara sah aber sofort, dass die Qualitäten der neuen Bewerberin anderswo lagen, setzte sie deshalb nicht in der Fabrik, sondern in seiner Verwaltung ein und machte sie 1985 zu seiner Stellvertreterin.
Auch als Direktorin ab 1994 war Emilia nie eine Bürofrau, sondern eine Direktorin der Herzen inmitten ihrer Arbeiter. Als sie uns am vergangenen Mittwoch während des Festivals die Türen zur Roller-Schule von Romeo y Julieta und anschließend zu ihrer alten Wirkungsstätte El Laguito, der Manufaktur von Cohiba öffnete, ging sofort ein Raunen durch die Reihen der Tabakarbeiter, ja es erhob sich ein richtiggehendes Freudengeschrei. Erstaunlich, wie sich unter Emilia die Liebe zu ihren Arbeitern und Arbeiterinnen in der Liebe zum Produkt wiederfindet: »Die Cohiba ist«, so sagt sie, »die beste Cigarre der Welt, weil wir sie mit Liebe herstellen.« Ob das bei ihren Nachfolgern auch noch so ist? Schon drei hat es seit ihrem Weggang innerhalb von fünf Jahren gegeben.
Auf der einen Seite war Emilia die gefeierte Cohiba-Chefin, erste Frau überhaupt, die mit der begehrten Habanos-Man-of-the-Year-Trophäe ausgezeichnet wurde (der Preis musste ihretwegen in Habanos Woman umbenannt werden). In El Laguito empfing sie die Großen der Welt, unter ihnen gekrönte Häupter wie den spanischen König. Sie bereiste die halbe Welt und war auch mehrmals in Berlin zu Gast, wo sie immerhin zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee sah. Am besten aber, so sagt sie, hat es ihr in Rom und Venedig gefallen.
Hinter der öffentlichen Direktorin steht Emilia als Privatperson, die nicht jedermann zugänglich ist. Für uns kaum denkbar, dass der Chef einer der reputiertesten Firmen so wohnen würde. Eine bescheidene Wohnung in einer heruntergekommenen Platte in einem schwer zu findenden Wohngebiet am Rande von Havanna teilt sie sich mit ihrem Mann Jorge. Sohn Jorgito war schon vor dreizehn Jahren nach Berlin ausgewandert. Die Sehnsucht nach ihm ist groß. In der Wohnung fühlt sich Emilia auch heute noch glücklich und bekocht ihre Gäste mit sensationell guter kreolischer Küche. Das für die entsprechenden Einkäufe notwendige Schlangestehen in den Geschäften übernimmt dann jeweils ihr Mann. Zuhause in der Wohnung wird sichtbar, was Emilia meint, wenn sie sagt: »Für die Fabrik arbeiten, aber nicht von der Fabrik leben.«
Vielleicht ist es meiner Freundschaft zu Emilia Tamayo geschuldet, dass ich diesmal das Festival besonders hektisch und vordergründig empfand. Jeder und jede am Festival war auf der Jagd nach neuen Cigarren und nach News, die andere noch nicht haben. Habanos trägt diesem Bedürfnis Rechnung. Jetzt gibt es zum Beispiel als Weltneuheit die Montecristo Open. Geworben für sie wurde bei der Einführung am Willkommensabend mit Golf und Lifestyle. Ob solche »neuen« Cigarren wirklich eine Bereicherung darstellen, muss jeder Cigarrenliebhaber für sich entscheiden. Ich aber empfinde die Hektik des Festivals der Havanna nicht angemessen. Wer immer das Glück hat, mit Menschen hinter dem Festival zusammenzutreffen, merkt, dass die cubanische Cigarre ganz andere Werte als kurzlebigen Glamour vermittelt. Ruhe und Zuversicht in einer schwierigen Zeit nicht nur für Cuba. Es ist angesichts des Rummels, in dem das Neue zum Wert an sich wird, nicht ganz sicher, ob Emilias Wunsch für die Cigarrenraucher in aller Welt in Erfüllung geht: Dass wir immer wieder gute cubanische Cigarren erhalten.

