
Die Berliner sagen, sie hätten ihren Sommer davor und danach, aber nie, wenn er eigentlich dran wäre. Dieser flapsige Spruch hat durchaus einen wahren Kern, frühe Hitzeperioden, oft schon Anfang April, und lange, ja ewige goldene Herbste flankierten die letzen Jahre schon ein durchaus durchwachsenes Mittelstück, bestehend aus den Monaten Juni, Juli und August, in denen Regen keine lange ersehnte Erfrischung, sondern ein dauerpräsentes, ungemütliches Ärgernis darstellten. Sogar die Sommergewitter schienen regelrecht uninspiriert, geschweige denn der Sonnenschein, der, wenn er mal aufblitzte, kaum wahrzunehmen war. Ein ähnlicher Sommer schien sich anzuschleichen, als der längste Tag des Jahres für ein kleines Sommerfest inklusive Outdoortasting angesetzt wurde, und mit Bangen wurden der Wetterbericht studiert und Stoßgebete gen Petrus gesandt.
Weil sich die entspannte Saison für die Genussraucher durch die Rauchverbote immer mehr von der kalten in die warme Jahreszeit verschoben hat, ist für viele Cigarrenfreunde ein weiteres Kriterium dazugekommen, wenn es um die Auswahl seiner Pretiosen geht, nämlich die Tatsache, wie diese Cigarre sich verhält, wenn sie Open Air geraucht wird. Seit dem Bestehen von Cigar Clan waren diese Verkostungen immer ein Highlight im Jahreszyklus, ob am Halfway House auf dem bayrischen Golfplatz oder im Salzuflener Salinenpark, auf Cuba oder beim Hamburger British Day. Alle diese Termine hatten cigarrophile Lebensfreude und eine Menge netter Gäste gemein, gute Getränke und feine Cigarren – und es war immer gutes Wetter!
Es gibt übrigens viele Kritiker des Draußenrauchens, die Einwände reichen von eingeschränktem Genuss – durch davongewehtem Rauch – bis zu Temperaturfühligkeiten nach unten und oben. Einige bemängeln, es sei grundsätzlich unbequemer, im Freien zu rauchen als in geschlossenen Räumen, und andere finden, es sei anstrengender wegen des Abbrandes der Cigarren. Das sei grundsätzlich natürlich jedem selbst überlassen, technisch gesehen sollte man sicher bewerten, wie extrem sich die Situation unter freiem Himmel darstellt, und sensorisch entscheidet die Wahl der Cigarre wie so oft auch hier über den gelungenen Genussmoment.
Man kann jedenfalls vermuten, dass eine leichte und schlanke dominikanische Cigarre bei Windstärke fünf auf einem kleinen Segelschiff im Atlantik ihre feinwürzige Finesse nicht ganz zur Geltung bringen kann, vorausgesetzt der Raucher könnte sich überhaupt auf die Cigarre konzentrieren. Ebenso wenig wird der Sonnenanbeter im Liegestuhl eine ligerogeschwängerte junge cubanische Cigarre genießen, bei gleißenden 35 Grad Celsius und Windstille. Die Wahl der Situation und der Cigarre ist wie so oft ausschlaggebend.
Die Beteiligung am Cigar-Clan-Sommerfest lässt immerhin auf eine steigende Zahl an Draußenrauchern schließen und wenn es einen Wettergott gibt, dann mag der nicht nur seine Schäfchenwolken, sondern ist auch ein wenig Fan des blauen Dunstes, denn trotz widriger Vorhersagen verbrachten wir einen wunderschönen, sonnigen Sonntagnachmittag am längsten Tag des Jahres. Detlev Schmidkunz, in Berliner Gastronomiekreisen als großer Cigarrenfreund bekannt, hatte eingeladen, und so wunderte es nicht, dass neben vielen der üblichen Verdächtigen auch viele bekannte Köche kamen, zum Outdoortasting im historischen Krongut Bornstedt in Potsdam.
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