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Der Mann, der mit den Stars telefoniert
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Cats, Starlight Express, Phantom der Oper – die Musicals in den 80er Jahren in Deutschland. Durch sie kam es zu einer regelrechten Musicalwelle. Klar denken viele dabei an Andrew Lloyd Webber. Doch in Deutschland gehört zum Erfolg all dieser Produktionen auch der Name Bernhard Kurz.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Flughafenabflughalle sitzt ein Mann neben Ihnen und telefoniert mit einem seiner Mitarbeiter: »Ja dann versuch doch mal Michael Jackson oder Tina Turner anzurufen. Die müssten eigentlich da sein. Und wenn das nicht geht, dann versuch es mit Elton John, Joe Cocker oder Madonna. Elvis Presley wäre auch eine Möglichkeit.« Ganz ehrlich. Im besten Fall halten Sie den Mann für einen Wichtigtuer. »Genau so eine Situation gab es mal«, erzählt mir Bernhard Kurz, als wir uns im Clubhaus des Golfclubs Seddiner See treffen. »Ich habe erst gar nicht begriffen, warum die Menschen um mich herum so konsterniert und teilweise mitleidig geschaut haben. Dann musste ich schon lachen. Aber ich telefoniere nun mal häufig mit den Künstlern.«
Aufklärung tut Not. Natürlich telefonieren Kurz oder seine Mitarbeiter nicht wirklich mit den genannten Starts. Obwohl man es bei den meisten durchaus denken könnte, wenn man sie sieht und vor allem hört. Seit nun zwölf Jahren ist Kurz einer der erfolgreichsten Tribute Show Produzenten der Welt. Für seine Show Stars in Concert bekam er in Las Vegas unzählige Male den Artist Choice Award, den Reel Award sowie die Auszeichnung Lifetime Achievement Award verliehen. Und seit einem Jahr ist Bernhard Kurz Präsident der ebenfalls in Las Vegas ansässigen International Association of Talents and Producers. Dabei begann der Lebensweg des gebürtigen Schwaben ganz anders. Sportplatz statt Bühne.
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»Mein Vater war Chef in einem Sportverein, so war auch ich immer mit dem Sport verbunden«, erinnert sich Kurz. Außerdem habe sein Bruder Friedrich bei den Stuttgarter Kickers gespielt. »Das durfte ich aber nicht«, lacht Kurz. »Mein Vater war der Meinung, dass Fußball dumm macht, weil Friedrich ständig sitzen geblieben ist.« So war es eben Handball und später kam das Sportstudium in Köln. Kurz betreute im Anschluss Tennisprofis, war Bundestrainer im Bobsport, Leichtathletik-Cheftrainer des VfB Stuttgart, Handballtrainer des Wüstenstaates Kuwait. Bis eines Tages sein Bruder Friedrich anrief. Dieser war durch den Fußball wohl doch nicht ganz verdorben worden und hatte beim Studium Andrew Lloyd Webber kennengelernt. »Nun wollte er Cats in Deutschland auf die Bühne bringen und benötigte Hilfe«, erzählt Kurz. »Künstler haben viel gemeinsam mit Sportlern. Irgendwie sind es alles Verrückte«, schmunzelt Kurz. »Und ich war immer der bessere Trainer als Sportler und so wurde ich eben ein ganz guter Produzent, was ja auch irgendwie ein Trainer ist.« Das ist mehr als 20 Jahre her.
Als Eckart Streletzki Mitte der 90er in Berlin sein Hotel Estrel mit dazugehörigem Festivalcenter eröffnete, suchte er nach einem Partner. »Bernhard Kurz war ein Glücksgriff«, sagt Streletzki noch heute. »Wir haben eine sehr gute Partnerschaft.« Stars in Concert startete und wurde in den vergangenen zwölf Jahren zu einer der erfolgreichsten Showproduktionen Deutschlands. Mehr als 4 500 Vorstellungen mit 3,4 Millionen Zuschauern. Übrigens – Berlins Regierender, Klaus Wowereit, war noch kein einziges Mal zu Gast. Lieber geht er in den hoch subventionierten und eher dahindümpelnden Friedrichstadtpalast. Doch das nur am Rande.
Mit seinen Stars tourte Kurz übrigens auch schon quer durch Deutschland, Las Vegas, Hawaii und jüngst in Florida. Nun arbeitet er mit Hochdruck an der Michael Jackson Show. Auf mögliche Konkurrenz angesprochen: »Ich habe keine Angst, dass andere uns das Wasser abgraben. William Hall ist einfach der Beste.« Natürlich werde die Begeisterung für den unlängst verstorbenen Künstler abnehmen. Doch für Kurz hat Jackson das gleiche Potential wie beispielsweise Elvis Presley. Eine fast makabere Gemeinsamkeit sei auch, dass Elvis, ebenso wie Michael, kurz vor einer geplanten Tournee starb. Und auch bei ihm waren Tabletten im Spiel. »Michael hat auf alle Fälle die Musikgeschichte verändert. Er hat die Musik von Elvis und von Motown weiterentwickelt. Das wird bleiben.«
Geblieben ist bei Kurz auch die Leidenschaft für den Sport. Er wohnt direkt an einem Golfplatz. »Hier kann ich sehr gut entspannen, und spiele manchmal ganz allein eine Runde und bekomme so den Kopf frei.« Inzwischen ist er Präsident seines Golfclubs und manchmal sitzt er auf der Terrasse und genießt eine gute Cigarre…

Von Isabella Chapman

 
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