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The Show must go on

Als wir uns zuletzt trafen, startete im Estrel-Festival-Center in Berlin gerade wieder einmal die Beatles-Show in eine neue Spielzeit. Eine großartige Show, natürlich mit einer ausgelassenen Feier im Anschluss. Es war der 25. Juni.

William Hall war im Publikum. Noch in der Nacht klingelte bei ihm, wie bei vielen anderen das Telefon. »Ich dachte erst, da will jemand einen Scherz mit mir machen«, erzählt er, als wir nun zusammensitzen. »Sofort habe ich BBC und CNN geschaut. Es war traurige Realität. Michael Jackson war an den Folgen seines unkontrollierten Tablettenkonsums gestorben. Und irgendwie starb auch ein Stück meines Lebens«, sagt Hall traurig.
Doch der Reihe nach.
In San Antonio Texas, dort wo die Texaner 1836 in der legendären Schlacht um die Mission Alamo unterlagen und drei Wochen später dann doch gegen Mexiko siegreich waren, wurde Hall geboren. Schon bald zog die Familie nach Los Angeles. Los Angeles: das Pflaster für Entertainer. Dieses Entertaintalent entwickelte Hall zuerst in der Schule. »Meine Freunde nannten mich The Transformer«, erinnert er sich. Kaum ein Musiker, der vor Halls Nachahmungen sicher war. So gewann er etliche Wettbewerbe. Doch er war mehr als ein Lookalike. Er ging der Mimik, den Bewegungen, der Stimme auf den Grund. Stundenlang sah er sich Videos an, übte Bewegungen, lernte Texte und vervollkommnete auch seine eigenen musikalischen Fähigkeiten. »Es muss dann so um 1984 gewesen sein, als ich auf Michael Jackson aufmerksam wurde«, sagt er. »Michael war einfach der Beste und rückblickend kann man jetzt mit Fug und Recht sagen, dass Michael die Musik veränderte. Er perfektionierte die Videokultur, ja man kann eigentlich sagen, er begründete sie erst. Und musikalisch war er mindestens so maßgebend wie vor ihm Paul McCartney, die Beatles oder auch Elvis. Dazu kommt auch, was viele sicherlich gar nicht wahrnehmen, dass Michael in seinen Texten richtig gute Geschichten erzählt. Teilweise sehr melancholisch wie zum Beispiel in Stranger in Moscow oder auch gesellschaftlich engagiert, wie in They don’t care about us oder auch Heal the World.« Michael Jackson wurde also schnell der Favorit von William Hall. Also tingelte Hall durch die Welt: Neuseeland, Spanien, Japan, USA… »Michael mochte eigentlich kein Double«, erzählt Hall. »Doch kurz vor seiner History-Tour 1985 hörte er von mir und lud mich zu seinem Konzert nach Los Angeles ein. Er erzählte mir, dass er einen Auftritt von mir gesehen hatte, und war so beeindruckt, dass er mich bestärkte, weiter zu machen«. Zu einem weiteren Treffen kam es 1989. Da waren gewissermaßen zwei Jacksons in Japan auf Tour. »Er war sehr freundlich zu mir und hatte keinerlei Allüren mir gegenüber. Er respektierte mein Talent und sagte mir das auch so«.

Als Bernhard Kurz dann vor einem Dutzend Jahren für seine Show Stars in Concert die Künstler zusammensammelte, stieß er auch auf Hall. »Es gibt viele Jackson-Doubles. Aber keinen der Tanz und Gesang, der das gesamte künstlerische Schaffen von Jackson so verkörpert wie William Hall«, sagt Kurz anerkennend. So landete Hall in Berlin, wo er seitdem lebt. »Ich mag die Stadt sehr gern«, meint Hall. Und auch hierbei ist er mit dem echten King of Pop einig. War doch der einzige Kommentar, den er 2002 bei seinem letzten Berlinbesuch einen TV-Journalisten gab: »I love Berlin.«
Dort steht Hall seit Anfang September nun wieder zusammen mit etlichen anderen Weltstars, na ja, besser gesagt deren Doubles, auf der Bühne bei den Stars in Concert. Am 25. Dezember startet die große Premiere seiner eigenen Show. Oder wiederum besser gesagt, der Show des Michael Jackson. Noch wird fleißig geprobt. »Und wir suchen auch noch Künstler«, erzählt Hall. Es solle eine Hommage an das gesamte Leben des Ausnahmekünstlers werden. »Dazu gehören die Anfänge mit den Jackson Five«. Es sei gar nicht so leicht, die richtigen Mitstreiter dafür zu finden, meint Hall. Nebenbei ist er jedoch auch zielstrebig dabei, seine eigene künstlerische Identität zu schärfen. Prince, Jackie Wilson, Justin Timberlake nennt er neben Michael Jackson als musikalische Vorbilder. Aber auch Miles Davis und Stevie Wonder. Im Januar 2010 hofft Hall, seine eigene neue CD präsentieren zu können. Den Titel hat er schon: How does it feel.
Zuvor wird Hall aber nahezu jeden Abend erst einige Stunden in der Maske verbringen, um dann auf der Bühne dem Publikum täuschend echt von Michael Jackson und seiner Musik zu erzählen. So täuschend echt, dass er bei einem Auftritt in diesem Frühjahr in der Schweiz wirklich von einigen Fans für Michael Jackson gehalten wurde. »Da lebte Jackson noch und ich dachte, ich mache das vielleicht noch ein oder zwei Jahre. Zumal ja auch wieder eine Tournee meines Vorbildes geplant war«, erinnert er sich heute und bläst ein blaues Wölkchen aus seiner Cigarre. »Das geht hin und wieder. Cigaretten wären nicht gut für die Stimme. Aber hin und wieder eine gute Braune…« Nun, nach dem Tod von Michael Jackson ist die Situation eine andere, neue. »Na klar, ich war erst einmal sehr traurig, bin es immer noch, und sogar niedergeschlagen. Es war fast zum Verrücktwerden. Doch dann habe ich mir gesagt, er ist immer noch da. Seine Musik bleibt«. Vor dem noch immer Rätsel aufgebenden Tod des Stars sei die Arbeit in der Show für ihn ein Job gewesen. »Ich bin auf die Bühne gegangen, haben meinen Part erfüllt und gut. Heute ist es fast wie eine Mission«, sagt Hall nun fast ein wenig theatralisch. Natürlich habe er nach der Todesnachricht daran gedacht, aufzuhören. »Aber ich bin Künstler, ich fühle mich ihm verbunden und wir alle kennen den Hit: The Show must go on.«
Am Hals hat Hall ein Tattoo. Jesus ist da zu lesen. »Ich spreche mit ihm vor meinen Konzerten und vielleicht schaut Michael bei einer meiner Shows nun zu. So weiß er, dass er weiterlebt. In seiner Musik. Das macht mich glücklich und vielleicht mache ich das nun noch zwei oder fünf oder zehn Jahre lang. We will see«.
Von Honza Klein
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