home Home > Cigar Clan 3/2009 > ABLAUF UND AUSKLANG EINER GUTEN ABENDGESELLSCHAFT
News Cigar Clan-Inhalt Tastings Abo Kontakt Media-Information & AGBs Where to find


 


ABLAUF UND AUSKLANG EINER GUTEN ABENDGESELLSCHAFT
b
Das kann man als Gastgeber gestalten, wie man will. Für abendliche Tischgesellschaften, die nicht in einem auch von anderem Publikum frequentierten Restaurant stattfinden, empfehle ich folgenden Ablauf:
Nehmen wir an, es ist für 20 Uhr zum Essen eingeladen. Dann treffen gut erzogene Gäste zwischen 20.05 Uhr und 20.25 Uhr im Gastgeberhause ein. Der Hausherr und Gastgeber öffnet die Tür, oder es ist ein Kellner engagiert oder eine Haushaltshilfe vorhanden, der oder die dies übernimmt. Dem Gast wird von der Haushaltshilfe die Garderobe abgenommen, oder der Hausherr zeigt dem Gast, wo er seinen Mantel aufhängen kann und hilft – insbesondere den Damen – dabei. Wenn er sieht, dass der Gast einen Blumenstrauß in der Hand hat, ruft er seine Frau, welcher die Blumen – ohne Papier – überreicht werden. Der Gastgeber führt die neuen Gäste dann in das Zimmer, welches dem Essen vorausgehenden Steh­empfang an diesem Abend dient.
Die meisten Wohnungen und Häuser haben ja ein vom eigentlichen Speisezimmer getrenntes Wohnzimmer oder eine Bibliothek oder einen Salon, der sich für solche kurzen Empfänge eignet. Es kann auch eine geräumige Diele sein. Jedenfalls sollte dieser Raum möglichst nur wenige Sitzgelegenheiten enthalten; denn dieser Begrüßungsempfang sollte auf jeden Fall als Stehempfang durchgeführt werden. Zu leicht wird es sonst neu eintretenden Gästen peinlich, alle schon Anwesenden zu begrüßen, da sie befürchten, sie würden die Sitzenden, die sich dann ja erheben müssen, stören.
Auf der anderen Seite neigen die Menschen, gerade wenn sich noch kein anderer im Raum befindet, dazu, sich hinzusetzen. Sie wollen im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Mittelpunkt stehen, sondern sich lieber in eine Sitzecke verkrümeln. Und wenn erst mal einige Gäste sitzen, so müssen sich eigentlich die Nächsten, wollen sie nicht unhöflich sein, dazusetzen. Das kann eine peinliche Atmosphäre bewirken. Die neuen Gäste wollen die Sitzenden nicht stören und werden deshalb mit diesen unter Umständen gar nicht bekannt. Das trägt nicht zum guten Gelingen einer Abendgesellschaft bei.
Wenn der Gastgeber nun die ersten Gäste in das Empfangszimmer geleitet, sagt er deshalb am besten gleich: »Hier machen wir zunächst mal, bevor wir später zum Essen ins Speisezimmer gehen, einen kleinen Begrüßungsempfang im Stehen.« Dann wissen die Gäste Bescheid.
Überhaupt rate ich dem Gastgeber, seine Rolle als Regisseur des Abends zu nutzen, den Abend klar zu strukturieren und den Gästen diese Struktur auch mitzuteilen, nämlich von acht bis neun Uhr Stehempfang zur Begrüßung im Empfangszimmer, von neun bis elf Uhr Dinner im Esszimmer, ab 23 Uhr dann der Digestif, Kaffee und gegebenenfalls, wenn es ein Raucherhaus ist, eine Cigarre oder Zigarette und auch noch Wein, entweder nunmehr im Sitzen und im Stehen wieder im Empfangszimmer oder in einem anderen Raum oder auf der Terrasse. Jedenfalls in einem Raum, in welchem höchstens die Hälfte oder noch weniger Personen der Gesellschaft bequeme Sitzplätze finden. Das fördert die Kommunikation und die Möglichkeit, Gesprächsrunden zu wechseln. Sorgt man nämlich bei diesem letzten Teil der Abendgesellschaft für Sessel für alle Personen, ergeben sich dann doch häufig halbleere Tische, die den Eindruck der Ungemütlichkeit hervorrufen.
Denn viele Gäste möchten nach der langen Mahlzeit gerne mal wieder stehen. Andere möchten den Gesprächspartner wechseln und suchen eine andere Gesprächsgruppe auf. Sitzlücken sind aber ungemütlich und für die, die danebensitzen auch ein wenig peinlich, und sie behindern auch die gesellige Unterhaltung.
Bieten Sie dagegen bei einer Tischgesellschaft von beispielsweise 24 Personen nach dem Essen im Speisezimmer nunmehr im Wohnzimmer oder in der Bibliothek überhaupt nur ein Sofa, drei Sessel und zwei Stühle, mithin nur Sitzplätze für acht Personen an und stellen Sie vielleicht noch zwei bis drei Stehtische in den Raum, so brauchen Sie sich um die lebendige Unterhaltung Ihrer Gäste keine Sorgen mehr zu machen, solange Ihre Gäste etwas zu trinken haben. Insofern hängt das Gelingen eines solchen Gästeabends sehr von der zeitlichen Struktur und der räumlichen Inszenierung einer Abendgesellschaft ab.
Gastgebern, die selber nicht rauchen, rate ich, eine Raucherstube für diesen späten Teil des Abends zur Verfügung zu stellen. Das ist dann wie früher bei guten Abendgesellschaften: Da überließen die Herren die Damen nach dem Essen für eine kurze Zeit sich selber, tauschten ihren Frack gegen eine bequeme Jacke ein – später wurde daraus der Smoking – und gingen in ein für diese gemütliche Rauchpause vorgesehenes Zimmer, optimalerweise in das Kaminzimmer. Damit die Damen nicht mit dem Rauchgeruch konfrontiert wurden, zogen sich die Herren nach dem Rauchen selbstverständlich wieder ihren Frack an.
Vielleicht kehren diese guten alten Sitten wieder zurück?!

Von Uwe Fenner

 
Highlight Media UG (haftungsbeschränkt) | Franklinstr. 14 | 10587 Berlin
Tel.: +49 (30) 886 75 585 | Fax: +49 (30) 886 75 586 | Email: info@cigarclan.de