Mit Innovationengegen die Krise
Von Christoph A. Puszkar
b
Das XI. Festival del Habano liegt nun hinter uns und der wetterbedingt derzeit recht graue Alltag hat uns wieder. Die schönen Abende auf der Terrasse des Hotels Nacional mit Habanos-Liebhabern, Händlern und Journalisten fehlen mir schon etwas. Das Schöne an diesen meist spontanen Zusammenkünften ist die Tatsache, dass sie Gelegenheit geben, die vielen Eindrücke und Erlebnisse während dieser Woche gemeinsam Revue passieren zu lassen.
b
Da ist zum einen die geschäftliche Seite. Laut Manuel Garcia, Habanos-Vizepräsident von und ehemaliger Repräsentant in Deutschland, ging der Umsatz im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr weltweit leicht um 3 Prozent auf 390 Mio. US-Dollar zurück. Warum einige Journalisten hier von einem Einbruch schwadronieren, ist mir nicht ganz klar geworden. Aber wir haben ja jetzt Krise. Sicher hat das also etwas mit der gegenwärtig allgemein zu beobachtenden Katastrophenstimmung zu tun. Fakt ist: angesichts nahezu weltweit umgesetzter Rauchverbote und (echter) Zusammenbrüche an den Finanzmärkten, ist diese Stabilität im Habanos-Geschäft bemerkenswert. Der Absatz sank weltweit übrigens um 8 Prozent. Habanos spricht deshalb von dem Trend weniger, dafür aber besser zu rauchen. Dass die Havanna immer noch das Zugpferd im Premiumcigarrensegment ist, wurde auch deutlich: der Marktanteil hat weltweit um 1 Prozent auf nunmehr 70 Prozent zugelegt. Natürlich ist hier der US-amerikanische Markt aufgrund des Handelsembargos nicht berücksichtigt. Deutschland liegt nach Spanien und Frankreich weiterhin auf Rang drei als Absatzmarkt von Habanos in der Welt.
Habanos S.A. geht auch in diesem Jahr von einer schwierigen Marktentwicklung aus. Zunehmende Rauchverbote und die globale Wirtschaftskrise lassen das nicht anders erwarten. Wie man inzwischen gesehen hat, sind auch Luxusprodukte davon betroffen. Auffällig stark ist auch der Rückgang von Verkäufen im Duty Free. Während die Passagierzahlen in 2008 um 11 Prozent sanken, fiel der Absatz von Habanos hier weltweit um 20 Prozent.
b
Was unternimmt nun Habanos S.A. gegen diese Entwicklung?
Die Gäste des XI. Festivals erlebten ein wahres Feuerwerk innovativer Produkte. Die größte Aufmerksamkeit bekam natürlich die neue Linie der meistverkauften und wichtigs­ten Habanosmarke Montecristo. Sie heißt Montecristo Open und richtet sich mit ihren vier Formaten Eagle, Master, Regata und Junior vor allem an ein jüngeres Publikum, das eher gelegentlich Cigarren konsumiert oder den Einstieg in die Welt der Habanos sucht. Die Tabakmischung ist deutlich milder gehalten als die der klassischen Serie. Die Formate sind außerdem kürzer und lassen sich deshalb auch besser im Freien genießen.
In der Marke Trinidad kommt nun mit der Robusto T ein Robustoformat mit dem markentypischen gedrehten Kopfstück auf den Markt. Diese Neueinführung ist dem 40-jährigen Bestehen der Marke und dem 10-jährigen Jubiläum der weltweiten Markteinführung gewidmet. Auch mit diesem Produkt trägt Habanos dem seit einigen Jahren zu beobachtenden Trend zu kürzeren Cigarren mit großem Ringmaß Rechnung.
