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Obstbrände vom Schliersee oder Neues von feinen Früchten und edlen Hölzern
LANTENHAMMER WILDKIRSCH EDELBRAND
Die wilden Kirschen für diesen Aufsehen erregenden Brand werden im Großgebiet Odenwald, nördliches Frankenland von Sammlern geerntet. Die Wildkirsche besticht durch ihr intensives Aroma, hat jedoch nur wenig Fruchtfleisch und einen relativ großen Stein.
Klar und rein im Glas duftet der Brand harmonisch fruchtig mit der typischen Marzipannote des kleinen Steinobstes. Am Gaumen ist der Brand sehr präsent, lebendig, aber weich genug, um zu überzeugen, ein warmer, öliger Nachhall rundet das Erlebnis ab. Der Brand ist kräftig und zugleich ausgewogen, ein Klassiker für Freunde des ehrlichen, sortenreinen hoch qualitativen Obstbrandes.
LANTENHAMMER MIRABELLE EDELBRAND

Die hier verwendete kleine gelbe Pflaume wird im lothringischen Raum bei Nancy und Metz in kleineren Familienbetrieben angebaut und geerntet.
Ein kleiner Teil kommt auch aus Franken in der Gegend um Randersacker.
Um die Aromen zu konzentrieren, wird der Brand dreifach destilliert.
Klar im Glas und vollfruchtig, intensiv, sehr typisch nach Mirabellen duftend. Geschmacklich sehr breit am Gaumen, saftig und satt, eher im Mundraum präsent als im Nachhall, der zwar wärmend und lang, aber nicht so intensiv wie bei der Wildkirsche ist. Großes Steinobst von der hellfruchtigen Seite, eine wunderbare sonnige, reinsortige Erfahrung.
LANTENHAMMER WILLIAMSBIRNE EDELBRAND

Die Williamsbirnen für diesen Brand wachsen im Großraum Südtirol, Bozener Becken, sowie im Vintschgau bei Schlanders in Höhenlagen. Das zweite bedeutende Gebiet ist Franken in der Gegend bei Volkach. Die Bestände kommen überwiegend von älteren Bäumen, die per Hand geerntet und gepflegt werden. In alter Tradition wird dieser Brand nach der Destillation nicht gefiltert, was eine Trübung bei unter 20 Grad Celsius oder bei Zugabe von Wasser zur Folge hat. In der Nase vollfruchtig und erkennbar saftig-birnig, am Gaumen voll – fast überreif und wild aromatisch. Der Brand füllt den ganzen Mundraum aus und hallt sehr lange nach. Ein überbordender Gesamteindruck eines sehr guten Brandes.
LANTENHAMMER SCHLEHE & VOGELBEERE AUS DEM AKAZIEN- UND
MAULBEERBAUMFASS

Die Schlehen und Vogelbeeren, die in den Lantenhammerbränden landen, kommen vorwiegend aus Böhmen und Mähren, wild gesammelt und aus Aufzuchten. Diese Cuvée ist doppelt interessant, zum einen fasziniert die Assemblage aus den beiden sehr kleinen Früchten, der sehr subtile Holzeinsatz bringt dazu noch eine weitere besondere Note. Die Flüssigkeit strahlt bronzefarben, an hellen Bernstein erinnernd im Glas, der Duft ist sehr lebendig und verändert sich andauernd, gleich nach dem Eingießen eher süßholzig, marzipanig präsentiert er sich, nach ein bis zwei Stunden schokoladig und sehr breit. Am Gaumen sehr präsent, der Brand polarisiert, dunkle Beerenaromen, aber auch Kräuter und Gewürze verbinden fruchtige und holzige Noten. Gerade nachdem der Brand länger geatmet hat, ein immenser, ewiger Nachhall. Diese Cuvée ist für fortgeschrittene Brandliebhaber eine besondere Spezialität, Einsteiger könnten ihre Probleme damit haben.
LANTENHAMMER WILLIAMS AUS DEM AKAZIEN- UND KASTANIENFASS
Auch die zweite Variante der Williamsbirne in dieser Verkostung ist außergewöhnlich, hier durch die Fasslagerung.
Hellorange, honigstrahlende Farbe im Glas, auch hier eine eindeutige, sehr präsente Birnenfrucht in der Nase, gepaart mit dem weichen Holzton und mit nussigem Touch. Am Gaumen ist dieser Brand sehr breit, eingängig und süßlich, die etwas erhöhten Volumenprozente sind gut abgefedert. Die sortenreine Birnenfrucht bleibt erkennbar, während der Holzausbau den schönen runden Rahmen und die Tiefe gibt.
Der Nachhall ist ewig, geht unter die Haut und betört.
Dieser sehr wertvolle Birnenbrand ist für Kenner und Einsteiger ein Highlight.
HOYO DE MONTERREY
EPICURE ESPECIAL
Cuba

