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Acht Jahrzehnte Tabaktradition
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Es waren die späten 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Goldenen Zwanziger. Auch in New York. Alles schien möglich, Wachstum nicht eine Frage des Ob, sondern vielmehr des Wie. So wuchsen in Manhattan die Wolkenkratzer in die Höhe. Auch der Bauunternehmer Abe Gurvertz wollte den Boom nutzen und mit dem 1400 Broadway eines der höchsten Gebäude am Hudson errichten. Doch ach. Der Schwarze Freitag ließ die Geldmittel an der 39. Etage schwinden. Glücklicherweise hatte Gurvertz einen Freund: Nat Sherman. Obwohl dieser eigentlich keine Lust auf Immobiliengeschäfte hatte, investierte er und sicherte sich im Gegenzug ein Geschäft in der Lobby. Kurz zuvor hatte Sherman, der eine Leidenschaft für Cigarren hegte, die Mehrheit an der kleinen New Yorker Manufaktur Schwab Brother and Bear erworben. Dort wurde unter anderem die Epoca in Handarbeit gefertigt. Doch was nützt die beste Marke ohne einen guten Vertrieb?! Außer seiner Liebe zu Cigarren besaß Nat ein Talent für Show. So wurde aus dem 1400 Broadway – wo sonst, wenn nicht am Broadway – seine Bühne. Schnell war das Geschäft die Nummer Eins. Aber sollte es das schon gewesen sein? Nat sah, dass die Kunden mehr wollten. Sie verbanden mit seinem Geschäft Prestige und Qualität. Bei ihm bekamen sie die beste Ware in exklusivem Ambiente. So kreierte er in einer Zeit, als dies noch völlig unbekannt war, als Händler seine eigene Cigarrenmarke.
Jahre später sang Peter Frampton: »Champagne for breakfast, Nat Sherman in my hand«. Kojak alias Telly Savalas rauchte, wenn er nicht gerade am Lolli hing, Net Shermans Non-Filter Cigaretellos und auch Denver-Clan-Biest Joan Collins ließ Shermans Cigarillos glimmen. Dies sind nur einige Beispiele für Shermans Erfolg. Doch zurück zur Geschichte.
Der Händler Sherman hatte nun seine eigene Marke etabliert. Damals schlug das Herz der Tabakwelt in Ybor City, einem am Hafen von Tampa gelegenen Viertel. Wer dort heute entlang flaniert, kann hier und da noch die einstige Geschäftigkeit erahnen: das Anlanden der mit Tabak beladenen Schiffe, das Ausladen der Cigarren oder die von Straßenkreuzern und Männern in Nadelstreifenanzügen bevölkerten Straßen, die in den Bars den Duft von Whisky und Cigarren aufsogen. An manchen Ecken findet man dies noch genau so, wie Sherman es in den 40er Jahren erlebt hat. Hier lernte er auch Ramon Cinfuentes kennen, den Eigentümer von Partagás, den er in den Folgejahren oft auf Cuba besuchte. Durch diese Freundschaft wurde Sherman zu einem der drei Havanna-Importeure östlich des Mississippi und die Bolivar seine Hausmarke. Das zog sogar Kunden aus den Gegenden westlich des Mississippi an. Etwa John Wayne und Humphrey Bogart. Klar war es eine Ehre für Sherman, sie als Kunden zu haben. Doch vor allem brachte es ihn auf eine Idee. Wenn die Kunden von so weit kommen, muss doch etwas getan werden, sie kontinuierlich beliefern zu können. Das Versandgeschäft war geboren.
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Zeitsprung
So wie Sherman in einer Krisenzeit begonnen hatte, kam es dann am Anfang der 60er Jahre wiederum zur Krise und –
Sherman wäre nicht Sherman – auch wieder zu einer Chance. Das Cuba-Embargo schnitt den US-Markt von den echten Havannas ab. So wurde eine neue eigene Linie kreiert, die jedoch extrem anders war als Cuba. Extra Mild war eines der Stichwörter und ein Erfolg. Fast schien es, als könne Sherman nichts daneben gehen. Als er jedoch Mitte der 70er seinen Firmensitz vom Broadway zur Fifth Avenue verlegte, hielten ihn viele für verrückt. Wie sollte das gehen? Ein Cigarrengeschäft neben den teuersten und luxuriösesten Boutiquen? Für Nat war es indes keine Frage, ob es geht oder nicht.
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Er wollte sich gegenüber anderen Händlern abheben und mehr Luxus in sein Geschäft bringen. Und es funktionierte. Sogar bis über seinen Tod 1990 hinaus. Und zwar so gut, dass sein Sohn Joel Sherman, der die Firma übernommen hatte, in der Hochzeit der Cigarre in den 90er Jahren den Verkauf einiger seiner Cigarren limitieren musste. »Wir wollten lieber weniger, aber dafür nur beste Qualität verkaufen«, erinnert er sich. Denn Joel hatte eine besondere Passion für die Herstellung und die Qualität handgemachter Cigarren. Für ihn ist das wichtigste Attribut gut gerollter Tabakblätter Weichheit. Man könnte auch sagen leicht und soft müssen sie sein. Besonders wichtig ist für den Mann, der die Tradition nun weiterführt, die persönliche Erfahrung bei der Herstellung, aber auch beim Genuss des braunen Goldes. Genuss, der im kommenden Jahr sicherlich mit der manchen Feier verbunden sein wird. 80 Jahre Nat Sherman in New York. Wie es weitergeht? »Ich habe keine Glaskugel. Aber ich bin sicher, die Menschen werden bei uns immer etwas im Zeitgeschmack finden«, ist sich Joel Sherman sicher. Fortsetzung folgt…
Happy Birthday!

Von Honza Klein

 
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