Einen absoluten Höhepunkt stellt die Cohiba Siglo VI Gran Reserva dar. Das Konzept der Gran Reservas wird damit zum ersten Mal realisiert. Sowohl Deckblat, als auch Umblatt- und Einlagetabake sind mindestens fünf Jahre reifegelagert. Sie trägt deshalb auch die Bezeichnung Cosecha 2003, was sich auf die Ernte des Jahres 2003 bezieht. Weltweit wird es nur 5 000 Kisten á 15 Stück dieser individuell nummerierten Kostbarkeit geben. Alle Cigarren kommen aus der Cohiba-Manufaktur El Laguito. Die erste Verkostung dieser neuen Vitola auf der festlichen Abschluss-Gala ließ Fachhändler und Aficionados gleichermaßen in Verzückung geraten. Ein bekannter Fachjournalist vergab gar die Höchstnote von 100 Punkten.

Selbstverständlich gibt es mit den Formaten Romeo y Julieta Duke (Ringmaß 54 x 140 mm), H.Upmann Magnum 48 (Ringmaß 48 x 110 mm) und Petit Belicosos (Ringmaß 52 x 125 mm) von Bolívar auch wieder eine Edición Limitada in 2009. Weitere limitierte Raritäten sind der Humidor Replica Montecristo mit 50 Stück Doppelcoronas (Ringmaß 49 x 194 mm), die der Marke San Cristóbal de la Habana gewidmete Colección Habanos mit dem mächtigen Format O’Reilly (Ringmaß 56 x 160 mm) und die Wiederauflage der H.Upmann Noellas (Ringmaß 42 x 135 mm) im Glas-Jar. Sehr schade, aber angesichts der Probleme in diesem Kanal irgendwie verständlich, finde ich den ausschließlich dem Travel Retail vorbehaltenen Verkauf eines Partagás Keramik-Jars. Er beherbergt 25 Petit Piramides (Ringmaß 52 x 127 mm) mit der Bezeichnung Partagás Serie P No. 1.
Wichtig für das weltweite Habanosgeschäft ist und bleibt natürlich auch das Franchisekonzept La Casa del Habano. Aktuell existieren 144 Casas mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 15 500 Quadratmetern. Im Jahr 2008 konnten 22 neue Geschäfte eröffnet werden. Für das Jahr 2009 erwartet Habanos S.A. weitere Eröffnungen in Europa, im Mittleren Osten und in Asien.
Was gab es sonst noch an Ereignissen beim diesjährigen Festival?
Höchst erfreulich war für mich der Gewinn des Habanosommelier-Wettbewerbs durch Felix Hartmann, der inzwischen im bekannten Dubaier Hotel Burj Al Arad tätig ist. Mit ihm gewann erstmals ein Deutscher den international renommierten Wettbewerb um perfekten Cigarrenservice in der Gastronomie. Seine empfohlene Kombination – eine Romeo y Julieta Short Churchill mit einem 15jährigen Macallan-Single Malt Whisky – gefiel der Jury außerordentlich. Felix Hartmann hatte vor einigen Jahren als Besucher am deutschen Habanosommelier-Wettbewerb im Berliner Hotel Savoy teilgenommen und seine eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse seit dieser Zeit perfektioniert. Es bleibt zu hoffen, dass auch in Zeiten von Rauchverboten der Anspruch an Servicequalität rund um die Cigarre im Restaurant erhalten bleibt.
Von Krise nichts zu spüren bekamen übrigens die fast 1 000 Gäste der Abschluss-Gala des Festivals. Die von Hunters&Frankau-Marketingdirektor Simon Chase versteigerten sieben Lots von Humidoren brachten einen überraschend hohen Gesamterlös von 981 000 € ein. Diese Summe kommt wie in den vergangenen Jahren dem cubanischen Gesundheitswesen zugute.
