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DEGUSTATIONEN

 



Die Montecristo Open wurde im Februar 2009 beim XI. Festival del Habano auf Cuba vorgestellt und ist laut Aussage der cubanischen Produzenten und des deutschen Generalimporteurs das sanfte Pendant zur recht erdig-maskulinen und kräftigen ursprünglichen Montecristo. Sozusagen eine ähnliche, nur umgekehrte Herangehensweise wie bei der Entwicklung der Cohiba Maduro 5. Die einen wurden immer dunkler und voller, die anderen schlägt´s jetzt auf die sportlich-legere Seite. Ein Markenauftritt wie bei den French Open. Der endgültige Schritt in die Liga der Leichtraucher oder – wer Böses denkt – der erste Schritt in die Richtung des US-amerikanischen Markts?
Und wäre das eigentlich Böse gedacht? Die Cigarre, die die Welt nicht braucht, oder ein Quantensprung in der Markenpolitik der Cubaner?
Fragen über Fragen, und dann kam die Post.
Was tut man, wenn man in einem Paket unaufgefordert eine gute Handvoll Cigarren bekommt, die es eigentlich noch gar nicht gibt?
Ich habe schon viel von der Cigarre gehört, der eine oder andere hat sie auf der anderen Seite des großen Teichs schon geraucht, natürlich auch seine Meinung dazu abgegeben, und nun liegt eine halbe Kiste vor mir, mit der freundlichen Bitte versehen, zu verkosten und zu berichten.
Exklusiv in Cigar Clan als Erster. Frei Haus obendrein.
Erst mal eine rauchen? Halt! Abgezählte Exemplare, keine weiteren sind erhältlich... Also ist erst mal Sparsamkeit angesagt. Und wer sagt eigentlich, dass ich selbst verkosten soll? Viel spannender waren doch immer die Tastings, in denen ein sensorisch kompetentes Team an die Arbeit musste, wie damals auf Cuba (Ausgabe 3/2007) oder die Internettastings (Ausgaben 6/2007, 2/2009 und 3/2009). Also an die Arbeit, Konzept überlegen, kompetente Verkoster suchen, eine schicke Location finden. Der Zeitplan steht, in zehn Tagen ist Deadline. Verlagsarbeit hat auch seine trockenen Seiten.
Ein objektives Tasting lebt von der Situation und den Verkostern. Je besser die Verkoster sind, umso mehr kann man ihnen abverlangen. Ich erinnere mich an meine ersten Veranstaltungen in Berlin, immer waren Sommeliers, Barkeeper und Köche dabei. Das ist mit den Nichtraucherschutzgesetzen ein wenig eingeschlafen, die Gastronomen haben sich auf ihr Kerngeschäft zurückgezogen.
Eine Blindverkostung mit gleichwertigen Produkten, wie es in der Weinwelt üblich ist, ist die schwerste Prüfung für die Verkoster und die Verkosteten. Und genau das soll es mal wieder sein. Der Gastro-König vom Gendarmenmarkt, Josef Laggner, stellt seine Cigarrenlounge in der Newton Bar zur Verfügung und seine rechte Hand Josh Friedrich und er lassen es sich nicht nehmen, selbst dabei zu sein. Die Gästeliste liest sich schnell wie das »Who’s who« der Berliner Gastro- und Weinszene, und um die Tabakkompetenz nicht auszuklammern, bitte ich zwei der bekanntesten Händler dazu, einer hat die neue Cigarre sogar schon geraucht. Als Reminiszenz an die alten Tage kostet das Tasting Eintritt, natürlich kein Geld, sondern eine Flasche eines besonders guten Getränks, das kam aus der Zeit, bevor die großen Produzenten Cigar Clan als Plattform entdeckt hatten, und macht heute noch besonders viel Spaß, weil eben auch die Schmankerl kleiner und unbekannter Winzer und Destillateure auf den Tisch kommen und die Verkoster den persönlichen Vorlieben frönen können. Die Teilnehmer der Blindverkostung wurden in drei Gruppen aufgeteilt, gemischt nach Berufen, sensorischen Ausrichtungen und Herangehensweisen. Neben der Master, dem Robustoformat der Montecristo Open, wurden noch zwei andere Cigarren verkostet. Andere Marken und Provenienzen, dementsprechend andere Tabakmischungen, allerdings mit einem ähnlichen Geschmacksbild und aus derselben Preisklasse ausgewählt. Nach langem Hin und Her hatte sich die Redaktion für die dominikanische Davidoff 6000 und die nicaraguanische Dannemann Artist Line Robusto Jalapa entschieden. Die Cigarren wurden von ihren Cigarrenringen befreit und blind serviert. Die Verkoster wussten also um die Vorstellung der neuen Cigarrenmarke und das ungefähre Geschmacksbild, aber nicht, welche Gruppe welche Cigarre rauchte.
Während der Verkostung wurden die mitgebrachten Weine und Spirituosen serviert. Feinherbe und restsüße Rieslinge, klassische und modern ausgebaute trockene Rotweine, restsüße und aufgespritete Rotweine sowie klare und fassgereifte Spirituosen, Cognac und Whiskey. Die durchweg gute Stimmung konnte über eine gewisse Grundratlosigkeit nicht hinwegtäuschen, keiner der Verkoster konnte sich dazu durchringen, daran zu glauben, die cubanische Cigarre zu rauchen, nach Beendigung des Tastings waren sich alle drei Verkostergruppen sicher, NICHT die neue Cigarre der Marke Montecristo Open geraucht zu haben. Nachdem die drei Cigarren vorgestellt und präsentiert worden waren, war allerdings ein Urteil klar, die Verkos­ter der Montecristo Open Master hatten die meisten Getränke als passend eingestuft, vor allem die sonst schwer zu kombinierenden Rotweine, aber auch die ernsthaften Spirituosen harmonierten ausgezeichnet. Die süßen und knackigen Weißweine balancierten schön mit den wenigen erdigen und würzigen Tönen. Grundtenor der Verkoster war, die Sanftheit und die verhaltene aromatische Präsenz seien nicht cubatypisch gewesen, obwohl die Cigarre durchweg als gut und schmackhaft beschrieben wurde. Ein neuer cubanischer Geschmack? Der eingefleischte Raucher cubanischer Pretiosen wird die Montecristo Open je nach Format relativ früh am Tag genießen oder bei seinen Stammmarken bleiben. Bei über 30 Marken, die vorweg kräftig und vollmundig einzustufen sind, kann es allerdings nur sinnvoll sein, die wenigen leichten Marken wie Quai D´Orsay oder La Gloria Cubana durch eine weltweit bekannte Marke zu ergänzen, die nun auch eine Linie hat, die Einsteigern die Chance gibt, sich an den cubanischen Geschmack zu gewöhnen oder Connaisseuren gefallen wird, die besonders viel Wert auf begleitende Getränke und passende Situationen legen.
Die weltweit erste vergleichende Blindverkos­tung der neuen cubanischen Cigarrenmarke von einer ausgewählten Gruppe der besten Sensoriker, die Berlin zu bieten hat, war ein weiteres Highlight in der Cigar-Clan-Tastinggeschichte. Die Redaktion möchte sich bei allen Beteiligten und vor allem den Gastgebern bedanken, die ihre Lounge an einem der schönsten Plätze Europas zur Verfügung gestellt hatten, die
N-Lounge, Cigarrenlounge der bekannten Newton Bar.


Davidoff 6000
Dominikanische Republik

Dannemann Artist Line Robusto Jalapa
Nicaragua

Montecristo Open Master
Cuba


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