Format: Gordito
L 141 mm Ø19.8 mm
Rg 50
Deckblatt: Cuba
Umblatt: Cuba
Einlage: Cuba
Stärke: 2
Aroma: 3
Rauchdauer: ca. ¾ Std.
D: € 11,00
CH: sfr 14,40
Die Epicures Especiales kamen aus Alutuben in 3er Packungen, daher liegen keine Boxingdates vor. Diese Cigarre, die erst seit ein paar Jahren auf dem Markt ist, kann ohnehin nicht besonders gereift gewesen sein, obwohl sie sich sicher in ein paar Jahren noch schöner präsentieren dürfte. Ein Grund, sich doch mal eine Kiste auf die Seite zu legen...
Das Deckblatt ist etwas rau, hat leichte Rippen und ist cremig, sandig, coloradofarben. Die Cigarre im Gordito-Format ist sehr gut verarbeitet, erscheint fast leicht in der Hand. Das Aroma ist Hoyo-untypisch stallig, während der kalte Zug eher nach Zedernholz und Leder schmeckt.
Angezündet macht sich Bekanntes breit: eine verhaltene Raumnote und leicht pfeffriges, heuiges, schnell präsentes, aber nicht überwältigendes Cuba am Gaumen, der Nachhall cremig und lang. Der Zug ist perfekt, dementsprechend sind auch Abbrand und Kegel sehr schön, wobei die Asche schnell fällt. Stahlgrau und sandig fällt sie auseinander, als sie im Aschenbecher landet.
Das erste Drittel ist von einer schönen, aber sehr leichten Hoyo-de-Monterrey-Typizität geprägt, die vor allem Cigarren großen Ringmaßes dieser Marke eigen ist. Heu, grüner Tee und ein wenig trocken im Mundraum – da hilft der Obstbrand.
Im zweiten Drittel wird der Rauch früh intensiver, nussig und fast vollmundig spielt sie sich frei und wird dadurch auch interessanter. Nach der Hälfte des Rauchverlaufs kommt der Übergang ins finale Drittel, in dem die Cigarre noch einmal einen Quantensprung vollzieht und sich recht lange hinter die beiden Cigarrenringe rauchen lässt, mit viel Vergnügen. Da kommen auch intensive, erdige Moment ins Spiel. Der gesamte Rauchverlauf, vor allem aber der milde Start macht die Epicur Especial zu einer guten Cigarre für (klare) Obstbrände.
MONTECRISTO OPEN
REGATTA
Cuba (Juni 2009)