Für mich war dieses XI. Festival die achte Auflage dieser internationalen Großveranstaltung. Neben den großen Abendveranstaltungen sind es vor allem die kleinen Dinge am Rande, die mir Freude machen. So hatte ich zum Beispiel das Vergnügen, Norma Fernandez Sastre kennenzulernen. Diese zierliche Frau hat 41 von ihren 58 Jahren in der Cohiba-Manufaktur verbracht. Sie hat diese Fabrica als Torcedora der ersten Stunde mit aufgebaut. Ihr damaliger Auftrag: das Lieblingsformat von Fidel Castro, die Laguito No. 1, besser bekannt als Lancero, für den Comandante en jefe persönlich zu rollen. Sie war es außerdem, die ganz allein in fast sechs Monaten sämtliche 4 000 Stück der einmaligen Cohiba Behike gerollt hat. Besonders schön finde ich: von September bis Ende November wird Norma im Auftrag von 5th Avenue in Deutschland unterwegs sein.

Eine Reise – zwei Welten
Von Marc André
b
Eigentlich könnte ich ein ganzes Buch schreiben über all die heterogenen Sinneseindrücke, die mich auf meiner ersten Reise nach Cuba zum Festival Habano 2009 ereilt haben. Als Jugendlicher habe ich die Repressalien des Staatsapparates der DDR live mitbekommen. Zwar nicht am eigenen Leib, doch zwei meiner Tanten sowie mein Großvater haben es einst nicht mehr rechtzeitig über die Grenze geschafft. Die mehrheitlich negativ prägenden Eindrücke dieser Zeit haben mich doch etwas ambivalent in einen der letzten Staaten sozialistischer Prägung abreisen lassen.
b
Und so möchte ich Sie auch nicht damit langweilen, dass während der sechs Tage auf Cuba, neben den unzähligen Mojitos und Cuba Libres, 48 Cigarren die Verwandlung zur Asche durchleben mussten. Das ist dort eher der Normalzustand und entgegen meiner Erwartung musste ich mir morgens nach dem Aufstehen nicht mit einem Kartoffelschäler den Belag von der Zunge kratzen – im Gegenteil. Irgendwie scheint dieses Land mit seinem Klima dazu geschaffen zu sein, in einer Woche doch tatsächlich fünf Kilo zuzunehmen – ohne dass man dies selbst bemerken würde (im Gegensatz zu meiner Frau, die meinte, ich sei wohlgenährt zurückgekehrt).
b
Den ersten Tag auf der Insel verbrachten wir mit einem siebenstündigen Fußmarsch durch Havanna. Den Verfall und Gammel der Altstadt habe ich ja erwartet – und darauf habe ich mich auch die ersten Stunden ausschließlich konzentriert. Doch so skeptisch ich mich diesem Land auch nähern wollte, ich konnte mich von dieser ätherisch-romantischen Insel voller Geheimnisse und Widersprüche in ihrem überraschenden Dualismus nur infizieren lassen.
Mein völliges Unverständnis, wie man diese architektonische Perle der Karibik so dermaßen verfallen lassen kann, aber gleichzeitig die Fröhlichkeit der Cubaner mit ihrer Lebensfreude und Spontaneität zu erleben, das erzeugt doch so etwas wie positiven Stress. Vor allem wenn einem direkt vor Augen gehalten wird, dass den Menschen, bei all der Armut, die Freude und der Spaß am Leben nicht verloren gegangen ist.
Eine Reise nach Cuba bedeutet eine Reise in die Vergangenheit, in eine Bühnenkulisse einer längst vergangenen Zeit mit einer einzigartigen Stilmischung französischer Rokoko-Villen, Jugendstilgebäuden, Palästen der 20er Jahre und restaurierter Kolonialarchitektur.
Die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts werden zu neuem Leben erweckt. Das ist keine Floskel, es ist die Wirklichkeit. All die Cadillacs und Studebakers sind ein Symbol für den Zustand der Insel, insbesondere für den urbanen Teil, für die Städte, die unaufhaltsam langsam zu klassischen Ruinen zerfallen.
b
Auf der rechten Straßenseite der Prunk von Regierungsgebäuden, auf der linken Seite Zerfall allenthalben. Und so beginnt man unweigerlich am zweiten Tag der Reise nicht mehr auf den Verfall zu blicken, sondern mi cubita bella – mein schönes kleines Cuba – zu entdecken.