Format: Forum
L 135 mm Ø18.3 mm
Rg 46
Deckblatt: Cuba
Umblatt: Cuba
Einlage: Cuba
Stärke: 1
Aroma: 3
Rauchdauer: ca. 1 Std.
D: € 7,90
CH: sfr 10,80
Mit dieser Cigarre hat Cigar Clan alle Montecristo-Open-Cigarren verkostet, die es zu kaufen und zu rauchen gibt. Vor allem die sensorische Kombinationsfreudigkeit der neuen Cubanerin mit Lifestyle-Attitüde hat die unter Anhängern eher leichter cubanischer Pretiosen sehr schnell beliebte Cigarre auch die anfangs eher skeptischen Aficinados überzeugt, die sonst eher etwas kräftiger rauchen.
Die kleine Regatta liegt formschön und einwandfrei verarbeitet, mit kastanienbraunem Deckblatt in der Hand, fast ölig geschmeidig, und duftet nach reinem cubanischen Tabak. Der kalte Zug ist leicht süßlich und sehr ansprechend. Angezündet braucht die Regatta keine Anlaufzeit, sie ist nicht die Kräftigste, aber steigt vollaromatisch und ohne Staubigkeit ins Geschehen ein.
Der Zug ist sehr gut, mit Widerstand, die Cigarre brennt kreisrund ab, kaum Wellenbildung. Die Asche ist weiß mit grauen Wellen, schön spiegelt der Kegel leicht verkleinert das Abbild der Cigarre wider. Wenn die Asche spät fällt, kann man sich von einer kräftigen, leicht körnigen Konsistenz überzeugen.
Das erste Drittel ist ein hoher Einstieg in einen Rauchverlauf, der von Stringenz geprägt ist, wieder ein Beweis für die Offenheit dieser Marke für Begleitendes.
Ein sattes Geschmacksbild von vielen ausgewogenen cubatypischen Aromen.
Im weiteren Rauchverkauf kaum Veränderungen und keine sensorischen Ausbrüche, die technische Perfektion der kleinen Cigarre garantiert einen ausgewogenen Rauchverlauf, die ausgewählten Tabake das runde Geschmacksbild. Erst tief im dritten Drittel kommt Unruhe auf, die man eine Zeit lang mit Wasser oder Williamsbrand in Schach halten kann, danach wird die Cigarre scharf und verabschiedet sich.
SAN CRISTÓBAL DE LA HABANA
MERCADERES
Cuba (Januar 2006)

Format: Almuerzo
L 167 mm Ø19.1 mm
Rg 48
Deckblatt: Cuba
Umblatt: Cuba
Einlage: Cuba
Stärke: 2
Aroma: 3
Rauchdauer: ca. ¾ Std.
D: € 14,50
CH: sfr 20,00
Endlich Casa-Ware in der Verkostung. Die nicht unumstrittene Politik der Cubaner, einige wenige Cigarren nur an die Casa del Habanos auszuliefern, schadet natürlich den Genießern, die keine dieser Cigarrentempel in der direkten Umgebung haben, trotzdem funktioniert die Vorgehensweise, denn man freut sich immer umso mehr, wenn man eine Kiste vor die Nase bekommt.
Gerade die einzelnen Formate der Marke San Cristóbal de la Habana, die ohnehin nicht in allen Humidoren zu finden sind, sind unter den Aficionados beliebt, die schon früh am Tag oder sowieso nicht zu kräftig rauchen. Insofern ist die Mercaderes die dritte Cigarre, die nicht unbedingt als stark einzustufen ist. Die einzelnen Brände haben es den Verkostern gedankt.
Das imposante Format hat ein hellbraunes Deckblatt mit sehr gleichmäßiger, feiner Textur. Die Verarbeitung scheint einwandfrei, die Cigarre riecht leicht nach Stall und viel mehr nach Heu und Gras. Der kalte Zug der fast vier Jahre alten Cigarre ist tabaklastig, kaum grün.
Angezündet fällt leichter Raumduft auf, am Gaumen dezent würzig, leicht erdig, ledrig und holzig. Dieser Geschmack bleibt mittellang bestehen.
Der Zug ist gut bis sehr gut, Abbrand und Kegel sehr gerade und stabil. Die Asche bleibt lange auf der Glut bestehen und fällt weich, sehr fein und puderig.
Wer die Asche probiert, stellt deutliche Salzigkeit fest.
Über den Rauchverlauf einer mittelkräftigen, großformatigen Cigarre hinaus überzeugt die Mercaderes durch gleichmäßige Aromenbildung, nach der Hälfte deutliche Steigerung, aber keine direkte Veränderung. Sehr schönes Finale mit viel Eindruck. Das Format heißt Almuerzo, also Mittagessen. Sehr passend!
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