Die von der Habanos S.A. (und für die deutsche Delegation von der 5th Avenue) organisierten Programmpunkte haben wohl allen Teilnehmern sehr viel nachhaltige Freude bereitet. Neben den Besuchen einer Tabakplantage, auf der gerade der Tabak geerntet und in die Trockenschuppen gehängt wurde, über den Besuch der Fermentierungs- und Lagerräume des Tabaks bis hin zur Besichtigung der Cigarrenmanufakturen H. Upmann und El Laguito konnten die Teilnehmer den gesamten Werdegang des Tabaks bis hin zur fertigen Cigarre lückenlos nachvollziehen.
Während der Bustransfers zu den Veranstaltungsorten haben wir durch unseren cubanischen Reiseleiter, des Deutschen mächtig, auch noch einen nachdenkenswerten Crashkurs in cubanischer Gesellschaftspolitik erhalten, der so manche Perspektive auf die Situation des Landes in einem anderen, zumindest etwas nachvollziehbareren Licht erscheinen ließ.
b
Ein zwar etwas touristischer, aber dennoch wirklich lohnenswerter Ausflug war die Fahrt mit dem Smokers Train. Ein uralter Elektrozug, der einst die Hafenstädte Havanna und Matanzas verband, wird heute für Ausflugsfahrten gechartert und ist ein echtes Softadventure. Die zwei noch erhaltenen Brill-Triebwagen, der nach dem amerikanischen Schokoladenfabrikanten und Eigner der Zuglinie benannten Hershey-Bahn, haben keine bzw. halb verrottete Schiebefenster, keine Türen und bieten wahrhaftes Cabrio-Feeling inmitten nahezu unberührter Landschaft (glücklicherweise gibt es an Bord keine Klimaanlage, denn auf Cuba sind die Klimaanlagen im Bus oder bei Veranstaltungen generell so eingestellt, dass einem Eiszapfen an den Ellbogen wachsen).
Neben den unzähligen Drinks, Cigarren und der stimmungsgeladenen Band sorgt das schüttelnde Fahrgefühl für abgehende Nierensteine. Ein wahrhaftes Muss für den gesundheitsbewussten Cubabesucher. Auf den Abendveranstaltungen konnten wir die Präsentation der Montecristo-Open-Serie, sowie die Neueinführung der Trinidad Robusto T erleben. Nur so viel – es wurden mehr Cigarren gereicht, als man hätte rauchen können.
Als persönliches Highlight habe ich den Besuch der Casa del Habano im Hotel Conde de Villanueva empfunden. Einst für den Grafen Conde de Villanueva erbaut, stehst du heute in einem perfekt restaurierten Gebäude mit einer der besten Casas del Habano der Stadt. Du blickst auf Berge von in der Casa frisch gerollten Cigarren, du stehst vor atemberaubenden Diademas, vor wahrhaften Colosso-Formaten bis hin zu Torpedos mit einem Ringmaß von 62. Und wenn Ronaldo dann persönlich die frisch gerollten Spezialformate statt im Pressstock mittels Zeitungspapier in Form bringt, da haut’s dann auch den militantesten Nichtraucher aus den Sandalen.
Meine Empfehlung – die 50 zollfrei nach Deutschland einführbaren Cigarren dort kaufen – oder aber auch in der Casa del Habano im Hotel Meliá Cohiba. Frisch gerollte Robustos und Torpedos – keine Cigarren teurer als 5 € – da muss man der Versuchung, ein Zollvergehen zu begehen, standhaft widerstehen.
Zum Abschluss – ein Besuch des Festivals ist eine wirklich lohnenswerte Erfahrung. Es wird gewiss nicht mein letzter Besuch auf Cuba gewesen sein.

 
Highlight Media UG (haftungsbeschränkt) | Franklinstr. 14 | 10587 Berlin
Tel.: +49 (30) 886 75 585 | Fax: +49 (30) 886 75 586 | Email: info@cigarclan.de